Traum des Bösen

Georg Trakl · Kapitel 1 von 1

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Traum des Bösen

Traum des Bösen

Georg Trakl

 

Inhalt

 

Rondel

Allerseelen

Winterdämmerung

Traum des Bösen

Melancholie

In den Nachmittag geflüstert

In ein altes Stammbuch

 

RONDEL

 

Verflossen ist das Gold der Tage,

Des Abends braun und blaue Farben:

Des Hirten sanfte Flöten starben,

Des Abends blau und braune Farben;

Verflossen ist das Gold der Tage.

 

ALLERSEELEN

An Karl Hauer

 

Die Männlein, Weiblein, traurige Gesellen, Sie streuen heute Blumen blau und rot

Auf ihre Grüfte, die sich zag erhellen.

Sie tun wie arme Puppen vor dem Tod.

O! wie sie hier voll Angst und Demut scheinen, Wie Schatten hinter schwarzen Büschen stehn. Im Herbstwind klagt der Ungebornen Weinen, Auch sieht man Lichter in der Irre gehn.

Das Seufzen Liebender haucht in Gezweigen Und dort verwest die Mutter mit dem Kind. Unwirklich scheinet der Lebendigen Reigen Und wunderlich zerstreut im Abendwind.

Ihr Leben ist so wirr, voll trüber Plagen.

Erbarm' dich Gott der Frauen Höll' und Qual, Und dieser hoffnungslosen Todesklagen.

Einsame wandeln still im Sternensaal.

 

WINTERDÄMMERUNG

 

An Max von Esterle

 

Schwarze Himmel von Metall.

Kreuz in roten Stürmen wehen

Abends hungertolle Krähen Über Parken gram und fahl.

Im Gewölk erfriert ein Strahl;

Und vor Satans Flüchen drehen

Jene sich im Kreis und gehen

Nieder siebenfach an Zahl.

In Verfaultem süß und schal

Lautlos ihre Schnäbel mähen.

Häuser dräu'n aus stummen Nähen;

Helle im Theatersaal.

Kirchen, Brücken und Spital

Grauenvoll im Zwielicht stehen.

Blutbefleckte Linnen blähen

Segel sich auf dem Kanal.

 

TRAUM DES BÖSEN

 

Verhallend eines Gongs braungoldne Klänge -- Ein Liebender erwacht in schwarzen Zimmern Die Wang' an Flammen, die im Fenster flimmern. Am Strome blitzen Segel, Masten, Stränge.

Ein Mönch, ein schwangres Weib dort im Gedränge. Gitarren klimpern, rote Kittel schimmern.

Kastanien schwül in goldnem Glanz verkümmern; Schwarz ragt der Kirchen trauriges Gepränge.

Aus bleichen Masken schaut der Geist des Bösen. Ein Platz verdämmert grauenvoll und düster; Am Abend regt auf Inseln sich Geflüster.

Des Vogelfluges wirre Zeichen lesen Aussätzige, die zur Nacht vielleicht verwesen. Im Park erblicken zitternd sich Geschwister.

 

MELANCHOLIE

 

Bläuliche Schatten. O ihr dunklen Augen, Die lang mich anschaun im Vorübergleiten. Gitarrenklänge sanft den Herbst begleiten Im Garten, aufgelöst in braunen Laugen.

Des Todes ernste Düsternis bereiten

Nymphische Hände, an roten Brüsten saugen Verfallne Lippen und in schwarzen Laugen Des Sonnenjünglings feuchte Locken gleiten.

 

IN DEN NACHMITTAG GEFLÜSTERT

 

Sonne, herbstlich dünn und zag,

Und das Obst fällt von den Bäumen.

Stille wohnt in blauen Räumen

Einen langen Nachmittag.

Sterbeklänge von Metall;

Und ein weißes Tier bricht nieder.

Brauner Mädchen rauhe Lieder

Sind verweht im Blätterfall.

Stirne Gottes Farben träumt,

Spürt des Wahnsinns sanfte Flügel.

Schatten drehen sich am Hügel Von Verwesung schwarz umsäumt.

Dämmerung voll Ruh und Wein;

Traurige Gitarren rinnen.

Und zur milden Lampe drinnen

Kehrst du wie im Traume ein.

 

IN EIN ALTES STAMMBUCH

 

Immer wieder kehrst du Melancholie,

O Sanftmut der einsamen Seele.

Zu Ende glüht ein goldener Tag.

Demutsvoll beugt sich dem Schmerz der Geduldige Tönend von Wohllaut und weichem Wahnsinn. Siehe! es dämmert schon.

Wieder kehrt die Nacht und klagt ein Sterbliches Und es leidet ein anderes mit.

Schaudernd unter herbstlichen Sternen

Neigt sich jährlich tiefer das Haupt.

Tag der Veröffentlichung: 27.09.2011

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