Römische Elegien

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 6 von 14

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Römische Elegien

Kapitel 9

Nicht gefallen, und dich habe die Mutter verschmäht,

Bis du größer geworden und still dich entwickelt — ich glaub es:

Gerne denk ich mir dich als ein besonderes Kind.

Fehlet Bildung und Farbe doch auch der Blüte des Weinstocks,

Wenn die Beere, gereift, Menschen und Götter entzückt.

 

9.

 

Herbstlich leuchtet die Flamme vom ländlich geselligen Herde,

Knistert und glänzet, wie rasch! sausend vom Reisig empor.

Diesen Abend erfreut sie mich mehr: denn eh noch zur Kohle

Sich das Bündel verzehrt, unter die Asche sich neigt,

Kommt mein liebliches Mädchen. Dann flammen Reisig und Scheite,

Und die erwärmte Nacht wird uns ein glänzendes Fest.

Morgen frühe geschäftig verläßt sie das Lager der Liebe,

Weckt aus der Asche behend Flammen aufs neue hervor.

Denn vor andern verlieh der Schmeichlerin Amor die Gabe,

Freude zu wecken, die kaum still wie zu Asche versank.

 

10.

 

Alexander und Cäsar und Heinrich und Friedrich, die Großen,

Gäben die Hälfte mir gern ihres erworbenen Ruhms,

Könnt ich auf eine Nacht dies Lager jedem vergönnen;

Aber die Armen, sie hält strenge des Orkus Gewalt.

Freue dich also, Lebendger, der lieberwärmeten Stätte,

Ehe den fliehenden Fuß schauerlich Lethe dir netzt.

 

11.