Reines Blut
Kapitel 5
Damiens Augen glühten, als er den Tisch umrundete, ohne den Blick von mir zu wenden. Unweigerlich zuckte ich zusammen. Was hatte er jetzt vor? Er grinste und streckte mir seine Hand aus als er an mich ran trat. Statt seine Hand zu ergreifen, wich ich zurück. Wobei ich über dich Kante des Stuhls rutschte und auf den Boden plumpste. Wie peinlich! Ich spürte wie mir die Röte ins Gesicht schoss. Noch bevor ich aufstehen konnte, waren Hände wie aus dem Nichts erschienen und hatten mich aufgehoben. Das passierte so schnell, dass ich binnen eines Sekundenbruchteils wieder auf den Füßen stand. Wow, das war schnell. „Siehst du, ich bin sehr schnell“. Damien grinste süffisant. „Das beweist noch lange nichts“, konterte ich. „Da wäre ich mir nicht so sicher“, mit diesen Worten hob Damien mich auf seine Arme. Es war ihm nicht anzumerken, dass mein Gewicht ihm etwas ausmachte. „Halte dich fest“, fügte er noch hinzu. Damien presste mich so fest an seine Brust, dass ich mich kaum bewegen konnte. Aber aus irgendeinem Grund genoss ich es in seiner Nähe zu sein. Was war bloß los mit mir? Wieso stand ich auf diese harte muskulöse Brust und sein kantiges Kinn, auf dem sich ein Dreitagebart abzeichnete, was unglaublich sexy war. Dann waren da noch diese perfekte Nase und seine unglaublich schönen grünen Augen. „Gefällt dir was du siehst?“, spottete Damien. Augenblicklich wurde ich noch roter als ich schon war. „Es gibt besseres“, gab ich zurück und zuckte die Achseln. Damien zog seine rechte Augenbraue hoch und blickte mich skeptisch an. „Ach, wirklich? Du vergisst, dass ich deine Gedanken lesen kann, wenn du erregt bist. Schon vergessen?“, sagte er und tippte mit seinem Fingen auf meine Stirn. Noch bevor ich zu einer Erwiderung ansetzten konnte, verschwamm plötzlich die Umgebung und ich spürte einen starken Luftzug. Automatisch krallte ich meine Hände in Damiens Hemd. Unvermittelt blieben wir stehen. Mein Kopf schwirrte von der abrupten Bewegung. Erst nach einigen Minuten bemerkte ich, dass ich mich immer noch an Damien krallte und machte Anstalten mich von ihm zu lösen. „Lass mich los, Damien!“ Doch er beachtete dies nicht und drückte mich nur noch fester an sich. Ich gab es auf und nahm erst jetzt meine Umgebung wirklich wahr. Mir verschlug es die Sprache. Es dämmerte schon, was hieß, dass es schon Abend war. Wir standen auf der Dachterrasse seines riesigen Anwesens. Es müsste fünf Stockwerke hoch sein. Damiens Haus, oder eher gesagt Villa, war von einem riesigen Wald umringt. Selbst wenn mir meine Flucht heute Morgen gelungen wäre, hätte ich es niemals in eine Stadt oder ähnliches geschafft. „Glaubst du mir jetzt, dass ich schneller bin als normale Menschen?“, fragte mich Damien. Ich nickte, da ich immer noch unfähig war zusprechen. Es gab keinen Sinn mehr es zu leugnen. Wie verrückt es auch war, Damien war ein Vampir. „Ich wäre heute Morgen nicht weit gekommen, nicht wahr?“, sagte ich als ich meine Stimmer wieder gefunden hatte. „Nein. Ich hätte dich vorher gefunden“, stimmte er mir zu. „Ich würde dich überall finden. Dein Geruch ist einzigartig. Versuche nie wieder zu fliehen. Es wird dir nicht gelingen. Versuchst du es trotzdem, werde ich dich zu deiner eigenen Sicherheit an ketten“, drohte Damien mir und er meinte es ernst. „Hätte mein Herz nicht schon vor langer Zeit aufgehört zu schlagen, wäre es heute stehen geblieben, als ich gesehen habe wie du das Haus herunterkletterst“ Damien schloss seine Augen als er das sagte. Jetzt öffnete er sie wieder und blickte mir in die Augen. „Dir darf nichts passieren. Ohne dich bin ich verloren. Du bist meine einzige Hoffnung. Wenn du heute ge…“, Damien Stimme brach. Er stellte mich auf die Füße und wandte sich von mir ab. Ich war verwirrt. Auf einmal wirkte Damien nicht mehr wie ein großes und starkes Raubtier. Was hatte das zu bedeuten? Ich schritt auf ihn zu und drehte ihn zu mir, damit ihn sein Gesicht sehen konnte. Auf diesem zeichnete sich Schmerz und Sorge ab. Was war mit ihm los? „Warum bin ich deine einzige Hoffnung?“, fragte ich nach einer Weile. „Weil du reines Blut in dir hast“. Was zur Hölle hatte das nun schon wieder zu Bedeuten. Dass ich kein Drogenjunkie war? Langsam wurde ich wieder Wütend. Konnte er nicht einmal mit mir Klartext reden. „Es tut mir leid. Ich werde dir alles erklären, aber nur wenn du mir versprichst nicht mehr zu fliehen“
„Ich soll dir versprechen deine willige Gefangene zu sein? Wohl kaum. Ich habe ein Leben. Meine Freunde und …“ Ich verstummte. Meinem Vater war ich wohl egal. „Ist auch nicht wichtig. Du kannst nicht von mir erwarten, dass ich mein Leben aufgebe nur weil du es so willst“, fuhr ich fort. Damien, der mein Verstummen bemerkt hatte, runzelte die Stirn, ging aber nicht weiter darauf ein. „Ich kann dich nicht gehen lassen“, sagte Damien entschlossen. „Warum? Was hat 'reines´ Blut zu bedeuten?“, fragte ich. „Und drück dich gefälligst klar aus!“, fügte ich hinzu. Damien seufzte und zog mich zu einer Bank, die nicht weit von uns stand. „Es bedeutet, dass du meine Seelengefährtin bist. Du fühlst dich zu mir angezogen. Ich weiß, dass es so ist. Du braust es nicht zu leugnen. Du wurdest geboren um mich zu vervollständigen, weil du meine zweite Hälfte bist. Genauso wie ich die deine bin. Zusammen sind wir Eins. Und nur du kannst mich von meinem Fluch erlösen“ sagte Damien. Mein Herz begann wieder zu rasen und ich wich von Damien zurück. „Ich glaube du irrst dich. Ich bin weder deine noch von irgendjemand sonst die Seelengefährtin, oder wie auch immer das heißt. Ich habe keine Ahnung von was du da sprichst, geschweige denn wie ich dich von deinen Fluch erlösen soll!“ Damien ergriff mein Handgelenk und zog mich wieder an sich zurück. „Ich bin mir absolut sicher, dass du die richtige bist“, versicherte er mir. „Und woher? Vielleicht irrst du dich?“, doch ich klang nicht wirklich überzeugt. Irgendwas in mir spürte, dass Damien nicht log. „Aria, ich bin mir sicher. Wärst du nicht meine Gefährtin, würde ich jederzeit deine Gedanken lesen können. Und du wärst nicht in der Lage mich aus deinem Kopf auszusperren“, erklärte er. „Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie überrascht ich war, als du mich aus deinen Gedanken geschmissen hast. Ich habe schon vor langer Zeit die Hoffnung aufgegeben meine Seelengefährtin zu finden. Und auf einmal standest du vor mir. So wunderschön und perfekt. Ich hatte dich erst nicht erkannt, da ich nicht mehr glaubte dich zu finden. Doch als ich es erkannte, bist du schon weggelaufen. Ich konnte es einfach nicht zulasse, dich zu verlieren. Du darfst nicht gehen“ Damiens tiefe Stimme trotzte nur vor Entschlossenheit. Ich fühlte mich in die Ecke getrieben und zitterte am ganzen Körper. Ich wollte keine Gefangene sein. Ich wollte mein eigenes Leben führen. Mir war kalt und ich begann am ganzen Körper zu zittern. Damien bemerkte dies und zog mich noch näher an sich. Sofort roch ich wieder ein seinen unwiderstehlichen Duft. „Dir ist kalt. Wir sollten rein gehen“, sagte Damien. Doch bevor er mich wieder auf seine Arme nehmen konnte stand ich auf. „Was ist wenn ich deinen Fluch oder was auch immer breche. Kann ich dann gehen? Wenn ich dir verspreche alles Mögliche zu tun und bis dahin nicht zu fliehen? Lässt du mich dann frei?“, fragte ich hoffnungsvoll Ich wollte nicht auf ewig seine Gefangene sein. Damien schaute mich erstaunt an, als würde er zum ersten Mal über diese Möglichkeit nachdenken. „So einfach ist das nicht“, sagte er. „Dir ist kalt. Ich werde dir im Haus den Fluch dafür erklären“, sagte Damien. Er zog mich an sich und die Welt um mich verschwamm kurz darauf.