Einfühlsame Schmusekatze sucht temperamentvolles Herrchen zum Bauchkraulen

Definitiv ein Chihuahua

Areia A.

 

Einfühlsame Schmusekatze

sucht temperamentvolles

Herrchen zum Bauchkraulen

 

Für alle Kater da draußen, die auf ihre Streicheleinheiten warten

Definitiv ein Chihuahua

Ich hätte eigentlich erwarten müssen, dass das alles nicht gut gehen würde. Ein neues Familienmitglied zu bekommen, kannte ich bis dato als etwas Schönes – bei Emma und Tim hatte ich es kaum erwarten können – aber das waren auch die Kinder meiner Schwester und keine launischen, zickigen, arroganten, blondierten Großstadtgören wie der Kerl da auf meinem Bett.

‚Gewöhnungsbedürftig‘ hatte Mama es genannt. ‚Ein neues Abenteuer‘ hatte mein Vater es genannt.

‚Absoluter Schwachsinn‘ hatte ich es genannt.

Ich war immerhin 19 Jahre alt – kein Alter, um einen Zimmergenossen zu bekommen, außer er war aufblasbar. Zumindest hatte Konrad das betont, nachdem ich ihm erzählt hatte, dass mein Stiefcousin zu uns ziehen würde.

Bis vor zwei Wochen hatte ich nicht einmal gewusst, dass ich sowas wie einen Stiefcousin überhaupt besaß. Er war der Sohn des neuen Mannes meiner Tante. Klang bescheuert, ich weiß. 19 Jahre alt, ein paar Monate jünger als ich, ungefähr einen Kopf kleiner, aufmüpfig und trug gern enge Klamotten. Mehr hatte ich bis jetzt nicht mitbekommen. Die meisten hielten es ja auch nicht für wichtig, mich genauer aufzuklären. Irgendwie war meine Tante auf die Idee gekommen, ihn zu uns zu schicken, als wären wir ein Heim für schwererziehbare Kids. Praktisch als Notbremse, weil sie ihn sonst, wie sie gesagt hatte, erwürgt hätte. Anscheinend war der Kerl in einer schwierigen Phase, oder wie Eltern das eben nannten, wenn sie mit ihren Kindern nicht mehr klarkamen.

Natürlich hatte meine Mutter das als gute Lösung befunden, mein Vater hatte ohnehin kein Mitspracherecht, von mir ganz zu schweigen, und kurz darauf stand das Monsterchen auch schon vor der Haustür.

Ich hatte mich von meiner besten Seite gezeigt, das Gepäck reingetragen, mich höflich vorgestellt und was hatte ich als Antwort bekommen? Ein „Versuch’s gar nicht erst, Arschloch“.

Wirklich. Er hatte mich einfach so stehen lassen und war nach oben marschiert. Und ich Vollidiot trug dem auch noch sein dämliches Gepäck hinterher. Mein Vater hatte beim Anblick dieses Schauspiels eine vielsagende Grimasse gezogen und Mama tat das Verhalten unseres neuen Familienmitglieds als Aufregung ab.

„Er ist bestimmt bloß schüchtern“, meinte sie zuversichtlich.

Schüchtern, genau. Und Elton John ist hetero.

Tja, und da saß das sympathische Kerlchen. Auf meinem Bett. Die geblichenen Haare fielen ihm fransig in die Stirn, das weiße Shirt zerknittert und ein Bein angewinkelt. Seine Augen wanderten durch mein Zimmer und analysierten jedes Bild, Möbelstück und Buch. Dann richtete er die graublauen Iriden direkt auf mich und bedachte mich mit einem so abschätzigen Blick, dass meine Nackenhaare sich sträubten. Er sah mich an, als wäre ich der schäbigste Dreck unter den Fingernägeln eines Penners.

Das konnte ja lustig werden.

„Da schlaf ich“, teilte ich wenig begeistert meinem neuen Mitbewohner mit. „Du schläfst auf der Schlafcouch.“

Blaise lupfte eine Augenbraue und schnaubte. „Auf der Couch? Die hat ihre besten Jahre hinter sich. Da schlaf ich nicht. Was weiß ich, was du da drauf schon getrieben hast.“ Ja hallo, freut mich auch, dich kennenzulernen, Cousin.

„Du hast nur leider keine Wahl“, murrte ich und warf seine Reisetasche und den Koffer, der wog, als hätte Blondie da Backsteine reingetan – was ich ihm durchaus zutraute – unliebsam auf den Teppich vor der Couch. Blaise sah noch immer nicht sehr kooperativ drein. „Das ist doch nur bis Mittwoch so“, versuchte ich die Situation zu entschärfen. Was zu wirken schien. Der Kerl schnaubte unwillig, rappelte sich auf und schmiss sich demonstrativ auf das Sofa, das daraufhin einen knarrenden, dumpfen Laut von sich gab.

Über seinen leidenden Gesichtsausdruck konnte ich schon wieder grinsen.

„Und?“, fragte Mutti gespannt, als ich fünf Minuten später die Treppe runter kam. „Wie findet er’s? Gut? Er ist gar nicht so schlimm, oder?“ „Schlimmer“, brummte ich und lief an ihr vorbei, in die Küche. „Er hat sich vor zwei Minuten kommentarlos im Bad eingeschlossen. Ich glaube, er telefoniert.“ „Bestimmt ruft er zu Hause an“, erklärte Mama sehr aufschlussreich, „Es ist ja auch nicht so einfach für ihn. Er kommt aus einem komplett anderen Umfeld.“ „Und ist eine Zicke“, fügte ich hinzu, worauf ich einen strafenden Blick meiner Mutter kassierte. Abwehrend hob ich die Hände, nahm mir eine Coladose aus dem Kühlschrank und verzog mich ins Wohnzimmer. Nach oben wollte ich nicht, solange da noch irgendwo Cinderellas böse Stiefmutter rumgeisterte. Lustig, wie jemand innerhalb von zehn Sekunden den ersten Eindruck so komplett versauen konnte.

Mein Dad saß auf dem Sofa und schaute sich irgendeine Dokumentation über alte Autos an. Ich gesellte mich wortlos dazu und nippte an meiner Cola, bis plötzlich Schritte auf der Treppe zu hören waren. Wir drehten gleichzeitig unsere Köpfe in Richtung Flur, wo kurz ein blonder Haarschopf vorbeihuschte, bis die Stimme meiner Mutter ertönte.

„Blaise! Na, wie findest du es? Ich weiß, ist jetzt nicht die beste Lösung, aber bis Mittwoch haben wir aus dem alten Büro ein schönes Zimmer für dich gemacht. Solange kommen Phil und du bestimmt miteinander klar.“ Ich schnaubte und mein Vater grinste neben mir.

„Ich…“ Mama ließ Blaise keine Chance zum Reden. „Klasse. Es freut uns, dass du da bist! Möchtest du was essen? Ich habe noch ein bisschen Auflauf im Kühlschrank. Oder soll ich dir was machen? Ich weiß gar nicht, was du so magst. Fleisch isst du doch?“

Selbst Mr. Kotzbrocken schien von meiner Mutter überwältigt zu sein. Gegen den Redeschwall kam man auch schwer an.

„Äh, was?“

Ich stieß ein Lachen aus und schwang mich über die Sofalehne, um meine Mutter ein wenig zu zügeln. Manchmal übertrieb sie es. Dann war sie wie ein aufgedrehter Welpe, der am liebsten unter sich weg machen würde vor Aufregung.

Sie standen in der Küche, Mama am Kühlschrank und drückte Blaise ein Teil nach dem anderen in die Hände. Auf seinen Armen stapelten sich Teller von Auflauf, Schnitzel und Obst.

„Soll ich dir einen Obstsalat machen?“

„N-Nein, danke…“ Oho, wer hätte das gedacht? Der beherrschte ja doch normale Umgangsformen.

„Mama“, unterbrach ich den graumelierten Wirbelwind und nahm dem überforderten Blaise eine Schicht nach der anderen ab. „Fahr mal ein paar Gänge runter“, riet ich ihr freundlich und schloss direkt den Kühlschrank vor ihrer Nase. „Aber er hat doch bestimmt Hunger!“ „‘Er‘ kann auch für sich alleine sprechen“, erklärte Blaise nun genervt. Er beachtete mich gar nicht. „Ich habe keinen Hunger und wollte nur fragen, wo ich mein Badzeug hintun kann.“

Mutti wurde rot, weil sie wohl feststellte, dass sie sich peinlich benahm und ergriff die Gelegenheit, um abzulenken. „Oh, klar, ich zeig’s dir. Ich hab dir eine Hälfte des Schranks leer geräumt. Wir haben leider nur ein großes Bad, ich hoffe, das stört dich nicht.“ „Kein Problem“, erwiderte Blaise ungewohnt umgänglich und Mutti strahlte zufrieden. Das gemurmelte „Ich werd‘ eh nicht lange bleiben“ schien nur ich gehört zu haben…

„Das wird bestimmt noch lustig“, seufzte Pa, der wie aus dem Nichts neben mir stand und den beiden hinterher sah. Er wusste genauso gut wie ich, dass das wieder eine dieser Schnapsideen meiner Mutter gewesen ist und die gingen nie gut aus. Wie damals, als sie das Haus eingerichtet hatte wie einen Tempel. Der Gestank der Räucherstäbchen ging eine ganze Woche nicht aus den Klamotten raus.

Na ja, wir würden das schon überstehen…

Obwohl ich daran zweifelte, als ich in mein Zimmer trat. Blaise lag mit Kopfhörern auf dem Sofa – immerhin ein Fortschritt – und sein Koffer lag geöffnet auf dem Boden. Die Reisetasche hatte er noch nicht angerührt, aber der Koffer versprach bereits viel. Eine Hälfte war komplett gefüllt mit Chucks und Turnschuhen aller Art, die andere ausschließlich mit Hosen, alles feinsäuberlich nach Farben sortiert. So viele Klamotten hatte nicht mal meine Schwester in ihren besten Zeiten gehabt.

Erst als ich im Raum stand, bemerkte ich, dass zwischen den ganzen Hosen – Gott, eine davon glitzerte sogar – ein pinkfarbener Bär hervorblitzte. Grinsend und ohne groß darüber nachzudenken, griff ich danach und zog ihn zwischen den fein zusammengelegten Jeans hervor. Er sah alt aus, aber schien gut erhalten. Ein Stückchen vom Ohr fehlte und auf seiner weißen Brust stand „Liebesbär“. Bei dem seltsamen Anblick konnte ich mir ein Auflachen nicht verkneifen. Ich meine, Liebesbär?! Und das in Blaises Koffer? Das war, als hätte man in Hitlers Haus ganz viele Bilder von Katzenbabys gefunden.

„Hey, Finger weg, Mann!“ Grob wurde mir der Liebesbär entrissen. Blaise funkelte mich zornig an und warf das Kuscheltier zurück in seinen Koffer. „Hast du nicht gelernt, dass man nicht an fremde Sachen geht?!“

„Sorry“, erwiderte ich beschwichtigend und kramte meine Schlafsachen aus dem Schrank. Der stechende Blick in meinem Nacken entging mir dabei nicht. „Aber ehrlich, Liebesbär? Von wem hast du den, von deiner ersten Freundin?“ Blaise lachte sarkastisch. „Du bist ja ein richtiger Witzbold.“ „Und du gehst zum Lachen in den Keller, was?“

„Wenn ich dann solchen bescheuerten Unterhaltungen entgehen kann, sicher.“

Ich seufzte und drehte mich ihm zu. Er saß auf der Kante der bereits ausgezogenen Couch und strahlte pure Abneigung aus. Dabei fragte ich mich, was ich getan hatte, um das verdient zu haben. Selbst wenn er nicht freiwillig hier war – wovon ich ausging – hieß das noch lange nicht, dass er sich hier benehmen musste wie der letzte Troll.

„Hör mal, ich weiß, dass du lieber in deiner Großstadt wärst und wir uns gar nicht kennen, aber es würde hier alles um einiges entspannter ablaufen, wenn du nicht so feindselig drauf wärst. Nur bis Mittwoch, bis du dein eigenes Zimmer hast.“

Blaise hob die Augenbrauen und musterte mich skeptisch. Dabei hingen ihm die blonden Strähnen so tief in der Stirn, dass sie teilweise seine Augen verdeckten. „Okay, ich erklär’s dir am besten gleich: Es ist mir scheißegal, was du denkst oder willst. Es lohnt sich nicht, dich bei mir einzuschleimen, Sunnyboy, denn ich bin hier schneller wieder weg, als du dir die Eier kraulen kannst. Ich will nicht mit dir befreundet sein. Kannst dir den Atem also sparen, Philipp.“

Das war `ne Ansage. Sowas passierte, wenn man mal freundlich war. Obwohl ich keine Ahnung hatte, wieso er mich Sunnyboy nannte. Oder wie er auf die Idee kam, dass mein Name Philipp war.

„Philipp?“, hakte ich verständnislos nach und musste grinsen. Dieses Missverständnis passierte ja nicht selten – außerdem ließ ich mir doch nicht von dem Bellen des kleinen Chihuahuas hier die Laune verderben. Sollte er doch auf Hexe machen, an mir biss er sich da die Zähne aus. Das war doch lediglich die verspätete Pubertät, die ihn da packte.

„Dein Name, du Hohlkopf“, kam es pampig zurück, als würde er an meinem Verstand zweifeln. Ich lachte und wuschelte dem überrascht guckenden Blaise durch die blonde Haarpracht. Weich, dafür, dass sie gefärbt waren. „Ich heiße nicht Philipp, aber du kannst mich Phil nennen, wenn du magst.“ Damit verabschiedete ich mich ins Bad und hinterließ einen verwirrten Blaise, der nicht so recht wusste, wie er reagieren sollte. Ich hatte schon die Dusche angestellt, als ich hörte, wie er demonstrativ durch die Badezimmertür „Ich mag aber nicht!“ rief.

Ich grinste. Definitiv ein Chihuahua.

Nach dem Duschen gesellte ich mich noch kurz zu meinen Eltern. Mein Vater saß immer noch vor der Glotze und meine Mutter spülte in der Küche Geschirr. Ich lehnte mich an den Kühlschrank und sah ihr dabei zu – helfen konnte ich sowieso nicht, sie würde eher die Hunde an ihr Geschirr lassen als mich. Sie nannte mich immer liebevoll ‚ihren Riesentölpel‘. Sehr schmeichelnd, ich weiß.

„Willst du mir eigentlich mal verraten, wieso Blaise hier ist?“, fragte ich nach einer Weile in die Stille hinein.

„Weil Martha und Lars dachten, er bräuchte mal einen Tapetenwechsel.“ Mutti zuckte mit den Schultern. „Und ich hab ihnen angeboten, dem Jungen zu helfen.“ „Helfen? Du bist keine Therapeutin, Mutti. Der Typ ist einfach `ne Diva. Du könntest ihm höchstens helfen, indem du dich mit `nem Knüppel von hinten an ihn ran schleichst.“

Mama schaute mich missbilligend an. „Jetzt tu nicht so, als wäre er der Teufel in Person. Er hat sich zu Hause einfach nicht wohlgefühlt. Jeder braucht Hilfe, wenn er Probleme hat.“

Ich verdrehte die Augen. „Zu Hause nicht wohlgefühlt? Dafür will er aber so schnell weg von hier wie möglich.“ Meine Mutter seufzte tief und ließ mich hellhörig werden. „Glaub mir, wenn ich dir sage, dass es besser ist, wenn er hier ist.“ Ich runzelte die Stirn. „Hat er was verbrochen? Drogen? Diebstahl? Nekrophilie?“

Mutti schnaubte amüsiert, wurde dann aber wieder ernst. „Ich wollte es dir eigentlich nicht sagen, weil Martha gemeint hat, dass er empfindlich reagiert, wenn man ihn darauf anspricht und du manchmal wirklich ein indiskreter Grobian sein kannst.“ Ich lächelte ertappt. „Aber vielleicht hilft es dir ja. Blaise hatte ziemliche Schwierigkeiten in der Schule. Er wurde plötzlich gemobbt, hat immer schlechtere Noten bekommen und vor ein paar Wochen hat er sich noch schlimm mit Lars gestritten. Martha wollte mir nicht sagen, wieso er gemobbt wurde, aber sie war ganz zuversichtlich, dass es ihm helfen würde, wenn er von da wegkommt. Neues Haus, neue Schule…“

„Neue Familie“, fügte ich hinzu. Keine Ahnung wieso, aber ich hatte das Gefühl, dass Martha den Großkotz oben in meinem Zimmer nur hatte loswerden wollen. Wie eine ungewollte Straßenkatze…

Na ja, so wie ich ihn jetzt kannte, konnte ich mir vorstellen, warum er gemobbt wurde – aber wahrscheinlich war er nicht immer und überall so. Bei dem Gedanken an Mobbing kam mir die Galle hoch. Ich hasste Ungerechtigkeiten sowieso schon, aber sowas war einfach widerlich. Scheiße, da bekam ich glatt noch Mitleid mit dem Draco Malfoy da oben in meinem Zimmer.

„Ja, so ungefähr.“ Mama lächelte und wischte mir Zahnpasta von der Wange. Ich hasste es, wenn sie mir im Gesicht rumfummelte. Mütter hatten irgendwie den Drang dazu. „Sei einfach nett zu ihm, ja? Du bist doch sonst so ein lieber Junge.“

„Ich geb‘ mein Bestes.“

Aber Blaise machte einem das nicht so leicht.

Als ich oben am Bad vorbeilief, hatte ich eine perfekte Aussicht auf einen nackten Blaise, der eins von Mamas rosafarbenen Handtüchern um die Hüfte gewickelt hatte, sich im Gesicht rasierte, auf dem Waschbecken ein komplettes Arsenal von Parfums, Aftershaves und auch diversen Cremes ausgebreitet hatte, während das Radio laut „I Kissed A Girl“ schmetterte. Das Beste war jedoch, dass er mitsang. Ich konnte nicht anders als stehen bleiben und ihn beobachten. Er war nicht trainiert, sein Körper war einfach … dünn. Und seine Beine lang. Sehr lang. Das war ein ziemlich skurriler Anblick für den ersten Abend als Mitbewohner.

Erst nach ein paar Sekunden merkte er, dass er beobachtet wurde. Seine Augen weiteten sich erschrocken und sein Gesicht lief so glühend rot an, dass ich befürchtete, er würde vor Scham ohnmächtig werden. Der Schock war jedoch schnell überwunden, innerhalb von wenigen Augenblicken hatte er die Tür zugeworfen und mich einen „scheiß Spanner“ genannt. Ich grinste in mich hinein, als ich ihn leise im Bad fluchen hörte. So leicht war der Kotzbrocken also aus der Fassung zu bringen.

Als er fertig war und ins Zimmer kam, hatte ich bereits die Lichter ausgemacht und lag im Bett. So leise wie er hineintapste und sich zur bezogenen Couch verkrümelte, schien er zu hoffen, ich würde schlafen. Kein Wunder also, dass er erschrocken wie ein kleines Wiesel zusammenzuckte, als ich ihn ansprach. „Ich habe den Wecker auf sechs gestellt. Ich fahr uns morgen zur Schule, da brauchen wir nicht lang.“

„Schön“, fauchte er grummelig zurück. Aha, anscheinend nahm er mir das eben wirklich übel. Dann hätte er eben nicht die dämliche Badezimmertür offen lassen sollen. Das war ja quasi eine Einladung, dass ihn jemand bewundern sollte.

„Der Drei-Tage-Bart stand dir übrigens gut.“

Es dauerte keine Sekunde, als mir ein Kissen direkt ins Gesicht flog.

„Arschloch.“

„Freut mich auch, dass du hier bist, Blaise. Gute Nacht.“ „Schnauze.“

Dann eben nicht.