Forever And Ever - I Am Lost Without You

Ann-Kathrin Kälberer · Kapitel 22 von 24

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Forever And Ever - I Am Lost Without You

Von Suchen und Keksen

Erschrocken wirbelte ich herum und was ich dort zu sehen bekam, ließ mich einen Lachanfall bekommen.

Xemerius, der mal wieder an der Decke hing, ging es nicht anders.

Denn Nick, der gerade von Will die Tür aufgehoben bekam, rieb sich die Stirn, auf der sich eine leichte Beule abzeichnete.

Ich konnte mir denken, was geschehen sein musste.

„Was denn?“, keifte mein kleines Brüderchen uns an. „Xemi ist durch die Tür geflogen und ich hab halt grad nicht dran gedacht, dass ich das nicht kann…“, erklärte er kleinlaut.

„Ah ja“, lachte ich, womit ich mir einen bösen Blick meines wehrten „Ich-Bin-Zwar-Kein-Geist-Aber-Versuch-Trotzdem-Durch-

Die-Wand-Zu-Laufen-Bruders“ einhandelte, woraufhin ich nur noch mehr lachen musste.

Noch immer rieb er sich seine Stirn, die eine dunkelrote Farbe angenommen hatte.

Robert neben mir lachte nun auch mit, nachdem er sich zuvor, seinem Gesichtsausdruck nach zu folgen, krampfhaft versucht hatte zurückzuhalten. Nur war ihm dies kläglich misslungen.

„Jetzt hört schon auf!“, rief Nick aus, was mich tatsächlich zum Schweigen brachte.

„Uns hört ja niemand außer euch beiden, aber dich schon“, meinte ich zu ihm und sah ihn dabei mit hochgezogenen Augenbrauen an.

Mr Bernhard, der nur schmunzelnd dagestanden hatte, nickte zustimmend.

„Da hat sie ganz Recht. Wir sollten nicht unbedingt schon jetzt auffliegen…“, tadelte er leise.

‚Am besten, wir fliegen überhaupt nicht auf‘, dachte ich mir, verkniff mir aber diesen Kommentar.

Stattdessen blickte ich auf die große Standuhr, die an der Wand positioniert war.

War es wirklich schon so spät?

Kein Wunder, dass die drei also schon hier waren.

„Hey, Träumerin! Hallo!“, wurde ich von Xemerius gerufen, um meine Aufmerksamkeit zu bekommen. Dabei war ich doch gar nicht so tief in Gedanken gewesen, oder etwa doch?

„Bin ja da!“, gab ich ihm zu verstehen, woraufhin er zufrieden nickte.

„Also… Fangen wir an!“, gab er bekannt.

„Äh, Gwendolyn? Mit was fangt ihr an?“, fragte der kleine Junge neben mir, den ich gerade voll vergessen hatte.

„Wer bist du denn, Kleiner?“, fragte Nick ihn.

„Ich bin Robert. Und du?“, gab der kleine Fratz zurück.

Also nannte Nick ihm seinen Namen und auch William stellte sich vor.

Nachdem sich also nun alle kannten, gesellte sich Xemerius sich zu uns an den Tisch – obwohl es „auf den Tisch“ eher traf, da er sich eher auf ihm niederließ, als dass er sich an den Tisch setzte – und weihte Robert in seinen genialen Plan ein. Der Kleine war sofort Feuer und Flamme uns zu helfen und wollte auch sogleich anfangen. Immerhin kannte er sich hier in Temple besser aus als ich mich in meiner imaginären Hosentasche, die an den derzeitigen Klamotten leider nicht existierte.

„Wo wollen wir denn überhaupt anfangen?“, fragte ich, da wir diesen kleinen Aspekt bei den Planungen etwas unter den Tisch fallen gelassen hatten. Also wohl doch nicht so ein genialer, vollkommen idiotensicherer Plan, wie Xemerius ihn immer zu verkaufen versuchte.

Daher wusste ich jetzt auch nicht wirklich, was nun auf dem Programm stand.

„Na, wir durchforsten alle möglichen Räume, die irgendwie in Frage kommen“, antwortete Nick schmunzelnd und machte sich schon einmal auf den Weg zur Tür.

Wir – auch bekannt als „Der Rest“ – folgten ihm und gemeinsam ging es auf „Schatzsuche“.

Xemerius hatte sich bereit erklärt, immer einige Meter vor uns zu fliegen, um nachsehen zu können, ob auch niemand dort war, dem Nick und Mr Bernhard über den Weg laufen könnten.

Als erstes ging es nun zu Grandpas Büro, wohin ich ja vorhin schon auf dem Weg war.

Zu unserem Glück war niemand auf den Gängen, durch die wir mussten, unterwegs, wodurch wir relativ schnell vor dem kleineren Zimmer standen.

Das Schicksal schien es heute gut mit uns zu meinen, denn die Tür war nur leicht angelehnt und somit konnten unsere beiden „lebendigen“ Angehörigen ohne Probleme eintreten.

In der Vergangenheit war ich ja bereits einige Male hier gewesen, doch jetzt – in der Gegenwart – hier zu sein, ohne den Gedanken, gleich meinem Großvater zu begegnen, war ein ganz anderes Gefühl.

Der Raum strahlte nicht diese gewohnte Herzlichkeit aus, sondern wirkte kalt und verlassen.

Das war er ja auch – verlassen.

Hier war bestimmt seit Jahren niemand mehr gewesen, so verhangen mit Spinnenweben war es hier. Kaum hatte man einen Schritt hinein getan, hatte man die Fäden schon in Massen an der Hose oder einem anderen Kleidungsstück hängen; Zumindest, wenn man einen Körper hatte. Wir Geister waren da ganz anders - wir konnten einfach durch sie hindurch gehen, ohne sie auch nur im Entferntesten zu spüren.

Ein Seufzen entfuhr mir, da ich mir gerade nichts sehnlicher wünschte, als wieder die Spinnweben zu spüren, ehe ich mich wieder auf das konzentrierte, weshalb wir jetzt eigentlich hier waren.

Während Nick und William sich mit dem Auseinandernehmen des Schreibtisches befassten, steckte ich meine Nase – oder doch eher meinen gesamten Kopf – in Dinge, die mich ja eigentlich gar nichts angingen, aber auch die Safes mussten durchsucht werden.

In einem fand ich sogar etwas, auch wenn es nicht dem entsprach, was wir eigentlich vorhatten zu finden. Aber es war das erste Interessante, was ich überhaupt in einem der Schließfächer fand, da die anderen allesamt leer waren.

Ich war gerade an einem kleineren Safe und steckte meinen Kopf so in ihn, dass ich erkennen konnte, was sich in ihm befand, da sah ich SIE.

Sie lagen friedlich auf einem kleinen Teller, sahen jedoch nicht mehr allzu appetitlich aus.

In den 50er Jahren hatte Mr George sie immer gebracht, wenn Grandpa Besuch hatte oder auch nur mal so zum Naschen für Zwischendurch.

Damals waren sie so lecker gewesen, dass ich mich hätte hineinsetzen können.

Jedoch wollte ich die Kekse jetzt nicht wirklich verzehren, immerhin wusste ich ja nicht einmal, aus welchem Jahr beziehungsweise Jahrhundert sie stammten.

Und doch stieß ich ein „Lecker!“, aus.

Doch ich fügte gleich, als ich die ganzen Staubpartikel, die auf dem leckeren Gebäck lagen gesehen hatte, ein „Igitt!“, hinzu und verzog angewidert das Gesicht.

Nein, die Kekse wollte ich nicht mehr essen…

Mit ekelverzerrtem Gesicht tauchte ich wieder aus dem Sicherheitskasten hervor und sah in vier verwirrte Gesichter.

„Was ist da drinnen?“, fragte Nick und kam einige Schritte auf mich zu.

„Nichts, was wir suchen. Nur alte, verstaubte Kekse von Grandpa“, antwortete ich ihm, woraufhin ein wissender Ausdruck auf Wills Gesicht erschien.

„Oh, die Kekse von Lord Lucas waren immer die besten…“, fing er an zu schwärmen, wurde jedoch gleich darauf von Xemerius recht unhöflich unterbrochen:

„Jaja… Wir wissen, wie gut die Dinger waren, aber da sie ja leider keinen Detektor installiert haben, bringen sie uns gerade auch nicht weiter. Oder leuchten die Teile, wenn sie näher an unserem Ziel sind?“, fragte er ungeduldig.

Da ihm aber keiner von uns eine Antwort gab, fuhr er fort: „Seht ihr? Also weiter! Sonst ist die Nacht vorbei und die Loge hier ist wieder bis zur Decke mit ultrawichtigen Mitgliedern vollgestopft!“

Ohne einen weiteren Kommentar folgten wir seiner Anweisung und suchten weiter.

Nach einer Viertelstunde hatten wir das gesamte Zimmer auf den Kopf gestellt, mussten jedoch mit leeren Händen wieder auf den Gang hinaus treten.

Von dort ging es dann weiter in den Keller, da wir uns sicher sein konnten, dass es in den anderen Räumen hier oben zu heikel gewesen wäre, so etwas Kostbares zu verstecken, denn hier hätten die restlichen Logenmitglieder bestimmt etwas bemerkt.

Also machten wir uns auf den Weg hinunter in die unterirdischen Gänge.

Xemerius flog wie gehabt vorne raus, um uns Bericht zu erstatten. Wir anderen vier machten ein wenig langsamer, denn meine Brüder hatten wirklich reichlich Schlafmangel. Doch sie zogen es durch und beteuerten immer wieder, dass es schon ginge.

Ich hoffte nur, dass dem auch so war, denn ich hatte wenig Lust, dass sie aufgrund ihrer Müdigkeit plötzlich zusammenbrechen würden. Das wäre noch so etwas, was man auf die „Das hätte uns gerade noch so gefehlt“-Liste setzen konnte.

Unsere erste Anlaufstelle hier unten war der Chronographenraum, welcher aber auf dieser Etage hier auch der einzige Raum war, der in Frage gekommen wäre. Einen andern gab es hier auch gar nicht.

Als wir mal wieder um eine der vielen Ecken gebogen waren, herrschte gerade eine Ruhe, die mit einem Schlag gekommen war.

Und in solch einer Zeit des Schweigens trifteten mal wieder meine Gedanken zu früher ab. Ich wusste noch genau, wie ich das erste Mal hier unten geführt worden war. Und auch an das Mal, als ich wie ein Einkaufswagen herumgeschoben worden war.

So viele Erinnerungen verband ich mit diesen Gängen hier unten; Das war mir früher nie aufgefallen.

Wieder bahnten sich Tränen an, doch ich unterdrückte sie gekonnt, damit ich nicht noch hilfloser wirkte, als ich es eh schon tat.

Endlich an der großen, massiven, aber auch alten Tür angekommen, zögerten wir nicht lange, sondern versuchten sie irgendwie aufzubekommen.

Das war jedoch leichter gesagt als getan, da die Türklinke gewaltig klemmte.

Nick rüttelte daran, konnte aber auch fünf Minuten später immer noch nicht viel bewirken und ließ mit einem lauten „Verdammt!“, von der Tür ab.

„Lass mich mal versuchen“, meldete sich William und machte sich vor der Tür bereit.

„Ja, lass mal den Muskelprotz probieren: Der lässt euch alle alt aussehen!“, lachte Xemi begeistert und flog über unseren Köpfen herum.

Für seinen Kommentar bekam er von Nick einen genervten und von Will einen amüsierten und dankbaren Blick zugeworfen.

Doch sogleich spannte sich mein älterer jüngerer Bruder an und lief mir seiner rechten Schulter vorne mit vollem Karacho auf die Tür zu, die, als er sich mit seinem gesamten Gewicht gegen sie schmiss, mit einem lauten Knall aus den Angeln flog.

Zu unserem Glück war sie jedoch nicht zerbrochen oder ähnliches. Nicht einmal einen sichtbaren Kratzer hatte sie davongetragen.

Mit großen Augen bestaunte mein Halbbruder das große Holzbrett, welches zuvor noch als Tür fungiert hatte, und brachte dabei nur noch ein kleines, gehauchtes „Wow“ heraus.

Lange hielten wir uns hier draußen jedoch nicht auf, da Xemerius uns mal wieder zur Ordnung rief und uns in den kleinen, für mich mehr als bekannten Raum scheuchte.

Auch hier stellten wir alles auf den Kopf und drehten dabei jedes noch so kleine Staubkörnchen um, bis wir an dem Tresor des Chronographen angelangt waren.

Fast schon ehrfürchtig öffnete Nick ihn, nachdem ich ihn über den Inhalt sowie den Code, welchen die Wächter mir einige Wochen nach der Entlarvung Mr Whitmans – auch bekannt als Der Graf von Saint German oder „Das Eichhörnchen“- verraten hatten, informiert hatte, und zum Vorschein kam die kleine Zeitmaschine.

Doch zu unserer Enttäuschung war auch hier das, was wir eigentlich suchten, nicht deponiert worden.

Nachdem wir den Chronographen wieder ordnungsgemäß weggesperrt hatten, verließen wir auch diesen Raum und waren dabei noch deprimierter als zuvor.

William hob, nachdem wir alle wieder auf dem Gang standen, die Tür vom Boden auf, wo wir sie vorhin einfach hatten liegenlassen, und hängte sie wieder in die Angeln, wo auch eigentlich ihr rechtmäßiger Platz war, und sah dabei aus, als wäre das sein tägliches Programm.

‚Gut, dass die Mitglieder der Loge bereits Feierabend haben‘, dachte ich mir, denn ansonsten wären wir bei dem Krach, den wir hier veranstalteten, bereits bei dem ersten Raum entdeckt und gefasst worden. Und das hätte uns ja gerade noch gefehlt, weil dann unsere ganze, total strenggeheime Mission, die im Übrigen die erste Mission der geheimen Loge des pinkenen Häkelschweins war, gewissermaßen im Eimer gewesen wäre.

Doch so mussten wir uns nun nur vor den Adepten, die hier im Gebäude ihre Zimmer und Wohnungen hatten, in Acht nehmen.

Da diese jedoch zu solch später Stunde bestimmt schon alle in ihren Betten lagen und selig vor sich hinschlummerten, brauchten wir uns um die eigentlich keine großen Sorgen zu machen.

 

Schnellen Schrittes ging es nun noch einige Stockwerke weiter unter die Erde.

Und zwar, um es genau zu nehmen, in die Etage, in welche ich eigentlich nicht unbedingt noch einmal wollte und um welche ich lieber einen ganz großen Bogen gemacht hätte.

Aber ich musste, denn das hier unten war eigentlich unsere letzte Chance, um das zu finden, was wir schon die halbe Nacht suchten.

Die Folterkammer jedoch ließen wir unberührt, da Xemerius diese bereits bei seinem letzten Aufenthalt hier unten genauestens unter die Lupe genommen hatte.

Damals war mir die Tür, die gegenüber meiner persönlichen „Kammer des Schreckens“ lag, nicht aufgefallen. Ich dachte damals, dort wäre einfach die Wand gewesen – doch dem war nicht so, wie ich nun herausfand.

Ich hatte das Gefühl, dass der Raum, der sich hinter der mysteriösen Tür befand, mich auf eine seltsame Art und Weise magisch anzog, denn ich konnte meinen Blick nicht von ihm wenden und steuerte, ohne auf etwas anderes zu achten, geradewegs auf ihn zu.

Ich wollte wissen, was sich darin befand. Ich hatte das Bedürfnis, dem Geheimnis dieses Raumes auf den Grund zu gehen. Woher ich diese Gefühle oder so hatte, war mir mehr als schleierhaft.

Mit all meinen Gedanken war ich bei dem Rauminneren.

Erst der kleine Robert brachte mich wieder zur Vernunft und aus meinen Gedanken zurück zu den anderen, die mich ganz komisch ansahen.

„Was willst du denn da? Das ist das Zimmer von… Wie heißt der gleich noch mal?“

„Du kennst dich hier unten aus?“, fragte mein Dämon, bevor ich es tun konnte.

Wir waren alle gleichermaßen geschockt und erstaunt, was man in unseren Gesichtern lesen konnte. Der kleine Geisterjunge überraschte mich immer wieder aufs Neue.

„Immer nur bei Papa rumsitzen wird mit der Zeit langweilig. Ich renne gerne hier herum. Aber hier unten treffe ich immer nur einen und das wird auf die Dauer auch langweilig“, erklärte er uns. „Ach, wie heißt der noch mal!?“, fragte er sich selbst und ich musste bei seiner nachdenklichen Miene unwillkürlich an Winnie Pooh denken, denn er machte gerade das haargenau gleiche Gesicht wie der kleine Bär.

„Papa nennt ihn immer „unnützen Trottel“… Aber mir will der Name nicht einfallen…“

Noch immer grübelte er; Das konnte man seinem Gesicht klar und deutlich ansehen.

Und noch immer standen wir hier auf dem Flur und langsam wurde mir unbehaglich… Was wenn jemand käme?

Meine sorgenvollen Gedanken wurden jäh unterbrochen, als Xemi sich einmischte:

„Du meinst aber jetzt gerade nicht den Feuerlöscher, oder?“

Stirnrunzelnd sah der kleine Junge den Wasserspeierdämon an und fragte dann reichlich verwirrt: „Ähm, … Nein? Ich denke nicht, dass Feuerlöscher laufen können…“

Nun musste ich lautstark losprusten, was auch Nick und William verwundert aussehen ließ.

Aber die beiden Schatten eines ehemaligen Lebens hatten gerade absolut aneinander vorbei gespro-chen, was nun scheinbar auch Xemerius auffiel, denn er schmunzelte und sagte: „Nein, aber einen Feuerlöscher, wie du ihn kennst und welchen du nun scheinbar auch meinst, meine ich auch gar nicht. Sondern Mr Marley.“

Bei dem Namen wurden Roberts Augen schlagartig größer.

„Genau den meine ich! Marley läuft hier unten oft herum! Und das da“, er zeigte auf die geheimnisvolle Tür, „ist sein Zimmer; oder Büro – je nachdem, wie man es nimmt.“

Nun war ich es, deren Augen groß, wenn nicht sogar riesig wurden.

„Ich muss da rein!“, murmelte ich. Allein dieses Murmeln dieser vier Worte fühlte sich an, als hätte ich einen gewaltigen, schwangeren Frosch mit Übergewischt verschluckt.

Nick, der rechts von mir stand und jedes meiner Worte, auch wenn sie recht leise gesprochen worden waren, verstanden hatte, machte zwei Schritte auf die Tür zu, weshalb er nun direkt vor ihr stand.

Kaum war dies der Fall, machte er sich an dem Schloss, welches abgeschlossen war, mit seinem Dietrich zu schaffen.

Wo er den nun schon wieder herhatte, wollte ich gar nicht wissen; Hauptsache, er hatte ihn und konnte damit das Schloss knacken.

Nach einigem Herumprobieren machte es plötzlich ‚Klack‘ und die Tür schwang auf.

Schneller als der Wind war ich drinnen und da fiel mir auf: Ich hätte ja schon vorhin einfach durch die Wand gehen können.

Nun ja, jetzt war es halt so.

Der Rest war mir gefolgt, was ich mit einem Blick über meine Schulter feststellte.

Nick hatte seinen Türöffner wieder in seiner Hosentasche verschwinden lassen und murmelte ein „Ich kann so was auch – sogar ohne großen Geräuschpegel“ vor sich hin, was mich zum Schmunzeln brachte.

Ich hatte mich gerade wieder zum Schreibtisch, der in der linken Ecke des Raumes stand, gedreht, als mir etwas ins Auge fiel, was im danebenstehenden Regal stand. Dieses Etwas hatte in weniger als einem Augenblick meine ganze Aufmerksamkeit.

In einem Teil des Regals war eine kleine Vitrine aufgebaut, in welcher ein Glasbehälter stand.

Und was sich darin befand, ließ mich aufkeuchen.

Da lag genau das drinnen, was wir suchten.

Als ich näher hinging, erschien es mir so klein und zerbrechlich und das wurde durch das Behältnis nur noch verstärkt.

Doch man erkannte auch sofort: Es gehörte hier nicht hin. Ganz und gar nicht gehörte es hier hin, denn sein rechtmäßiger Platz war woanders.

„Ich hab es gefunden!“, rief ich den anderen zu, obwohl dies vollkommen überflüssig gewesen war, da sie bereits alle hinter mir standen.

Man konnte hören, wie sie alle vier gleichzeitig scharf die Luft einzogen und diese dann anhielten.

Langsam streckte Will seine Hand nach vorne und öffnete die Tür der Vitrine. Dabei musste er jedoch aufpassen, dass er den Glasbehälter nicht hinunter fallen ließ, da dieser recht nah an der Kante des Regals stand und Andeutungen machte, hinunter zu fallen.