
Die großen Mächte
Die großen Mächte erschien 1833 und eröffnete den zweiten Band von Rankes eigener Historisch-politischer Zeitschrift, mit der er, wie der Historiker Friedrich Meinecke in seiner späteren Neuausgabe im Insel-Verlag erläutert, erstmals aus der Stille der reinen Forschung auf den Kampfplatz der politischen Parteien in Preußen und Deutschland trat. Ranke wollte sich dabei keinem der beiden nach der Julirevolution verhärteten Lager, Autorität gegen Volkssouveränität, anschließen, sondern beiden einen höheren Standpunkt zeigen, von dem aus ihre Ansprüche auf Allgemeingültigkeit verblassen mussten. Ranke deutet den scheinbaren Ideologiestreit als Ausdruck eines viel realeren Kampfes zwischen alten und neuen gesellschaftlichen Schichten um die Macht im Staat und entwickelt daraus seine einflussreiche Analyse des europäischen Mächtesystems. Der Essay gilt bis heute als ein Gründungstext der modernen politischen Geschichtsschreibung.

