Duden Deutsche Geschichte, Was jeder wissen muss
Nationalsozialismus
1933 Diktatur unter dem Hakenkreuz Nationalsozialismus
1933–1945
Die nationalsozialistischen
Machthaber verwandelten
die parlamentarische Repu-
blik in einen totalitären
»Führerstaat«. Adolf Hitlers
Expansionsprogramm
Buch.indb 223 1945 mündete in den Zweiten Weltkrieg, dessen Ausgang das Ende eines souveränen Deutschen Reichs bedeu-tete. 09.06.2009 18:31:35 Uhr
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machtergreifung und
Gleichschaltung
1933 Am 4. 1. beginnt die letzte Etappe im Kampf Adolf Hitlers um die
Regierungsgewalt im Deutschen Reich: Hitler folgt einer Einla-
dung Franz von Papens zu einem Kontaktgespräch im Haus ei-
nes Kölner Bankiers, wo Papen ihm eine Koalition aus NSDAP
und DNVP (Deutschnationale Volkspartei) unter gemeinsamer
gleichberechtigter Führung vorschlägt. Hitler fordert jedoch die
alleinige Führung. Während Reichskanzler Kurt von schleicher
sich noch um die Ausrufung des Staatsnotstands und Auflösung
des Reichstags bemüht, beauftragt Reichspräsident Paul von
Hindenburg Papen Mitte Januar, streng vertraulich die Möglich-
keiten einer neuen Regierungsbildung zu sondieren. Am 28. 1. entzieht Hindenburg Schleicher das Vertrauen. Der Weg
für Papen ist jetzt frei, und schon zwei Tage später ernennt Hin-
denburg Hitler zum Reichskanzler.
MeIleNsTeIN
1933 Hitler zieht in die Reichskanzlei ein
30. januar die sogenannte machtergreifung adolf Hitlers war
kein staatsstreich, sondern zunächst nur die Bildung eines weite
ren Präsidialkabinetts nach der art seiner Vorläufer ab 1930.
dem Kabinett der »nationalen Konzentration«, das der reichs
präsident am 30. 1. vereidigte, gehörten außer Hitler mit Wil
helm Frick und Hermann Göring nur zwei weitere nationalsozia
listen an. Vizekanzler Franz von Papen und alfred Hugenberg
fühlten sich als die starken männer im Kabinett; sie glaubten,
die nationalsozialistische massenbewegung »gezähmt« zu haben
und für die stabilisierung ihrer konservativautoritären regierung
benutzen zu können. Papen meinte: »in zwei monaten haben wir
Hitler in die ecke gedrückt, dass er quietscht.« die tatsächliche
machtergreifung vollzog sich schrittweise bis zur Vereinigung der
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Ämter des reichskanzlers und des reichspräsidenten durch den
»Führer und reichskanzler adolf Hitler« am 2. 8. 1934, wodurch
die letzte Kontrollinstanz beseitigt war.
Am 1. 2. setzt Hitler entgegen den Koalitionsabsprachen die Auf-
lösung der Reichstags durch. Im folgenden Wahlkampf setzen
die Nationalsozialisten Terror v. a. gegen Kommunisten und So-
zialdemokraten ein. Mit dem Besitz des Innenministeriums im
Reich und in Preußen verfügen sie über die Polizeigewalt; so sind
Terror und legale Maßnahmen oft kaum zu trennen. Am 4. 2. wird, begründet mit einem Aufruf der KPD zum General-
streik, eine Verordnung »zum Schutz des deutschen Volkes« er-
lassen, die Kontrolle von Zeitungen und politischen Veranstal-
tungen und damit eine Behinderung des Wahlkampfs gegneri-
scher Parteien ermöglicht.
MeIleNsTeIN
1933 Willkommenes Fanal
27. Februar den Brand des reichstagsgebäudes in Berlin, der
die Kuppel und viele innenräume zerstörte, schrieb Hitler den
Kommunisten zu. Tatsächlich wurde noch in der nacht der nie
derländische Kommunist marinus van der Lubbe festgenommen,
der die Brandstiftung gestand, verurteilt und im januar 1934
hingerichtet wurde. Wichtiger als die nie völlig aufgeklärten Tat
umstände ist, wie die nationalsozialisten das ereignis ausnutz
ten. am 28. 2. erließ der reichspräsident nach artikel 48 (»aus
nahmezustand«) der Weimarer Verfassung die »Verordnung zum
schutz von Volk und staat«, die die bürgerlichen Grundrechte
wie Freiheit der Person und Pressefreiheit praktisch außer Kraft
setzte. damit erhielt die Verfolgung politischer Gegner den an
schein der Legalität. im Prinzip war jedoch ein permanenter aus
nahmezustand verhängt. Zwar bestand die Weimarer Verfassung
formell bis 1945 weiter, doch bezeichnet diese Verordnung die
Bruchstelle zwischen demokratie und diktatur.
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Bei den Wahlen am 5. 3., die wegen der um sich greifenden Rechts-
unsicherheit nicht mehr als frei gelten können, wird die NSDAP
mit 43,9 % der Stimmen, einem Zuwachs von 5,5 Millionen ge-
genüber der Wahl von 6. 11. 1932, stärkste Partei. Mit den 8 % für
die DNVP verfügt das Kabinett über eine Mehrheit im Reichstag,
hätte also gemäß der Verfassung regieren können. Am 13. 3. erhält Joseph Goebbels das neue »Reichsministerium
für Volksaufklärung und Propaganda« und damit die Kontrolle
über alle Bereiche des kulturellen Lebens. Er nutzt v. a. die Me-
dien Film und Rundfunk zur Beeinflussung der Massen. Der »Tag von Potsdam« am 21. 3. ist Goebbels’ erste große Insze-
nierung. Anlässlich der Eröffnung des Reichstags ziehen die Ab-
geordneten zur Garnisonskirche in Potsdam. Vor der Grabstätte
Friedrichs des Großen verneigt sich Hitler vor Hindenburg, um
dem Volk die Aussöhnung zwischen dem alten Preußen und der
dynamischen jungen Bewegung vor Augen zu führen und das
»Dritte Reich« als legitimen Erben des Heiligen Römischen
Reichs und des bismarckschen Reichs darzustellen.
MeIleNsTeIN
1933 Der Reichstag schaufelt sein eigenes Grab
23. märz die reichstagswahl vom 5. 3. hatte eine parlamentari
sche mehrheit für eine Koalition von nsdaP und dnVP ergeben,
doch strebte adolf Hitler nun an, das Parlament völlig auszu
schalten. das zu diesem Zweck vorgelegte »ermächtigungsge
setz« sah für die regierung das recht vor, vier jahre lang ohne
mitwirkung des reichstags Gesetze zu erlassen. die hierzu not
wendige Zweidrittelmehrheit hätte durch ein nein von sPd, KPd
und einigen bürgerlichen abgeordneten verhindert werden kön
nen. doch zwei Tage zuvor hatte reichspräsident Paul von Hin
denburg eine Verordnung »zur abwehr heimtückischer angriffe
gegen die regierung der nationalen erhebung« erlassen, mit der
die KPd ausgeschaltet wurde, und auch von den 120 abgeordne
ten der sPd waren 26 inhaftiert oder geflohen. doch die 94 noch
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anwesenden sozialdemokraten stimmten geschlossen gegen das
Gesetz; die letzte freie rede im reichstag hielt ihr Fraktionsvor
sitzender Otto Wels. die Parteien der mitte – die Liberalen und
das katholische Zentrum – rangen sich zur Zustimmung durch,
weil sie hofften, damit einfluss auf die Politik zu behalten.
Am 31. 3. werden die Länderparlamente durch das »Vorläufige
Gesetz zur Gleichschaltung der länder mit dem Reich« ohne
Neuwahlen entsprechend dem Ergebnis der Reichstagswahl um-
gebildet. Das zweite Gesetz zur Gleichschaltung vom 7. 4. setzt
Reichsstatthalter ein, die nach Weisungen aus Berlin Länderre-
gierungen ernennen oder entlassen.
Der »Judenboykott« vom 1. 4., der sich gegen jüdische Geschäfte,
Ärzte und Rechtsanwälte richtet, ist der erste sichtbare Beweis
für die staatlich organisierte Judenverfolgung, nachdem Hitler
zwischen 1930 und 1933 die antisemitische Agitation einge-
schränkt hatte, um seine Wahlchancen zu erhöhen. Das »Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums«
vom 7. 4. ermöglicht die Entlassung politisch missliebiger Beam-
ter. Der erforderliche »Ariernachweis« schließt Juden vom Be-
amtenstatus aus. Ausgenommen sind Juden, die im Ersten Welt-
krieg für Deutschland gekämpft haben oder deren Söhne oder
Väter gefallen sind. Dieses »Frontkämpferprivileg« ist Hinden-
burg zu verdanken.
Um die Arbeiter für den Nationalsozialismus zu gewinnen, wird
der 1. Mai als »Tag der nationalen Arbeit« zum Staatsfeiertag er-
klärt und mit Großveranstaltungen begangen. Am Tag darauf
werden Gewerkschaftshäuser besetzt und die Gewerkschafts-
führer verhaftet. Die Gewerkschaften gehen in der am 10. 5. ge-
gründeten »Deutschen Arbeitsfront« auf. Die Hetze gegen missliebige Schriftsteller und Intellektuelle er-
reicht am 10. 5. einen Höhepunkt in den von Goebbels organi-
sierten öffentlichen Bücherverbrennungen (»Verbrennung un-
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deutschen Schrifttums«) in Berlin und vielen Universitätsstäd-
ten.
Nach dem Verbot der sPD am 22. 6. lösen sich alle bürgerlichen
Parteien auf, zuletzt das Zentrum am 5. 7. Ein Gesetz vom 14. 7.
verbietet die Neubildung von Parteien. Das »Gesetz zur Siche-
rung der Einheit von Partei und Staat« vom 1. 12., in dem die
NSDAP zur »Trägerin des deutschen Staatsgedankens« erklärt
wird, führt den Einparteienstaat ein.
Am 20. 7. wird das Konkordat zwischen dem Deutschen Reich und
dem Heiligen Stuhl geschlossen. Das Reich sichert der katholi-
schen Kirche innere Autonomie und öffentliche Ausübung des
Bekenntnisses zu. Der Klerus verzichtet auf jegliche politische
Betätigung.
Der Gleichschaltung des kulturellen Lebens dient die Gründung
der Reichskulturkammer am 22. 9., deren Vorsitz Goebbels über-
nimmt. Sie hat sieben Abteilungen (Film, Theater, Musik, bil-
dende Kunst, Literatur, Presse, Rundfunk); wer ausgeschlossen
oder nicht aufgenommen wird, hat faktisch Berufsverbot. Um die Aufrüstung vorantreiben zu können, verlässt das Deut-
sche Reich am 14. 10. die Abrüstungskonferenz und kündigt den
Austritt aus dem Völkerbund an. Damit fallen vertragliche Bin-
dungen fort, die die Aufrüstung hätten gefährden können. 1934 Das »Gesetz über den Neuaufbau des Reiches« vom 30. 1. schließt
die Gleichschaltung der länder ab. Es hebt die Länderregierun-
gen auf; die Hoheitsrechte der Länder gehen auf das Reich über.
Die Reichsstatthalter unterstehen dem Reichsinnenministerium.
Der somit überflüssige Reichsrat wird am 14. 2. aufgehoben. Am 20. 4. wird der Reichsführer der SS, Heinrich Himmler, Ins-
pekteur der Gestapo (Geheime Staatspolizei). Damit wird der
Einfluss der SS gesteigert; ihr untersteht jetzt die Führung der
Politischen Polizei.
Auf der Barmer Bekenntnissynode (29.–31. 5.) konstituiert sich
die Bekennende Kirche, die sich von der nationalsozialistisch
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ausgerichteten Reichskirche (»Deutsche Christen«) abgrenzt.
Ihr gehört etwa ein Drittel der evangelischen Pfarrer an. Die
Gleichschaltung der Kirche ist gescheitert.
MeIleNsTeIN
1934 Die »Nacht der langen Messer«
30. juni angebliche Putschpläne ernst röhms, Führer der sa
und enger Weggefährte adolf Hitlers, dienten diesem als Vorwand
zur Beseitigung der saFührung. Tatsächlich hatte röhm die Ver
schmelzung der sa mit der reichswehr zu einer von ihm geführ
ten miliz verlangt. dem widersetzte sich freilich das konservative
Offizierskorps. seine eigenen Pläne im Blick, setzte Hitler nun
auf die reichswehr. er brauchte sie, um nach Paul von Hinden
burgs Tod die Ämter des reichskanzlers und reichspräsidenten
in seiner Person zu vereinigen, und ohne Zustimmung der
reichswehrführung würde sich die reichswehr nicht auf ein
staatsoberhaupt Hitler vereidigen lassen. am 30. 6. gab Hitler
das signal zu einer dreitägigen mordaktion, der neben der Füh
rungsriege der sa auch missliebige konservative regimekritiker
zum Opfer fielen; unter den vermutlich über 200 Opfern war
auch der frühere reichskanzler General Kurt von schleicher. am
3. 7. ließ Hitler die morde per Gesetz als »staatsnotwehr« nach
träglich für rechtens erklären.
Am 25. 7. scheitert ein Putschversuch der seit 1933 verbotenen ös-
terreichischen Nationalsozialisten gegen die autoritäre Regie-
rung engelbert Dollfuß. Bei der Besetzung des Bundeskanzler-
amtes wird Dollfuß ermordet, doch der Putsch bricht zusam-
men, weil das Bundesheer zur Regierung steht. Bundeskanzler
wird Kurt schuschnigg, der im Sinn des »Austrofaschismus«
seines Vorgängers regiert.
Am 2. 8. stirbt Hindenburg. Hitler übernimmt das Amt des Reichs-
präsidenten. Noch am selben Tag lässt er die Reichswehr auf
seine Person als »Führer und Reichskanzler« vereidigen. Die üb-
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liche Verpflichtung auf die Verfassung fehlt in der Eidesformel.
Damit ist die Diktatur endgültig gefestigt.
1935 Am 13. 1. findet die im Versailler Vertrag vorgesehene Volksab-
stimmung im saargebiet statt; 90,8 % stimmen für die Rückkehr
zum Reich. Da die Franzosen den Nationalsozialismus als Wahl-
kampfthema in den Vordergrund gestellt hatten, kann Hitler
das Ergebnis innenpolitisch als Zustimmung zu seiner Politik
ausbeuten.
Am 16. 3. führt das Deutsche Reich gegen die Bestimmungen des
Versailler Vertrags die allgemeine Wehrpflicht wieder ein, zu-
nächst mit einjähriger Dienstpflicht, die am 24. 8. 1936 auf zwei
Jahre erhöht wird. Als Friedensstärke sind 580 000 Mann vorge-
sehen, das Heer soll bis 1939 kriegsfähig sein.
Auf einer Konferenz in Stresa (11.–14. 4.) verurteilen Frankreich,
Großbritannien und Italien (»stresafront«) die einseitige Auf-
kündigung von Verträgen durch das Deutsche Reich und verein-
baren ein gemeinsames Vorgehen bei zukünftigen einseitigen
Schritten Deutschlands.
Am 26. 6. wird der Reichsarbeitsdienst für alle jungen Männer
zwischen 18 und 25 Jahren Pflicht (nach Beginn des Krieges auch
für junge Frauen). Neben dem Kampf gegen die Arbeitslosigkeit
durch Einsatz für die Infrastruktur dient das Leben im Arbeits-
lager auch der nationalsozialistischen Erziehung.
MeIleNsTeIN
1935 Vorläufiger Höhepunkt des »Rassenwahns«
15. september die auf dem siebten reichsparteitag der nsdaP
in nürnberg verkündeten Gesetze zur rassenpolitik setzten die
1933 eingeleitete antijüdische Politik konsequent fort. das »Ge
setz zum schutz des deutschen Blutes und der deutschen ehre«
(»Blutschutzgesetz«) verbot ehen und außerehelichen Ge
schlechtsverkehr zwischen juden und staatsangehörigen »deut
schen oder artverwandten Blutes«. Verstöße wurden als »rassen
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schande« schwer bestraft. Ferner durften juden keine deutschen
dienstmädchen unter 45 jahren beschäftigen. eine Verordnung
vom 14. 11. erweiterte das eheverbot auf andere Gruppen wie
»Zigeuner, neger und deren Bastarde«. das »reichsbürgerge
setz« unterschied zwischen reichsbürgern und staatsangehöri
gen. reichsbürger konnten nur »staatsangehörige deutschen und
artverwandten Blutes« sein. damit waren juden endgültig von öf
fentlichen Ämtern ausgeschlossen. Beide Gesetze wurden in der
Folge durch zahlreiche Verordnungen präzisiert und verschärft.
die Vorbereitung des Krieges
1936 Entgegen dem Versailler Vertrag und den Verträgen von Locarno
lässt Hitler am 7. 3. Truppen in das entmilitarisierte Rheinland
einrücken. Außer verbalen Protesten regte sich kein Widerstand
im Ausland. In einer Rede vor dem Reichstag am selben Tag be-
kräftigt Hitler den Friedenswillen Deutschlands und begründet
seinen Schritt mit dem französisch-sowjetischen Beistands-
pakt.
Mit dem Putsch in Spanisch-Marokko am 18. 7. löst General Fran-
cisco Franco den spanischen Bürgerkrieg aus. Seinem Hilfeersu-
chen kommt Hitler am 25. 7. nach; die »Legion Condor« trägt
wesentlich zum Erfolg Francos bei. Es ist der erste praktische
Einsatz der deutschen Wehrmacht.
MeIleNsTeIN
1936 »Ich rufe die Jugend der Welt«
1. august Vor 100 000 Zuschauern eröffnete adolf Hitler im
neu erbauten Olympiastadion in Berlin die Xi. Olympischen som
merspiele. im Vorfeld hatten v. a. die usa und Frankreich einen
Boykott der 1931 nach Berlin vergebenen spiele erwogen. um
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eine Verlegung ins ausland zu verhindern, sagte die regierung
dem internationalen Olympischen Komitee zu, die olympischen
regeln einzuhalten und »allen rassen« die Teilnahme zu ermög
lichen. die deutschen wurden aufgerufen, durch ihr Verhalten
gegenüber den Gästen aus dem ausland Vorurteile abzubauen.
antisemitische Parolen wurden aus dem stadtbild und aus der
Presse verbannt. so gelang es, die illusion fröhlicher, »unpoliti
scher« spiele zu vermitteln. Tatsächlich herrschte während der
spiele eine gelöste atmosphäre, die ausländischen sportler und
Gäste fühlten sich wohl. den nationalsozialisten war es gelun
gen, die spiele als gigantische Propagandaschau zu inszenieren,
die das ansehen deutschlands zumindest vorübergehend hob.
Der am 9. 9. auf dem Nürnberger Parteitag verkündete Vierjahres-
plan soll das Deutsche Reich von ausländischen Rohstoffen und
Erzeugnissen unabhängig machen. In einer geheimen Denk-
schrift fordert Hitler, die deutsche Armee müsse in vier Jahren
einsatzfähig, die deutsche Wirtschaft in vier Jahren kriegsfähig
sein.
Am 25. 10. schließen Hitler und Mussolini einen geheimen Freund-
schaftsvertrag, nachdem sich Deutschland und Italien durch
ihre Unterstützung Francos angenähert haben. Von der »Achse
Berlin–Rom« spricht Mussolini zum ersten Mal am 1. 11. in sei-
ner Mailänder Rede.
Deutschland und Japan schließen am 25. 11. den Antikomintern-
pakt zur Abwehr der Propagandatätigkeit der Kommunistischen
Internationale. In einem Geheimabkommen verpflichten sich
die Partner, keinen Vertrag mit der UdSSR ohne gegenseitige
Zustimmung zu schließen. Italien tritt dem Pakt am 6. 11. 1937
bei.
1937 Im sich verschärfenden Kampf zwischen Nationalsozialismus und
katholischer Kirche unterschreibt Papst Pius XI. am 14. 3. die in
deutscher Sprache abgefasste Enzyklika »Mit brennender sorge«,
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in der er das antichristliche Regime in Deutschland anklagt. Sie
wird am 21. 3. in allen Gemeinden verlesen. Darauf kommt es zu
zahlreichen Verhaftungen.
Nach dem Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke bei Peking am
7. 7. beginnt der Chinesisch-Japanische Krieg. Trotz großer mili-
tärischer Erfolge der Japaner kapituliert China nicht. Am 19. 7. wird in München die Ausstellung »entartete Kunst« er-
öffnet. Die in verfälschender und verhöhnender Absicht zusam-
mengestellte, später auch in anderen deutschen Städten ge-
zeigte Auswahl der Werke moderner Richtungen wie Expressio-
nismus, Neue Sachlichkeit oder Surrealismus wurde getroffen,
indem die Bilder durch systematische »Säuberungen« aus den
deutschen Museen entfernt wurden. Teile der beschlagnahmten
Werke wurden später zerstört, Teile 1939 bei einer Auktion in
Luzern versteigert.
Am 5. 11. erläutert Hitler den Befehlshabern der drei Wehrmachts-
teile, dem Kriegs- und dem Außenminister seine Expansions-
pläne im Osten; Hitlers Adjutant Oberst Friedrich Hoßbach fer-
tigt ein Gedächtnisprotokoll an (»Hoßbachprotokoll«). Danach
sieht Hitler die deutsche Zukunft »durch die Lösung der Raum-
not bedingt«. Die »Raumfrage« müsse spätestens bis 1943/1945
»gelöst« werden, weil Deutschland nur bis dahin einen Rüs-
tungsvorsprung habe; die Niederwerfung Österreichs und der
Tschechoslowakei sei schon 1938 möglich.
1938 Am 4. 2. werden Kriegsminister Werner von Blomberg wegen ei-
ner nicht standesgemäßen Heirat und der Oberbefehlshaber des
Heeres Werner von Fritsch aufgrund einer Intrige entlassen
(»Blomberg-Fritsch-Krise«). Fritsch hatte laut »Hoßbachproto-
koll« Bedenken gegen Hitlers Kriegspläne geäußert. Hitler wird
»Oberbefehlshaber der Wehrmacht«.
Am 9. 3. setzt der österreichische Bundeskanzler Schuschnigg für
den 13. 3. eine Volksabstimmung über ein unabhängiges Öster-
reich an. Darauf fordert Hitler am 11. 3. ultimativ den Rücktritt
Buch.indb 233 09.06.2009 18:31:39 Uhr
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Schuschniggs zugunsten des Nationalsozialisten Arthur seyß-
Inquart; andernfalls würden Truppen in Österreich einmar-
schieren. Obwohl Schuschnigg nachgibt und Seyß-Inquart am
Abend des 11. 3. die Regierung übernimmt, gibt Hitler den Be-
fehl zum Einmarsch. Er denkt an eine Union Österreichs mit
dem Reich, doch als die am 12. 3. einmarschierenden Truppen
bejubelt werden, fällt die spontane Entscheidung für den An-
schluss Österreichs an das Deutsche Reich, der am 13. 3. vollzo-
gen wird.
MeIleNsTeIN
1938 Den Frieden gerettet?
29. september ab dem anschluss Österreichs an das deutsche
reich schürte adolf Hitler die Krise um das sudetenland. Hitlers
drohung auf dem nürnberger Parteitag, in die Tschechoslowakei
einzurücken, steigerte die Kriegsgefahr. Zur rettung des Frie
dens konferierte der britische Premierminister neville Chamber
lain in Berchtesgaden (15. 9.) und Bad Godesberg (22.–24. 9.)
mit Hitler und bot die abtretung des sudetenlands an. doch nun
forderte Hitler die sofortige Besetzung der beanspruchten Ge
biete, woran die Konferenz scheiterte. nun bat Chamberlain Be
nito mussolini um Vermittlung, die zum münchener abkommen
vom 29. 9. führte. der Tschechoslowakei wurde auferlegt, das
sudetenland zwischen dem 1. 10. und 10. 10. an das deutsche
reich abzutreten. dafür garantierten Großbritannien und Frank
reich die Grenzen des reststaates; Chamberlain wurde in Lon
don für seine Friedenspolitik gefeiert. Wie wenig seine be
schwichtigende Politik des appeasement wert war, sollte sich im
märz 1939 zeigen, als deutsche Truppen die »resttschechei«
besetzten.
Am 21. 10. gibt Hitler den Generälen der Wehrmacht die Wei-
sung, die »erledigung der Resttschechei« militärisch vorzuberei-
ten. Den Anlass lieferten ihm Unabhängigkeitsbestrebungen in
der Slowakei, die sich bereits am 6. 10. für autonom erklärt hat.
Buch.indb 234 09.06.2009 18:31:39 Uhr
235 Diktatur unter dem Hakenkreuz
MeIleNsTeIN
1938 Brennende synagogen, zerstörte Geschäfte
9./10. november ende Oktober wurden juden polnischer staats
angehörigkeit in massen deportiert, so auch die eltern des emig
rierten Herschel Grynszpan. der 17jährige fasste den Plan, am
7. 11. aus rache den deutschen Botschafter in Paris zu erschie
ßen, traf aber den Legationssekretär ernst vom rath, der zwei
Tage später seinen Verletzungen erlag. dies diente als Vorwand
für die als Äußerung des spontanen »Volkszorns« deklarierte Ter
roraktion, bei der nationalsozialistische Trupps planmäßig Hun
derte synagogen und Tausende jüdische Geschäfte zerstörten.
Wegen der zerschlagenen schaufenster kam für die Pogromnacht
der verharmlosende Begriff »reichskristallnacht« auf. eine nicht
genau feststellbare Zahl von Personen wurde dabei getötet, mehr
als 30 000 jüdische männer wurden verhaftet. das reich ver
langte von den juden eine milliarde reichsmark und die Wieder
herstellung der sachschäden. der völlige Verzicht auf den Ver
such einer rechtlichen Begründung zeigte, dass die judenverfol
gung eine neue stufe erreicht hatte.
Im Dezember verhandelt der deutsche Außenminister Joachim
von Ribbentrop mit seinem Kollegen Georges Bonnet in Paris. In
der deutsch-französischen erklärung vom 6. 12. wird die Endgül-
tigkeit der Grenze zwischen beiden Ländern bestätigt und ver-
einbart, in allen beide Länder betreffenden internationalen Fra-
gen in Fühlung zu bleiben. Ribbentrop kommt mit der unbe-
gründeten Überzeugung aus Paris zurück, Frankreich lasse
Deutschland freie Hand im Osten.
MeIleNsTeIN
1938 entdeckung mit ungeahnten Folgen
17. dezember am Berliner KaiserWilhelminstitut für Chemie
gelang Otto Hahn mit seinem assistenten Fritz straßmann die
spaltung von urankernen bei neutronenbestrahlung; die maß
geblich beteiligte Lise meitner war als jüdin bereits zur Flucht
Buch.indb 235 09.06.2009 18:31:39 Uhr
1933–1945 236
gezwungen gewesen. die technische Bedeutung der Kernspaltung
liegt in dem großen energiegewinn. in deutschland kam die nut
zung der atomenergie für Waffen nicht über erste vorbereitende
schritte hinaus. doch Befürchtungen, deutschland werde die
Kernspaltung militärisch nutzbar machen, beschleunigten die
Forschungen in den usa (»manhattanprojekt«). im dezember
1942 gelang am ersten Kernreaktor in Chicago die erste kontrol
lierte nukleare Kettenreaktion. die erste atombombe detonierte
am 16. 7. 1945 auf dem Versuchsgelände in new mexico, usa.
die zweite und die dritte Bombe wurden über den japanischen
städten Hiroshima und nagasaki am 6. 8. bzw. 9. 8. 1945 abge
worfen. ihre verheerende Wirkung beschleunigte die Kapitulation
japans.
1939 Am 14. 3. bestellt Hitler den Präsidenten der Tschechoslowakei,
Emil Hácha, nach Berlin und setzt ihn massiv unter Druck. Hit-
ler droht mit der Bombardierung Prags, falls Hácha das Schick-
sal seines Landes nicht »vertrauensvoll in die Hand des Führers«
lege. Hácha gibt der Erpressung nach. Die zuvor schon in Marsch
gesetzten Truppen rücken am Morgen des 16. 3. kampflos ein;
am selben Tag verkündet Hitler die Errichtung des Protektorats
Böhmen und Mähren. Die Slowakei, die auf Druck Hitlers am
14. 3. ihre Unabhängigkeit erklärt hat, stellt sich am 23. 3. unter
den »Schutz« des Deutschen Reichs.
Mit der kampflosen Besetzung Madrids am 28. 3. durch die natio-
nalspanischen Kräfte endet der Spanische Bürgerkrieg; Franco
baut sein diktatorisches Regime aus (»Franquismus«). Spanien
tritt im April dem Antikominternpakt bei, bleibt aber im Zwei-
ten Weltkrieg neutral.
Am 22. 5. schließt Deutschland mit Italien ein Militärbündnis,
den »stahlpakt«, in dem beide Staaten sich gegenseitige Unter-
stützung auch bei einem Angriffskrieg zusichern. Die Grenze
zwischen Italien und Deutschland wird als endgültig anerkannt;
Buch.indb 236 09.06.2009 18:31:39 Uhr
237 Diktatur unter dem Hakenkreuz
dem folgt am 21. 10. ein Abkommen über die Umsiedlung der
deutschsprachigen Bevölkerung ins Reich.
Das nationalsozialistische Deutschland und die kommunistische
UdSSR schließen am 23. 8. einen Nichtangriffspakt. Der soge-
nannte Hitler-stalin-Pakt enthält ein geheimes Zusatzprotokoll,
in dem sich beide auf die Aufteilung Polens und die Absteckung
von Interessensphären verständigen. Das Abkommen bricht zu-
gleich mit der Volksfrontpolitik und sorgt bei den Kommunis-
ten für große Verunsicherung.
der Zweite Weltkrieg
MeIleNsTeIN
1939 Der Überfall auf Polen
1. september nach der errichtung des »Protektorats Böhmen
und mähren« am 15. 3. 1939 forderte adolf Hitler von Polen die
rückgliederung danzigs an das deutsche reich und exterritoriale
Verbindungen nach Ostpreußen. europäische regierungen, v. a.
die britische, sahen dies als Hinweis, dass den Polen das gleiche
schicksal wie den Tschechen drohe. nachdem Polen die deut
schen Forderungen abgelehnt hatte, gab Großbritannien am
31. 3. eine Garantieerklärung für die unabhängigkeit des Landes
ab. Wenige Tage später gab Hitler den Befehl, den Feldzug gegen
Polen vorzubereiten. Während Großbritannien die udssr für die
rettung Polens zu gewinnen suchte, verhandelte diese zeitgleich
mit dem deutschen reich. Für die Welt kam der nichtangriffs
pakt zwischen den ideologischen Feinden deutschland und
udssr am 23. 8. überraschend. Hitler hatte nun im Osten freie
Hand und ließ plangemäß am 1. 9. den angriff auf Polen eröff
nen. Gemäß ihren vertraglichen Verpflichtungen gegenüber Polen
erklärten Großbritannien und Frankreich am 3. 9. dem deut
schen reich den Krieg. der europäische Krieg, der sich zum
Weltkrieg ausweiten sollte, hatte begonnen.
Buch.indb 237 09.06.2009 18:31:40 Uhr
1933–1945 238
Nach der Kapitulation Warschaus am 27. 9. schließt Deutschland
mit der Sowjetunion am 28. 9. ein Grenz- und Freundschaftsab-
kommen, in dem die am 23. 8. festgelegten Interessensphären
bei geringen Veränderungen bestätigt werden. Die Sowjetarmee
ist bereits am 17. 9. in Ostpolen eingerückt. Litauen, Lettland
und Estland werden zur Abtretung von Stützpunkten an die
UdSSR gezwungen. Am 12. 10. werden die im Versailler Vertrag
an Polen abgetretenen Gebiete ins Reich eingegliedert, der Rest
bildet das Generalgouvernement. Finnland lehnt die sowjetische Forderung nach einem Stützpunkt
ab. Am 30. 11. greift die UdSSR Finnland ohne Kriegserklärung
an und wird deshalb am 14. 12. aus dem Völkerbund ausge-
schlossen. Der »Winterkrieg« wird mit dem Frieden von Moskau
am 12. 3. 1940 beendet. Finnland muss Ostkarelien abtreten. 1940 Zur Sicherung der schwedischen Erzzufuhr über Narvik wird die
Besetzung Norwegens geplant. Am 9. 4. wird Dänemark trotz des
Nichtangriffspaktes von deutschen Truppen besetzt; es ergibt
sich kampflos. In Norwegen kommen deutsche Einheiten den
Briten zuvor und besetzen Oslo und wichtige Häfen, stoßen aber
auf Gegenwehr der Norweger, die erst am 10. 6. kapitulieren. Der
Führer der faschistischen »Nasjonal Samling«, Vidkun Quisling,
arbeitet mit der deutschen Besatzungsmacht zusammen. Am 10. 5. beginnt der Angriff auf Belgien, die Niederlande und
Frankreich. Die Niederlande kapitulieren am 15.5., Belgien am
28. 5. Vom 27. 5. bis 4. 6. können sich 338 000 britische und fran-
zösische Soldaten bei Dünkirchen nach England einschiffen. Am
14. 6. wird Paris besetzt. Am 22. 6. wird in Compiègne der Waf-
fenstillstand unterzeichnet. Nordfrankreich und die gesamte
Atlantikküste werden besetzt. In Vichy im unbesetzten Süd-
frankreich bildet sich der »État Français«, eine deutschfreundli-
che Regierung unter Marschall Philippe Pétain.
Am 13. 8. beginnt die »luftschlacht um england«, die eine Inva-
sion der Britischen Inseln vorbereiten soll. Nach schweren Ver-
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lusten werden Mitte September die Großeinsätze, im Frühjahr
1941 der Luftkrieg gegen England eingestellt.
Am 27. 9. schließt Deutschland den Dreimächtepakt mit Italien
und Japan. Hitler will damit die USA von einem Eingreifen in Eu-
ropa abhalten und ihre Aufmerksamkeit auf Ostasien lenken. Am 18. 12. gibt Hitler die Weisung für den »Fall Barbarossa«: »Die
deutsche Wehrmacht muss darauf vorbereitet sein, auch vor Be-
endigung des Krieges gegen England Sowjetrussland in einem
schnellen Feldzug niederzuwerfen.« Die Vorbereitungen sollen
bis 15. 5. 1941 abgeschlossen sein.
1941 In einer Botschaft an den Kongress am 6. 1. nennt US-Präsident
Franklin D. Roosevelt »vier Freiheiten« als elementare Grundlage
amerikanisch-westlicher Politik: die Rede- und Meinungsfrei-
heit, die Religionsfreiheit, die Freiheit von Not, die Freiheit von
Furcht. Damit grenzen sich die USA vom Totalitarismus Deutsch-
lands und der UdSSR ab. Am 11. 3. verabschiedet der US-Kon-
gress den lend-lease-Act, auf dessen Grundlage die verbündeten
Staaten zunächst ohne Bezahlung kriegswichtige Güter aus den
USA erhalten. Der Großteil geht an Großbritannien, doch auch
die Sowjetunion erhält nach dem Sommer 1941 Lieferungen. Nach der italienischen Niederlage in Nordafrika bittet Mussolini
Hitler um Hilfe, der das Deutsche Afrikakorps unter dem Oberbe-
fehl von Erwin Rommel aufstellen lässt. Es greift am 30. 3. in den
Kampf ein und drängt die Briten aus der Cyrenaica zurück. Um zu verhindern, dass die Briten im Feldzug Italiens gegen Grie-
chenland eine Front in Südosteuropa errichten, beginnt Deutsch-
land am 6. 4. den Balkanfeldzug. Jugoslawien kapituliert am
17. 4., Griechenland am 21. 4. Mit der Luftlandeschlacht (20. 5.
bis 1. 6.) wird Kreta erobert, wo die Briten Stützpunkte einge-
richtet hatten.
Ohne vorherige Kriegserklärung beginnt am 22. 6. der deutsche
Angriff auf die sowjetunion. Trotz elementarer ideologischer Di-
vergenzen unterstützen Großbritannien (Bündnis mit der
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1933–1945 240
UdSSR am 12.7.) und die USA fortan die UdSSR in ihrem Kampf
gegen Deutschland. Stalin ruft den »Großen Vaterländischen
Krieg« aus. Nach gewaltigen Raumgewinnen bleibt die deutsche
Offensive Anfang Dezember vor Moskau stecken. Am 19. 12.
übernimmt Hitler selbst den Oberbefehl über das Heer. Am 14. 8. formulieren Roosevelt und Churchill die Atlantikcharta.
Anknüpfend an Roosevelts »vier Freiheiten« entwirft sie eine
künftige Friedensordnung »nach der endgültigen Zerstörung
der Nazityrannei«, die auf dem Selbstbestimmungsrecht der
Völker beruhen soll.
Nach dem japanischen Luftangriff auf den amerikanischen Flot-
tenstützpunkt Pearl Harbor am 7. 12., der zu schweren Verlusten
der amerikanischen Pazifikflotte führt, erklären die USA am
8. 12. den Krieg an Japan. Darauf erklären Deutschland und Ita-
lien am 11. 12. den Krieg an die USA.
1942 In Washington unterzeichnen 26 gegen Deutschland, Italien und
Japan Krieg führende Staaten am 1. 1. eine Erklärung, in der sie
die Atlantikcharta bekräftigen und sich verpflichten, weder se-
parat Waffenstillstände noch Frieden zu schließen. Der Wa-
shingtonpakt ist die Keimzelle der Vereinten Nationen.
MeIleNsTeIN
1942 Der systematische Massenmord beginnt
20. januar Wiederholt hatte adolf Hitler seine absicht geäußert,
den Krieg zur ausrottung der juden in europa zu nutzen. sofort
nach dem einmarsch in Polen begannen Gewalttaten der ss ge
gen die juden. aus allen besetzten Ländern wurden die juden in
Gettos und Konzentrationslager im Osten deportiert. der angriff
auf die udssr steigerte die Brutalität des Vorgehens. am 31. 7.
1941 beauftragte Hermann Göring den Chef des reichssicher
heitshauptamtes, reinhart Heydrich, mit der Organisation der
»endlösung der judenfrage«. in der Folge wurden in Polen Ver
nichtungslager eingerichtet (auschwitz, majdanek, Chełmno, so
bibór, Treblinka, Bełz´ec). als Heydrich hochrangige Vertreter von
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241 Diktatur unter dem Hakenkreuz
reichsbehörden zur Konferenz in eine Villa am Wannsee in Berlin
am 20. 1. 1942 einlud, war der Holocaust längst beschlossen und
im Gang. aufgabe der Konferenz war es, die Zuständigkeiten
verschiedener institutionen für den massenmord zu klären und zu
sammenzufassen sowie die technischorganisatorische umset
zung und den räumlichen und zeitlichen ablauf festzulegen.
1942 Die Schlacht um die Midwayinseln vom 3.–7. 6. leitet die Wende
des Kriegs im Pazifik zugunsten der USA ein. Am 7. 8. landen die
Amerikaner auf Guadalcanal und beginnen die langwierige stra-
tegie des Inselspringens, um Schritt für Schritt an das japanische
Mutterland heranzurücken.
Am 3. 7. kommt der Vormarsch des Afrikakorps vor el Alamein,
der letzten britischen Stellung vor Alexandria, zum Stehen. Im
Oktober beginnen die Briten eine Gegenoffensive und drängen
das Afrikakorps nach Westen zurück.
Am 7./8. 11. landen die Alliierten unter dem Oberfehl von General
Dwight D. eisenhower in Französisch-Nordafrika (um Casa-
blanca, Oran und Algier). Vorgesehen ist, deutsche Kräfte am
Mittelmeer zu binden, um dann von England aus die Invasion in
Nordfrankreich zu planen. Daraufhin lässt Hitler ab dem 11. 11.
das bisher unbesetzte Frankreich besetzen.
Am 22. 11. wird die deutsche 6. Armee in stalingrad eingekesselt.
Da Hitler einen rechtzeitigen Ausbruch verboten hat und auch
eine Kapitulation ablehnt, wehrt sich die 6. Armee unter großen
Verlusten, muss sich aber am 31.1./2. 2. ergeben. Die Niederlage
markiert die Wende des Krieges.
1943 Auf der Konferenz von Casablanca vom 14. 1. bis 24. 1. beschließen
Roosevelt und Churchill die Invasion Siziliens. Roosevelt fordert
die bedingungslose Kapitulation Deutschlands und Japans. Am 19. 4. beginnt der Aufstand im Warschauer Getto. Nachdem
rund 300 000 Juden in die Vernichtungslager abtransportiert
worden waren, versuchen die noch verbliebenen 60 000 das
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Getto zu retten. Die Aufständischen werden bis zum 16. 5. fast
vollständig vernichtet.
Am 10. 7. landen alliierte Truppen auf Sizilien. König Viktor Ema-
nuel III. lässt Mussolini verhaften und ernennt Marschall Pietro
Badoglio zum Ministerpräsidenten. Dieser schließt am 3. 9. ei-
nen Waffenstillstand mit den Alliierten. Deutsche Truppen be-
setzen Nord- und Mittelitalien und befreien Mussolini, der die
»Republik von salò« unter deutschem Schutz gründet. Roosevelt, Churchill und Stalin einigen sich auf der Konferenz von
Teheran (28. 11.–1. 12.) auf die Errichtung einer zweiten Front in
Frankreich durch die Westalliierten und eine sowjetische Früh-
jahrsoffensive 1944. Die Diskussion über die Nachkriegspolitik
gegenüber Deutschland wird wegen Gegensätzen vertagt. 1944 Die landung der Westalliierten in der Normandie am 6. 6. (»D-
Day«) bringt die Kriegswende im Westen. Der Überraschungs-
angriff gelingt: Nach sechs Tagen stehen 300 000 Soldaten auf
französischem Boden, Ende Juli sind es 1,5 Millionen.
MeIleNsTeIN
1944 Aufrecht gegen die Tyrannei
20. juli nur militärischer Widerstand konnte das regime wirk
lich gefährden, wie das scheitern mutiger einzelkämpfer wie Ge
org elser oder der »Weißen rose« um Hans und sophie scholl
bewies. die militärische Opposition reichte weit zurück, doch erst
als auch die Bevölkerung die Wende des Krieges 1943 spürte,
konnte sie auf erfolg hoffen. in der Widerstandsbewegung, die
zum umsturzversuch am 20. 7. führte, waren der konservative
Kreis um CarlFriedrich Goerdeler, der »Kreisauer Kreis«, der ad
lige, sozialdemokraten und Christen beider Konfessionen ver
einte, zu dem militärischen Kreis um den früheren Generalstabs
chef des Heeres Ludwig Beck gestoßen. Kopf der Verschwörung
war Claus Graf schenk von stauffenberg, der das attentat mit
Beck und Goerdeler vorbereitete und die doppelte aufgabe über
nahm, den anschlag zu verüben – er hatte Zugang zu Hitlers La
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gebesprechungen – und den Putsch in Berlin zu leiten. Bei dem
attentatsversuch in Hitlers Hauptquartier »Wolfsschanze« in Ost
preußen wurde Hitler jedoch nur leicht verletzt. der Putsch in
Berlin brach zusammen, als die nachricht kam, dass Hitler lebe.
einige der Beteiligten begingen daraufhin selbstmord, stauffen
berg und andere wurden sofort erschossen, die meisten übrigen
vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt.
Am 25. 8. zieht General Charles de Gaulle, der bereits am 3. 6. eine
provisorische Regierung gebildet hat, in Paris ein. Im September
erreichen die Alliierten die deutsche Grenze zwischen Trier und
Aachen, das am 21. 10. eingenommen wird.
Ein Erlass Hitlers vom 25. 9. (am 18. 10. veröffentlicht) beruft alle
waffenfähigen Männer zwischen 16 und 60 Jahren zum »Deut-
schen Volkssturm« ein. Während am 11. 10. die Rote Armee die
Reichsgrenze in Ostpreußen überschreitet, bringt die Ardennen-
offensive (16.–24. 12.) die Alliierten noch einmal zum Stehen. 1945 Am 12. 1. beginnt eine sowjetische Großoffensive. Am 17. 1. wird
Warschau eingenommen, am 30. 1. ist die Oder erreicht.
MeIleNsTeIN
1945 In Jalta wird die neue europakarte entworfen
4. Februar als sich der deutsche Zusammenbruch abzeichnete,
trafen sich roosevelt, Churchill und stalin in jalta auf der Krim,
um über die Zukunft deutschlands zu beraten. auf den von sta
lin geforderten sicherheitsring aus satellitenstaaten, der vom
Baltikum über den Balkan bis italien reichte, ließen sich roose
velt und Churchill nur teilweise ein. einig wurde man sich über
die Grundzüge der Behandlung deutschlands: entwaffnung, ent
nazifizierung, einteilung in Besatzungszonen mit einem gemein
samen Kontrollrat sowie die auferlegung von reparationen. Ost
grenze des wiederhergestellten Polen sollte die 1920 ungefähr
entlang der polnischrussischen sprachgrenze vorgeschlagene
Curzonlinie sein; für den großen territorialen Verlust im Osten
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sollte Polen durch deutsche Ostgebiete (vorbehaltlich eines Frie
densvertrags mit deutschland) entschädigt werden. Ferner klärte
die Konferenz Vorfragen zur Gründung der Vereinten nationen.
Die Offensive der Westalliierten kommt am 8. 2. in Gang. Feb-
ruar/März erobern sie das linksrheinische Gebiet und errichten
einen amerikanischen Brückenkopf in Remagen. Am 25. 4. be-
gegnen sich amerikanische und sowjetische Truppen in Torgau
an der Elbe.
Am 16. 4. beginnt die Einschließung und Eroberung Berlins durch
sowjetische Truppen, die am 29. 4. im Häuserkampf bis in das
Regierungsviertel vordringen. Am 30. 4. begeht Hitler Selbst-
mord, nachdem er Großadmiral Karl Dönitz zu seinem Nachfol-
ger als Reichspräsident ernannt hat. Am 2. 5. kapituliert Berlin. Dönitz lässt Generaloberst Alfred Jodl am 7. 5. im alliierten Haupt-
quartier in Reims die bedingungslose Kapitulation unterschrei-
ben. Dieser Akt wird am 8. 5. im sowjetischen Hauptquartier in
Berlin-Karlshorst wiederholt. Ab 9. 5. herrscht Waffenruhe in Eu-
ropa. Deutschland ist damit von außen von der Schreckensherr-
schaft des Nationalsozialismus befreit. Die von vielen Deutschen
geduldete und mitgetragene Diktatur und die erbarmungslose,
systematische Verfolgungs- und Vernichtungspolitik, die sich in
verbrecherischer Weise gegen Juden, Sinti und Roma, Behinderte,
Homosexuelle und andere missliebige Bevölkerungsgruppen ge-
richtet hatte, sind beendet; die Jahre zwischen 1933 und 1945 ge-
hen als »dunkelstes Kapitel« in die deutsche Geschichte ein. Dönitz und seine letzte Reichsregierung werden am 23. 5. verhaf-
tet. In einer Erklärung vom 5. 6. übernehmen die vier Sieger-
mächte die Hoheitsgewalt über Deutschland.
Mit den amerikanischen Atombombenabwürfen über Hiroshima
und Nagasaki am 6. 8. bzw. 9. 8. endet auch der Krieg in Asien.
Am 2. 9. kapituliert Japan offiziell.
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