Römische Elegien

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 8 von 14

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Römische Elegien

Kapitel 13

Was der geheiligte Kreis seltsam in Bildern verbarg.

Und was war das Geheimnis? als daß Demeter, die große,

Sich gefällig einmal auch einem Helden bequemt,

Als sie Jasion einst, dem rüstigen König der Kreter,

Ihres unsterblichen Leibs holdes Verborgne gegönnt.

Das war Kreta beglückt! das Hochzeitsbette der Göttin

Schwoll von Ähren, und reich drückte den Acker die Saat.

Aber die übrige Welt verschmachtete; denn es versäumte

Über der Liebe Genuß Ceres den schönen Beruf.

Voll Erstaunen vernahm der Eingeweihte das Märchen,

Winkte der Liebsten — Verstehst du nun, Geliebte, den Wink?

Jene buschige Myrte beschattet ein heiliges Plätzchen!

Unsre Zufriedenheit bringt keine Gefährde der Welt.

 

13.

 

Amor bleibet ein Schalk, und wer ihm vertraut, ist betrogen!

Heuchelnd kam er zu mir: »Diesmal nur traue mir noch.

Redlich mein ichs mit dir: du hast dein Leben und Dichten,

Dankbar erkenn ich es wohl, meiner Verehrung geweiht.

Siehe, dir bin ich nun gar nach Rom gefolget! Ich möchte

Dir im fremden Gebiet gern was Gefälliges tun.

Jeder Reisende klagt, er finde schlechte Bewirtung;

Welchen Amor empfiehlt, köstlich bewirtet ist er.

Du betrachtest mit Staunen die Trümmer alter Gebäude

Und durchwandelst mit Sinn diesen geheiligten Raum.

Du verehrest noch mehr die werten Reste des Bildens

Einziger Künstler, die stets ich in der Werkstatt besucht.

Diese Gestalten, ich formte sie selbst! Verzeih mir, ich prahle

Diesmal nicht; du gestehst, was ich dir sage, sei wahr.

Nun du mir lässiger dienst, wo sind die schönen Gestalten,

Wo die Farben, der Glanz deiner Erfindungen hin?

Denkst du nun wieder zu bilden, Freund? Die Schule der Griechen

Blieb noch offen, das Tor schlossen die Jahre nicht zu.

Ich, der Lehrer, bin ewig jung und liebe die Jungen.

Altklug lieb ich dich nicht! Munter! Begreife mich wohl!