Römische Elegien

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 12 von 14

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Römische Elegien

Kapitel 17

Scheucht' er heute, der ihm Gärtchen und Nichte bestiehlt.

 

17.

 

Manche Töne sind mir Verdruß, doch bleibet am meisten

Hundegebell mir verhaßt: kläffend zerreißt es mein Ohr.

Einen Hund nur hör ich sehr oft mit frohem Behagen

Bellend kläffen, den Hund, den sich der Nachbar erzog.

Denn er bellte mir einst mein Mädchen an, da sie sich heimlich

Zu mir stahl, und verriet unser Geheimnis beinah.

Jetzo, hör ich ihn bellen, so denk ich mir immer: sie kommt wohl!

Oder ich denke der Zeit, da die Erwartete kam.

 

18.

 

Eines ist mir verdrießlich vor allen Dingen, ein andres

Bleibt mir abscheulich, empört jegliche Faser in mir,

Nur der bloße Gedanke. Ich will es euch, Freunde, gestehen:

Gar verdrießlich ist mir einsam das Lager zu Nacht.

Aber ganz abscheulich ists, auf dem Wege der Liebe

Schlangen zu fürchten, und Gift unter den Rosen der Lust,

Wenn im schönsten Moment der hin sich gebenden Freude

Deinem sinkenden Haupt lispelnde Sorge sich naht.

Darum macht Faustine mein Glück: sie teilet das Lager

Gern mit mir, und bewahrt Treue dem Treuen genau.

Reizendes Hindernis will die rasche Jugend; ich liebe,

Mich des versicherten Guts lange bequem zu erfreun.

Welche Seligkeit ists! wir wechseln sichere Küsse,

Atem und Leben getrost saugen und flößen wir ein.

So erfreuen wir uns der langen Nächte, wir lauschen,

Busen an Busen gedrängt, Stürmen und Regen und Guß.

Und so dämmert der Morgen heran; es bringen die Stunden

Neue Blumen herbei, schmücken uns festlich den Tag.