Kean

Kasimir Edschmid · Kapitel 12 von 23

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Kean

Szene Zwei

RINY: Das dreizehnte Ei. Frau mit Baby, Pfarrer, Gefolge kommen. Bob setzt sich mit der Trompete, hinkend, an die Spitze, zur anderen Seite hinaus.

KEAN zum Wirt: Lad die Weiber ein, daß sie für ihr gefallenes Pferd andres Fleisch kriegen.

WIRT: Die Taufe im Nebensaal. Ich werde umdecken, wenn Sie alle Puffs dazu laden.

KEAN: Warum bist du neidisch auf das, dem du dich besser dünkst?

RINY kurz zurückeilend: Denkst du an den Wagen, Kean?

KEAN: Ich denke, Riny. Riny ab. Halo ... halo ... Rufend zum Wirt: Einen Boten für den Brief. Theater Drury-Lane. Gibt ihm den Brief.

WIRT in die Küche: Den Sekt aus meinem eigenen Zimmer. Keinen gepantschten hier.

 

SZENE ZWEI

 

DAISY: Endlich. Ihre Stimme. Ich wartete nicht im Zimmer. Konnte nicht bleiben. Hielt mich an der Klinke. Sie gab nach.

KEAN: Mein Erstaunen – verzeihen Sie – ist nicht geringer als mein Entsetzen.

DAISY erstarrt: Unmöglich. Gott kann so grausam nicht sein.

KEAN: Ein Lokal für Verbrecher und Hafendirnen.

DAISY: Ich habe nicht gezögert, zu kommen.

KEAN: Aber Sie wagen, mir eine Erklärung zu geben, die keine ist.

DAISY: Ich kam auf Ihren Brief.

KEAN: Wer ist hier irrsinnig geworden?

DAISY: Sie bestellten mich hierher. Sie schrieben mir: Kommen Sie; Sie wohnen unsicher. Ich kann Sie nicht holen, ich bin bewacht. Es gab für mich nur einen Gedanken: zu folgen.

KEAN: Der Brief.

DAISY: Hier.

KEAN: Sie sehen, welche Seite meines Namens man für kreditwürdig hält. Tod, Hölle, Heilige. Man hat meine Schrift gefälscht und meinen Namen ausgenutzt.

DAISY: Ich habe nur an die rechte Seite Ihres Wesens gedacht. So mußte ich kommen.

KEAN: Sie waren daran, Ihrem Lieblingsteufel ins Boudoir zu laufen.

DAISY: Ich habe Sie nicht gesucht und finde Sie auch in dieser Gefahr durch die Schickung.

KEAN: Sie schlagen besser dem schönen Zufall ein Stück Nase ab, um ihm dankbar zu sein, statt ihn aufzubauschen.

DAISY: Ich hatte Sie nie gesucht. Als ich zum erstenmal im Theater Sie sah, änderten Sie schon nicht nur meinen Weg. Sie retteten mein Leben.

KEAN: Haben Sie keine anderen Entscheidungen wie immer den Tod?

DAISY: Nicht für mich. Ich kam aus dem Kloster, sprach nicht, hörte nicht, sah nicht. Man gab mir Bäder und Ärzte. Durch eine List lockte man mich ins Theater, ich hörte Romeo, Hamlet, der Tiefsinn riß auf in mir.

KEAN: Konstable.

DAISY: Sie werden keine Gewalt ausführen.

KEAN: Sie haben an Edmond Kean appelliert, als Sie zu mir kamen.

DAISY: An Ihre Güte.

KEAN: Ich habe eine Verpflichtung gegen das Unrecht übernommen, die auch Ihr Einspruch nicht erledigt.

DAISY: Wenn ich Sie bitte, nichts zu unternehmen gegen den Mann, der mich hierher bestellte, tu ichs, weil ich die Absicht habe, ihm zu folgen.

KEAN: Dem Entführer ...

DAISY: Ich habe eine Mission. Was kümmert mich alles andere?

KEAN: ... vor dem Sie heut früh noch sterben wollten.

DAISY: Ich werde mich an ihn gewöhnen lernen.

KEAN: Sie sind wahnsinnig.

DAISY: Es wird leicht sein, denn ich weiß, warum ich es tue.

KEAN: Sie opfern sich.