Reines Blut

Alica H · Kapitel 3 von 6

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Reines Blut

Kapitel 3

Augenblicklich war Damien verschwunden. Ich atmete schwer. Was zur Hölle sollte das gerade eben? Ich schaute suchend im Zimmer nach ihm, doch er war nicht da. Er war einfach verschwunden. Von einer Sekunde auf die Andere. Wie war das möglich? Hieß das er hatte wirklich die Wahrheit gesagt? Ich setzte mich auf und versuchte meine Atmung unter Kontrolle zu bringen. Nach einigen Minuten gelang es mir und ich beruhigte mich weitestgehend. Plötzlich knurrte mein Magen. Ich war so angespannt, dass ich vor Schreck fast aus dem Bett gefallen war. Wie lange war ich bewusstlos gewesen. Suchend schaute ich mich im Zimmer um bis ich einen Wecker auf der Kommode entdeckte. Es war fast zehn Uhr abends. Ich hatte den ganzen Tag geschlafen! Was wohl mein Vater dachte, wo ich war. Vermutlich hatte er noch nicht einmal bemerkt, dass ich nicht nach Hause gekommen war. Ich seufzte und ging zur Tür. Ich versuchte sie zu öffnen, doch sie war wieder verschlossen. Also klopfte ich und schrie: „Hey, Damien! Ich brauche was zu Essen. Bitte.“ Als nach einigen Minuten immer noch keine Antwort kam versuchte ich es noch einmal. „Hallo Damien! Hörst du mich? Ich habe Hunger und noch andere menschliche Bedürfnisse!“ Konnte er sich den nicht denken, dass ich auch mal was essen musste? Ich wollte mich gegen die Tür lehnen, als sie auch schon auf schwang. In letzter Sekunde verhinderte ich eine Begegnung mit dem Boden und stolperte aus dem Zimmer. Als ich aufblickte, sah ich wie Damien sich ein Grinsen verkniff. „Du hättest mich auch vor warnen können, dass du die Tür auf machst“, sagte ich anklagend und starrte ihn finster an. „Es tut mir leid.“ Mit einem Mal hatte er wieder einen ernsten Gesichtsausdruck. Hörte ich da Reue aus seiner Stimme? Damien blickte mich an als wartete er auf etwas. „Meinst du das du ohne Vorwarnung die Tür geöffnet hast oder dass du mich vorhin zu Tode erschreckt hast?“, fragte ich immer noch gereizt. „Und wie bist du überhaupt so schnell verschwunden?“, fügte ich hinzu. Sein intensiver Blick durchbohrte mich. Ohne ein weiteres Wort drehte er sich um und ging den Flur entlang. „Hey, Damien.“ Ich beeilte mich ihm zu folgen. Als ich ihn dann endlich eingeholt hatte, blieb so plötzlich stehen, dass ich prompt gegen ihn lief. „Hier ist das Bad“, sagte er, als wäre nichts geschehen. Seine Mine war undurchdringlich. Es ist, als hatte er sich von der Außenwelt abgeschnitten. „Ich würde vorschlagen, dass du jetzt deinen Bedürfnissen nachgehst, nachdem du so lautstark darum gebeten hast“, sagte er wieder in denselben emotionslosen Ton. Erst jetzt fiel mir auf, dass ich ihn anstarrte und mir schoss die Röte ins Gesicht. Beschämt löste ich meinen Blick und wandte mich der Tür zu meiner Rechten zu. Es war ein sehr luxuriöses Bad, welches in schwarz und weiß gehalten wurde und eine große und tiefe Badewanne enthielt, die in einer Erhöhung eingebaut war. Es schien als würde es kaum jemand benutzen. Ich erleichterte mich und wusch mir die Hände. Als ich in den Spiegel blickte, erschrak ich. Ich sah grauenhaft aus. Tiefe Augenringe zeichneten sich unter meinen Augen ab und mein Haar war hoffnungslos verknotet. Ebenso war meine Schminke verlaufen, was mir das Aussehen eines grusligen und traurigen Clowns gab. Kurzerhand beschloss ich zu Duschen, da ich vermutlich auch stank. Schnell fand ich ein Handtuch in eines der Schränke und ging in die große Dusche. Das warme Wasser floss mir angenehm über den Körper. Fast sofort entspannte ich mich. Ich hätte Stunden nur da stehen können und das angenehm warme Wasser auf mich prasseln lassen. Doch dann fiel mir auf einmal Damien ein. Ich war mir immer noch nicht sicher, ob er vorhin wirklich die Wahrheit gesagt hatte. Ein Vampir? Konnte das sein? Viele Indizien sprachen dafür, aber ich konnte es irgendwie nicht glauben. Ein lautes Klopfen riss mich aus meinen Überlegungen. „Aria, ich habe dir etwas zum Essen besorgt. Komm raus, bevor es kalt wird.“, Damiens Worte waren bestimmend. Also ging ich aus der Dusche raus und betrachtete mich im Spiegel. Die unzähligen Blutergüsse waren immer noch deutlich zu sehen. Mein Körper sah aus wie ein Gemälde aus blauen, lila, braunen, gelben und grünen Flecken. Schnell wand ich mich ab und suchte nach meinen Klamotten, die ich vorher achtlos in die Ecke geworfen hatte. Es widerstrebte mir, die durchgeschwitzte Kleidung wieder anzuziehen, doch mir bleib ja nichts anderes übrig. Doch als ich in die Ecke schaute, waren meine Sachen verschwunden und an ihrer Stelle lagen eine ordentlich zusammengefaltete Jeans und eine schwarze Bluse. Plötzlich wurde mir klar, wer die Kleidung dort hingelegt haben musste. Damien. Wann war er rein gekommen? Ich hatte ihn gar nicht gehört. Zum Glück ist die Dusche aus undurchsichtigem Glas hergestellt, somit er mich unmöglich nackt gesehen haben konnte. Das hoffte ich es zumindest. Bei dem Gedanken an Damien, der mich betrachtet, wurde ich rot. Ich schüttelte meinen Kopf um diesen Gedanken loszuwerden. Nachdem ich mich abgetrocknet hatte, zog ich mich an und zu meiner Überraschung passte mir alles perfekt. Die Bluse schmiegte sich an meinen Körper und betonte meine Kurven. „Aria, bist du fertig?“, klopfte es wieder von draußen. Anstatt zu antworten ging ich zur Tür und öffnete sie.