Die stählerne Mauer
Kapitel 2
8. März 1915.
Lille ist eine schmucke Stadt, obwohl sie gegenwärtig mit etwas forcierten
Kontrasten wirken muß: neben dem Prunkbau der neuen Oper liegt das
Trümmergewirre eines völlig zusammengeschossenen und niedergebrannten
Häuserviertels. Das Liller Leben hat sich vom Schreck schon erholt und flutet
lärmend an diesen Schuttstätten vorüber. An einer Straßenecke sah ich einen
Menschenauflauf und hörte Witzworte, die bei den Franzosen lautes Gelächter
weckten. Ein Maueranschlag – die Übersetzung des deutschen militärischen
Tagesberichtes – verkündete den Lillern die Niederlage der Franzosen in der
Champagne. »Deutsche Lügen, natürlich!« So gehirnschwächlich sind die Liller
nicht, um so was zu glauben! Nichts glauben sie, gar nichts, wenn es von den
Deutschen kommt. Aber wenn sie zuweilen eine eingeschmuggelte Nummer des
»Matin« oder »Temps« erwischen, dann wird sie hundertmal abgeschrieben, und
man kolportiert in Lille dieses verläßliche Evangelium der historischen
Tatsachen um zwei und drei Franken pro Exemplar.
Erbitterte Feinde? Nein! Das sind törichte, unzurechnungsfähige Kinder, die
man mit einiger Nachsicht beurteilen muß – aber nicht mit Nachlaß der Taxen.
Denn manchmal gewinnen die Unüberlegtheiten der Liller ein bedenkliches
Aussehen. In ihrem athletenhaften gallischen Optimismus prophezeiten sie seit
Monaten in jeder Woche für irgendeinen Tag einen großen Angriff und Sieg der
Franzosen, den Entsatz ihrer Stadt und die Verjagung der Deutschen. Auch für
den 3. März lief in Lille eine solche Prophezeiung um. Sie erfüllte sich auch, nur
mit vertauschten Rollen. Die Deutschen griffen an, eroberten bei Arras mehrere
Schützengräben und machten gegen sechshundert Gefangene. Sie wurden durch
die Straßen von Lille zum Bahnhof geführt, um Deutschland zu bereisen. Die
Liller verwechselten Niederlage und Sieg, umjubelten, beschenkten und küßten
die Gefangenen, zeigten die französischen Farben und riefen: »Vive la France!« Viele, die sich beim Anblick einiger hundert Rothosen der starken deutschen
Besatzung von Lille nicht mehr erinnerten, riefen auch: »À bas l'Allemagne!«
Ich besorge, das wird ihnen Kosten verursachen.
Mit eigenen Augen hab' ich diese Begriffsverwirrung der Liller nicht gesehen.
Ich war am Abend des 3. März nach Süden davongefahren, über Douai gegen
Bapaume. In einem fast völlig in Trümmer geschossenen Dorfe und unter einem
von Granaten durchlöcherten Dache kam ein warmer, gemütlicher Abend im
Kreise preußischer Offiziere. Man plauderte von der Heimat, bekam das Gefühl,
daß man heimatlich beisammen wäre, und vergaß für ein paar fröhliche Stunden
aller Schatten des Krieges, obwohl man immer das Gebrumm der Kanonen
hörte. Nach kurzer Nachtruhe in einem Bauernstübchen, darin jede Wand und
jedes Möbelstück vom Einschlag der Schrapnellkugeln getüpfelt war, ging es um
sechs Uhr morgens hinaus in die graue Dämmerung, deren verziehende Nebel
einen schönen Tag zu verheißen schienen.
Zerstörung und Vernichtung zu beiden Seiten unseres Weges. Die Straße
selbst ist zerrissen von Granatenlöchern. Und die Alleebäume sind zersplitterte
Stümpfe. Jetzt kommt ein Dorf – nein, nur eine Sache, die so aussieht, als wär'
das einmal ein schönes und reiches Dorf gewesen! Nicht die deutschen, sondern
die französischen Geschütze haben diese Verwüstung angerichtet. Es steht keine
ganze Mauer und kein Dach mehr. Unsere Reserven wohnen da in den
Kellerlöchern; die Schuttberge, die über den Gewölben liegen, sind ihr
Granatenschutz.
Noch umhüllen die Schleier des frühen Morgens diese sprachlose Heimat des
Schreckens; der Frühwind, wenn er stärker strömt, trägt aus den öden, von
Steinbrocken übersäten Gärten und aus einem Gewirre zersplitterter Obstbäume
den Übelduft der Verwesung her. Und manchmal sieht man hinter diesen Hecken
einen formlosen Klumpen liegen, der früher einmal ein Pferd oder eine Kuh
gewesen.
Der Ausgang der Dorfstraße ist im Zickzack mit Barrikaden gesperrt, die aus
Lehmsäcken, Karrenfragmenten, Eggen, Pflugscharen, Mähmaschinen,
Hausgerät und Wagenrädern gebaut sind. Aus allen Mauerresten der
eingestürzten Häuser lugen die Schießscharten wie starre, schwarze Augen
heraus, und gleich den Werken einer im Gehirne von Wahnsinnigen
entsprungenen Gartenkunst erhebt und verschlingt sich das Wirrsal der
Drahthindernisse und zieht sich in unbegreiflichen Formen gegen die Felder hin.
Noch hört man keinen Kanonenschuß, nur jenes schlummerlose Gewehrgeknatter, das nicht Kampf ist, sondern Wachsamkeit – es ist wie das
Ticken von vielen großen Uhren; jede will ihre Pflicht tun, keine will stehen
bleiben.
Der Schützengraben, in den wir hinter einem Wall von Sandsäcken mit
geduckten Köpfen hinuntersteigen – der Oberst von Z., der mich führt, und der
sich bei der Eroberung dieses zum Schutthaufen gewordenen Dorfes das Eiserne
Kreuz erster Klasse holte, ist so hochgewachsen, daß er jetzt zwei Stunden lang
immer den Nacken beugen muß – dieser Schützengraben gleicht den anderen,
die ich schon gesehen habe, und dennoch hat auch er wieder sein eigenes
Gesicht. Er ist besetzt mit Feldgrauen aus der preußischen Provinz Sachsen, mit
Magdeburgern und Hallensern. Das Aussehen dieser Mannschaften ist ebenso
gesund und frisch, wie ich es bei den munteren Lehmfischen gefunden, von
denen ich schon erzählte; und nicht minder heiter sind sie, nur ist die Art ihres
heimatlichen Humors eine anders gefärbte, ist stiller, im Worte sparsamer,
knapper im Ton. Auch hier die gleiche deutsche Soldatensehnsucht, dieses
Leben im wässerigen Brei erträglicher zu machen, ihm ein bißchen Schönheit zu
geben. Ein Unteroffizier – in seinem Zivilstand ist er Berufsjäger – hat sich
mitten im Schlamm aus Backsteinen ein sauber gefügtes Hüttchen gebaut und
hat es »Schloß Hubertus« getauft. Nette Kapellchen sind in die Lehmwände
eingenistet, und die dem Feinde abgewendeten Ränder des Schützengrabens sind
mit frischem Grün bepflanzt, mit Buchs, Efeu und Schneeglöckchen, von denen
einzelne Stücke schon zu blühen beginnen. Man fühlt: dieser freundliche
Schmuck der deutschen Kampfstätten wächst aus ruhigem Glauben an das Leben
heraus und kommt aus unverwüstlicher Frühlingshoffnung, aus zuversichtlichem
Erharren des deutschen Sieges!
Auch hier wieder die Kontraste der pietätvoll gezierten deutschen
Soldatengräber und der in Regen und Sonne verwesenden Franzosenleichen, die,
unbeerdigt, von ihrer Heimat festgehalten, aber von ihrem Volk verlassen, als
zermürbte Mißform zwischen den Schützengräben liegen. Ein junger Offizier,
der mir von einer harten, aber siegreichen Sturmnacht berichtet, zeigt mir in
einer von Streifschüssen durchfächerten Wiesenmulde viele von diesen
blaubraunen, schon nimmer menschenähnlichen Klumpen, deutet auf den uns
zunächst liegenden und sagt: »Als alle, die den Angriff gegen uns versuchten,
schon gefallen waren, ist d e r noch wie ein Baum bis zuletzt gestanden. Es war
ein Jammer, daß wir den braven Kerl haben totmachen müssen.« Um seiner
Tapferkeit willen versuchten es die D e u t s c h e n , ihn zu begraben – die
Franzosen ließen es nicht geschehen; sie schossen. –
Der Morgenhimmel hat sich geklärt. Es ist hell geworden und die Sonne
kommt. Ihre warme, goldene Riesenhand streichelt zärtlich über die kahlen
Felder hin, die wie leblos erscheinen, obwohl hinter ihren Erdrunzeln der
Herzschlag eines tausendfältigen Lebens hämmert – und zärtlich streichelt das
wachsende Sonnenlicht die Köpfe unserer Feldgrauen bei den Schießscharten,
streichelt aber auch ebenso zärtlich die nur noch schwach an Menschen
erinnernden Klumpen, die unbeweglich da draußen liegen auf dem goldfarbenen
Acker und die warme Liebkosung der ewigen Lebensmutter nimmer fühlen.
Eine große, bewundernswerte Philosophin ist sie, in ihrem Glanz da droben!
Ohne Unterschiede zu machen, sieht sie alle Dinge der Erde barmherzig und
hilfreich an, Freund und Feind ist für sie nur ein einziges Wort! – Und wir
Menschen? Was tun wir um einiger Buchstaben willen? –
Immer lebhafter knallen die Gewehrschüsse über die unabsehbare Zeile der
Schützengräben hin. Inmitten dieses harten Geknatters hört man von der nur
hundertfünfzig Meter entfernten feindlichen Stellung ein kurzes, wirres
Geschrei. Hat eine deutsche Kugel da drüben einen Stahlschild durchbohrt? Ist
sie durch eine Scharte geflogen, aus der ein feindliches Auge spähte? Fiel da
drüben einer? Das sind Gedanken, die nicht ausgesprochen werden. Niemand
stellt eine Frage; so braucht auch keiner zu antworten. Die Schüsse knallen,
immerzu, immerzu. Es scheint, als wäre das stählerne Geklapper ein bißchen
schneller geworden. Nun verzögert es sich wieder. Und linde Sonnenstrahlen
schmeicheln sich in die kühle Feuchtigkeit des Grabens herein, dessen
Lehmwände fein zu dampfen beginnen.
Da klingen menschliche Stimmen – ganz deutlich hört man's über die
hundertfünfzig Meter herüber – fünf oder sechs Männerstimmen zählen unisono:
»Un, deux, trois!« – das letzte Wort hat einen stärkeren Klang – und dann rollt
über den feindlichen Erdwall ein dunkelblauer Klumpen herüber, sieht aus wie
ein Mensch mit schlaffen Armen und Beinen, kollert gegen den Acker hin und
bleibt da liegen wie ein Pfahl, der von einem Soldatenmantel umwickelt ist.
Das haben viele von den Unseren gesehen. Und nicht nur dieses eine Mal! Ich
kann's nicht begreifen – seit ich die Fürsorge französischer Ärzte für die ihrer
Pflege anvertrauten Verwundeten gesehen habe, versteh ich diese Pietätlosigkeit
der französischen Soldaten gegen ihre gefallenen Kameraden noch weniger als
zuvor.
Während ich durch den Schützengraben hinwandere, begleitet von dem harten
Geknatter, klingen immer wieder diese drei schrecklichen Worte in mir nach: »Un, deux, trois!« Um sie auszulöschen, erwecke ich gegensätzliche Bilder in
mir und erinnere mich jeder Freundlichkeit, die ich von der einheimischen
Bevölkerung hier erfahren habe, erinnere mich jedes gefälligen Zuges, den ich
an ihnen wahrgenommen. Noch in jedem Quartier, das ich, seit meinem ersten
Schritt über die Grenze, hier auf französischem Boden bewohnte, fand ich gute
Aufnahme, vielleicht nicht immer ehrliche Worte, aber doch immer ehrliche und
liebenswürdige Dienstwilligkeit. Hier in Lille, im Haus einer alten französischen
Dame, hab' ich auch herzliche Güte gefunden. Als ich zwei Tage lang mit einem
Schützengraben-Rheumatismus die Stube hüten mußte, wurde ich von den
Hausleuten mit wahrhaft rührender Aufmerksamkeit gepflegt. Zwanzigmal des
Tages kam die gute alte Frau, um zu fragen, ob ich einen Wunsch hätte, oder um
nachzusehen, ob das Fenster gut geschlossen und das Kaminfeuer in
behaglichem Brand wäre. Und die Söhne solcher Mütter zählen im französischen
Schützengraben: »Un, deux, trois!« Wie soll man's verstehen? Man wird da, im
Quartier und Feld, bei der Beurteilung des französischen Volkes immer hin und
her geworfen zwischen freundlichem Glauben und hartem Groll, zwischen
wühlendem Zorn und herzlichem Empfinden. Wer sagt mir, was da das Richtige
ist? Ich weiß es nicht. Wie schwer es ist, gerecht zu sein, das wußte ich zeit
meines Lebens. Jetzt, hier in Frankreich, bei allem Wechsel und Gewirre von
dunklen und hellen Bildern, beginne ich fast zu glauben, daß Gerechtigkeit im
reinsten Sinne des Wortes eine der menschlichen Natur versagte Eigenschaft ist.
Was wir Gerechtigkeit nennen, ist ein Zwitterkind von Haß und Liebe, wenn
diese beiden einander die Wagschale halten.
Wahrhaft gerecht ist nur die Sonne.
Schön und strahlend, die lächelnde Mutter eines klaren, eines wundervoll
milden Frühlingsmorgens, steigt sie über den blauen, wolkenlosen Himmel
empor. Wolkenlos? Nein! Überall puffen schon wieder die kleinen weißen
Himmelsschäflein der Schrapnellgeschosse auf, die hinter einem Flieger
hertasten. Immer dröhnt und knattert es. Auch die gröberen Kaliber der
feindlichen Geschütze rühren sich – es ist halb neun Uhr vorüber, die Franzosen
haben gefrühstückt – und immer näher brüllen die Granatenschläge. Aber alle
die zerrissenen Bäume und Hecken des gestorbenen Dorfes funkeln von Sonne,
um alle Ruinenzähne und Dachstumpen webt sich ein feines Geglitzer, und wo
die verwesenden Viehkadaver liegen und auseinanderfließen wie abscheuliche
Käslaibe im letzten Stadium ihres Daseins, da blühen Schneeglöckchen und
Gänseblümchen und Aurikeln.
Ein ohrzerreißender Donner dröhnt hinter einer Hausruine, die nur fünfzig Meter von uns entfernt liegt. Rauch wirbelt auf, Dreck fliegt empor und Steine
spritzen. Ein sonderbarer Geruch. Und eine verkohlte Mauer, die da drüben
gestanden, fällt langsam und ohne viel Lärm in sich zusammen. Eine feste
deutsche Offiziershand faßt meinen Arm: »Wir müssen gehen. Ich bin
verantwortlich.« Da hilft keine Bitte. Und kaum sind wir ein paar hundert
Schritte weit gekommen, so geht hinter uns ein Gedonner los, wie wir's im
Frieden manchmal erleben können beim Schlußeffekt eines festlichen
Feuerwerkes. Die Feldgrauen nennen diese lärmende Sache »das tägliche
Morgenbrot«. Und seit die Franzosen ihr Quantum amerikanischer Munition
gefaßt haben, verabreichen sie dieses Frühstück in reichlichen Portionen. Vor
und hinter dem deutschen Schützengraben wachsen ganze Alleen von
Rauchbäumen, die sich in Dunsthecken verwandeln. Das kostet viel und macht
nur geringen Schaden. Drum antworten unsere Geschütze nur ab und zu mit
einer von den belgischen Granaten, die wir billig bekommen.
Ich schaue zurück. Die Ruinen des Dorfes sind umschleiert von Staub und
Rauchgewirbel.
Über den Kamm einer Feldhöhe müssen wir flink hinüberspringen. Dann sind
wir wieder in dem Dorf, in dem ich übernachtete. Es ist noch leidlich erhalten,
obwohl schon zahlreiche Dächer fehlen. Im Hof eines Bauernhauses sehe ich
eine merkwürdige Sache liegen: eine große, viele Zentner schwere
Kirchenglocke. Auf meinen fragenden Blick zeigt mir der führende Offizier
einen gewaltigen Trümmerhaufen, so formlos, daß ich nimmer zu erkennen
vermag, was da in Schutt versank. Dieser Berg von Steinen, von Staub und
Mörtel, war einmal eine schöne französische Kirche. Nachdem die Deutschen
das Dorf erobert hatten, richteten die Franzosen dieses, ihr eigenes Gotteshaus so
zu, daß man die Ruine sprengen mußte, wenn nicht durch den drohenden
Einsturz deutsche Soldaten erschlagen werden sollten. Vor der Sprengung bargen
die Deutschen mit Lebensgefahr alle Kirchengeräte und übergaben sie dem
Pfarramt des Nachbardorfes. Aus dem Schutthaufen des Turmes gruben sie auch
noch die große Glocke heraus und rollten sie bis zum Gehöft des Bürgermeisters.
– Wo bleiben die Proteste der Herren Spitteler und Hodler? Den beiden sollte
man eine Freifahrt nach Roye gewähren, wo die Engländer eine alte, herrliche
Kathedrale völlig zwecklos ohne militärische Notwendigkeit in ein steinernes
Sieb verwandelten, nur aus dem einzigen Grunde: weil sie so miserabel
schossen, daß sie wohl immer wußten, wohin sie zielten, aber nie, wohin sie
trafen.
Eine jagende Heimfahrt über das von Sonne schimmernde Land. Schon umdunstet sich der Westen wieder, alles Leuchtende verschwindet und der Wind
wird rauh. Ehe die huschenden Regenschleier die ganze Ferne umhüllen, seh' ich
für einige Minuten die Türme von Arras herauftauchen und sehe das von
Erdwällen durchschnittene Kampfgelände, wo fast jede Bodenscholle für einen
kommenden Frühling mit Blut gedüngt ist, mit deutschem Blut und noch mehr
mit feindlichem. Die schon im Grau verschwindenden Hügel da drüben? Das ist
die Stätte des deutschen Sieges vom 3. März. Dort wurden die Sechshundert
gefangen, denen die Bewohner von Lille in einer halb tragischen und halb
grotesken Verwechslung der Begriffe so glückselig zujubelten, als wäre
Frankreich erlöst und gerettet. Dieses Ereignis bekam noch ein sonderbares, für
die Lage der Dinge sehr charakteristisches Nachspiel. Am Tage nach dem für die
Deutschen siegreichen Gefechte stellten sich bei einem von unseren
Schützengräben sechsundzwanzig mongolische Überläufer vom Stamme der
Afridi ein. Das ist der kriegstüchtigste unter den asiatischen Gebirgsstämmen des
britischen Weltreiches. Die Männer dieses Stammes lieben nichts auf der Welt so
heiß und begehrlich wie eine gute Waffe. Für ein scharfschießendes Gewehr und
eine feste Stahlklinge geben sie Haus und Weib als Kaufpreis. Und nun kamen
diese Sechsundzwanzig, ergaben sich den Deutschen und sagten dem
Dolmetsch: sie hätten erkannt, daß die deutschen Waffen besser wären als die
englischen und französischen; man solle ihnen diese herrlichen deutschen
Lanzen, Schwerter und Gewehre geben, dann würden sie mit diesen siegreichen
Waffen für Deutschland fechten!
Das Geschäft war nicht zu machen. Unmöglich!
Die Engländer – ich bin überzeugt davon – hätten umgekehrten Falles diesen
Waffenhandel ohne viel Zögern abgeschlossen.