Forever And Ever - I Am Lost Without You
Der Platz im Herzen
In dem kleinen Gefäß pochte dieses Etwas regelmäßig vor sich hin, doch als William sich mit seiner Hand ihm näherte und ich immer aufgeregter wurde, wurden auch die Schläge immer schneller und unregelmäßiger.
Auf einem kleinen Aufkleber, der vorne an dem Glas klebte, stand in schnörkeliger – wenn nicht sogar beinahe unleserlicher Schrift mein Name.
Dadurch wirkte es wie eine Trophäe, was mich richtig zur Weißglut brachte und auch der Gegenstand, von welchem Will – warum auch immer – wieder abgelassen hatte, schien gerade richtig in Fahrt zu kommen.
„Wieso… Wieso lebt es denn noch?“, fragte Robert, ohne dabei seinen gebannten Blick von der Vitrine abzulenken.
„Weil Gwendolyn unsterblich ist. Obwohl, ihr Körper eher weniger, aber ihr Herz auf jeden Fall. Nur, wenn ihr Herz rausgenommen wird, hört ihr Körper automatisch auf zu leben, verwest jedoch nicht. Stattdessen bleibt er in dem Zustand, in dem er sich vor der Herzentnahme befunden hat. Alleine ihr Herz lebt dann noch weiter; Was immer auch geschehen mag.“
Xemerius hatte das wirklich gut und verständlich erklärt, jedoch eine – in meinen Augen wichtige – Sache ausgelassen.
„Nur, wenn ich mir selbst das Leben nehmen würde, würde auch mein Herz aufhören zu schlagen“, ergänzte ich daher noch.
Mit seinen großen blauen Augen sah uns der kleine Geist erstaunt an und stellte dann die nächste Frage:
„Das heißt, du bist gar nicht wirklich tot?“
Verlegen nickte ich.
Sofort schlang er seine kleinen Ärmchen um mich und drückte mich so fest, wie er nur konnte.
„Da bin ich aber froh!“, rief er erfreut.
So langsam überkam mich aber ein schlechtes Gewissen, denn immerhin hatte ich die Chance, vielleicht irgendwann wieder zu leben, doch was war mit Robert?
Er würde wohl für alle Zeit als Geist herumspuken. Oder vielleicht auch nur bis zum Todes seines Vaters.
Dieser Gedanke ließ Tränen in meine Augen treten. Wieso musste das Leben so verdammt unfair sein?
„Seit wann wisst ihr denn davon?“ Die Erstauntheit, aber auch der Schock in Nicks Stimme war unüberhörbar.
„Wir wussten es bisher eigentlich gar nicht. Es waren nur vage Vermutungen gewesen. Aber jetzt bin ich mir ziemlich sicher“
Xemerius hatte Recht. Beim Pläne ausdenken, hatten wir nur Vermutungen aufgestellt, doch die Sicherheit hatte uns gefehlt; die Beweise.
Die, die wir nun hatten.
Blieb nur noch die Frage offen, wie wir nun weitervorgehen wollten. Denn ich persönlich kannte keinen Arzt, der einer Toten ihr lebendiges Herz wieder einsetzen wollte oder konnte.
Und ich meine: Wieso sollte man überhaupt dann dieses lebendige Herz erklären, wenn die Person doch bereits seit mehr als 12 Stunden tot war und eigentlich bereits anfangen sollte zu verwesen?
Noch bevor ich dieses Thema jedoch auch nur versuchen konnte anzusprechen, wurde Xemi ganz hektisch.
Er flog wie ein Irrer zur Tür hinaus und ließ uns, die ein wenig blöd aus der Wäsche guckten, alleine zurück.
Verwirrt sah ich die anderen an, in deren Gesichtern sich die gleiche Verwirrung wie bei mir spiegelte.
Doch bevor irgendjemand sich wirklich darüber wundern konnte, kam Xemerius schon wieder hereingestürzt.
„Was…?“, setzte ich gerade zu einer Frage an, wurde jedoch augenblicklich recht unsanft unterbrochen.
„Mitkommen! Und nehmt Gwens Herz mit! Die Tomate ist im Anmarsch!“
Da niemand außer mir wirklich die Bedeutung seiner Worte verstehen konnte, blieben sie alle wie angewurzelt stehen und ihre Fragezeichen, die in ihren Gesichtern standen, wurden nur noch größer.
„Marley“, übersetzte ich kurz angebunden, woraufhin auch die anderen drei zu verstehen schienen und sich rasch in Bewegung setzten.
Will, mit dem Glas unterm Arm, ging schnellen Schrittes vorne raus auf die Tür zu.
Nick lief genau hinter ihm und zusammen verschwanden sie in schnellem Tempo aus dem Raum und nach rechts um die Ecke.
Xemerius flog zirka zwei Meter hinter ihnen und mit einiger Entfernung folgten auch Robert und ich.
Doch ehe wir ebenfalls wie die anderen drei vor uns durch die Tür huschen konnten, tauchte in eben dieser Marley auf.
Wie angewurzelt blieb ich stehen.
Vor meinem inneren Auge spielte sich immer wieder ein- und dieselbe Szene ab – die, in der dieser Widerling mich folterte, vergewaltigte und tötete.
Die Erinnerung an diese Zeit brachte gleichzeitig die Erinnerung an all die Schmerzen mit sich mit.
Und genau diese Erinnerung fühlte sich an, als würde dieser Psycho wieder mit der Vergewaltigung dort weitermachen, wo er zuletzt aufgehört hatte. Als hätte es mir damals nicht schon gereicht…
Tränen, die unbewusst angefangen hatten zu laufen, flossen nun still vor sich hin.
Marley, der mich ja nicht sehen konnte, schritt mit großen Schritten einmal quer durch das Zimmer und setzte sich dann an den Schreibtisch.
Ihm war scheinbar entgangen, dass er, als er das letzte Mal hier gewesen war, die Tür abgeschlossen hatte und diese nun aber offen stand.
Seufzend fuhr er sich einmal mit der Hand über sein Gesicht und murmelte vor sich hin.
Robert, der neben mir stand, griff nach meiner Hand und klammerte sich geradezu daran.
Ich wusste nicht, was mich dazu verleitete, aber ich blieb wie eine Salzsäule stehen, wo ich eben gerade stand, und obwohl mein Verstand mich dazu aufforderte mich umzudrehen und den anderen zu folgen, hörte ich auf mein Bauchgefühl.
Und genau jenes war es, das mir zu flüsterte, hier zu bleiben.
„Wie konnte das passieren?“, murmelte Marley vor sich hin und ich konnte es gerade noch so verstehen, da ich nahe genug dran stand, da er total leise gesprochen hatte.
Um auch nur nichts zu verpassen, was im Nachhinein vielleicht wichtig sein könnte, trat ich noch einen Schritt auf dieses [i]Wesen[/i] zu.
Als „Mann“ konnte man ihn ja nicht mehr bezeichnen, denn ein echter Mann brachte nicht einfach irgendjemanden um und vergewaltigte sein Opfer davor auch noch.
Nein, er war eher ein Monster – ein ekelhaftes, perverses Schwein.
Kaum dass ich den Schritt in seine Richtung getan hatte, murmelte er schon weiter.
„Ich hätte sie gleich entsorgen sollen… Jetzt hat dieser arrogante Schnösel sie… Gegen ihn muss ich auch noch etwas unternehmen, bevor er herausbekommt, dass ich dahinter stecke…Aber wenigstens haben sie das Wichtigste noch nicht.“
Mit diesen Worten drehte er sich mit seinem Drehstuhl um 180° und sah dadurch nun direkt in die Vitrine, die er nun leer vorfand.
„Was…?“, stotterte er, bevor er allen Anscheins nach die Situation verstanden hatte.
„NEIN!“, schrie er und hämmerte auf allen möglichen Gegenständen herum.
„Ich bringe ihn um!“, schrie er und schlug wirklich alles, was in seiner Umgebung lag, kurz und klein.
Schnell drehte ich mich um, rannte auf die Tür zu und riss Robert dabei mit. Von Marleys Wutausbruch hatte ich jetzt genug mitbekommen.
Mit dem kleinen Geist an meiner Seite raste ich die vielen Stockwerke nach oben. Dabei nahmen wir jedoch nicht die übliche Vorgehensweise wie die Lebenden, sondern flogen einfach durch die Decken durch.
So lange, bis wir im Erdgeschoss angelangt waren.
Dort liefen wir durch Wände, Türen und Räume, bis wir plötzlich auf den Rest unserer Truppe trafen.
„Wo wart ihr denn? Plötzlich seid ihr nicht mehr hinter uns gewesen!“, begrüßte uns Xemerius.
„Wir haben ein bisschen gelauscht. Marley hatte einen furchtbaren Wutausbruch.“ Auf die verwirrten Gesichter der anderen erklärte ich ihnen, dass Marley das Fehlen seiner Trophäe bemerkt hatte und auch, dass er wusste, dass Gideon hinter dem Verschwindens meines Körpers steckte.
Die anderen wurden allesamt bei meinen Worten blass im Gesicht und starrten mich geschockt an. Mir war zum Heulen zu Mute, aber ich blieb stark; Heulen konnte ich später immer noch.
William hatte sich als erster gefasst.
„Gideon muss so schnell wie möglich hier weg!“
Da er immer noch mein Herz in der Hand hielt, fuchtelte er nun damit in der Luft herum und erklärte aufgebracht: „Und wir brauchen unbedingt jemanden, der dich operieren kann!“
Mit diesen Worten wandte er sich an mich und sah mich auffordernd an. Jedoch wusste ich nicht, was ich tun sollte und genauso wenig wusste ich, welcher Arzt oder welcher Mensch da in Frage kommen könnte. Also schaute ich voller Erwartung zurück.
Das Blickduell ging so lange, bis Xemerius genervt aufstöhnte und meinte, dass das so uns nicht weiterbringen würde. Ich war ganz seiner Meinung.
Nach einigem Hin- und Herüberlegens begannen wir, in Temple herumzustreunen. Zumindest Will, Nick, Robert und ich.
Xemerius war der Ansicht, er müsse jetzt nach einem Arzt sehen.
Wir liefen nun also gerade zu viert hier an der Ein- und Ausgangstür vorbei, als ich nach draußen sah und bemerkte, dass die Sonne bereits wieder am Himmel stand.
Ich schätzte, aufgrund des Stands der Sonne, die Uhrzeit auf ungefähr neun oder zehn Uhr.
Wir mussten also eine ganze Nacht in den Kellern von Temple verbracht haben. Wenn Grace oder Lady Arista davon Wind bekommen würden, dass Nick nicht zuhause geschlafen hatte – oder sogar, dass er gar nicht geschlafen hatte – und mit Mr Bernhard noch immer hier unterwegs war, würde auf die beiden bestimmt eine gewaltige Strafpredigt warten.
Auch meine Brüder schienen dies bemerkt zu haben, denn beide waren wie vor Schreck erstarrt.
„Scheiße…“, murmelte Nick, was William mit einem „Das kannst du aber laut sagen!“, quittierte.
„Schnell hier lang!“ Robert hatte sich abermals meine Hand geschnappt und rannte los. Dabei war er es dieses Mal, der mich hinter sich her zog.
Nick und William mussten sich sputen, um mit dem Kleinen und mir Schritt halten zu können.
Vor der großen Tür, die zum Bourdon Place 81 zurückführte, machte der Siebenjährige eine Vollbremsung, weshalb ich mit voller Geschwindigkeit in ihn hineinrannte. Meine Reflexe waren wohl gerade im Urlaub gewesen…
Prompt lag ich auf ihm und schaute dabei mehr als verdutzt.
Robert bracht hingegen in schallendem Gelächter aus und auch nachdem ich von ihm unten war, hatte er sich immer noch nicht eingekriegt.
Aus Frust, dass ich meine Tollpatschigkeit noch immer nicht hinter mir gelassen hatte, streckte ich ihm die Zunge raus, was ihn nur noch mehr zum Lachen animierte.
William und mein Halbbruder sahen uns beide amüsiert zu, doch ich wies sie daraufhin, dass wir hier nicht zum Spaß haben waren, sondern aufgrund der Tatsache, dass sie so schnell wie möglich Heim mussten.
Das schien ihnen nun wohl auch wieder einzufallen, denn sie verabschiedeten sich schnell und verschwanden dann in dem Tunnel.
Robert hatte seinen Lachanfall, durch den sich sogar Tränen in seine Augen gestohlen hatten, wieder einigermaßen unter Kontrolle und lächelte mich mit seinem niedlichen Lächeln an.
Schon längst hatte ich ihm wieder verziehen und das sagte ich ihm auch, was ihn noch glücklicher uns breiter grinsen ließ.
Mit diesem Grinsen, das sich von seinem rechten zu seinem linken Ohr streckte, im Gesicht, ging er voraus.
Wir liefen den ganzen Weg, den wir gerade eben noch gerannt waren, gemächlich zurück, wobei wir uns unterhielten, was Jake, also Dr. White, den ganzen Tag so trieb und darüber, was ansonsten hier so los war.
Dadurch erfuhr ich nebenbei, dass die Wächter nah dran waren, einen Weg zu finden, um meine Eltern – damit meine ich Lucy und Paul – aus der Vergangenheit zurück in die Gegenwart zu holen.
Er fügte jedoch sofort noch dazu, dass sie dies aber wahrscheinlich niemals werden umsetzen können, da Gideon morgen früh bereits weg sein wird und sie es bis dahin bestimmt noch nicht geregelt haben werden.
Und Gid wird ja wohl einiges anderes zu tun haben, als die beiden wieder in unsere Zeit zu holen.
Das alles stimmte mich ein wenig traurig, denn ich hatte mir immer gewünscht, dass auch die beiden wieder hier im sogenannten „Jetzt“ leben könnten.
Doch es war ein weiteres Mal aussichtslos.
Robert schien zu merken, dass mich dieses Thema herunterzog und wechselte rasch auf ein anderes.
Für seine Rücksicht hätte ich ihn knuddeln können, doch bevor es dazu hätte kommen können, lief uns plötzlich ein aufgelöster Gideon über den Weg.
Gideons Sicht
Flashback
Ich wachte in dem kalten und leeren Bett auf. Da war keine Gwenny, die mich hätte in den Arm nehmen können. Niemand, die mich mir den schönsten saphirblauen Augen, die es jemals auf der ganzen Welt gegeben hat, in ihren Bann hätte ziehen können.
Meine Gwenny war fort – für immer – und diese Erkenntnis ließ mein Herz krampfhaft zusammenfahren.
Es tat weh – mehr als alles, was mir bisher passiert war.
Doch ich musste nun wohl oder übel versuchen, damit zu leben, denn sie käme – egal was ich auch tun würde – nicht mehr zu mir zurück.
Ich konnte mir nicht mehr vorstellen, wie es gewesen war, als mein Engel noch nicht in meinen Leben getreten war.
Und doch war es jetzt so und doch war es anders. Es war ein vollkommen anderes Gefühl.
Und ihr Spitzname „Engel“ passte nun mehr als je zuvor, denn sie war zu den Engeln gewechselt und ich hoffte, sie würde immer über mich wachen.
Allein dieser Gedanke ließ mich wieder in Tränen versinken.
Gwens Kopfkissen roch noch nach ihr und genau aus diesem Grund vergrub ich meinen Kopf in ihm und inhalierte ihren Duft einmal tief und hoffte inständig, dass dieser Geruch niemals ganz verschwinden würde.
Natürlich war ich mir im Klaren darüber, dass dies totaler Schwachsinn war, doch ich brauchte jetzt irgendetwas, an dem ich mich festklammern konnte.
Mit einem abgrundtiefen Seufzer ließ ich von dem Kissen ab, schlug die Decke auf die Seite und manövrierte meine Beine über die Bettkannte.
Noch etwas verschlafen rieb ich mir über die Augen, an denen meine Tränen allmählich getrocknet waren.
Nur noch einzelne Tränen kullerten mir über die Wange und tropften an meinem Kinn hinunter auf meine Boxershorts.
Bevor ich noch einmal eine Art Nervenzusammenbruch erleiden konnte, stemmte ich mich von meinem Bett auf meine Beine und versuchte mein Gleichgewicht zu halten, was sich jedoch als etwas schwieriger erwies, denn diejenige, die mein eigentliches Gleichgewicht – also die ausgleichende Kraft meines Lebens – gewesen war, musste ja unbedingt aus meinem Leben ausradiert werden.
Meine Gwenny.
Dieser Gedanke ließ mich beinahe erneut zusammenbrechen, doch bevor es soweit überhaupt kommen konnte, hielt ich mich an dem Türgriff fest, der glücklicherweise unmittelbar in der Nähe von unseren – oder nun wohl eher nur noch meinem Bett befestigt war.
Dort stützte ich mich so gut, wie es ging, ab und drückte die Klinge daraufhin, als ich mich einigermaßen wieder unter Kontrolle hatte, herunter und öffnete damit die Schlafzimmertür.
Die Umgebung nahm ich aufgrund der Müdigkeit, mit welcher ich noch immer zu kämpfen hatte, nur verschwommen wahr.
Man könnte meinen, ich dürfte wegen der durchschlafenen Nacht eigentlich nicht mehr müde sein, doch es war nicht der Schlaf beziehungsweise der nicht vorhandene Schlafmangel an meiner Müdigkeit schuld, sondern meine Gedanken. Diese drückten mich so runter, dass ich mich am Liebsten wieder in mein Bett gelegt, dazu noch mein Gehirn ausgeschaltet hätte und nie wieder aufgestanden wäre.
Doch das Versprechen, mein Leben zu leben, kam mir immer wieder in Erinnerung und genau deshalb schleppte ich mich jetzt mit unscharfem Blick in die Küche.
Dadurch, dass ich nun schon seit einigen Jahren mit Gwendolyn dieses Haus bewohnt hatte, wusste ich genau, wo sich alle Dinge befanden und hätte auch mit verbundenen Augen die jeweiligen Zimmer gefunden. Und das war nun das, was ich brauchte, denn durch den Tränenschleier konnte ich nicht wirklich etwas sehen.
Endlich, da es mir wie eine Ewigkeit vorgekommen war, in der ich durch die Wohnung geschlürft war, in meinem Zielraum angekommen, brauchte ich erste einmal einen starken Kaffee.
Mit der dampfenden Tasse in der Hand lehnte ich mit dem Rücken an die Arbeitsplatte und versuchte angestrengt, nicht an Gwendolyn zu denken.
Das war jedoch leider leichter gesagt als getan, doch ich schaffte es – zumindest für eine gewisse Zeitspanne.
In der Zeit dachte ich angestrengt darüber nach, wie ich Lucy und Paul die Nachricht übermitteln sollte.
Da ich ja bereits wusste, dass ich es ihnen mitteilen würde, war nun eben die einzige Frage: WIE?
Und da wären wir wieder dabei, an Gwen zu denken. Sie hätte bestimmt gewusst, was zu tun wäre. Oder sie wäre einfach mit der Tür ins Haus gefallen und hätte es gerade raus gesagt…
‚Nein, Gideon! Nicht wieder an sie denken! Denk wieder an was anderes!‘, versuchte ich mich in Gedanken wieder zur Ordnung zu rufen. Ich fand gerade sowieso keine Lösung für mein Problem mit Lucy und Paul.
Mir fiel auf einmal ein, dass ich mich dringend noch von Raph, Les und Charlie verabschieden musste. Die drei würden es mir sonst wohl ziemlich übel nehmen, wenn ich mich einfach so aus dem Staub machen würde, ohne auch nur ein Sterbenswörtchen gesagt zu haben, dass ich wegziehen würde.
Gedankenverloren nippte ich zwischendurch immer mal wieder an meiner Kaffeetasse. Richtigen Hunger hatte ich eigentlich nicht, also ließ ich das Brot einfach links im Brotkorb liegen und trank lediglich mein Heißgetränk.
Durch das wurde ich immer wacher und auch etwas fitter – so fit man ohne meine Gwenny am Morgen eben werden konnte.
Ich war gerade dabei, meine Tasse in den Geschirrspüler einzuräumen und wollte diesen einschalten, als mein Festnetztelefon klingelte.
‚Wer will denn so früh schon was von mir?‘, fragte ich mich, während ich das blöde Mobilteil suchte.
Endlich gefunden, sah ich aus Gewohnheit aufs Display. Ich hatte jetzt gedacht so etwas wie „Falk“ oder „Leslie und Raphael“ dort zu lesen, doch stattdessen stand dort „Unbekannt“.
Wer rief mich um diese Uhrzeit mit unterdrückter Nummer an?
Mit einem beklemmenden Gefühl drückte ich auf den „Grünen Hörer“-Knopf, um das Gespräch anzunehmen.
Ich hatte mich jetzt darauf eingestellt, dass mich ein Mitarbeiter irgendeiner Firma, die mir irgendetwas unnützes wie eine neue Kaffeemaschine oder irgendeinen unnützen Vertrag zu überteuerten Preisen andrehen wollen, aber das war die vollkommen falsche Richtung.
Außerdem riefen die Firmen ja sonst auch immer erst am Nachmittag oder Abend an und nicht, wenn die meisten Menschen noch am Frühstückstisch saßen oder noch gar nicht aus ihren Betten gekrochen waren.
Die Stimme, die mich an dem anderen Ende der Leitung erwartete, war genau das Gegenteil zu den übertrieben netten – aber in manchen Fällen auch extrem nervigen Stimmen der Vertreter von Hausartikel, Verträge aller Art & Co.
Obwohl, es war sogar noch extremer als das Gegenteil.
Die Stimme war tief und schon bei den ersten Tönen bekam ich alleine von dem Klang eine Gänsehaut.
Sie hatte so etwas Gefährliches und Einschüchterndes an sich und das aller Schlimmste war: Sie war total verzerrt.
Sie hörte sich an wie eine Schallplatte, die man entweder geschrottet oder bei welcher man den Schallplattenspieler so verstellt hatte und dann abspielte. Und ein wenig Ähnlichkeit mit einem Roboter hatte sie auch noch.
Alles in allem: Man konnte nicht einmal ansatzweise erkennen, wer sich hinter der Fassade versteckte.
Hätte ich nicht bereits durch die Gefühllosigkeit, die die Stimme aufwies, angefangen zu zittern, hätte ich spätestens bei den Worten damit angefangen.
„Ich weiß, dass du dahinter steckst! Dass du sie mitgenommen hast! Aber keine Sorge; So ungestraft kommst du mir nicht davon! Mir entkommst du nicht!“
Ich hatte nicht einmal Zeit dafür gehabt, mir eine Antwort zurecht zu legen, geschweige denn einen Konter zu geben.
Denn er hatte sofort und ohne Umschweife, nachdem er das letzte Wort gesagt hatte, aufgelegt.
Seine Stimme hatte so einen mehr als bedrohlichen Unterton gehabt, dass sich mein Magen zusammengezogen hatte.
Nur langsam erreichten mich seine Worte und als ich endgültig die Bedeutung verstanden hatte, liefen mir bereits die Tränen über die Wangen und ich fand mich daraufhin mit dem Rücken an der Wand lehnend und mit meinem Hintern auf dem kalten Boden wieder.
Das war zu viel für mich. Zuerst ohne Gwenny aufwachen zu müssen – was von nun an immer so sein würde – und dann auch noch die Drohung. Und all das innerhalb von nicht mal zwei Stunden.
Der Tag fing ja schon mal super an!
Der schrille Klang des Telefons, welches neben mir auf dem Boden gelandet war, zerriss die Stille in der Wohnung, die nur gelegentlich durch meine Schluchzer unterbrochen worden war, und ließ mich zusammenzucken.
Verspannt und zitternd zugleich griff ich nach dem klingelnden Unheilbringer und sah nach einigem Zögern, auf den kleinen Bildschirm.
„Loge“, stand dort.
Die Luft, die ich unbewusst angehalten hatte, stieß ich mit einem Mal aus und langsam entspannte ich mich auch wieder.
Aber auch nur ein gewisser Anteil, der noch dazu recht klein ausfiel, meiner An- und Verspannung verfolg, denn die Frage, was die Wächter nun – um diese Uhrzeit – bereits von mir wollten, nagte an mir und verunsicherte mich ein wenig.
Schnell hatte ich zum zweiten Mal an diesem Morgen ein Gespräch angenommen und hielt mir den Hörer ans Ohr.
„Hallo? Gideon de Villiers?“, meldete ich mich, bevor mein Gesprächspartner sich hatte melden können.
„Gideon? Gideon?“, rief eine aufgeregte Stimme, die unverkennbar und ohne Zweifel zu Falk gehörte.
„Ja, Falk. Ich bin’s! Was ist los?“ Mit viel Anstrengung schaffte ich es, die Schluchzer, die sich aus meinem Bauch nach oben zu drücken versuchten, zu unterdrücken.
„Geht’s dir gut? Oh mein Gott!“
Falk schien noch immer total hysterisch zu sein, weshalb ich versuchte ihn in irgendeiner Weise zu beruhigen. Auch wenn ich schon einen Verdacht hatte, was vorgefallen sein könnte.
„Ja, Onkel Falk. Mir geht’s gut.“
Ich zögerte einen Moment, ehe ich weitersprach: „Naja, so gut es einen halt gehen kann, wenn die große Liebe einfach so aus dem Leben gelöscht wurde und man ihr geschworen hat, dass man weiterleben wird…“
Das Schluchzen konnte ich dieses Mal nicht verhindern und auch die Tränen bahnten sich wieder ihren Weg.
„Es…es tut mir alles so leid, Gideon…“, kam es leise von Falk
„Und am schlimmsten ist aber momentan die Drohung an mich“, setzte ich noch leise und beinahe unhörbar hinzu, doch ich war mir sicher, dass Falk den Satz verstanden hatte.
Ich konnte mir bildlich vorstellen, wie sich seine Augen vor Schreck weiteten.
„Sie… Dich… Angerufen… Auch?“, stammelte er und ich nickte durch meinen Schleier aus Tränen, der sich wieder vor meinen Augen gebildet hatte. Urplötzlich fiel mir jedoch auf, dass Falk mich und damit auch mein Nicken gar nicht sehen konnte.
Doch da meine Stimme leicht brüchig wurde und dies durch den Tränenfluss nur noch verstärkt wurde, bekam ich nur ein mickriges, gehauchtes „Ja“ heraus.
Am anderen Anschluss konnte ich ein geschocktes Einziehen der Luft vernehmen.
„Es… Es tut mir wirklich alles so unendlich leid, mein Junge!“
Daraufhin hörte man nur noch verzweifelte Schluchzer.
Mir war klar, dass Falk weinte und nun konnte auch ich mich nicht mehr zurückhalten.
Wie gerne hätte ich ihn jetzt in den Arm genommen.
Er tat mir so unendlich leid, denn immerhin konnte er ja genauso wenig für das alles hier wie Gwenny und ich. Niemand von uns konnte für das etwas.
Ich bräuchte jetzt aber auch dringend jemanden, der mich im Arm halten könnte.
Da wäre es doch am nahe stehensten, wenn wir uns gegenseitig in den Armen halten würden.
Eine Weile später – ich war mir nicht sicher, ob es eine halbe oder ganze Stunde her war, dass unser „Gespräch“, welches irgendwie zur Kummer-Trauer-Heul-Hotline mutiert war, angefangen hatte – hatte Falk sich wieder einigermaßen unter Kontrolle und auch ich hatte mich etwas gefasst.
„Gideon, am besten, du kommst hier her in die Loge. Die Limousine holt dich ab. In deinem Zustand wirst du mir nämlich ganz bestimmt nicht Auto fahren. Sie wird gleich vorbeikommen, denn immerhin musst du ja auch noch elapsieren.“
‚Und Luce und Paul erklären, dass ihre Tochter getötet worden war. Und ich nicht auf sie aufgepasst habe, dass dies nicht passiert. Dass ich mein Versprechen nicht einhalten konnte.‘, hängte ich in Gedanken noch hinten dran.
Aber trotzdem willigte ich ein und beendete das Gespräch.
Die Limousine würde bestimmt bald da sein, daher sollte ich mich wohl langsam anziehen und fertig machen.
Gerade war ich mir dem Rasieren fertig geworden und in den Flur gelaufen, da hörte ich von der Straße ein lautes Hupen.
‚Dass die aber auch wirklich keine Haustürklingel betätigen können!‘, schimpfte ich in Gedanken über die Wächter, während ich in Lichtgeschwindigkeit in meine Schuhe schlüpfte und etwas länger den Haustürschlüssel suchte.
Nachdem ich ihn auf der Kommode, wo er ja eigentlich auch hingehörte, gefunden hatte, sprintete ich durch die Tür hinaus auf den Bürgersteig.
An der schwarzen Limo lehnte zum Glück dieses Mal kein hochroter Marley, sondern der nette alte Thomas George.
Mit einem traurigen Lächeln begrüßte er mich und hielt mir die Tür auf.
„Danke, Thomas“, murmelte ich, als ich auf einem der Ledersitze Platz genommen hatte und auch Thomas eingestiegen war und sich gegenüber von mir niedergelassen hatte.
„Kein Problem“, antwortete dieser. „Ich hab mitbekommen, was geschehen ist, mein Junge“, gestand er mir.
„Und ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es für dich jetzt sein muss…“
Sein Blick war noch eine Spur trauriger geworden und fixierte nun den Boden.
Nach einer kurzen Weile schweifte sein Blick aus dem Fenster und es kam mir so vor, als wäre er gedanklich nicht hier, sondern ganz weit weg.
Ich wäre jetzt auch gerne ganz weit weg gewesen.
Die Stille wurde erneut durch Thomas durchbrochen:
„Als ich euch dem Letzt so gesehen habe, musste ich an meine große Liebe denken.
Sie ist das wundervollste Wesen auf dem gesamten Erdball für gewesen.
So wie Gwendolyn wohl für dich“
Wie Recht er hatte. Und sie war noch viel wundervoller als alles, was jemals existiert hat. Man konnte es gar nicht in Worte fassen. Und wenn, dann wurden die Worte Gwenny einfach nicht gerecht.
„Aber ich habe wirklich gehofft, dass dir nicht dasselbe passiert wie mir…“
Sein Blick war noch immer in die Ferne gerichtet und ich war mir sicher, einige Tränen in seinen Augen schimmern zu sehen.
Ein gewaltiger Kloß hatte sich in meinem Hals gebildet. Ich wollte nicht an die wundervolle Zeit mit meiner Gwenny erinnert werden und dann wieder an den Moment, als mir mitgeteilt worden war, dass sie tot war – für immer und ewig.
Daher würde es auch niemals wieder solch eine wunderbare Zeit in meinem Leben geben.
Und doch war ich neugierig, was bei Mr George vorgefallen war und ohne nachzudenken sprach ich ihn darauf an: „Was ist damals geschehen?“
„Ach, mein Junge. Das ist nun schon beinahe eine Ewigkeit her…“
Die Ewigkeit… Diese hätte ich für immer allein für mich. Er wusste nicht, was es hieß; „Die Ewigkeit“
Und doch, und ohne einen Kommentar dazu abzugeben, musterte ich ihn neugierig.
„Also gut. Sie wurde vor einigen Jahren schwer krank…“
Schwer krank? Verwirrt sah ich ihn an, sagte aber nichts, denn unterbrechen wollte ich ihn nicht.
„Im Krankenhaus hat man uns dann die Diagnose Krebs gegeben. Im Endstadium. Sie haben ihr…nur noch ein halbes Jahr gegeben.“
Nun war ich wirklich sprachlos. Ich hatte nicht gewusst – nein, noch nicht einmal geahnt – dass Thomas‘ Frau oder Freundin (ich tendierte eher zu Frau) Krebs hatte.
„Sie haben ihr noch ein halbes Jahr gegeben…“, murmelte er erneut, nur dieses Mal leiser und eher zu sich selbst als an mich gerichtet.
„Und aus diesem halben Jahr waren dann nur noch 2 ½ Monate geworden. Sie ist morgens einfach nicht mehr aufgewacht…“, sprach er etwas lauter weiter und sah mir nun direkt in die Augen.
„Das tut mir alles so leid, Thomas. Ich wollte nicht in alten Wunden herumstochern.“, entschuldigte ich mich.
„Gideon, du musst dich doch dafür nicht entschuldigen.“ Zaghaft lächelte er mich an.
„Es tat gut, es dir gerade erzählt zu haben. Weißt du, das habe ich noch nie jemandem gesagt. Aber es war gerade so befreiend, endlich jemanden zu haben, dem man es erzählen kann.“
Sein typisches Mr George-Lächeln erschien wieder auf seinem Gesicht.
„Aber sie ist immer bei mir. Ich trage sie für immer in meinem Herzen und dort hat sie für immer einen Platz. Ihren Platz.“
‚So wie Gwenny bei mir.‘, dachte ich mir.
„Aber wie kannst du damit so einfach umgehen? Ich meine, man merkt dir deine Trauer nicht an.“ Die Frage war mir einfach so rausgerutscht und kaum, dass ich sie gestellt hatte, kam sie mir wieder so unnötig vor. Aber ich war trotzdem ein wenig neugierig.
„Ich versuche, das Beste daraus zu machen. Ich weiß einfach, dass sie will, dass ich mein Leben voll ausnutze. Dass ich das mache, was sie nicht mehr machen kann. Ich lebe sozusagen zwei Leben, wenn du verstehst, was ich meine.“
Das war meiner Meinung nach sogar einleuchtend.
Und trotzdem tat der Schmerz so verdammt weh. Ich wollte doch nicht ohne meine Gwenny leben…
Mit den Gedanken wieder bei ihr sah ich aus dem Fenster auf die vollen Straßen Londons. Alle Autofahrer, die entgegenkamen oder die wir oder die uns überholten, sahen zwar leicht zerknirscht aus, weil mal wieder ein Stau hier alle irgendwie davon abhielt, schnell voran zu kommen, doch gerne hätte ich mit ihnen getauscht.
Sie hatten keine Freundin, die getötet worden war.
Sie mussten sich keine Gedanken über ein Gespräch machen, welches sie gleich mit den Eltern genannter Freundin hatten und in welchem sie erklären mussten, was geschehen war.
Sie mussten morgen nicht ans andere Ende von Großbritannien mit dem Zug fahren, weil der Mörder der Freundin sie auch verfolgte.
Wie gerne hätte ich mit ihnen allen getauscht…
Als die Tür aufgerissen wurde, fuhr ich aus meinen Gedanken hoch.
Allen Anscheins nach waren wir bereits angekommen, denn zum einen stand der Wagen am Bürgersteig und zum anderen stand vor der Tür ein verweinter Falk, der mich mit roten, verheulten Augen ansah.
Schnell war ich durch die Tür durchgehastet und hatte ihn in den Arm genommen.
Und kaum war dies geschehen, flossen bei ihm schon wieder die salzigen Tränen.
Nach einigem Geheule von uns beiden lösten wir uns wieder und liefen mit Thomas, der uns beiden mitleidige Blicke zuwarf und selbst mit den Tränen zu kämpfen hatte, auf das große Gebäude los.
Dort trennte ich mich von den beiden, da ich ganz dringend mal für kleine Zeitreisende musste und der Weg sich hier dann spaltete.
„Aber beeil dich!“, rief Thomas mir noch nach, ehe ich um die Ecke sprintete. Meine Blase war beinahe am Platzen!
Nach einigen Metern war ich an der Toilette angelangt und schnell war ich dort drinnen verschwunden.
Nachdem ich fertig war, sah ich mich im Spiegel, der an der Wand über den Waschbecken hing, an und dachte mir nur:
‚Ach du meine Sch***e!‘ Meine Augen waren rot und total gequollen und auch meine Nase sah recht Pumukl-haft aus.
Schnell spritzte ich mir ein wenig Wasser ins Gesicht, doch auch dadurch wurde es nicht wirklich besser.
‚Na gut, dann muss ich halt so gehen‘, dachte ich mir, als ich die Tür zu den Herren-WCs öffnete.
Dieses Mal lief ich um einiges langsamer als noch einige Minuten zuvor, denn ich war mir immer noch nicht sicher, was ich jetzt Lucy und Paul sagen sollte…
Mal wieder in Gedanken versunken, bemerkte ich erst, dass ich an jemandem vorbeilief, als ich beinahe schon wieder weg war.
Als ich in das Gesicht der Person sah, strahlten mir zwei Saphire entgegen und ein trauriges Lächeln. Das Lächeln war jedoch nicht so strahlend wie sonst, sondern eben traurig und bedrückt.
Ich konnte nichts sagen. Was sollte ich denn auch sagen?
Eine einfache Begrüßung kam mir total bescheuert vor.
Aber wie sollte ich sonst anfangen?
„Was machst du denn schon hier?“, nahm mir Gwendolyn diese Aufgabe jedoch schon ab.
Also kam es dazu, dass ich ihr den halben Morgen beschrieb. Das mit dem Heulen und meine gelegentlichen Gedankengänge, die sich ausschließlich um sie drehten, ließ ich dabei unter den Tisch fallen.
Nachdem ich alles von der Drohung berichtet hatte, sah sie mich geschockt an.
„Du musst hier weg!“, rief der kleine Junge, den Gwen an ihrer Hand dabei hatte und sah mich mit seinen großen Augen an.
Aber das war ja leichter gesagt, als getan.
„Gideon! Kommst du?“, schrie Falk vom Keller in die Eingangshalle, bei welcher wir standen.
„Sehen wir uns wieder?“, fragte ich an Gwendolyn gewandt und sah sie bittend, ja beinahe schon flehend an.
Sie seufzte leise und sagte dann: „Ich weiß es nicht, Gideon. Ich hoffe sehr, dass ich dich noch einmal wieder sehe. Irgendwann.“
Damit drehte sie sich um und ließ mich alleine wie ein begossener Pudel hier stehen.
Robert sah sich noch einmal zu mir um und ich nickte ihm nur zu.
Ja, ich werde von hier weg gehen – mit schweren und gebrochenen Herzen. Und wohl auch ohne meine Gwenny.