Love Isn't Perfect!
~4~
Mit einem Gähnen schlage ich die Spinttür laut zu, nachdem ich meine Sachen nach den Sommerferien wieder eingeordnet habe. Der Montag nach den Ferien ist immer der schlimmste Tag von allen, daher bin ich echt überrascht, als Lena mit einem breiten Grinsen im Gesicht auf mich zu gelaufen kommt.
„Du wirst nicht glauben wem ich grade über den Weg gelaufen bin!“, sprudelt es aus ihr heraus als sich vor mir zum stehen gekommen ist. Allerdings gibt sie mir nicht einmal die Chance ihre eine Antwort zu geben. „Marc Setters!“
Mein Herz macht bei seinem Namen einen kleinen Sprung. Ich hatte ja keine Ahnung, dass er mit uns in die Schule geht.
„Hast du mit ihm geredet?“, frage ich neugierig nach und muss zugeben, dass der Gedanke mir nicht wirklich gefällt.
„Nein, er war irgendwie komisch!“, kurz hält sie inne, bevor sie weiter redet – „Er wirkte so abwesend. Als ob er immer noch von Samstag total fertig wäre.“
Gedankenverloren denke ich an den Abend zurück! Er hatte ja gesagt, dass er wieder arbeiten gehen musste, allerdings habe ich ihn den ganzen restlichen Abend nicht mehr gesehen. Bis jetzt habe ich mir dabei eigentlich nichts gedacht, allerdings kommt es mir jetzt schon komisch vor. Vielleicht hat Lena auch einfach übertrieben.
„Wer weiß wie viel er getrunken hat!“, murmle ich nur und gehe den Gang zum nächsten Klassenzimmer entlang. Lena folgt mir auf Schritt zu Tritt, da wir die selben Kurse besuchen.
Ich setze mich in die letzte Reihe, schlage gelangweilt den Unterrichtsplan auf, um zu sehen, wo ich heute noch hin muss. In dem Moment geht die Tür auf und Mr. Thomson, unser Mathelehrer, komm herein.
„Guten Morgen, meine Damen und Herren! Ich hoffe Sie haben sich in den letzten zwei Monaten wieder gut erholt und startet mit neuer Energie in das bevorstehende Schuljahr.“, begrüßt er uns mit tiefer aber warmer Stimme. Was würde ich nur dafür geben, um genau so motiviert zu sein wie er. Während er die Anwesenheitsliste durchgeht hole ich mein Mathebuch aus meiner Tasche und schlage die erste Seite auf.
Als die Tür plötzlich aufgeht, beginnt die ganze Klasse zu tuscheln. Verwirrt schaue ich auf und staune nicht schlecht, als Mac plötzlich im Türrahmen steht. Er schaut wieder wahnsinnig gut aus mit seiner Jeans und dem weißen Hemd. Seinen Rucksack hat er elegant über eine Schulter gehängt.
„Schön, dass sie sich doch noch dazu entschieden haben den Unterricht zu besuchen, Herr Setters!“, begrüßt Mr. Thomson ihn kalt und deutet ihm sich zu setzen.
Ohne mich auch nur eines Blickes zu würdigen setzt er sich in die zweite Reihe und lässt seinen Rucksack dabei laut auf den Sessel neben sich fallen. Lena hatte recht, es scheint wirklich so, als wäre er mit den Gedanken wo komplett anders.
Nur mühsam kann ich mich auf den Unterricht konzentrieren und bin erleichtert, als es endlich zur Pause läutet. Etwas erschrocken schaue ich Marc nach, der beinahe fluchtartig den Raum verlässt.
Ich weiß nicht warum, aber er macht mich echt neugierig. Normalerweise lässt mich sowas kalt, aber er hat etwas an sich, was mich einfach dazu zwingt mehr über ihn zu erfahren.
„Ich bin gleich wieder da!“, murmle ich kaum verständlich und drücke Lena meine Bücher in die Hand. Mit meiner Tasche um die Schulten eile ich hinter Marc her, der geradewegs aus dem Schulgebäude hinaus stürmt. Ich muss laufen, um ihn ein zu holen.
„Hey! Warte doch bitte mal!“, hör ich mich plötzlich schreien und bereue es gleich wieder ihm gefolgt zu sein, als er sich abrupt umdreht und mich mit kalter Miene von oben herab anstarrt.
„Was gibt’s?“, seine kalte Stimme lässt mich innerlich erzittern, macht mich gleichzeitig aber auch wütend.
„Was es gibt? Du ignorierst mich! Du sagst nicht einmal ‚Hallo‘, wenn wir uns über den Weg laufen!“, knurre ich ihn regelrecht an. Ich mache erschrocken einen Schritt zurück, als er näher kommt und mich mit seinen rotunterlaufenen Augen anschaut. Es scheint fast so, als hätte er was genommen.
„Mädchen! Nur weil ich kurz mit dir geredet habe, heißt dass noch lange nicht, dass wir befreundet sind!“, grinst er mich mit einem eisigen Lächeln an, kramt dabei in seiner Jackentasche herum und holt eine Zigarettenpackung heraus. Ohne auf mich Rücksicht zu nehmen zündet er sich eine an und pustet mir den Rauch direkt ins Gesicht, was mich kurz zum Husten bringt. Als ich mich wieder gefangen habe starre ich ihn genau so kalt an, wie er mich.
„Das habe ich auch niemals behauptet, aber ich wusste nicht, dass man sich nicht mal unterhalten kann!“ – „Bitte mach jetzt keine große Sache draus! Wir haben uns kurz unterhalten, und das war’s auch schon. Nicht mehr und nicht weniger!“, er macht wieder einen Zug von seiner Zigarette, pustet den Rauch jetzt allerdings von mir weg. „Sonst noch was?“
Kaum merklich schüttle ich den Kopf und schaue ihn etwas verletzt an. Wie kann er nur so kalt sein. Es kommt mir fast vor, als hätte ich am Samstag mit einem komplett anderen Typen geredet.
Ohne ein weiteres Wort zu sagen, dreht Marc sich um und stiefelt vom Schulhof. Anscheinend hat er nicht vor den Unterricht heute zu Ende zu führen.
Ich schaue ihm noch kurz nach und mache mich dann wieder auf den Weg zurück ins Gebäude.
„Entschuldigung!“, überrascht drehe ich mich um, als ein mir bekannter Typ hinter mir steht.
„Ja?“, ich weiß, dass ich dieses Gesicht schon mal wo gesehen habe, kann aber nicht herausfinden woher ich ihn kenne.
„Ich hab gesehen, wie du gerade mit meinem Bruder, Marc, geredet hast!“, fängt er gleich an.
„Dein Bruder?“, ich mustere den Jungen von oben bis unten und muss zugeben, dass er ihm wirklich ähnlich schaut.
„Ja, ich bin Damon!“ – „Du warst doch am Samstag auch hinter der Bar, oder?“, plötzlich geht mir ein Licht auf. Er war der Typ, der Marc am Samstag hinter der Bar abgelöst hat.
„Ja genau! Ich habe euch am Samstag miteinander reden gesehen und jetzt auch!“, kurz hält er inne, als müsste er überlegen, wie er weiter reden sollte –„Ich wollte dich eigentlich nur warnen! Am Samstag schien er vielleicht total charmant und freundlich. Aber er kann auch anders!“
„Wie meinst du das?“, frage ich vorsichtig nach und streiche mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
„Er hat so Phasen, da weiß er nicht mehr was er tut!“, versucht er mir zu erklären. „Ich will einfach nur nicht, dass du auf ihn hereinfällst. Ich hatte am Samstag nicht so das Gefühl, dass du wie die anderen Mädchen bist, die so dumm sind und sich von ihm verführen zu lassen.“
„Danke, dass ist echt total lieb von dir, aber mach dir da keine Sorgen! Da ist absolut gar nichts zwischen uns!“, erkläre ich ihm und war selbst davon überrascht wie erst ich das meine. – „Ich muss dann auch mal wieder zurück in den Unterricht!“, verabschiede ich mich von ihm, lächle ihm noch kurz zu und verschwinde dann wieder im Gebäude.
Ich habe das Gefühl, dass ich die Warnung von Damon ernst nehmen sollte. Wenn ich Glück habe laufen wir uns eh nicht mehr so oft über den Weg. Allerdings hatte ich noch nie wirkliche Glück gehabt. Wieso also jetzt?