Love Isn't Perfect!

Anita S. · Kapitel 2 von 7

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Love Isn't Perfect!

~2~

„Mom? Dad?“, ich schlage dir Tür laut hier mir zu, ziehe meine dreckigen Reitstiefel aus und stelle sie wie immer auf die Kellerstiegen. Kurz halte ich inne, als ich die Kellertür hinter mir wieder geschlossen habe und es plötzlich still war. Normalerweise kommt mir meine Mutter immer schon mit ausgebreiteten Arme aus der Küche entgegen. „Ich bin wieder da! Wo seid ihr denn alle?“ rufe ich noch einmal, doch wieder keine Antwort. Wo sind denn bloß alle? Etwas misstrauisch gehe ich durchs Vorzimmer in die Küche, von wo aus mir gleich der leckere Duft von Mom’s hausgemachter Hühnersuppe in die Nase steigt. Mein Blick fällt durch das Küchenfenster, welches den Blick in den Garten preisgibt. Im letzten Winkel des Gartens erkenne ich Mom, die in der Erde herum zu graben scheint. Mit gerunzelter Stirn nehme ich mir aus dem Eiskasten eine Flasche ‚Coca Cola‘, mit der ich dann hinaus in den Garten gehe.

„Mom? Was um Himmels Willen machst du denn da?“, rufe ich nach hinten, bleibe aber auf der Terrasse stehen, da ich nur Socken an habe. Durstig mache ich einen Schluck von meinem Cola, dabei spüre ich richtig, wie das kalte Getränk meine Speiseröhre hinunter rinnt. Ohne mir eine Antwort zu geben steht sie auf, wischt sich den Dreck von ihrer schwarzen Hose und kommt zu mir. Ihre langen blonden Haare hat sie mit einer Spange hoch gesteckt und auf dem Shirt, genauso wie auf der Hose, waren Grasflecken. Ich mustere sie etwas misstrauisch und muss mir dann das Grinsen verkneifen. Meine Mom war bei der Gartenarbeit genau so geschickt wie ein Hund beim Tanzen.

„Murmel hat uns vorher eine tote Maus ins Haus geschleppt und du kennst mich, ich kann ein totes Tier nicht einfach irgendwo hinschmeißen. Also habe ich sie einfach da hinten begraben.“, erklärt sie mir und deutet dabei auf die Stelle, wo anscheinend die Maus begraben liegt. Murmel ist mein kleiner Kater, der normalerweise nicht dazu neigt zu Jagen, da er eindeutig zu dick ist. Man trifft ihn meistens beim Schlafen an, und wenn er doch mal munter ist, schlägt er sich den Bauch voll. Schmunzelnd verdrehte ich die Augen. Meine Mutter hat einfach ein viel zu gutes Herz für diese Welt, das habe ich wohl auch von ihr, da ich genau so wie sie reagiert hätte.

„Na gut! Wenn du mich suchst, ich bin in der Dusche.“, murmle ich dann und gehe wieder ins Haus zurück, da die Fliesen schon ziemlich kalt sind. Meine Flasche lasse ich auf dem kleinen gläsernen Tisch im Wohnzimmer stehen.

„Beeil dich aber! Gleich gibt’s Essen!“, fordert sie mich auf und verschwindet wieder zurück in die Küche. Ich kann nur hoffen, dass sie nicht vergisst sich die Hände zu waschen.

Erschöpft stapfe ich die Treppen zum Obergeschoß hinauf, verschwinde durch die erste Tür, hinter der sich mein Zimmer befindet und ziehe mir meine schmutzigen Kleider aus. Nur mit meiner Unterwäsche bekleidet hopse ich schnell hinüber ins Badezimmer, welches sich meinem Zimmer genau gegenüber befindet. Ohne lange darüber nach zu denken reiße ich die Türe nach innen auf!

"Was zum..?", ertönt eine tiefe männliche Stimme von innen.

„Meine Güte, Mike!“, schreie ich erschrocken auf, als mein großer Bruder mitten im Bad steht.

„Mach dass du verschwindest!“ knurrt er gereizt, während er versucht mich wieder aus dem Bad zu schieben.

„Nimm deine Pfoten von mir! Du bist doch so und so schon fertig. Kannst du dich nicht in deinem Zimmer umziehen?“, fauche ich zurück, wurschtle mich unter seinen Armen durch, um nicht gleich wieder mitten auf dem Gang zu stehen. Michael, mein 18-jähriger Bruder, und ich verstehen uns nicht sonderlich gut. Wir sind einfach viel zu verschieden. Er ist im Gegensatz zu mir groß und muskulös, hat beinahe keine Haare am Kopf und ist der arroganteste Mensch den ich kenne. Er weiß ganz genau, dass er heiß ist und mit der richtigen Taktik jede Frau um den Finger wickeln kann. Er lässt auch keine Situation aus es sich selber und allen anderen zu beweisen.

„Verschwinde jetzt endlich aus dem Badezimmer!“ schreie ich ihn nun wütend an und schiebe nun IHN Richtung Tür. „Na los, raus!“

Mit einem lauten Knall schmeiße ich die Tür hinter ihm zu und hoffe, dass ihm dabei das Trommelfell platzt. Ich höre ihn noch irgendwas schreien, ignoriere es allerdings gekonnt.

Wütend stütze ich mich am Waschbecken ab und betrachte nachdenklich mein Spiegelbild. In dem Moment schießt mir das Gesicht des Typen vom Reitstall in den Kopf und ich spüre wie mir kurz das Herz stehen bleibt. Ich kann seine strahlenden blauen Augen einfach nicht vergessen. Ich schließe kurz die Augen und versuche so den Gedanken aus meinem Kopf zu verbannen, was allerdings nicht ganz funktioniert. Da mir langsam kalt wird ziehe ich mich komplett aus und stelle mich dann schnell unter die Dusche. Die Gänsehaut steigt mir auf, als das heiße Wasser meinen nackten Körper berührt. Wie jedes Mal, wenn ich unter der Dusche stehe beginne ich ein paar Lieder zu summen. Nach nur kurzer Zeit wird aus leisem Summen, lautes Singen. Mir geht gerade der Song ‚Forgive me‘ von Nataly durch den Kopf, bei dem sich meine Stimmung jedes Mal zusehends verschlechtert.

Nach nur zehn Minuten komme ich, nur mit einem Handtuch um den Körper gewickelt, aus dem Badezimmer und verschwinde gleich in meinem.

„Joice. Essen ist fertig!“, höre Ich Mom auch schon rufen, krame schnell frische Unterwäsche aus der Lade, hole mir ein Top und eine kurze Hose aus dem Kleiderschrank und gehe angezogen, aber mit einem Handtuch um die Haare gewickelt, hinunter. Mike und meine Mutter sitzen bereits am Tisch, nur von meinem Vater war immer noch nichts zu sehen.

Nachdem ich mich ebenfalls gesetzt habe und mir einen Teller Suppe genommen habe, schaue ich meine Mutter fragend an. „Wo ist eigentlich Dad?“

„Der muss heute länger in der Arbeit bleiben!“ – „Einer muss ja das Geld nachhause bringen!“ Ich schaue Mike erschrocken an, wie konnte er nur sowas sagen.

„Du kannst dich wohl am wenigstens beklagen, oder?“ meint Mom mit kalter Stimme und funkelt ihn genau so eisig an.

„Du bekommst doch eh alles was du willst, ist es nicht so? Du hast einen Wagen, du trägst nur Markenklamotten und dir wird jeder Wunsch von den Lippen abgelesen. Jetzt frag ich dich, was willst du mehr?“ mit diesen Worten beendet sie die Diskussion, in dem sie aufsteht, ihren noch halbvollen Teller in die Abwasch stellt und aus der Küche verschwindet.

Traurig schaue ich ihr nach. Mike war schon immer eher ein ‚Papakind‘ gewesen, aber in letzter Zeit verstehen er und meine Mutter sich noch weniger als sonst.

„Was sollte das denn?“ fauche ich ihn an. „Du weißt ganz genau, dass Mom aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten gehen kann.“ Wütend stehe ich auf und gehe ohne meinen Teller weg zu räumen mit lauten Schritten zurück in mein Zimmer, knalle die Tür hinter mir zu und schmeiße mich mit einem lauten Seufzer aufs Bett. Gedankenverloren vergrabe ich mein Gesicht in meinem Polster und schließe müde die Augen. Ich kann nur hoffen, dass sich die Stimmung in dem Haus bald bessern würde.