Love Isn't Perfect!
~7~
Müde betrachte ich mich im Spiegel. Es ist Samstag, für alle anderen bedeutet das Wochenende. Für mich hingegen heißt das arbeiten. Neben der Schule helfe ich noch im Café ‚Trauma‘ aus, um mir nebenbei ein bisschen was dazu zu verdienen. Wie alle anderen Mitarbeiter auch muss ich eine Uniform tragen, die aus einem schwarzen Rock und einer hautengen weißen Bluse besteht. Meine Haare habe ich zu einem Zopf zusammen gebunden, damit sie mir nicht ständig ins Gesicht hängen. Das Wochenende war schneller da als ich dachte. Die letzten beiden Schultage sind ungewohnt schnell vergangen. Lena habe ich von dem Zwischenfall mit Nico immer noch nichts erzählt, und auch von meinem Treffen mit Marc weiß sie nichts. Normalerweise weiß sie über alles bescheid, was mich davon abhält ihr diese beiden wichtigen Ereignisse zu erzählen weiß ich selber nicht.
„Schatz? Kommst endlich!“, höre ich meine Mutter von unten rufen, die sich bereit erklärt hat mich jeden Samstag zu fahren. Ich war ihr wirklich dankbar, da ich sonst noch früher aufstehen müsste und ich bin mir nicht sicher, ob ich das schaffen würde. Schnell stolpere ich die Stufen hinunter, ziehe mir meine bequemen Ballerinas an und setze mich in Mom’s Volvo.
Als wir die leere Straße entlang fahren spielt es im Radio den Song, welchen es auch im Restaurant gespielt hat. Meine Gedanken schweifen zu dem Abend zurück, als ich mich mit Marc getroffen habe. Ich dachte, dass er nur zu betrunken war um sich zu beherrschen. Anscheinend hatte er seine Drohung ernst gemeint. Die letzten beiden Tage hat er mich nicht einmal angesehen, geschweige denn mit mir gesprochen. Es ist ihm anscheinend wirklich nur um Sex gegangen. Aber warum verletzt mich das denn so? Immerhin hat mich Damon gewarnt!
„Wie lang musst du heute denn arbeiten?“, reißt mich meine Mutter aus meinen unangenehmen Gedanken und mustert mich von der Seite.
„Um 19 Uhr habe ich Feierabend. Miranda ist auf Urlaub, das heißt ich muss ihre Schicht auch übernehmen!“, murmle ich, ohne Mom dabei an zu sehen.
„Dein Dad und ich gehen heute Abend aus, das heißt wir können dich nicht holen. Entweder du fragst Mike, oder du gehst zu Fuß!“, erklärt sie mir leise und ihre Augen funkeln dabei fröhlich auf. Ich bin froh, dass meine Eltern sich endlich wieder näher kommen. Ich habe schon befürchtet, dass sie sich scheiden lassen wollen.
Ohne sich einzuparken hält meine Mutter den Wagen genau vor dem Eingang, um mich aussteigen zu lassen.
„Danke Mom!“, ich gebe ihr als Dankeschön einen Kuss auf die Wange und steige dann schnell aus dem Wagen aus, da sich hinter uns bereits eine Schlange von Autos bildet. Der Laden liegt genau auf neben der Hauptstraße. Draußen geht es sehr hektisch zu, drinnen hingegen ist es total gemütlich.
Der Laden war bereits seit einer Stunde geöffnet, daher sind schon ein paar Kunden da und auch meine Arbeitskollegin war bereits seit einer Stunde da.
„Guten Morgen Lisa!“, grüße ich sie freundlich und binde mir eine kurze schwarze Schürze um die Hüfte.
„Guten Morgen?“, lacht Lisa laut auf, wuschelt sich durch ihre kurzen wasserstoffblonden Haare und deutet auf die Wanduhr. – „Ist ist bereits 10 Uhr!“
„Du kennst mich! Für mich ist das noch früh!“ schmunzle ich, hole meinen Notizblock und einen Stift und nehme die Bestellung zweier Kunden auf, die vor ein paar Minuten hineingekommen sind. Hinter dem Tresen richtige ich die gewünschte Bestellung her, die aus zwei Cappuccinos besteht. Gekonnt trage ich diese quer durchs Café.
„Hier hätten wir zwei Cappuccinos!“ lächle ich freundlich als ich sie bei den beiden älteren Frauen abstelle. Mit einem ‚Dankeschön‘ drücken sie mir das Geld in die Hand und bei genauerem Hinschauen erkenne ich, dass sie mir 5€ Trinkgeld gegeben haben.
„Vielen Danke!“, mit einem freundlichen Lächeln entferne ich mich von dem runden Tisch und geselle mich wieder hinter die Bar.
Die Zeit vergeht nur schleppend. Da es draußen sehr heiß ist gehen die meisten Leute ins Freibad, anstatt sich in ein akklimatisiertes Café zu setzen. Einerseits bin ich richtig froh, dass so wenig los ist, andererseits langweile ich mich hier zu Tode. Zum Glück kann ich mir die Zeit mir Lisa vertreiben. Ich erzähle ihr von meiner ersten Schulwoche, von neuen Ereignissen bei uns im Stall, auch wenn sie keine Reiterin ist und von meinen Problemen mit meinem Bruder. Hin und wieder wird unser Gespräch, durch neue Gäste unterbrochen.
„Joice? Übernimmst du die beiden Burschen auf Tisch 7?“ – „Ja klar!“, schnell krame ich wieder meinen Notizblock aus meiner Bluse, gehe dann mit flotten Schritten auf die beiden Typen zu und komme vor ihnen zu stehen.
„Was kann ich euch denn bringen?!“, murmle ich, ohne von meinem Block auf zu sehen.
„Joice?!“, fragt einer der Jungen nach und ich hebe neugierig meinen Kopf.
Damon!
„Hey, was machst du denn hier?“, lächle ich ihn freundlich an und erkenne dann auch Marc, der mit dem Rücken zu mir sitzt. Meine Stimmung verfinstert sich zusehend. Womit habe ich das nur verdient. Ohne meine Frage zu beantworten schlägt Damon die Speisekarte auf. – „Was könntest du mir denn empfehlen?“
„Die Bananenschnitte ist echt der Hammer!“, schlage ich ihm vor, ohne weiter auf Marc zu achten, der nur gelangweilt auf sein Handy schaut. Auch er ignoriert mich komplett. Kann mir nur Recht sein.
„Okay, dann nehme ich die und ein Cola bitte!“ – „ Für mich auch!“ wirft jetzt auch Marc ein, ohne seinen Blick zu heben. Wütend werfe ich Marc einen finsteren Blick zu bevor ich mich wieder auf den Rückweg mache. Genervt mache ich die Bestellung wieder fertig und bringe sie ihnen nach nur wenigen Minuten an den Tisch.
„Bitteschön!“, charmant lächle ich Damon an, der diesen Blick ebenfalls mit einem freundlichen Grinsen erwidert. – „Vielen Danke!“ Wie erwartet kommt von Marc keine Antwort. Auch wenn ich es wusste, tut es trotzdem weh zu wissen, dass ich ihm so egal bin. Als ich mich umdrehe um wieder zurück zum Tresen zu gehen erhasche ich noch kurz den Blick, den Marc mir zuwirft. Es war allerdings kein freundlicher Blick! Ganz im Gegenteil. Es war fast so, als würde er mich umbringen wollen.
„Die sehen ja mal heiß aus!“, flüstert Lisa mir zu, als sie wieder bei mir war.
„Ja, Damon ist nicht schlecht!“, von Marc will ich gar nicht erst anfangen zu reden.
„Kennst du die beiden etwa?!“ – „Kennen würde ich nicht grade behaupten. Sie gehen lediglich mit mir an dieselbe Schule.“, erkläre ich ihr, an muss grinsen als ich merke, dass wir beide die Burschen gleichzeitig anstarren. Ich bin froh, dass noch mehrere Leute kommen und wir somit keine Zeit zum Reden haben. Allerdings spüre ich immer wieder den Blick der beiden Jungs in meinem Nacken, was mich etwas nervös macht.
„Zahlen bitte!“ erleichtert hole ich die Rechnung der beiden Typen, bringe sie ihnen und kassiere das Geld.
„Danke!“, lächle ich als sie mir Trinkgeld geben. Das Lächeln geht allerdings eher an Damon, da er gezahlt hat.
„Bis Montag dann in der Schule!“, verabschiedet Damon sich, steht auf und klopft seinem Bruder auf die Schuter –„ Komm, Alter!“ fordert er ihn auf. Mürrisch erhebt Marc sich aus seinem Sessel, schaut mich kurz an und verschwindet dann, ohne ein weiteres Wort zu sagen, hinter seinem Bruder aus der Tür. Ich spüre richtig, wie ich mich entspanne als die beiden endlich außer Sicht waren. Zu wissen, dass ich ihn übermorgen schon wieder sehen werde erhellt meine Stimmung nicht sichtlich.
Tag der Veröffentlichung: 21.02.2014
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Anita S.