Love Isn't Perfect!
~6~
„Was ist denn heute bloß los mit dir?“, Lena schaut mich misstrauisch an, als wir den Gang zum nächsten Klassenzimmer entlang gehen.
„Mit mir ist gar nichts los! Es ist alles okay!“, entgegne ich etwas genervt, halte meinen Blick aber zu Boden gerichtet. Ich habe Lena nichts von dem Kuss erzählt, ich wüsste nicht wie ich es ihr sagen soll. Ich merke ja immerhin dass sie Gefühle für Nico hat, auch wenn sie es niemals zugeben würde.
„Joice! Ich kenne dich jetzt schon seit sieben Jahren. Glaub mir, ich weiß ganz genau wenn etwas nicht mit dir stimmt!“, erklärt sie mir mit ernster Stimme, als wir uns auf unsere Plätze setzen.
„Mein Gott Lena! Kann man nicht EINMAL schlechte Laune haben, ohne dass du ständig nachhacken musst?“, fauche ich sie an und bereue es gleich wieder. Es ist echt nicht fair meine schlechte Laune an ihr aus zu lassen. – „Tut…Tut mir leid! Ist im Moment alles nur etwas stressig!“ ich werfe ihr einen entschuldigenden Blick zu und sie lächelt mich dann verständnisvoll an.
„Schon okay! Für was hat man denn eine beste Freundin?“ Wie gerne hätte ich ihr jetzt den Zwischenfall, zwischen Nico und mir erzählt, aber ich wusste, dass sie dann total gekränkt wäre. Zum Glück kommt endlich Mrs. McGee, die Geschichtslehrerin, herein und fordert uns alle auf leise zu sein. Ich gehorche ihr in diesem Moment nur zu gerne, schlage meine Mappe auf und versuche mich so gut es geht auf den Unterricht zu konzentrieren. Meine Gedanken schweifen immer wieder zu Nico und Marc ab. Was ist denn in letzter Zeit nur los mit mir?
Als es nach 50 Minuten endlich zur Pause läutet, packe ich schnell meine Sachen zusammen und verschwinde so schnell es geht aus dem Klassenzimmer. Den restlichen Schultag hat Lena zum Glück aufgehört nach zu fragen was denn nun mein Problem sei.
Etwas nervös betrachte ich mich am Abend im Spiegel. Eine meiner gelockten Haarsträhnen ringle ich gedankenverloren um meinen linken Zeigefinger. Mein Blick fällt ungeduldig auf die Uhr, die über meiner Tür an der Wand hängt. Es ist kurz vor 19 Uhr, als ich einen Wagen höre, der vor unserem Haus stehen bleibt. Mit klopfenden Herzen laufe ich die Treppen hinunter, als ich höre wie mein Vater die Haustür aufmacht, nachdem Marc geläutet hat.
„Guten Abend Mr. Prentiss! Ich bin hier, um ihr Tochter ab zu holen!“, höre ich Marc sagen und tauche dann ebenfalls im Vorzimmer auf. Aufgeregt stelle ich mich neben meinen Vater, der Marc nicht hinein gebeten hat.
„Dad? Das ist Marc Setters! Wir gehen nur was Essen, ich bleib nicht lange weg!“, beruhige ich meinen Vater, als ich seinen besorgten Gesichtsausdruck mitbekomme.
„Okay, wenn was ist, dann ruf einfach an!“, lächelt Dad schwach und drückt mir einen Kuss auf die Wange.
„Ja klar Dad!“, schmunzle ich, umarme ihn kurz, ziehe dann meine etwas höheren Schuhe an und gehe mit Marc zu seinem Wagen.
Nachdem ich eingestiegen bin, mich angeschnallt habe und es mir so gut es geht gemütlich gemacht habe, schaue ich Marc neugierig an. Er hat sich, genau so wie ich, chic gemacht, indem er eine schwarze Jeans, mit einem weißen Hemd trägt und darüber noch ein schwarzes Gilet an hat. Er sieht wirklich verdammt gut aus. Ebenfalls fällt mir auf, dass er ein Parfum trägt. Ein wages Grinsen umspielt mein Gesicht, als ich den Geruch nur zu gut erkenne. One Million, wie ich es liebe!
„Also? Wohin fahren wir?“, frage ich nach einer Weile, als wir die Autobahn entlang fahren. Unauffällig beobachte ich den Zeiger des Tachos, der sich langsam immer mehr nach rechts bewegt. 150km/h! Das ist eindeutig zu schnell, allerdings will ich nicht als Spaßbremse da stehen und halte einfach meinen Mund.
„Ich lade dich zum Essen ein!“ – „Und wo?“, schmunzle ich, da wir die Großstadt ansteuern. Ich habe eigentlich gedacht, dass wir in unserem Ort wo hin gehen werden.
„Lass dich überraschen!“, grinst er, als er endlich von der Autobahn abfährt. „Du siehst übrigens echt toll aus!“
„Danke sehr! Du aber auch!“, lächle ich schüchtern und spiele nervös mit meinen Fingern. Es scheint fast, als hätte er zwei Gesichter. Einmal ist er der total charmante, nette Kerl von nebenan und am nächsten Tag ist er beleidigend, unfreundlich, einfach nur ein Arsch.
Nach einer halbstündigen Fahrt, parken wir in einer ziemlich Reichen Gegend ein. Ob wir hier wirklich richtig sind? Anscheinend ja! Marc steigt aus und hält mir wie ein Gentleman die Tür auf, damit ich aussteigen kann. Dankend lächle ich ihn an, nehme seine Hand, die er mir hinhält und steige aus. Genau dort, wo er mich berührt beginnt meine Haut zu kribbeln.
„Das Restaurant ist gleich hier um die Ecke!“, er deutet die Straße entlang und zieht mich am Anfang sanft hinter sich nach, da ich zu nervös bin um alleine zu gehen. – „Entspann dich mein Mädchen!“, lacht er. Es ist ein warmes lachen, welches mir wirkliche die Nervosität nehmen konnte.
Als wir in das gewünschte Restaurant gehen, staune ich nicht schlecht! Es ist kein 08/15 Restaurant, sondern ganz im Gegenteil. Es ist ein Nobelrestaurant, welches sicher nicht billig ist. Am Ende des Gangs, welcher hinein führt, teilt sich der große Raum in zwei Teile, die nur von einem riesigen Aquarium getrennt werden. Der Boden ist aus Marmor und die Wände zum Garten hin sind komplett verglast. Das Licht ist leicht gedämmt was die Stimmung um einiges romantischer macht. Es war einfach traumhaft schön.
Noch bevor wir uns einen Tisch suchen müssen kommt der Oberkellner zu uns. Marc sagt ihm seinen Nachnamen! Anscheinend musste man hier reservieren, was er auch getan hat.
„Hier entlang bitte!“, weißt uns der Ober an und führt uns zu unseren Tisch, der direkt am Fenster steht, sodass man eine wunderbare Aussicht in den beleuchteten Garten hat, indem ebenfalls ein Teich ist.
Marc zieht meinen Sessel etwas zurück und deutet mir mich zu setzen. Ohne lange zu überlegen lasse ich mich auf den Stuhl sinken. Er setzt sich mich gegenüber und mustert mich wieder von oben bis unten.
„Bist du dir sicher, dass wir uns das leisten können?“, frage ich vorsichtig nach, als ich die Speisekarte durchgehe. Kein Schüler ist in der Lage sich hier auch nur eine Suppe zu leisen.
„Lass das mal meine Sorge sein!“, zwinkert er mir zu und winkt den Ober zu uns, der unsere Bestellung aufnimmt.
Nachdem wir uns eine Weile angeschwiegen haben mustere ich ihn und merke dabei, wie er mich die ganze Zeit anstarrt.
„Woher kommt eigentlich der Sinneswandel?“, frage ich ihn nach einer Weile.
„Was genau meinst du damit?“ –„ Einmal bist du der charmanteste Kerl den ich kenne und das nächste Mal kommt es so rüber, als würdest du mich hassen!“, sprudelt es plötzlich aus mir heraus.
„Wie schon gesagt, du hast mich einfach zu einem schlechten Zeitpunkt erwischt!“, winkt er ab, was ich ihm aber nicht wirklich abkaufe, merke aber, dass er nicht weiter auf das Thema eingehen wird. „Wie kommt es eigentlich dass ich dich und deinen Bruder, Damon, bis jetzt noch nie auf unserer Schule gesehen habe?“, schnell versuche ich das Thema zu wechseln.
„Zu aller erst musst du wissen, dass sich meine Eltern vor ein paar Jahren getrennt haben. Damals sind mein Bruder und ich mit unserem Vater mitgegangen, als er in eine andere Stadt gezogen ist. Caroline blieb hier, bei unserer Mutter.“, kurz hält er inne, bevor er weiter redet. – „Mein Vater starb vor der Sommerferien bei einem Autounfall. Damon und mir blieb nichts anderes übrig als wieder hier her zurück zu kommen.“
„Das mit deinem Vater tut mir leid!“, flüstere ich mit erstickter Stimme und weiß nicht genau was ich sagen soll. – „Bereust du es zurück gekommen zu sein?“ erst jetzt fällt mir auf, dass im Hintergrund das Lied ‚Stay‘ von Shakespear’s Sister läuft und ich fühle mich wie in einem kitschigen Liebesfilm. Ich merke, wie sein Blick über meinen Körper wandert und spüre, wie mir ein kalter Schauer über den Rücken huscht. Nach längerem Zögern antwortet er.
„Nein! Jetzt nicht mehr!“ murmelt er mit einem warmen Lächeln im Gesicht, als der Ober mit dem Essen kommt. Er stellt mir die Spagetti hin, die ich mir bestellt habe und Marc bekommt seine Grillspieße. Schweigend beginnen wir zu essen, als Marc plötzlich auf das Thema von vorhin zurückkommt.
„Woher kennst du eigentlich meinen Bruder?“ – „Lena! Lena hat mir erzählt, dass sie sich mal mit ihm unterhalten hat!“, ich weiß nicht wieso ich gelogen habe. Aber die Wahrheit zu erzählen erscheint mir im Moment als keine gute Idee. Ohne weiter nach zu fragen, isst er weiter und auch ich nehme erleichtert einen weiteren Bissen zu mir
Nachdem wir fertig gegessen haben, kommt der Ober, räumt das Geschirr ab und präsentiert uns die Rechnung. Ich schlucke, als ich höre wie teuer das gesamte Essen war. Wie versprochen lädt er mich ein.
"Dein Vater schien vorhin ja ganz schön besorgt zu sein!", lacht Marc nachdem er einen Schluck seines Colas gemacht hat. Auch ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen.
"Ja stimmt! Das liegt wohl daran, dass ich seine einzige Tochter bin und dazu noch die jüngste! Er denkt wohl, dass ich besonderen Schutz brauche."
"Ich pass schon auf dich auf, mein Mädchen!" lächelt er mich wieder warm an, was mich rot werden lässt. Beschämt schaue ich in mein Glas, in welches sich Eistee befindent.
"Verstehst du dich eigentlich gut mit deiner Schwester? Immerhin holst du sie ja regelmäßig vom Stall ab!" -"Ja schon. Wir hatten jetzt zwar lange keinen Kontakt mehr, aber im Moment verstehen wir uns recht gut. Natürlich gibt es immer wieder mal so kleine Auseinandersetzungen. Aber ich denke das ist ganz normal!"
Oh ja, da hat er recht. Das ist wirklich ganz normal. Zustimmend nicke ich.
"Ja, du hast recht! Mein Bruder und ich haben gerade so eine Phase, wo wir uns einfach wegen jeder Kleinigkeit in die Haare bekommen. Ist manchmal echt nervig. Vorallem weil ich sehe, wie es meiner Mutter weh tut uns so zu sehen!" seuftse ich und fahre mit meinem Finger gedankenverloren über den Rand meines Gals'
„Danke für den schönen Abend!“, lächle ich freundlich und schaue ihn dann kurz an, bevor ich mich wieder der Straßenbeleuchtung widme. Nachdem wir uns noch angeregt unterhalten haben sitzen wir nun im Auto und machen uns auf den Heimweg.
„Wie wäre es, wenn wir noch kurz zu mir fahren auf ein Glas Wein? Meine Familie ist heute Abend nicht da, also wären wir alleine!“ bietet er mir an, fährt aber anscheinend bereits dort hin, da wir ansonsten einen anderen Weg entlang gefahren währen. Nervös knete ich meine Finger, da ich nicht weiß was mich bei ihm daheim erwarten wird.
Anscheinend sind wir da! Marc fährt mit seinem Wagen die Einfahrt hinauf und stellt den Motor ab. Wie zuvor hält er mir die Autotür auf und zeigt mir dann den Weg zur Haustür. Nachdem er die diese aufgeschlossen hatte verstehe ich, warum es kein Thema war dieses Restaurant zu bezahlen. Es scheint fast so, als kommt er aus einer reichen Familie. Überall standen irgendwelche Statuen und teuer aussehende Vasen. Der Boden war genau wie in dem Restaurant komplett aus Marmor.
„Wow, ich habe es mir ganz anders vorgestellt!“, murmle ich dann erstaunt, als ich mich umschaue.
„Wie denn leicht?“, lacht er, geht in die Küche und holt den Wein aus dem Kühlschrank, gießt diesen in zwei Gläser und kommt dann wieder zu mir.
„Ich weiß auch nicht! Anders eben!“, ich wollte nicht sagen, dass ich es mir heruntergekommener vorgestellt habe. Wir setzen uns gemeinsam auf die Couch, das Glas stelle ich auf den Glastisch ab und mustere ihn.
„Lust auf einen Film?“, schlägt er nach kurzer Zeit vor, steht auf und geht zum Regal, in dem etliche DVDs stehen. Ich nicke nur schnell.
„Welchen willst du dir denn anschauen?“ – „Überrasche mich!“, lächle ich verschmitzt und trinke meinen Wein aus um etwas lockerer zu werden.
„Okay, dann nehmen wie diesen hier!“, lächelt er und reicht mir die Hülle von ‚The Fast and the Furious‘. Es kommt mir vor, als könnte er meine Gedanken lesen. Immerhin ist das einer meiner Lieblingsfilme.
Bevor er sich neben mich setzt, holt er aus der Küche die Weinflasche und schenkt mir noch mal nach. Allerdings habe ich nur ein Problem. Ich vertrage nicht sonderlich viel. Das gebe ich schlauerweise natürlich nicht zu und lasse ihn nur machen. Marc setzt sich dann neben mich und gemeinsam widmen wir unsere Aufmerksamkeit ganz dem Film. Nervös trinke ich ein Glas nach dem anderen und schon nach kurzer Zeit spüre ich, dass ich nicht mehr ganz nüchtern bin. Marc hingegen ist erst beim zweiten Glas, was die nächste Anktion nur verwirrender für mich macht.
Als ich plötzlich Marcs Hand auf meinem nackten Oberschenkel spüre atme ich scharf die Luft ein. Ich weiß ganz genau, dass wenn ich nüchtern wäre, ich bereits jetzt schon einen Schlussstrich ziehen würde. Im Moment hingegen, gefällt es mir. Mein Blick wandert seinen Körper entlang bis zu seinen Augen. Mir steigt die Gänsehaut auf, als seine Finger über meine Wange streichen und diese regelrecht eine Feuerspur hinterlassen, dabei schließe ich genussvoll die Augen. Kurz darauf spüre ich seine weichen warmen Lippen auf den meinen. Als ich zurückweichen will spüre ich seine Hand in meinem Nacken, die mich sanft zu sich hinunter drückt Als ich seine Zunge an meinen Lippen spüre öffne ich automatisch meinen Mund und begrüße seine Zunge mit der meinen. Mir entfährt ein quieken als er mich an sich zieht, ich ein Bein über ihn schlinge und nun auf seiner Schoß sitze. Ich spüre wie sich um mich herum alles dreht. Allerdings mache ich keinerlei Anstalten auf u hören. Nun spüre ich seine Hände an meinen Pobacken während meine beiden Hände sein Gilet aufknöpfen. Ohne unseren Kuss zu unterbrechen streiche ich ihm das Ding ab und fahre ihm dann zärtlich durch die Haare. Er fährt mit mir einer Hand unter das Kleid und streicht mir dabei über den Bauch. Schnell versuche ich diesen, mit meinen nicht vorhandenen Bauchmuskeln ein zu ziehen, da ich total kitzlig bin. Mit zittrigen Fingern knöpfe ich sein Hemd auf und fahre dann mit meinen Fingern langsam seine Bauchmuskeln entlang, die nun gut zu erkennen sind. Als ich nun seine warmen Lippen an meinem Hals spüre lege ich meinen Kopf in den Nacken und mein Blick fällt genau auf ein Foto von seinem Bruder. In dem Moment schießt mir die Warnung von ihm wie ein Blitz durch den Kopf.
„Marc!“, keuche ich, allerdings ohne Gegenreaktion. Er drückt mich nur noch fester an sich. Sanft versuche ich ihn weg zu drücken. –„ Marc! Hör auf!“ meine ich dann bestimmt und kraxle von ihm hinunter. „Ich kann das nicht tut mir leid!“ keuche ich wieder außer Atem.
Schwer atmend lehnt er sich nach hinten und starrt an die Decke. „Jetzt auf einmal?“, murmelt er plötzlich wieder mit kalter Stimme.
„Ich bin nicht so!“, ich merke, dass es keinen Sinn hat jetzt noch mit ihm zu reden, stehe auf und streiche mein verknittertes Kleid glatt.
„Das sah gerade eben noch ganz anders aus!“, knurrt er, steht ebenfalls auf und schaut mich mit seinen tiefblauen Augen an.
„Ich geh jetzt lieber!“, erkläre ich nervös und mache mich auf den Weg zur Tür.
„Wenn du mich jetzt einfach so stehen lässt, dann schwöre ich dir kannst du dich auf was gefasst machen!“ schreit er mir nach. Schnell schlüpfe ich in meine Schuhe und flüchte regelrecht aus dem Haus. Was war denn das jetzt? Wollte er mich etwa wirklich nur flachlegen? Verwirrt fahre ich mir durch die Haare und trete erschöpft den Heimweg an. Das beweist wieder mal, was Alkohol mit mir anstellt.