
Abendsonne
Betrachtet, wie in Abendsonne-Glut die grünumgebenen Hütten schimmern, beginnt Goethes Gedicht: Sie rückt und weicht, der Tag ist überlebt, dort eilt sie hin und fördert neues Leben, dichtet er und wünscht sich, kein Flügel hebe ihn vom Boden, ihr nach und immer nach zu streben, um im ewigen Abendstrahl die stille Welt zu seinen Füßen zu sehen, entzündet alle Höhn, beruhigt jedes Tal, den Silberbach in goldene Ströme fließen. Doch scheint die Göttin endlich wegzusinken, schreibt er weiter, allein der neue Trieb erwacht, ich eile fort, ihr ewges Licht zu trinken, vor mir den Tag und hinter mir die Nacht, den Himmel über mir und unter mir die Wellen. Ein schöner Traum, indessen sie entweicht, denn zu des Geistes Flügeln wird so leicht kein körperlicher Flügel sich gesellen, doch dringt das Gefühl jedes Menschen hinauf und vorwärts, wenn über schroffen Fichtenhöhen der Adler ausgebreitet schwebt.






