Reines Blut
Kapitel 6
„Als ich zum Vampir wurde, war ich vollkommen allein. Mein Schöpfer hatte mich unabsichtlich erschaffen. Bis vor 150 wusste er nicht mal, dass ich existiere“, Damien schnaubte und schüttelte sein Kopf. Nach dem kleinen Ausflug, auf dem Dach, brachte Damien mich wieder in das Zimmer, in dem ich vorhin aufgewacht war. Ich saß Damien gegenüber im Schneidersitz auf dem Bett und beobachtete ihn, als er wieder begann zu reden. „Du musst wissen, dass ein neu erschaffener Vampir, keine Kontrolle über sich hat. Normalerweise man von seinem Erschaffer in den ersten 10 bis 15 Jahren seiner Existenz als Vampire geleitet. Damit nicht das passiert, was mit mir geschehen ist“. Damien schloss die Augen und ließ sein Kopf gegen die Wand sinken. Er sah traurig aus, als würde ihn etwas bedrücken. Ich wollte tröstend seine Hand halten, doch ich zwang mich ruhig sitzen zu bleiben, damit er nicht aufhörte seine Geschichte zu erzählen. „Als ich zum ersten Mal als Vampir erwachte…es war grauenhaft. Ich hatte so ein Hunger und ich wusste nicht genau, wonach ich mich sehnte. Doch als ich denn den ersten Menschen begegnete…ich konnte nicht aufhören. Ich trank und trank, bis ich satt war. Es war mir egal, was für Konsequenzen dies mit sich zog. Ich wollte nur meinen Hunger befriedigen. Ich war völlig außer Kontrolle. Nach zwei Monaten hatte ich fünf ganze Dörfer abgeschlachtet. Niemand hat überlebt, kein Mann, keine Frau…kein Kind“ Beim letzten Wort brach Damiens stimme. Sein Gesicht war vor Schmerz verzerrt. Ich konnte mich nicht bewegen, erst jetzt wurde mir wieder bewusst, wie gefährlich Damien wirklich war. Er hatte Dörfer ausgelöscht, sogar Kinder umgebracht. Unwillkürlich wich ich von ihm zurück. Ich saß einem Monster gegenüber. Mein Herz begann wieder zu laut zu pochen. Damiens Augen öffneten sich und schauten mich voller elend an. „Ich weiß, du denkst bestimmt, dass ich ein Monster bin. Auch, wenn ich deine Gedanken in Moment nicht lese. Ich war auch ein Monster. Ich empfand nichts, weder Mitgefühl für die vielen Menschen, noch Reue, nachdem sie alle tot warnen. Ich scherte mich nicht mal um die Leichen. Etwa zehn Wochen nach meiner Verwandlung griff ich ein Dorf an, in dem eine Hexe wohnte. Sie erkannte sofort, was ich war und verfluchte mich, um sich und ihr Dorf vor mir zu schützen. Sie machte die Sonne für meine Haut unerträglich. Ich würde nicht sofort in Flammen aufgehen, wie es in den vielen Mythen heißt, aber Sonnenstahlen sind wie Säure für meine Haut. Ich denke, die Hexe wollte mich ebenso bestrafen, für all die Leben, die ich so grausam genommen hatte. Ich kann es ihr auch nicht verübeln. Nachdem ich am Tag nicht mehr aus dem Haus gehen konnte, war ich gezwungen, mich in Geduld zu üben. Bevor die Sonne unterging, fand mich ein anderer Vampir. Die Hexe hatte ihn geschickt, damit er mir Kontrolle lehrte und zeigte, wie man sich an Menschen nährt, ohne sie zu töten, und ihre Erinnerungen daran nehmen kann. Es hat lange gedauert, bis ich mich ohne Hilfe nähren konnte ohne zu töten. 30 Jahre um genau zu sein. In diesen 30 Jahren hatte ich genug Zeit um über alles nachzudenken. Ich fühlte mich schrecklich, ich tue es immer noch, wenn ich daran denke. Ich wurde depressiv und der Umstand, dass ich die Sonne nicht auf meiner Haut spüren konnte, machte alles nur noch schlimmer. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie ich es vermisse, sie Sonne aufgehen zu sehen. Nach 50 Jahren hielt ich es nicht mehr aus und suchte die Hexe auf. Ich flehte sie an mich von ihrem Fluch zu befreien. Doch sie konnte mir nicht helfen. Sie sagte, nur reines Blut könne den Fluch von mir lösen und dass es nur eine Person gäbe, die in Frage kommen würde. Ich würde sie an ihrer Kraft sich gegen meinen Einfluss zu wehen erkennen. Aria, du bist diese Person für mich. Nur du kannst mich von diesem Fluch befreien. Nach so langer Zeit hatte ich die Hoffnung schon aufgegeben. Über 200 Jahre habe ich nach dir gesucht“ Damien griff nach meiner Hand und schloss sie in seine. „Und endlich habe ich dich Gefunden. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie glücklich ich bin“ Ich wusste nicht, wie ich auf seine Erzählung reagieren sollte, es war einfach viel zu viel auf einmal. Damien war über 250 Jahre alt?! Er braucht mein Blut um sich von seinem Fluch zu befreien. „Ich weiß es ist viel zu verdauen, aber ich hoffe, du verstehst jetzt, warum ich dich nicht gehen lassen kann“, sagte Damien und schaute mir dabei in die Augen. „Wie genau soll das funktionieren? Brauchst du nur ein Schluck von meinem Blut und du bist geheilt?“, fragte ich, obwohl ich mir eigentlich sicher war, dass dies zu einfach war. Damien blickte zur Seite und seine Miene wurde schuldbewusst. „Nicht ganz. Es braucht etwas mehr als nur ein Schluck“„Wie viel mehr?“ „Um genau zu sein, brauche ich alles, damit es Funktioniert“ Ich erstarrte. Er braucht mein ganzes Blut. Das heiß, ich würde es nicht überleben. Sofort riss ich meine Hände von den seinen und sprang aus dem Bett. Doch bevor ich auch nur einen Schritt Richtung Tür machen konnte, stand Damien schon vor mir und schloss mich in seine Arme. „Aria, es tut mir leid. Aber ich brauche dein Blut“ Ich musste hier weg, ich wollte nicht sterben. Doch ich konnte mich nicht aus Damiens Umarmung befreien. Tränen aus Verzweiflung begangen mein Gesicht runter zu kullern. „Schsch, alles wird gut Aria. Du brauchst keine Angst zu haben, ich will dich nicht töten. Nicht mehr…“ Ich war mir nicht sicher, ob ich die letzten Worte richtig verstanden hatte. Was meinte er damit? Damien zog mich noch enger in seine Umarmung und strich beruhigend über meinen Rücken. Doch meine Tränen hörten nicht auf zu fließen. Damien hob mich auf seine Arme und legte mich auf das Bett. Sofort rollte ich mich zu einer Kugel zusammen, denn mir war klar, dass ich ihm niemals entkommen würde. Überrascht zuckte ich zusammen, als ich plötzlich spürte, wie Damien sich an mich schmiegte. Er zog mich wieder in seine Arme und küsste mich auf den Kopf. „Aria, habe nicht vor dich zu töten. Ich…ich weiß nicht warum, aber der Gedanke, dich leblos in den Armen zu halten…“, Damien stockte. „Ich kann dich nicht töten“
Tag der Veröffentlichung: 15.08.2017
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Alica H