Love Isn't Perfect!

Anita S. · Kapitel 5 von 7

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Love Isn't Perfect!

~5~

Wie jedes Jahr am ersten Schultag, konnten wir bereits nach fünf Unterrichtsstunden gehen. Daheim ziehe ich mich schnell um, da ich um 14 Uhr mit Lena im Stall verabredet bin. Ich konnte Mike gestern noch überreden, mich heute in den Stall zu fahren, da unsere Eltern wieder arbeiten sind und ich ansonsten mit dem Rad fahren müsste.

„Pass bloß auf das du mein Auto nicht komplett ansaust!“, knurrt er genervt, als ich mich neben ihn auf den Sitz fallen lasse.

„Boa ey! Jetzt mach kein großes Drama draus!“, fauch ich ihn an und verdrehe dabei wütend die Augen. Mit quietschenden Reifen fährt Mike, mit seinem Audi A3, die Auffahrt hinunter und ordnet sich im fließenden Verkehr ein.

Nach nicht einmal zehn Minuten sind wir endlich da, ohne ein weiteres Wort zu sagen steige ich aus und schlage die Autotür laut hinter mir zu. Auf dem Weg zu den Stallungen entdecke ich Lenas Fahrrad, welches sie an die Wand gelehnt hat.

„Lena?“, rufe ich laut. – „In Chesterfields Box!“, höre ich sie laut antworten, schiebe die dritte Boxentür auf und lehne mich dann gegen die Wand. Lena ist bereits dabei ihr Pferd zu putzen, welches genüsslich die Augen schließt.

„Ich habe mir gedacht wir gehen ausreiten!“, erklärt sie mir und deutet auf den kühlen Wald, welcher genau neben dem Stallgelände anfängt.

„Hört sich gut an. Ich muss nur noch schnell Cloud fertig machen!“, lächle ich, gehe aus der Box, schnappe mir einen langen Strick und hole mein Pferd aus der Box. Wie jedes Mal binde ich den Hengst in der Stallgasse an und putze ihn. Anschließend hole ich seine Ausrüstung aus der Sattelkammer und mache ihn fertig.

„Wirst du wohl aufhören zu zwicken!“, warne ich ihn, als er beim Nachgurten nach mit zwickt. Das macht er immer, da er an Gurtzwang leidet. Zum Schluss kontrolliere ich noch mal alles, bevor ich ihn aus dem Stall auf den Hof führe und aufsteige. Hinter mir kommt auch Lena aus dem Stall, steigt auf und gurtet, genau wie ich, nochmal nach.

„Können wir los?“ frage ich voller Vorfreude, da ich schon eine Ewigkeit nicht mehr ausreiten war. – „Natürlich! Lass es uns aber langsam angehen! Ich habe das Gefühl, dass Chester heute lustig sein wird. Er hat mich regelrecht aus der Box gezogen!“, erklärt sich mir, während sie ihm beruhigend den Hals klopft. Ich nicke nur kaum merklich, drücke Cloud sanft die Fersen in die Seite, der sich willig in Bewegung setzt. Beim wegreiten gehen beim Springplatz vorbei, wo gerade Caroline, Marcs Schwester, trainiert. Sie ist wahrscheinlich die beste Reiterin bei uns im Stall und genau so verhält sie sich auch. Hochnäsig galoppiert sie bei uns vorbei, ohne uns eines Blickes zu würdigen. Das liegt wohl in der Familie.

Lena und ich reiten nebeneinander den Weg in den Wald entlang. Im Augenwinkel erkenne ich, dass Chesterfield wie sie es schon vorhergesagt hat, nervös herumtänzelt. Um dem Wallach die Energie zu nehmen, schlage ich vor an zu traben. Und das tun wir dann auch. Gemeinsam traben wir durch den Wald und Chester schnaubt zufrieden ab. Nachdem wir nach einer Weile wieder zum Schritt durchpariert haben scheint Lenas Pferd sichtlich entspannter.

„Bevor ich’s vergesse! Hast du heute Morgen eigentlich noch mit Marc reden können?“, fragt Lena mich nach einer Weile und ich nicke nur kaum merklich.

„Ja, aber es hat sich nicht wirklich was gebracht. Er hat mich bloß angeschnauzt und beleidigt. Wie gesagt, im Moment habe ich echt die Schnauze voll von Männern“, murmle ich genervt und zupfe leicht am linken Zügel, um Cloud davon ab zu halten an einem Baum zu knabbern.

„Ach quatsch! Das wird schon werden!“, versucht sie mich aufzumuntern, was sie allerdings nicht wirklich schafft.

„Was läuft da eigentlich zwischen dir und Nico?“, versuche ich das Thema zu wechseln. „Glaub bloß nicht, dass ich am Samstag nicht mitbekommen habe wie du ihn anhimmelst!“

Als ich ihr ins Gesicht schaue merke ich wie sie rot wird und muss schmunzeln. Ich habe also Recht. Da läuft etwas zwischen den beiden.

„Ja, wir haben uns als mehr unterhalten als sonst!“, winkt sie mit einer lässigen Handbewegung ab und ein Grinsen huscht über ihr Gesicht.

„Also so wie ich das gesehen habe, gefällst du ihm!“, necke ich sie und trabe dann wieder an. Ohne mir eine Antwort zu geben folgt sie mir und galoppiert dann an. Schnell folge ich ihr und Cloud macht einen Freudensprung beim Angaloppieren. Lachend nehme ich die Zügel auf und galoppiere gesittet hinter ihr her.

Nach circa einer Stunde kommen wir verschwitzt im Stall an und das erste was mir auffällt ist Marcs schwarzer BMW, welcher in der Hofeinfahrt steht. Na toll! Nicht einmal hier bleibe ich von ihm verschont. Allerdings erinnere ich mich dann wieder. Er ist wahrscheinlich nur hier um seine Schwester ab zu holen.

Etwas erleichtert steige ich ab, versorge die Bügel und mache anschließend noch die Schnallen des Zaumzeuges auf. Nach kurzem Überlegen beschließe ich, Cloud noch etwas auf die Koppel zu bringen, damit er sich wälzen konnte. Schnell mache ich den Sattelgurt auf, nehme ihn hinunter und hänge ihn erst einmal vor dem Stall auf einen Pfosten. Nun führe ich den Schwarzen mit dem Zaumzeug zu den Koppel, die direkt hinter den Stallungen liegen. Vorsichtig führe ich ihn hinein, zäume ihn ab und gebe im einen Liebevollen Klapps auf die Kruppe, als er sich umdreht und mit gesenktem Kopf von mir wegtrottet. Ich schließe das Tor hinter mir, hänge das Zaumzeug an einen Pfosten, setze ich dann auf den Zaun und beobachte Little Cloud, der gerade den Boden nach einen passenden Wälzplatz absucht.

„Joice! Ich muss kurz mit dir reden!“, erschrocken klammer ich mich mit beiden Händen links und rechts von mir im Zaun fest. Ich weiß ganz genau wer hinter mir steht, daher drehe ich mich gar nicht erst um.

„Was gibt’s Marc?“, ich versuche meine Stimme so kalt wie möglich klingen zu lassen, was mir allerdings nicht ganz gelingt.

„Ich will mich für mein Verhalten heute Morgen entschuldigen! Du hast mich einfach zu einem blöden Zeitpunkt erwischt!“, Marc lehnt sich neben mich an den Zaun und folgt meinen Blick zu dem Pferd.

„Okay!“, ich halte kurz inne. – „Und wie denkst soll es jetzt weiter gehen?“, frage ich gereizt nach und schaue ihn von oben herab mit kalter Miene an.

„Wie wäre es, wenn wir von vorne Anfangen und du morgen Abend mit mir Essen gehst?“, fragt er mich mit einem charmanten Lächeln im Gesicht, welchem ich nur schwer widerstehen kann.

Nach kurzem Nachdenken nicke ich kaum merklich. – „Na schön. Hol mich um sieben ab!“

„Ich werde da sein!“, er drückt sich mit beiden Händen vom Balken ab, dreht sich um und geht weg. – „ Ach ja! Zieh dir was Schickes an.“, zwinkert er mir noch mal kurz zu, bevor er in den Stallungen verschwinden.

Hat er mich gerade wirklich nach einem Date gefragt? Ich merke, wie sich ein grinsen über meine Lippen verbreitet und mein Herz ungewollter Weise einen Sprung macht.

Nachdem sich Cloud ausgiebig gewälzt hat, habe ich ihn wieder in die Box gebracht. Meine Sachen habe ich auch schon alle weggeräumt, als Lena auch endlich fertig ist.

„Dann sehen wir uns morgen in der Schule, oder?“, Lena gibt mir noch schnell ein Bussi, setzt sich dann auf ihr Rad und radelt vom Hof. Als ich gerade meinen Vater anrufen will, damit er mich abholt, zwickt Nico mir grinsend in die Seite.

„Was machst du denn hier? Ich dachte du hast heute frei?“, lachte ich als er mich kitzelt und packe mein Handy wieder weg.

„Ich bin gerade am Vorbeifahren gewesen und habe dich gesehen, da wollte ich einfach mal nach dir sehen!“, erklärt er mich mit einem schüchternen Lächeln.

„Total lieb von dir, aber ich wollte gerade meinen Vater anrufen, damit er mich holt!“ – „Ach Quatsch! Du musst doch deinen Vater nicht extra her holen. Ich bring dich nachhause!“, bietet er mir an und deutet auf seinen blauen Geländewagen.

„Danke, das wäre total nett von dir!“, mit einem Grinsen drücke ich ihm einen Kuss auf die Wange und laufe dann voller Übermut zu seinem Auto. Ich nehme auf dem Beifahrersitz platz und mache es mir bequem. Die ganze Autofahrt wechseln wir kein Wort miteinander. Das stört mich aber nicht sonderlich, da ich die Autofahrt lieber schweigend genieße.

Nach kurzer Zeit hält der Wagen vor meinem Haus, ich krame meine Sachen zusammen und lächle Nico dankend an.

„Danke, dass du mich gefahren hast. Ich werde mich auf alle Fälle dafür revanchieren!“, schmunzle ich, gebe ihm wieder einen Kuss auf die Wange und greife dann zu der Türschnalle.

„Joice, warte kurze!“, Nico hält mich sanft am Unterarm fest und zieht mich langsam zurück. Etwas verwirrt mustere ich, da ich nicht weiß, was er will.

„Ja?“, doch ohne mir eine Antwort zu geben, drückt er mir einen sanften Kuss auf die Lippen. Im ersten Moment weiß ich nicht wie ich reagieren soll und lasse es zu. Dann klären sich allerdings meine Gedanken und ich schiebe ihn sanft, aber bestimmt von mir weg.

„Nico! Nicht!“, flüstere ich und schaue beschämt zu Boden. Wieso hat er das gerade gemacht? Er hatte nie irgendwelche Andeutungen mir gegenüber gemacht.

„Joice! Ich muss einfach ständig an dich denken. Am Samstag ist einfach irgendwas passiert, wie wir…!“ – „Stopp! Nein, hör auf! Ich kann das nicht!“, breche ich ihn mitten im Satz ab, reiße die Autotür auf und flüchte regelrecht aus dem Auto. Ohne mich noch einmal umzudrehen verschwinde ich im Haus und knalle hinter mir die Tür zu. Was war denn heute nur mit allen los? Und wie soll ich das nur Lena erklären?