Forever And Ever - I Am Lost Without You

Ann-Kathrin Kälberer · Kapitel 19 von 24

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Forever And Ever - I Am Lost Without You

Geschwisterliebe

 

Draußen vor Temple sah ich noch den Mercedes von Gideon um die Ecke fahren, wurde aber von Xemerius in die andere Richtung gezogen.

„Hier lang“, sagte er in strengem Ton, der keinen Widerspruch duldete.

Wir liefen eine Weile durch Londons Straßen, unterhielten uns über belangloses Zeug, wie zum Beispiel seine Freunde, bei denen er die letzten Monate gewesen war, und ich konnte zwischendurch sogar lachen. Das hätte ich mir bei dem Geschehenen der letzten Tage beim besten Willen nicht vorstellen können, doch es war so. Xemerius ließ mich für kurze Zeit sogar meinen Tod vergessen.

Wir lachten uns über eine alte Frau schlapp, die ein junges Paar beim Knutschen in einem Busch entdeckt hatte und sich darüber lauthals beschwerte. Zumindest lachte ich anfangs noch, doch dann musste ich an damals denken, als Gideon und ich beim Küssen gestört worden waren. Der Gesichtsausdruck der alten Dame damals war wirklich zum Schießen gewesen, weswegen ich traurig lächeln musste.

Xemerius hatte dies gemerkt und mich gleich weiter gezogen. Er war doch einfach der Beste. Natürlich aber hinter Gideon, denn dieser war ja immer noch der Beste überhaupt. Heute, gestern und morgen. Und das im gesamten Weltall. Aber gut, Xemerius war auch nicht ohne.

Wir wanderten weiter durch London, sahen uns alles genau an, bis Xemerius plötzlich stehen blieb.

Ich wollte ihn gerade fragen, was los sei, als ich bemerkte, wo wir uns befanden.

Wir standen vor dem Bourdon Place 81, in welchem ich aufgewachsen war.

Als ich dies begriff, musste ich schlucken. Wieso war er ausgerechnet hier stehen geblieben? Was wollte er denn hier?

Auf meinen Gesichtsausdruck, welcher bestimmt einem überdimensionalen Fragezeichen glich, antwortete er nur: „Ich hab‘ einen Plan. Aber dazu später mehr. Jetzt gehen wir erst einmal rein!“ und zog mich wieder mit sich.

Einfach ab durch die Wand und schon standen wir im Inneren des großen Gebäudes.

Ich sah mich um und erkannte, dass wir uns in dem Teil des Hauses befanden, welches von meinem Bruder Will bewohnt wurde.

Ja, ich wusste nun ja schon seit zirka eineinhalb Jahren, dass er mein Bruder war. Und ich bezeichnete ihn seitdem nicht mehr als Butler, sondern eben als meinen Bruder. Er war genauso wie ich unsterblich, da er ebenfalls von zwei Zeitreisenden abstammte und war immer für mich da gewesen.

Der Dämon neben mir schien genau zu wissen, wo er hin musste und was er tat. Er zog mich aus dem Zimmer, das ich aufgrund der vielen Schränke und Bücher in den Regalen sowie dem großen hölzernen Tisch in der Mitte des Raums, welcher mit vielen Verzierungen geschmückt war, als Williams Wohnzimmer identifizierte.

Aus dem Raum draußen, standen wir im Flur meines Bruders Wohnung, durch welchen Xemerius mich zielstrebig in ein anderes Zimmer führte.

Ich fragte mich, woher er so genau wusste, wo er hin musste. Klar wusste ich, dass er früher hier immer für mich spioniert hatte, aber woher wusste er so genau, wo er nun hinmusste, um meinen Bruder zu finden?

Ich wollte gerade zu Fragen ansetzen, da schob er mich in ein anderes Zimmer. Hier war alles ganz hell. Die Decke war bunt angemalt, die Wände warm und hell gestrichen und auch der Boden war aus hellem Holz, wobei ich auf Buche tippte.

Durch ein großes Fenster, welches man von außen eigentlich nicht groß wahrnahm, strahlte das Licht in Massen herein und erleuchtete das Zimmer noch mehr.

An der Decke hing ein großer Kronleuchter, der nur aus Glas bestand. In ihm brach sich das Licht und der Raum wurde in ein großes Spektrum aus Farben getaucht.

Ich staunte wirklich nicht schlecht, denn es sah einfach wunderschön und atemberaubend aus.

Inmitten dieses Farbenspiels stand ein kleines Sofa, welches mich sehr an das Sofa aus dem Alchemie-Labor in dem Jahr erinnerte, in welches Gideon und ich immer gereist waren.

Und genau auf diesem Sofa saß mein Bruder und trank gerade Tee. Wofür er dann sein Wohnzimmer ein paar Räume weiter hatte, war mir wirklich schleierhaft. Vielleicht mochte er diesen Raum hier wegen der Farben so sehr. Das konnte ich mir gut vorstellen, denn es wäre mir genauso ergangen.

„Was wollen wir hier, Xemi? Er kann uns doch auch nicht weiterhelfen“, fragte ich meinen Kumpel neben mir. William konnte uns nicht sehen und auch nicht hören. Eine große Hilfe würde er uns da wohl nicht sein…

„Ich möchte etwas ausprobieren. Vertrau mir!“, forderte er und zog mich weiter zu meinem Bruder hin.

„Und was willst du ausprobieren?“, fragte ich in der Zwischenzeit.

„Wiederhole einfach das, was du vor einigen Tagen bei Gideon gemacht hast“

Anfangs stand ich auf dem Schlauch, doch je stärker ich darüber nachdachte, verstand ich es. Er wollte, dass ich Will Geister sehen können ließ. Aber ging das überhaupt?

„Ähm, Xemi? Bist du dir sicher, dass das funktionieren wird?“, fragte ich.

„Ich denke schon. Aber wie gesagt, will ich es nur mal ausprobieren“, antwortete er und trat einen Schritt auf mich zu.

„Mach einfach das, was du bei deinem Funkelsteinchen auch gemacht hast. Der Rest wird sich von selbst ergeben“, ermutigte er mich.

Also legte ich meine Hand auf den Kopf meines Bruders, wobei ich mir zuvor natürlich noch gewünscht hatte, dass ich ihn berühren konnte, was überraschender Weise auch klappte, und dachte daran, was ich schon damals bei Gideon gedacht hatte.

Ich dachte schon, es würde nicht funktionieren, doch dann wurde plötzlich alles rot und William ließ seine Tasse fallen.

Als das Licht sich gelegt hatte, sah er mich mit großen Augen an.

„Gwendolyn! Wo kommst du denn her? Was war das gerade eben? Und was ist das da neben dir?“, schossen die Fragen nur so aus ihm raus.

Da mischte sich Xemerius ein: „ICH bin der weltbeste Xemerius! Der treuste und wunderbarste Dämon aller Zeiten!“, rief er aus und sein erster Satz erinnerte mich sehr an „Karlsson vom Dach“ von Astrid Lindgren, den er früher immer mit meinen kleinen Geschwistern Nick und Caroline angesehen und gelesen hatte.

Verdutzt sah mein großer kleiner Bruder zwischen dem Dämonen und mir hin und her. „Dämon?“, fragte er mich.

Ich nickte nur, denn zu mehr war ich nicht in der Lage.

„Und wieso kann ich ihn sehen? Das war doch immer deine Gabe?“, fragte er mich stockend und auch seine Hand zitterte. Das sah ihm so gar nicht ähnlich.

„Ja, das ist so…“, fing ich an und erzählte ihm, wie es kam, dass auch er nun Geister und Dämonen sehen konnte.

„Und wieso hab ich dich erst durch das rote Licht bemerkt?“, fragte er, nachdem ich zu Ende berichtet hatte.

„Du bist doch nicht etwa auch…“, fing er an und ließ das Ende des Satzes so wie viele andere in der Luft hängen.

‚Wieso machen das immer alle?‘, fragte ich mich.

Eine richtige formale Antwort konnte ich ihm nicht geben, weshalb ich nur nickte.

Nun sah er mich geschockt an.

Er wollte gerade etwas sagen, als die Tür aufging und mein anderer Bruder zur Tür herein kam.

„Hallo, Mr Bernhard!”, begrüßte Nick William. „Lady Arista würde gerne mit Ihnen über etwas sprechen…“, fing er an, brach aber, nachdem er meines Bruders geschocktes Gesicht gesehen hatte, sofort ab.

„Was ist passiert?“, fragte er alarmiert.

„Du…Ich…Sie…tot…“, stammelte der sonst so gefasste Mr Bernhard.

„Was? Wer ist tot?“, fragte Nick verwirrt.

Will zeigte mit seinem Finger nur in meine Richtung, was ich irgendwie erheiternd fand, denn Nick sah dort, wo William hindeutete, nur die Wand.

„Was? Die Wand ist tot? Wer hat Ihnen denn diesen Irrsinn erzählt? Sie sollten nicht unbedingt alles glauben, was Mr Turner erzählt. Er erzählt nämlich gerne viel, wenn der Tag lang ist und das meiste stimmt nicht einmal. Und da eine Wand niemals gelebt hat, kann sie ja auch gar nicht tot sein…“

Hätte Mr Bernhard ihn nicht unterbrochen, hätte er womöglich noch vorgeschlagen, es einfach zu googln.

„Nein, ich meinte nicht die Wand, Master Nick“, stellte er kopfschüttelnd klar.

„Ich deutete auf jemanden, den Sie leider nicht sehen können…“, fing er an, wurde jedoch recht schnell wieder von meinen kleinen Bruder unterbrochen.

„Können wir uns nicht einfach duzen? Es ist so viel einfacher, wenn man die Förmlichkeiten weglässt. Und wie, ich kann denjenigen nicht sehen? Ich dachte immer, nur Gwendolyn kann Geister und Dämonen sehen?“, warf er ein.

„Das war auch so. Bis vor kurzem…“, sagte William kleinlaut.

„Aha. Und wieso kannst du nun auch diese Wesen sehen?“, fragte Nick und man spürte förmlich, dass er vor Spannung, was passiert war, beinahe platzte.

Und somit erzählte William dasselbe, was ich ihm vorhin erklärt hatte.

Nachdem dies geschehen war, sah Nick ihn mit offenstehendem Mund an.

„Und wo ist Gwen jetzt?“, fragte er weiter.

„Sie steht etwas rechts von dir“, antwortete William ihm.

„Hä? Wie jetzt?“ Geschockt sah Nick im Zimmer umher.

„Aber ich kann sie hier nirgends sehen!“

„Das kommt daher, dass nur ihr Geist hier ist“, antwortete William.

„Aber… NEIN! Das kann doch nicht sein, oder?“

Nick schrie es beinahe, was mich regelrecht zusammenzucken ließ.

„Kann ich sie auch sehen?“, fragte Nick ihn nach einiger Zeit, in welcher er nur dagestanden hatte.

Ich nickte Mr Bernhard zu, der meine Entscheidung an meinen kleinen Bruder weitergab.

Die ganze Prozedur, die ich bereits bei meinem Freund und William angewendet hatte, führte ich nun auch bei Nick durch.

Er staunte nicht schlecht, als er mich direkt vor sich stehend sehen konnte, nachdem das rubinrote Licht wieder erloschen war.

„Gwenny!“

 

Ich berichtete den beiden nun, wie es kam, dass ich gestorben war, wo ich doch eigentlich unsterblich war.

Ja, wir hatten den beiden davon erzählt, denn sie waren unsere Verbündete gewesen und gehörten ebenfalls dem Inneren Kreis der Loge des Pinkenen Häckelschweinchens an.

Nachdem ich ihnen dann alles detailgetreu erzählt hatte und eine Stille eintrat, bei welcher ich nicht genau wusste, ob sie nun unangenehm oder doch angenehm war, meldete sich mein kleiner Hausdämon wieder zu Wort:

„Es gibt aber einen Weg…“ und dann weihte er uns in seinen Plan ein. Dieser war eigentlich recht simpel. Wieso war ich da nicht schon früher drauf gekommen?

 

Meine Brüder stimmten zu und somit sprachen wir ab, dass wir uns in der Nacht vor Temple treffen würden.

Wir feilten noch ein wenig an unserem Plan, sodass eigentlich nichts mehr schief gehen konnte.

Wir waren gerade fertig geworden, als jemand an der Wohnungstür von Mr Bernhard klopfte und Lady Aristas Stimme ertönte:

„Mr Bernhard? Sind Sie da? Hallo?“

Schnell sprang Gerufener auf und sprintete zu der Tür, nachdem er Nick hinter die Tür zu dem Lichterraum gescheucht und ihm erklärt hatte, dass er sich dort verstecken sollte.

Ich folgte meinem älteren Bruder, denn ich wusste ja, dass meine Großmutter oder Ur-Großmutter, je nachdem, wie man es sah, mich nicht sehen konnte.

„Mr Bernhard, hat Nick Ihnen nicht berichtet, dass ich mit Ihnen sprechen möchte?“, fragte sie ihn. Sie wirkte mal wieder - oder eher: Wie immer - als habe sie einen Stock verschluckt, so gerade stand sie da. Wie gerne hätte ich ihr eine Jacke oder einen Hut übergehängt, denn sie war einem Kleiderständer nicht unähnlich. Die Haltung stimmte ja schon einmal.

„Verzeihung, aber ich war bis gerade eben außer Haus. Hätte ich dies gewusst, wäre ich natürlich zu Ihnen gekommen.“, sagte William in bester Manier und verbeugte sich sogar noch ein wenig.

Ich musste an mich halten, um nicht in Gelächter auszubrechen.

„Was wollten Sie denn nun mit mir besprechen?“, fragte er und wirkte interessiert, doch ich sah ihm an der Nasenspitze an, dass es ihn nicht einmal die Bohne interessierte.

„Ah ja. Deswegen war ich ja hier. Ich wollte Ihnen nur ausrichten, dass sie sich heute Abend freinehmen können“, antwortete sie, drehte sich auf dem Absatz um und stolzierte davon.

Verblüfft sah Will ihr nach und wandte sich dann an mich: „Damit wäre das Problem, wie ich hier wegkomme, schon einmal geklärt“

Jetzt fehlte nur noch Nick.

Dieser kam gleich darauf, nachdem wir die Tür wieder geschlossen hatten, angesprintet und meinte, er habe mit Xemerius gerade den ultimativen Plan ausgebrütet, um am Abend unbemerkt aus dem Haus zu kommen.

Mein kleiner Dämon kam, kaum dass sein Name gefallen war, auch schon angetapst und meinte mit seiner süßen Stimme, dass es eigentlich ganz einfach wäre, da es einen geheimen Gang nach Temple gäbe.

„Ja, von dem hab ich auch schon gehört. Aber gefunden habe ich ihn bedauernswerter Weise noch nicht“, gab Mr Bernhard zu.

„Kannst du ihn uns zeigen?“, fragte ich den dämonischen Wasserspeier, woraufhin dieser mit seinem katzenähnlichen Kopf nickte.

Schnell und leise huschten wir hinaus in den Flur, von wo aus wir durch die Eingangstür zu Wills Wohnung in den Teil des Hauses, der der Montrose-Familie gehörte, gingen und den Weg in die Bibliothek einschlugen.

Xemerius zeigte, als wir in dem großen Raum voller Bücher standen, direkt auf eines der Regale, welches an der Wand stand.

Mit Spitzengeschwindigkeit sprintete mein Halbbruder auf das vollgestapelte Regal zu und untersuchte es genauestens.

Plötzlich, er hatte gerade an irgendeinem Buch herumgedrückt, bewegte sich das Regal auf die Seite und Nick sprang mit einem erschrockenen Quietschen nach hinten.

Vor uns lag nun ein Gang, der tief unter die Erde führte.

„Und du bist dir sicher, dass das ein Weg nach Temple ist?“

Die Frage richtete ich an Xemerius, der nachdenklich dastand.

„Ich denke schon…“, murmelte er.

„Aber sicher bist du dir auch nicht, oder?“, hackte ich nach.

„Öhm… nö. Nicht wirklich…“, gab er zu.

„Ok, dann gehen wir beide eben einfach mal nachsehen. Wir sagen euch, ob er wirklich in die Loge führt, wenn wir wieder zurück sind“, sagte ich zu meinen Brüdern, die nur nickten.

Wir huschten also in den Tunnel hinein und hinter uns hörte ich noch ein „Bis später!“, von Nick, ehe sich die Tür schloss und wir in dem Gang, der durch Fackeln, die alle zwei Meter angebracht waren, einigermaßen gut beleuchtet wurde, alleine waren.

„Na dann mal auf ins Abenteuer!“

Vor Begeisterung stieß Xemerius einen Schwall Wasser aus.

„Upps… Tut mir leid…“, murmelte er und wir setzten uns in Bewegung, in der Hoffnung, bald wieder hier draußen sein zu können.