Love Isn't Perfect!
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Zufrieden lasse ich meine vielen neuen Sachen auf mein Bett fallen, sinke dann selber auf die Matratze und lege mich erschöpft nach hinten. Heute war endlich Samstag und ich bin gerade mit Lena vom Schoppen zurückgekommen. Wie jedes Mal machen wir uns gemeinsam bei mir zuhause fertig.
Es ist bereits 19 Uhr, wir müssen uns wirklich beeilen um nicht in der Schlange stehen zu müssen um hinein zu kommen. Schnell gehe ich mich duschen, komme nach zehn Minuten nur mit einem Handtuch bekleidet aus dem Badezimmer und föhne mir als erstes die Haare während Lena bereits dabei ist sich zu schminken. Als meine Haare nach einer gefühlten Ewigkeit endlich trocken sind, mache ich das Radio an und aus den Boxen ertönt „Please Don’t Stop The Music“ von Rihanna. Wie abgemacht fangen Lena und ich gleichzeitig an mitzusingen, grinsen uns dabei an und ich hole mir dann meine Schminksachen aus dem Täschchen. Wie immer schminke ich mich nur dezent, so das die Natürlichkeit nicht verloren geht. Meine Haare glätte ich mir noch zum Schluss und stehe dann etwas unschlüssig vor meinem Bett auf dem die neuen Kleider liegen, die ich mir heute gekauft habe. Ich muss mich entscheiden zwischen einem blauen hautengen Kleid, oder doch eher etwas einfacherem. Nachdenklich raufe ich mir durch die Haare, entscheide mich dann aber für eine gewöhnliche schwarze Leggings mit einem weißen trägerlosen Top. Darüber ziehe ich eine blaue Jeansjacke und die dazu passenden schwarzen Ballerinas. Zufrieden betrachte ich das Endresultat im Spiegel wobei ich mir noch mal durch die Haare kämme. Lena stellt sich nun auch neben mich. Im Gegensatz zu mir ist sie richtig elegant angezogen mit ihrem pinken, trägerlosen Kleid. Ihre Haare hat sie mit dem Lockenstab bearbeitet und jetzt fallen sie ihr elegant über die Schultern.
„Ich denke so können wir uns sehen lassen, oder?“, entschlossen mustere ich sie von oben bis unten und schaue dann hinter ihr auf die Uhr, die an der Wand hängt. „Wir müssen uns jetzt eh beeilen, immerhin ist es bereits halb neun!“
„Das Taxi sollte eh gleich da sein! Zumindest habe ich es für halb neun bestellt!“, erklärt Lena mir, während wir die Treppen hinunter gehen. Unten angekommen verabschieden wir uns noch von meinen Eltern, ich ziehe mir eine dünne Weste über, gehe aus der Tür, und entdecke gleich das gelbe Taxi vor unserer Haustür.
Draußen lockt mir der Wind ein Zittern aus dem Körper, daher nehme ich schnell Lenas Hand und schleife sie regelrecht zum Auto. Lena stolpert in ihren High Heels hinter mir her, das Lachen muss ich mir dabei allerdings verkneifen. Nacheinander quetschen wir uns durch die linke, hintere Autotür und machen es uns auf der Rückbank bequem. Schnell sage ich dem Taxifahrer die Adresse des Clubs an und schon setzt sich der Wagen in Bewegung.
Nach nicht einmal 20 Minuten hält der Wagen vor dem ‚Luna‘ und schnell steigen wir beide aus. Wir haben echt Glück, da die Schlange noch nicht alt zu lang war. Immerhin waren wir nach nicht einmal fünf Minuten bereits bei den beiden Securities, die uns von oben herab misstrauisch mustern. Beide verlangen nach dem Ausweis, eh wie jedes Mal, lassen uns dann allerdings doch, ohne Wenn und Aber hinein. Meine Augen müssen sich erst an die Dunkelheit, und meine Ohren an die laute Musik gewöhnen. Im Laden tummeln sich schon überall die Gruppen von Leuten und von überall wird man angestarrt. Mit einem Gefühl von Unbehagen mache ich mich, mit Lena im Schlepptau, auf den Weg zur Bar und setze mich dort auf einen der Hocker.
„Sex on the Beach?“, frage ich Lena mit lauter Stimme, um den lauten Bass zu übertönen. Anstatt mir eine Antwort zu geben nickt sie nur, dreht sich dann um, um die anderen Jugendlichen ab zu checken. Mit einer lässigen Handbewegung rufe ich den Kellner zu mir, der mir von hinten wahnsinnig bekannt vorkommt, allerdings weiß ich nicht woher ich ihn kennen sollte. Angestrengt denke ich nach, während ich ihn von hinten regelrecht anstarre. Ich weiß einfach, dass ich diesen Hinterkopf mit den dunkelbraunen Haaren bereits gesehen habe. Aber wo? Endlich schaut er her und mir klappt sogleich die Kinnlade hinunter.
Marc!
Seine blauen Augen funkeln mich, genau wie letztens Stall, eiskalt an. Nachdem ich mich endlich aus meiner Starre gelöst habe deutete ich mich noch einmal zu mir.
„Hallo ihr Zwei! Was kann ich euch denn bringen?“, schreit er mich regelrecht an, um die Musik zu übertönen.
„Machst du uns bitte zwei ‚Sex on the Beach‘?“, schreie ich über den Tresen, Marc nickt nur und macht sich schon daran meine Bestellung zuzubereiten.
Was war das denn? Entweder er hat mich wirklich nicht erkannt, oder er hat mich einfach gekonnt ignoriert. Auch wenn wir nur kurz miteinander geredet haben muss ich zugeben, dass es mich stört, dass er sich nicht mehr an mich erinnert.
Nach nur kurzer Zeit stellt er uns unsere beiden Getränke lächelnd auf den Tresen und es scheint mir fast so, als würde er mich kurz mustern und überlegen, wo er mich einordnen soll. Doch noch bevor ich irgendwas zu ihm sagen kann, wird er bereits wo anders benötig. Etwas beleidigt schaue ich ihm kurz nach, dreh mich dann aber um und reiche Lena ihren Cocktail. Lächelnd stoßen wir an und machen dann einen Schluck. Eins muss man ihm ja wirklich lassen, mixen kann er! Nachdem ich mein Glas wieder auf die Bar gestellt habe stehe ich auf und streiche mir mein Top gerade.
„Lust zu tanzen?“, verwundert drehe ich mich zu dem Typen um, von dem die Frage gekommen ist.
Etwas baff schaue ich direkt in Nicos Augen, welche mich amüsiert von oben bis unten mustern.
„Was machst du denn hier?“, überrascht gebe ich ihm links und rechts einen Kuss auf die Wange, so wie ich es immer mache, wenn ich jemanden beim Fortgehen treffe, denn ich kenne.
„Ich bin mit ein paar Kumpels da. Ich habe euch beide bereits gesehen, wie ihr die Treppen hinunter gekommen seid, wollte euch aber nicht gleich überrumpeln!“, erklärt er mir mit lauter Stimme und deutet auf die Gruppe Jungs, die auf der anderen Seite der Tanzfläche stehen. Auch Lena dreht sich jetzt zu uns um und begrüßt Nico freundlich. Sie scheint genau so verwundert wie ich zu sein.
„Wow, chic siehst du aus!“ staunt sie und reißt dabei die Augen verblüfft auf. Sie hat recht, Nico sieht klasse aus. So bin ich es gar nicht gewohnt. Obwohl er nur eine normale blaue Jeans an hat, in die er sein weißes Hemd gestreckt hat, macht es wirklich einen komplett anderen Menschen aus ihm. Da fällt mir gleich ein Sprichwort ein, - ‚Kleider machen Leute! ‘
„Also, Lust zu Tanzen?“ – „Gerne doch!“, nehme ich das Angebot, nachdem er mich noch mal gefragt hat, lächelnd an, und reiche ihm meine Hand. Lena zwinkert mir verschmitzt zu und besetzt dann meinen Hocker während ich auf der Tanzfläche die Hüften schwinge.
Da Nico und ich gemeinsam in der Tanzschule waren, harmonieren wir gemeinsam zu ‚Yeah‘ von Usher. Während er mich an der Hüfte hält, die ich elegant kreise, merke ich wie der Kreis um uns beiden immer größer wird. Nach nur kurzer Zeit bin ich mit ihm zu einer Einheit geschmolzen und bekomme die Leute, die sich um uns gereiht haben, kaum mehr mit. Gemeinsam zeigen wir verschiedene Moves, die von den anderen gierig aufgenommen werden.
Als das Lied vorbei ist, gehe ich mit Nico total erledigt wieder zu unseren Platz zurück. Als ich noch nicht ganz am Tresen angekommen bin, entdecke ich hinter Lena, Marc, der mich neugierig zu mustern scheint. Hat er mich etwa die ganze Zeit schon beobachtet? Etwas verlegen streiche ich mir eine verschwitzte Strähne meiner Haare aus dem Gesicht und setze mich dann mit dem Gesicht zu Marc auf einen Hocker. Ohne auch nur einmal zu Blinzeln starrt er mich immer noch an. Ein kalter Schauer rinnt mir über den Rücken, ich versuche aber so gut es geht seinen Blick zu erwidern.
„Damon! Lös mich doch bitte mal ab!“, ruft Marc plötzlich in den kleinen Raum hinter der Bar und ein Typ, der ihm zum verwechseln ähnlich sieht taucht auf. „Ich bin gleich wieder da!“ Mit diesen Worten übergibt er Damon die Verantwortung und verschwindet in die Menschenmenge.
Kaum merkliche schüttle ich meinen Kopf und widme mich dann wieder meinen eigentlichen Freunden.
„Ihr habt echt toll ausgesehen!“, lobt Lena uns beide und bestellt sich dann noch einen Drink. „Ich glaube ich muss auch endlich mal so tanzen lernen, sonst gehe ich neben euch noch total unter!“, lacht sie dann, scheint es aber doch ernst zu meinen.
„Du kannst uns doch einfach mal begleiten, dann lernst du nämlich von den Meistern!“, schmunzle ich und mache noch einen Schluck meines Cocktails.
Plötzlich macht der DJ die Musik aus, gefolgt von einem Raunen der Menge.
„Es scheint als hätten wir heute Abend Glück!“, ertönt es aus den Lautsprechern – „Wir werden jetzt einen Song von unserem Lieblingssänger hören! Hört zu und genießt!“
Gespannt schaue ich auf die Bühne, die komplett im Dunkeln liegt. Ich meine aus den ersten Takten des Songs, das Lied ‚When You Say Nothing At All‘ von Ronan Keating, heraus zu hören und staune nicht schlecht, als plötzlich eine mit bekannte Stimme anfängt, den Text des Songs zu singen. Es hört sich wunderschön an, und als das Licht angeht, erkenn ich Marc, der auf der Bühne steht und singt. Ich bin echt baff und überrascht. Seine Augen schweifen durch die Menge, als würde er jemanden suchen. Die Menge, die im Moment hauptsächlich aus Frauen zu bestehen scheint, schreit hysterisch, als ob auf der Bühne Bruno Mars stehen würde.
THE SMILE ON YOUR FACE
LET’S ME KNOW THAT YOU NEED ME.
THERE’S A TRUTH IN YOUR EYES
SAYING YOU’LL NEVER LEAVE ME.
THE TOUCH OF YOUR HAND SAYS YOU’LL CATCH ME
WHEREVER I FALL.
THE TOUCH OF YOUR HAND SAYS YOU’LL CATCH ME
WHENEVER I FALL.
YOU SAY IT BEST WHEN YOU SAY NOTHING AT ALL.
Als er den Refrain singt bleibt sein Blick an mir hängen und mir scheint das Herz stehen zu bleiben. Wie sehr ich es mir auch vornehme, ich schaffe es einfach nicht meinen Blick von ihm zu wenden und erwidere seinen Blick genau so innig, wie er ihn mir zuwirft. Seine Stimme erwärmt mein Herz, wie es bis jetzt noch kein anderer jemals geschafft hat. Der Text scheint bei ihm aus der Tiefe seiner Seele zu kommen, was den Song noch glaubwürdiger rüberbringt.
Er hat seinen Blick bis zum Ende des Songs kein einziges Mal von mir abgewendet, was mich hoffen lässt, dass er sich doch noch an mich erinnern kann.
Nachdem er die letzte Zeile zu Ende gesungen hat, schenkt er mir ein Lächeln, welches ich bis jetzt noch kein einziges bei ihm gesehen habe.
Als die Menschenmasse anfängt wie wild zu klatschen löst er seinen Blick von mir und verlässt die Bühne, ohne ein weiteres Wort zu sagen. Immer noch in seinem Bann gefesselt, schaue ich ihm nach und werde erst von Lena wieder in die Realität zurückgeholt.
„Das nenne ich mal ein Gesangstalent. Was würde ich nur dafür geben, genau so singen zu können!“, murmelt sie verträumt, während sie an ihrem Strohhalm nuckelt.
Ein Grinsen huscht mir übers Gesicht, als ich in ihr verträumtes Gesicht schaue und verdrehte dabei schmunzelnd die Augen.
Hinter mir höre ich ein Räuspern. Nein, bitte lass es nicht schon wieder irgendein Typ sein, der versucht mich an zu graben! Mit einem passenden Spruch auf der Zunge drehte ich mich um, bereit jedem der hinter mir steht einen Korb zu geben.
„Versuch es –!“, abrupt breche ich meinen Satz ab, als Marc vor mir steht. Normalerweise passiert mir sowas nie, daher war ich von mir selber etwas überrascht. Er schaut aber auch gut aus in seiner hellblauen Jeans, die ein paar Risse hatte, und seinem weißen Shirt mit V-Ausschnitt.
„Hey, ich bin mir nicht ganz sicher ob du dich an mich erinnern kannst, aber ich denke mal, dass man so einen wie mich nicht so schnell vergisst, oder?“, zwinkert er mich mit einem leichten Lächeln im Gesicht zu und verschränkt seine Arme vor der Brust. Habe ich das gerade richtig verstanden? Ist er wirklich so sehr von sich überzeugt?
„Natürlich, du bist Marc, der Bruder von Caroline!“, erwidere ich so locker wie möglich und streiche mir streng eine Haarsträhne hinter mein Ohr.
„Wow, du hast dir sogar meinen Namen gemerkt, ich bin beeindruckt! Da hast du mir echt einiges voraus, da du mir deinen Namen noch nicht verraten hast!“
„Sich Namen zu merken ist eines meiner vielen Talente, mach dir daher bloß keine Gedanken!“, zwinkere ich ihm verschmitzt zu. „Ich bin übrigens Joice!“
Bei den Worten funkeln seine Augen auf und wie von der Tarantel gestochen scheint er plötzlich nervös zu werden.
„Hat mich echt gefreut dich kennen zu lernen, aber ich muss jetzt wieder weiter arbeiten!“, meint er schnell, mit einer seltsamen kalten Stimme und verschwindet, ohne das ich noch was sagen konnte, hinter der Bar. Verwirrt schaue ich ihm nach. Was sollte das denn?