Der Schleier der Pierrette
Zweite Szene.
Zimmerflucht nach hinten.
Z w e i t e S z e n e .
Wie Arlechino ganz rückwärts ist, tritt ihm Pierrette entgegen.
Arlechino faßt Pierrette bei der Hand, zieht sie nach vorne und bleibt in der
Mitte stehen.
Die andern erstaunen.
Einige suchen näher zu treten.
Arlechino weist sie fort.
Vater und Mutter suchen näher zu treten.
Arlechino weist sie fort.
Arlechino und Pierrette mitten im Saal.
Die andern in gemessener Entfernung.
Arlechino zu Pierrette.
Wo bist du gewesen?
Pierrette.
In meinem Zimmer oben.
Arlechino.
Das ist nicht wahr.
Pierrette.
Ich bin spazieren gegangen, draußen im Garten.
Arlechino.
Du bist gesucht worden, du warst nicht im Hause und nicht im
Garten.
Pierrette.
Ich kann nichts andres antworten. Komm, ich will tanzen.
Arlechino.
Nein, zuerst mußt du mir antworten.
Pierrette.
Ich will tanzen.
Arlechino.
Zuerst antworte!
Vater, Mutter, Gigolo, junge Mädchen, treten näher, versuchen
Arlechino zu begütigen.
Arlechino hört nicht auf sie.
Gigolo gibt den Musikern ein Zeichen.
Die Musiker verweisen verzweifelt auf ihre ruinierten Instrumente.
Gigolo.
Das macht nichts, spielt nur, es wird schon gehen.
Die Musiker beginnen zu spielen. Schnellpolka.
Die Instrumente klingen schauerlich.
Gigolo tritt in die Mitte des Saales.
Tanzen, tanzen.
Pierrette auf Arlechino zu, mit verzweifelt bacchantischer Geste. Schmiegt
sich näher an ihn heran.
Arlechino betrachtet sie lang, umfaßt sie, tanzt mit ihr.
Alles scheint wieder geordnet.
Plötzlich sieht man von hinten, nur für Pierrette sichtbar, sehr langsam den toten Pierrot kommen.
Pierrette hält im Tanzen inne, weist entsetzt auf den näher schreitenden
Pierrot.
Die andern wissen nicht, was Pierrette ist.
Pierrot schreitet mitten durch den Saal, bleibt vor Pierrette stehen und zerfließt
in nichts.
Pierrette weist die Erscheinung als Traumbild von sich, erholt sich.
Die andern beginnen wieder zu tanzen.
Pierrette geht mit Arlechino zum Buffet. Verlangt vom Diener etwas zu
trinken.
Plötzlich steht statt des Dieners der tote Pierrot hinter dem Buffet. Schenkt der Pierrette ein Glas Wein ein.
Pierrette taumelt zurück, rast wie eine Verfolgte zum Klavier hin.
Arlechino ihr nach.
Der tote Pierrot verschwindet.
Arlechino.
Was hast du? Was ist dir?
Pierrette.
Nichts, nichts. Es geht schon wieder vorüber.
Sie schauert und will sich verhüllen.
Arlechino plötzlich merkend.
Elende ...
Die Tanzmusik hört auf.
Arlechino.
Wo ist dein Schleier Pierrette?
Pierrette greift sich an Haupt und Schultern.
Arlechino.
Wo ist dein Schleier?
Pierrette.
Ich weiß nicht.
Arlechino.
Während du fort warst, ist dir dieser Schleier verloren gegangen.
Wo ist der Schleier? Wo warst du?
Pierrette.
Laß mich doch.
Arlechino.
Du mußt dir deinen Schleier zurückholen.
Pierrette.
Ich weiß nicht wo er ist.
In diesem Augenblick erscheint der tote Pierrot mit dem Schleier in der Hand im Hintergrunde und kommt nur wenig nach vorn. Bleibt am Ende des Saales
stehen.
Pierrette eilt dem toten Pierrot entgegen.
Arlechino ihr nach, faßt sie bei der Hand.
Der tote Pierrot mit dem Schleier entfernt sich wieder.
Pierrette sucht den Schleier zu erhaschen.
Arlechino hält sie ununterbrochen bei der Hand.
Pierrot mit dem Schleier entschwindet.
Pierrette dem Scheinbilde nach.
Arlechino immer mit ihr.
Einige junge Herren wollen nach.
Arlechino wendet sich um und verbietet, daß man ihnen folge.
Vo r h a n g .
Die Musik leitet ohne Pause über zum dritten Bild.
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