Die großen Mächte
Französische Revolution
Hatte jenes Ereignis aber eine so unzweifelhaft für sich selber gültige
Bedeutung, so ist doch nicht zu leugnen, daß eine Beschränkung von Frankreich
damit erreicht war und daß dies Land die Erfolge der anderen als seine Verluste
ansehen durfte. Auch war es ihnen immer lebhaft entgegengetreten. Wie oft
suchte es früher die Fortschritte von Österreich in Ungarn und gegen die Türken
aufzuhalten; wie oft mußten dann die besten Regimenter von der Donau, wo sie
gegen die Türken standen, an den Rhein und wider die Franzosen abgerufen
werden! Rußland hatte seinen Einfluß im Norden der französischen Politik
abgewonnen. Als das Kabinett von Versailles innewurde, welche Stellung
Preußen in der Welt einnahm und zu behaupten suchte, vergaß es seine
amerikanischen Interessen, um diese Macht, ich sage nicht herabzubringen,
sondern geradehin zu vernichten. Wie oft hatten die Franzosen die Jakobiten zu
begünstigen, etwa einen Stuart nach England zu werfen, die alten Verhältnisse
wiederherzustellen unternommen! Dafür bekamen sie denn auch, mochten sie
mit Preußen wider Österreich oder mit Österreich wider Preußen stehen, allemal
die Engländer zu Gegnern. Sie führten ihre Kriege auf dem festen Lande mit
Verlusten zur See. Während des Siebenjährigen verloren sie, wie Chatham sagte,
Amerika in Deutschland.
Und so stand Frankreich allerdings bei weitem nicht mehr so entschieden als der
Mittelpunkt der europäischen Welt da, wie hundert Jahre früher. Es mußte die
Teilung von Polen vor seinen Augen vollziehen lassen, ohne darum gefragt zu
werden. Es mußte, was es tief empfand, gestatten, daß im Jahre 1772 eine
englische Fregatte an der Reede von Toulon erschien, um über die stipulierte
Entwaffnung der Flotte zu wachen. Selbst die kleineren unabhängigen Staaten,
wie Portugal, die Schweiz, hatten anderen Einwirkungen Raum gegeben.
Zwar ist sogleich zu bemerken, daß das Übel nicht so schlimm war, wie man es
oft vorgestellt hat; Frankreich behauptete doch seinen alten Einfluß auf die
Türkei; durch den Familienvertrag hatte es Spanien an seine Politik gekettet; die
spanischen Flotten, die Reichtümer der spanischen Kolonien standen zu seiner
Verfügung; auch die übrigen bourbonischen Höfe, zu denen sich der Turiner beinahe mit rechnete, schlossen sich an Frankreich an; die französische Faktion
siegte endlich in Schweden. Allein einer Nation, die sich mehr als jede andere in
dem Schimmer einer allgemeinen Superiorität gefällt, war dies lange nicht
genug. Sie fühlte nur den Verlust von Ansprüchen, die sie als Rechte betrachtete;
sie bemerkte nur, was die anderen erobert, nicht was sie behauptet hatte; mit
Unwillen sah sie so gewaltige, starke, wohlgegründete Mächte sich gegenüber,
denen sie nicht gewachsen war.
Man hat so viel von den Ursachen der Revolution geredet und sie wohl auch da
gesucht, wo sie nimmermehr zu finden sind. Eine der wichtigsten liegt meines
Erachtens in diesem Wechsel der auswärtigen Verhältnisse, der die Regierung in
tiefen Mißkredit gebracht hatte. Es ist wahr, sie wußte weder den Staat recht zu
verwalten noch den Krieg gehörig zu führen; sie hatte die gefährlichsten
Mißbräuche überhandnehmen lassen; und der Verfall ihres europäischen
Ansehens war daher großenteils mit entsprungen. Aber die Franzosen schrieben
ihrer Regierung auch alles das zu, was doch nur ein Werk der veränderten
Weltstellung war. Sie lebten in der Erinnerung der Zeiten der Machtfülle
Ludwigs XIV., und alle die Wirkungen, die daher rührten, daß sich andere
Staaten mit frischen Kräften erhoben hatten, die sich einen Einfluß, wie man ihn
früherhin ausgeübt, nicht mehr gefallen ließen, gaben sie der Unfähigkeit ihrer
auswärtigen Politik und dem allerdings unleugbaren Verfall ihrer Zustände
schuld.
Daher kam es, daß die Bewegungen von Frankreich, wenn sie auf der einen Seite
einen reformatorischen Charakter hatten, der sich nur zu bald in einen
revolutionären umsetzte, doch auch von allem Anfang eine Richtung gegen das
Ausland nahmen.
Gleich der amerikanische Krieg entwickelte diese Doppelseitigkeit. Wenn man
es nicht wüßte, so könnte man aus den Memoiren von Ségur sehen, aus welcher
sonderbaren Mischung von Kriegslust und angeblicher Philosophie die
Teilnahme der Jugend unter dem vornehmeren französischen Adel daran
herkam. »Die Freiheit«, sagt Ségur, »stellte sich uns dar mit den Reizen des
Ruhmes. Während die Reiferen die Gelegenheit wahrnahmen, ihre Grundsätze
geltend zu machen und die willkürliche Gewalt zu beschränken, traten wir
Jüngeren nur darum unter die Fahnen der Philosophie, um Krieg zu führen, um
uns auszuzeichnen, um Ehrenstellen zu erwerben; aus ritterlicher Gesinnung
wurden wir Philosophen.« Diese Jüngeren wurden das doch allmählich sehr im
Ernst. Sonderbare Mischung. Indem sie England angriffen und ihren Ehrgeiz
sein ließen, es zu schwächen, es seiner Kolonien zu berauben, war es doch besonders die Unabhängigkeit eines englischen Peers, die würdige Stellung eines
Mitgliedes des Hauses der Gemeinen, was sie zu erlangen gewünscht hätten.
Dieser amerikanische Krieg wurde nun entscheidend; nicht so sehr durch eine
Veränderung der allgemeinen Machtverhältnisse – denn wenn man die
englischen Kolonien von dem Mutterlande losriß, so zeigte sich doch bald, daß
dieses in sich selber so wohlbegründet war, um das nicht sehr zu empfinden;
wenn sich die französische Marine wieder zu einem gewissen Ansehen erhob, so
hatte England doch in den entscheidenden Schlachten den Sieg davongetragen
und die Übermacht über seine vereinigten Nebenbuhler behauptet – als durch die
indirekten Wirkungen, die er hervorbrachte.
Ich meine nicht allein das Emporkommen der republikanischen Neigungen, es
gab noch eine unmittelbarere Folge.
Mit großem Ernste hatte sich Turgot dem Kriege widersetzt; nur in dem Frieden
hoffte er die Finanzen, welche schon damals ein Defizit drückte, durch eine
sparsame Haushaltung herzustellen und zugleich die erforderlichen Reformen
durchzusetzen. Allein er hatte dem Strome der jugendlichen Begeisterung
weichen müssen. Der Krieg war erklärt und mit überschwenglichen Kosten
geführt worden. Necker hatte mit dem ganzen Talent eines Bankiers, das er in so
hohem Grade besaß, neue Anleihen zu machen gewußt. Je höher sie aber
aufliefen, desto mehr mußten sie das Defizit steigern. Schon im Jahre 1780
erklärte Vergennes dem König, der Zustand der Finanzen sei wahrhaft
beunruhigend; er mache den Frieden, einen unverweilten Frieden notwendig.
Indessen verzögerte sich der Friede noch, und erst nach Abschluß desselben
ward man die Verwirrung recht inne. Man nimmt auch hier einen ausfallenden
Gegensatz wahr. Nicht minder erschöpft und mit Schulden beladen ging England
aus dem amerikanischen Kriege hervor. Aber während Pitt in England das Übel
an der Wurzel angriff und das Vertrauen durch große Maßregeln
wiederherstellte, gerieten die französischen Finanzen aus schwachen Händen in
immer schwächere, unversuchtere und zugleich keckere, so daß das Übel von
Monat zu Monat stieg und die Regierung wie in ihrer Konsistenz bedrohte, so
um ihr ganzes Ansehen brachte.
Wie sehr wirkte dies auf die auswärtigen Verhältnisse zurück! Man hatte keine
Wahl mehr; um jeden Preis mußte man den Krieg vermeiden. Lieber kaufte man
z. B. die Forderungen, welche Österreich an Holland machte, durch eine Summe
ab, zu der man trotz der schlechten Umstände, in denen man war, selber die
Hälfte beitrug; wäre es auf Frankreich allein angekommen, so würde der Kaiser nicht gehindert worden sein, seine Absichten auf Bayern durchzusetzen. So enge
sich die französische Regierung mit den sogenannten Patrioten von Holland
vereinigt hatte, so mußte sie dieselben ruhig von Preußen überziehen,
überwinden lassen. Sie kann darüber meines Erachtens nicht einmal sehr
getadelt werden. Was wollte sie in dem Juli 1787, als die preußische Erklärung
gegen Holland erschien, unternehmen, um die Ausführung derselben zu
verhindern, da eben damals die Parlamente sich weigerten, die neuen Auflagen
zu registrieren, ohne die man den Staat nicht weiter verwalten konnte, da bald
darauf in jener berühmten Sitzung am 15. August die Grandchambre ihre Türen
eröffnen ließ und der versammelten Menge erklärte, der König könne in Zukunft
keine neuen Auflagen erheben, ohne zuvor die allgemeinen Stände
zusammenberufen zu haben? In einem Augenblick, wo der ganze bisherige
innere Zustand in Frage gestellt wurde, konnte man schwerlich Einfluß auf das
Ausland ausüben. Und doch war dies ein sehr bedeutender Zeitpunkt. Eben
damals entschlossen sich die beiden Kaiserhöfe zu ihrem Angriff auf die Türkei.
Die Franzosen waren nicht imstande, ihren alten Verbündeten Hilfe zu leisten,
und wenn diese nicht untergehen wollten, so mußten sie Hilfe bei England und
Preußen nachsuchen.
Allerdings eine Unbedeutendheit, Nichtigkeit der auswärtigen Politik von
Frankreich, die weder den natürlichen Ansprüchen dieses Landes angemessen
war, noch auch den Interessen von Europa überhaupt entsprach. Kam sie, wie
nicht zu leugnen, von der inneren Verwirrung her, so wurde diese hinwiederum
dadurch außerordentlich vermehrt. Die Politik des Erzbischofs von Brienne
erfuhr den heftigsten und allgemeinsten Tadel. Er ward der Feigheit und selbst
der Treulosigkeit angeklagt, weil er Holland nicht unterstützt und diese
Gelegenheit, den militärischen Ruf der Franzosen auch zu Lande
wiederherzustellen, versäumt habe; man fand die französische Ehre hierdurch
auf eine Weise beschimpft, daß sie nur durch Ströme von Blut wieder rein
gewaschen werden könne.
Wie übertrieben das nun auch lautet, so kann man doch das Gefühl nicht tadeln,
das dieser Unzufriedenheit zugrunde lag. Das Nationalbewußtsein eines großen
Volkes fordert eine angemessene Stellung in Europa. Die auswärtigen
Verhältnisse bilden ein Reich nicht der Konvenienz, sondern der wesentlichen
Macht; und das Ansehen eines Staates wird immer dem Grade entsprechen, auf
welchem die Entwickelung seiner inneren Kräfte steht. Eine jede Nation wird es
empfinden, wenn sie sich nicht an der ihr gebührenden Stelle erblickt; wie viel
mehr die französische, die so oft den sonderbaren Anspruch erhoben hat, vorzugsweise die große Nation zu sein!
Ich will nicht auf die Mannigfaltigkeit der Ursachen eingehen, durch welche es
zu der furchtbaren Entwickelung der Französischen Revolution kam. Ich will nur
in Erinnerung bringen, daß der Verfall der auswärtigen Verhältnisse vielen Anteil
daran hatte. Man braucht nur daran zu denken, welche Rolle eine österreichische
Prinzessin, die unglückliche Königin, auf die der ganze Haß fiel, den diese
Nation seit so langer Zeit dem Hause Österreich gewidmet hatte, dabei spielte,
welche unseligen Auftritte das Trugbild eines österreichischen Ausschusses
veranlaßt hat. Nicht genug, daß die Franzosen sahen, sie hätten den alten Einfluß
auf die Nachbarn verloren; sie überredeten sich sogar, daß das Ausland
geheimen und starken Einfluß auf ihren Staat ausübe; in allen Maßregeln der
inneren Verwaltung glaubten sie denselben wahrzunehmen; eben dies
entflammte dann die allgemeine Entrüstung, die Gärung und Wut der Menge.
Halten wir an diesem Gesichtspunkt der auswärtigen Verhältnisse fest, so
können wir von der Revolution folgende Ansicht fassen.
Allenthalben hatte man, um zur Ausbildung einer größeren Macht zu gelangen,
die nationalen Kräfte auf eine ungewohnte Weise zusammengenommen; dazu
hatte man viele Hindernisse, die in den inneren Verhältnissen lagen, wegräumen
müssen und nicht selten die alten Berechtigungen angetastet; es war dies in den
verschiedenen Ländern bald mit mehr, bald mit weniger Bedacht und Erfolg
geschehen. Ein sehr unterrichtendes, lebensvolles Buch müßte es geben, wenn
man darzustellen wüßte, wie dies allenthalben versucht wurde, mehr oder minder
gelang, wohin es führte; endlich unternahm man es auch in Frankreich. Es ist so
viel auf die absolute Gewalt früherer französischer Könige gescholten worden;
die Wahrheit ist, daß sich dieselbe zwar noch in einigen Willkürlichkeiten
äußerte, in der Hauptsache dagegen ungemein verfallen war. Als die Regierung
jenen Versuch machte, war sie schon zu schwach, um ihn durchzusetzen; sie
machte ihn auch mit unsicheren Händen; den Widerstand der privilegierten
Stände vermochte sie nicht zu besiegen; hierüber rief sie den dritten Stand – die
Gewalt der demokratischen Ideen, die sich schon der öffentlichen Meinung zu
bemächtigen angefangen – zu Hilfe. Ein Bundesgenosse aber, der ihr bei weitem
zu stark war. Indem sie schwankte, sowie sie seine Kräfte erkannte, die Bahn
verließ, die sie eingeschlagen, zu denen zurücktrat, welche sie angreifen wollte,
eben die beleidigte, die sie zu Hilfe gerufen hatte, forderte sie alle politischen
Leidenschaften heraus, setzte sie sich mit den Überzeugungen und der Richtung
des Jahrhunderts, ja mit ihrer eigenen Tendenz in Kampf und brachte eine
Bewegung hervor, in welcher der dritte Stand, oder vielmehr das in demselben und um ihn her entwickelte Element der Empörung, in gigantischem Fortschritt
nicht allein die privilegierten Stände, die Aristokratie, sondern König und Thron
selber umstürzte und den ganzen alten Staat vernichtete.
Ein Unternehmen, wie es zwar keineswegs alle, aber doch einige andere
Regierungen verstärkt und befestigt hatte, riß dergestalt durch die Entwickelung,
die es nahm, durch die Folgen, die es hatte, die französische in ihr Verderben.
Nur wenn man hier und da glaubte, daß in diesem großen Ruin die Macht und
äußere Bedeutung von Frankreich vollends zugrunde gehen müßten, hatte man
sich geirrt. So stark waren die Tendenzen zur Herstellung der alten Macht, daß
sie selbst unter so furchtbaren Umständen nicht allein nicht aus den Augen
verloren, sondern auf eine Weise, wie sie noch nie dagewesen, über die Analogie
anderer Staaten weit hinaus durchgesetzt wurden. Waren anderwärts die
bestehenden mittleren Gewalten in ihrer Unabhängigkeit beschränkt, zu
größerem Anteil an den allgemeinen Anstrengungen genötigt worden, so wurden
sie hier geradezu vernichtet. Adel und Geistlichkeit wurden nicht allein ihrer
Vorrechte, sondern im Laufe der Ereignisse selbst ihrer Besitztümer beraubt;
welch eine Konfiskation im größten Stil, in der ungeheuerlichsten Ausdehnung!
Wie kehrten sich die Ideen, die Europa als heilbringend, menschlich, befreiend
begrüßt hatte, vor seinen Augen plötzlich in den Greuel der Verwüstung um! Das
vulkanische Feuer, von dem man eine nährende, belebende Erwärmung des
Bodens erwartet hatte, ergoß sich in furchtbaren Ausbrüchen über denselben hin.
Mitten in dieser Zertrümmerung aber ließen die Franzosen das Prinzip der
Einheit doch niemals fallen. Um wie viel mächtiger als bisher erschien eben in
der Verwirrung der Revolutionsjahre Frankreich den europäischen Staaten
gegenüber! Man kann sagen: jene gewaltige Explosion aller Kräfte setzte sich
nach außen fort. Zwischen dem alten und dem neuen Frankreich war dasselbe
Verhältnis, wie zwischen der zwar lebhaften und von Natur tapferen, aber an das
Hofleben gewöhnten, mit einem oft kleinlichen Ehrgeiz behafteten, feinen,
wollüstigen Aristokratie, die den alten Staat leitete, und den wilden,
gewaltsamen, von wenig Gedanken berauschten, blutbefleckten Jakobinern, die
den neuen beherrschten. Da vermöge des bisherigen Ganges der Dinge zwar
nicht eine ganz gleiche Aristokratie wie jene, aber doch eine ähnliche an der
Spitze der übrigen Staaten stand, so war es kein Wunder, wenn die Jakobiner in
jener wilden Anspannung aller Kräfte das Übergewicht an sich brachten. Es
bedurfte nur des ersten, durch ein Zusammentreffen unerwarteter Umstände
davongetragenen Sieges, um den revolutionären Enthusiasmus zu erwecken, der
hierauf die Nation ergriff und eine Zeitlang das Prinzip ihres Lebens wurde.
Nun kann man zwar nicht sagen, daß Frankreich hierdurch an und für sich
stärker geworden sei, als die übrigen großen Mächte zusammengenommen oder
auch nur als seine nächsten Nachbarn, wenn sie sich vereinigt hielten. Man kennt
hinlänglich die Fehler der Politik und der Kriegführung, die einen für diese so
ungünstigen Erfolg hervorbrachten. Sie konnten sich ihrer bisherigen Eifersucht
nicht sogleich entwöhnen. Selbst die einseitige Koalition von 1799 hatte Italien
zu befreien und eine sehr gewaltige militärische Stellung einzunehmen gewußt,
als ein unglücklicher Zwiespalt sie trennte. Allein geleugnet werden kann es
nicht, daß der französische Staat, mitten im Kampfe mit Europa gebildet, auf
denselben berechnet, durch die Zentralisation aller Kräfte, die er möglich
machte, den einzelnen Kontinentalmächten überlegen wurde. Indem es immer
das Ansehen gehabt, als suche man dort die Freiheit, war man von Revolution zu
Revolution Schritt für Schritt zu dem Militärdespotismus gelangt, der die
Ausbildung der anderweiten militärischen Systeme, so groß sie auch waren, weit
überbot. Der glückliche General setzte sich die Kaiserkrone auf; alle disponiblen
Kräfte der Nation hatte er jeden Augenblick ins Feld zu werfen die Macht. Auf
diesem Wege kehrte dann Frankreich zu seinem Übergewichte zurück. Es gelang
ihm, England von dem Kontinent auszuschließen, in wiederholten Kriegen
Österreich seiner ältesten Provinzen in Deutschland und Italien zu berauben, das
Heer und die Monarchie Friedrichs II. umzuwerfen, Rußland selbst zur
Fügsamkeit zu nötigen und endlich in die inneren Provinzen bis zu der alten
Hauptstadt desselben vorzudringen. Für den französischen Kaiser bedurfte es nur
des Kampfes mit diesen Mächten, um zugleich über das südliche und mittlere
Europa, einen großen Teil von Deutschland nicht ausgeschlossen, eine
unmittelbare Herrschaft zu gründen. Wie war hierdurch alles, was zu
Ludwigs XIV. Zeiten geschehen, so weit übertroffen! Wie war die alte Freiheit
von Europa so tief gebeugt! Europa schien in Frankreich untergehen zu wollen.
Jene Universalmonarchie, von der man sonst nur die entfernte Gefahr gesehen,
war beinahe realisiert!