Der Schleier der Pierrette

Arthur Schnitzler · Kapitel 9 von 12

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Der Schleier der Pierrette

III. Bild.

 

D e k o r a t i o n d e s e r s t e n .

 

E r s t e S z e n e .

 

Pierrot liegt tot hingestreckt auf dem Boden, hinter der Staffelei.

Der Schleier liegt in der Mitte des dunkeln Zimmers, weiß schimmernd da. Die

Kerzen größtenteils herabgebrannt, einige ganz erloschen.

Die Szene bleibt einige Augenblicke vollkommen leer.

Die Türe öffnet sich.

Arlechino und Pierrette treten ein.

Arlechino hält Pierrette bei der Hand.

Pierrette eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab, hält ihn hoch.

Da ist er. Nun laß uns gehen.

 

Arlechino.

Nein. Wo bin ich hier?

 

Er geht im Zimmer hin und her.

Bald steht er vor der Leiche Pierrots, fährt zurück, hält aber Pierrot nicht für tot,

sondern für betrunken. Wendet sich zu Pierrette.

Also das war es? Mit diesem Menschen warst du zusammen?

 

Er gewahrt die Reste des Mahls.

Hier habt Ihr miteinander getafelt und getrunken. Hier hat er dich

in den Armen gehalten. Wartet nur.

 

Wieder zu Pierrot hin.

Pierrette auf ihn zu, will ihn zurückhalten.

Arlechino schleudert sie von sich.

Pierrette schleicht sich zum Fenster.

Arlechino kniet vor Pierrot nieder.

Du Schurke, du Hund. Wer bist du denn? Antworte! Antworte!

Steh auf!

 

Er faßt Pierrot bei den Schultern und schüttelt ihn.

Der tote Pierrot fällt schwer auf den Boden hin.

Arlechino fährt entsetzt zurück.

Er geht zu Pierrette, die regungslos am Fenster steht.

Hast du's gewußt?

 

Pierrette.

Ja.

 

Arlechino geht überlegend auf und ab. Kehrt wieder zu Pierrette zurück, sieht

sie lange an.

Was soll ich mit dir tun?

Kommt auf einen Einfall, lacht höhnisch auf. Tritt wieder zu dem toten Pierrot hin, will ihn emporheben.

Pierrette eilt entsetzt nach vorne.

Arlechino weist sie von sich, ergreift den Leichnam des Pierrot, trägt ihn zu

dem Divan, lehnt ihn dort in die vordere Ecke.

Pierrette ist entsetzt bis ans Ende des Zimmers geschlichen und schaut dem

Beginnen des Arlechino zu.

Arlechino setzt sich auf den Tisch dem Pierrot gegenüber. Schenkt in zwei

Gläser ein, erhebt das eine, trinkt dem Pierrot zu. Dann winkt er Pierrette mit

einem teuflischen Lächeln herbei.

Pierrette bleibt regungslos stehen.

Arlechino erhebt sich, winkt Pierrette gebieterisch.

Pierrette kommt langsam.

Arlechino geht ihr entgegen, reicht ihr in der Mitte des Zimmers den Arm,

geleitet sie zu einem Sessel neben dem Tische, gibt ihr eins der gefüllten Gläser

in die Hand, stößt mit ihr an.

Pierrette kann nicht trinken.

Arlechino.

So trink doch.

 

Pierrette trinkt.

Arlechino setzt sich neben Pierrette, drängt sich näher an sie, umfaßt sie, sucht

sie an sich zu ziehen.

Pierrette schaudert zusammen.

Arlechino wird zärtlicher.