Duden Deutsche Geschichte, Was jeder wissen muss
Berliner Republik
seit Überwundene Teilung Berliner Republik
seit 1990
Mit der »Wiedervereini-
gung« ging ein Demokrati-
sierungsprozess zu Ende,
der seine Ursprünge im
19. Jh. hatte. Berlin wurde
zugleich Hauptstadt und
Buch.indb 281 1990 Regierungssitz Deutsch-lands, das nun eine füh-rende Rolle im Europäi-sierungsprozess einnahm. 09.06.2009 18:31:54 Uhr
seit 1990 282
das wiedervereinigte deutschland
1990 Nach der »Wiedervereinigung« am 3. 10. tritt am 14. 10. das von
der Volkskammer der DDR am 22. 7. beschlossene »Länderein-
führungsgesetz« in Kraft. Dadurch bilden sich die neuen Bun-
desländer Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg
und Mecklenburg-Vorpommern.
Die UdSSR und Deutschland unterzeichnen am 9. 11. den »Ver-
trag über gute Nachbarschaft, Partnerschaft und Zusammenar-
beit«. Zudem setzt der Deutsch-Polnische Grenzvertrag ab dem
14. 11. die Oder-Neiße-Grenze als endgültige Grenze zwischen
Deutschland und Polen fest.
Bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl am 2. 12. wird
die von CDU/CSU und FDP gebildete Regierungskoalition unter
Bundeskanzler Helmut Kohl bestätigt. Am 20. 12. kommt der
erste gesamtdeutsche Bundestag zu seiner konstituierenden Sit-
zung im Berliner Reichstag zusammen.
1991 Der Bundestag bestätigt am 17. 1. Helmut Kohl als Bundeskanzler.
Seine Regierung bemüht sich in der Folge mit wechselhaftem Er-
folg um den wirtschaftlichen Aufbau der neuen Bundesländer.
Kohls historische Leistung liegt darin, dass es ihm gelang, die vier
Besatzungsmächte von einem Deutschland als verlässlichem
und friedlichem Partner im von Kohl selbst maßgeblich geför-
derten Prozess der europäischen Integration zu überzeugen. Auf-
grund seiner von Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP)
unterstützten Diplomatie in der Wendephase 1989/1990 geht
Kohl als »Kanzler der Einheit« in die deutsche Geschichte ein. Am 20. 6. bestimmt der Bundestag Berlin im Hauptstadtbeschluss
zum Regierungssitz.
1992 Mit dem Vertrag von Maastricht gründen die zwölf EG-Mitglieder
die EU und schaffen einen gemeinsamen Binnenmarkt, der am
1. 11. in Kraft tritt.
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283 Überwundene Teilung
1994 Am 26. 4. verabschiedet der Bundestag das Berlin/Bonn-Gesetz,
das den Umzug von Parlament und Teilen der Regierung nach
Berlin regelt.
Der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Roman
Herzog (CDU), wird am 23. 5. zum siebten Bundespräsidenten
gewählt.
Die letzten sowjetischen Truppen verlassen am 31. 8. Deutsch-
land; damit endet die nach dem Zweiten Weltkrieg begonnene
Besatzung.
In der Bundestagswahl vom 16. 10. wird abermals die Koalition
aus CDU/CSU und FDP unter Helmut Kohl bestätigt; die SPD
erhält unter Kanzlerkandidat Rudolf Scharping nur 36,4 % der
Stimmen.
1997 Am 26. 4. hält Bundespräsident Herzog eine »Berliner Rede«, in
der er fordert, dass »ein Ruck durch Deutschland« gehen müsse.
Er prangert damit den Verlust wirtschaftlicher Dynamik und die
Erstarrung der Gesellschaft an.
Berlin wird regierungssitz
1998 Im Rahmen der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion
erklären am 1. 5. elf Staaten, darunter Deutschland, dass sie die
Kriterien für die Teilnahme erfüllt haben. Sie gründen am 1. 6.
die europäische Zentralbank (eZB) in Frankfurt am Main.
MeIleNsTeIN
1998 Rot-Grün in Berlin
27. september der Wahlausgang zum 14. deutschen Bundes
tag brachte mehrere neuheiten. Hatten sich zuvor regierungs
wechsel nur dadurch vollzogen, dass die Koalitionspartner wech
selten, aber immer zumindest eine der Koalitionsparteien in der
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seit 1990 284
regierung verblieb, wurde nun – nach 16 jahren der regierung
aus Cdu/Csu und FdP – zum ersten mal eine Bundesregierung
abgewählt. die sPd erhielt mit 40,9 % erstmals nach 26 jahren
wieder die meisten stimmen und wurde stärkste Partei im Bun
destag. Gemeinsam mit dem Bündnis 90/die Grünen bildete sie
die erste Bundesregierung, die sich aus Parteien des linken
spektrums zusammensetzt. der ehemalige ministerpräsident von
niedersachsen, Gerhard schröder, wurde am 27. 10. zum sieb
ten Bundeskanzler gewählt, Vizekanzler und außenminister
wurde joschka Fischer (Bündnis 90/die Grünen). als wichtigstes
Ziel seiner Kanzlerschaft nannte schröder die reduzierung der
arbeitslosigkeit. Zudem leitete er erste schritte zur Privatisierung
des systems der sozialen sicherung ein (»riesterrente«).
1999 Vom 24. 3. bis zum 10. 6. kämpfen deutsche Soldaten im Rahmen
des NATO-Einsatzes gegen die Bundesrepublik Jugoslawien für
die Freiheit des Kosovo.
Der ehemalige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Jo-
hannes Rau (SPD), wird am 23. 5. zum achten Bundespräsiden-
ten gewählt. Die SPD stellt zudem mit Wolfgang Thierse den
Bundestagspräsidenten und mit Jutta Limbach die Präsidentin
des Bundesverfassungsgerichts.
Nach dem Umzug des Parlaments nehmen Regierung und Bun-
destag am 1. 9. ihre Arbeit in Berlin auf.
Am 10. 12. erhält Günter Grass, der in Deutschland auch als kriti-
sche Stimme der politischen Entwicklung des Landes auftritt,
den Nobelpreis für Literatur.
2000 Nachträglich wird bekannt, dass es in Helmut Kohls Zeit als Par-
teivorsitzender der CDU zu rechtswidrigen Parteispenden ge-
kommen ist.
2001 Die islamistische Terrororganisation al-Qaida verübt am 11. 9. An-
schläge auf das World Trade Center in New York und das Penta-
gon in Washington, D. C.
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285 Überwundene Teilung
MeIleNsTeIN
2002 Neues Geld für europa
1. januar am 1. 1. 1999 wurde der euro bereits als Buchgeld
eingeführt, drei jahre später – am 1. 1. 2002 – löste er offiziell
die Landeswährungen von 18 europäischen staaten ab. Bereits
in den 1970erjahren hatte es Pläne für eine gemeinsame euro
päische Währung gegeben, doch erst am 1. 7. 1990 kam es zur
ersten stufe der europäischen Währungsunion. 1994 folgte mit
der Gründung des europäischen Währungsinstituts (eWi), des
Vorgängers der europäischen Zentralbank (eZB), die zweite
stufe. am 16. 12. 1995 legte der europäische rat den namen
für die neue Währung fest: nachdem mehrere Vorschläge die
runde gemacht hatten, unter ihnen »eCu«, schlug die deutsche
delegation um Finanzminister Theo Waigel den namen »euro«
vor, mit dem sich nach langen debatten alle Teilnehmer einver
standen erklärten. der abschied von der dmark, dem symbol
des wirtschaftlichen aufschwungs nach 1945, fiel jedoch vielen
deutschen schwer; zudem war die einführung des neuen Geldes
mit Befürchtungen horrender Teuerungsraten verbunden.
Mit der »Agenda 2010«, die Bundeskanzler Gerhard schröder am
14. 3. verkündet, sucht die rot-grüne Regierung das deutsche So-
zialsystem und den Arbeitsmarkt zu reformieren. Insbesondere
die »Hartz I–IV«-Gesetze führen zu teilweise auch innerpartei-
lich heftiger Kritik.
Die USA beginnen am 20. 3. den Irakkrieg. Weite Teile der deut-
schen Bevölkerung sprechen sich gegen diesen Krieg aus. Zuvor
hatte die Bundesregierung gemeinsam mit Frankreich die
Kriegspolitik der USA und Großbritanniens kritisiert. Bei der Wahl zum 15. Deutschen Bundestag am 22. 9. kann die
rot-grüne Bundesregierung nur mit knappem Vorsprung ihre
Mehrheit sichern: Bundeskanzler Schröders unnachgiebige Ab-
lehnung der Irakpolitik der USA und die »Jahrhundertflut« an
der Elbe drehen die schon verloren geglaubte Wahl.
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seit 1990 286
2004 Horst Köhler (CDU), zuletzt geschäftsführender Direktor des In-
ternationalen Währungsfonds, wird am 23. 5. zum neunten Bun-
despräsidenten gewählt.
2005 Nach dem Tod von Johannes Paul II. am 2. 4. wird der deutsche
Kardinal Josef Ratzinger als Benedikt XVI. zum Papst gewählt. Bundeskanzler Schröder gerät nach mehreren Wahlniederlagen
der SPD auf Landesebene zunehmend unter Druck. Am 1. 7.
stellt er im Bundestag die Vertrauensfrage und verliert nach der
Abstimmung die Regierungsmehrheit. Bundespräsident Köhler
löst am 21. 7. den 15. Deutschen Bundestag auf.
MeIleNsTeIN
2005 Die erste Frau im Bundeskanzleramt
18. september nachdem die beiden großen Volksparteien, Cdu
und sPd, in der Wahl zum 16. Bundestag herbe Verluste bei der
stimmabgabe hatten erleiden müssen, einigten sie sich am
10. 10. auf die Bildung einer Großen Koalition, der zweiten in
der Geschichte der Bundesrepublik nach der von KurtGeorg Kie
singer geführten Großen Koalition (1966–1969). am 22. 11.
wurde angela merkel (Cdu) vom neuen Bundestag zur ersten
Bundeskanzlerin überhaupt gewählt. Bei ihrer Wahl war sie mit
51 jahren die jüngste amtsinhaberin; zudem war merkel, die un
ter Helmut Kohl langjährige Bundesministerin gewesen war, sich
in der CduParteispendenaffäre als CduGeneralsekretärin je
doch gegen ihren ehemaligen mentor positioniert hatte, die erste
Person in diesem amt, die ihre sozialisation in den neuen Bun
desländern erfahren hatte. als Physikerin war merkel zudem auch
die erste naturwissenschaftlerin in diesem amt.
2009 Auf die Banken- und Finanzkrise, die sich zur tiefsten Wirtschafts-
krise seit 1945 auswächst, reagieren die Regierungen weltweit,
auch in Deutschland, mit umfassenden »Rettungspaketen« zur
Stabilisierung des Finanzsektors und zur Ankurbelung der Kon-
junktur.
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287 Bildquellenverzeichnis
Antike und frühes Mittelalter, S. 7 ff.
»Torhalle« des Klosters Lorsch (Hessen), errichtet um 875 mgo/in-effigie.de
Hohes und spätes Mittelalter, S. 23 ff.
Dom in Speyer, 1061 geweiht
Farb- und Schwarzweiß-Fotografie E. Böhm, Mainz
Konfessionelles Zeitalter, S. 63 ff.
Rathaus in Augsburg, errichtet 1615–1620
Photo Digital, München
Ancien Régime, S. 99 ff.
»Zwinger« in Dresden, errichtet 1711–1728
MEV Verlag, Augsburg
Restauration und Revolution, S. 135 ff.
»Paulskirche« in Frankfurt am Main, 1829–1833 vollendet (nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg [1944] bis 1948 wiederaufgebaut) Bibliographisches Institut AG, Mannheim
Kaiserreich, S. 171 ff.
Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. am »Deutschen Eck« in Koblenz, 1893–1897
Kessler-Medien, Saarbrücken
Weimarer Republik, S. 201 ff.
Bauhausgebäude in Dessau, errichtet 1925/1926
CvU/in-effigie.de
Nationalsozialismus, S. 223 ff.
Haupttribüne auf dem »Zeppelinfeld« in Nürnberg, dem Aufmarsch-gelände der nationalsozialistischen Reichsparteitage, errichtet 1937 CvU/in-effigie.de
Bonner Republik und Deutsche Demokratische Republik, S. 245 ff. »Berliner Mauer« am Brandenburger Tor, errichtet 1961 Presse- und Informationsamt des Landes Berlin / Landesbildstelle, Berlin
Berliner Republik, S. 281 ff.
Bundeskanzleramt in Berlin, errichtet 1997–2001
Bibliographisches Institut AG, Mannheim
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Deutsche Geschichte issen muss Was jeder Wissen muss
W Deutsche
Allgemeinbildung überprüfen Geschichte
und vertiefen
• übersichtliche Gliederung: 10 epochen as jeder Was jeder Wissen muss der deutschen Geschichte von der antike W bis zur Gegenwart
• verständliche Texte: über 1 000 einträge
zu wichtigen ereignissen, Begriffen und
Personen in chronologischer abfolge
• einprägsame informationen: 150 Kästen
mit meilensteinen aus Geschichte, Politik,
Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft, Technik Geschichte Allgemeinbildung kompakt Deutsche und Wissenschaft, die herausragende
Begebenheiten der deutschen Geschichte
lebendig werden lassen
Kompetentes Wissen griffbereit
ISBN 978-3-411-74011-6 ·
9,95 3 (D) 10,30 3 (A)
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Alexander Emmerich
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