Shadowborn, Das Blut der Ersten
kapitel 1:in Rang und Ehre
Was ist, das ist. Es interessiert sich nicht dafür, ob du es bemerkst ,
umdeutest oder verdrängst.
Amizaras Chronik
Die Sonne hatte den Horizont bereits passiert und war nur noch zur Hälfte sichtbar, als Mira erwachte. Das Violett der hereinbrechenden Nacht, zog sich bereits über den östlichen Himmel und vereinzelte Sterne wurden sichtbar. Mira ärgerte sich über den verpassten Sonnenuntergang. Seit sie zum Vampir wurde, war er das einzige, was ihr von der Sonne geblieben war und gerade deshalb, erschien er ihr soviel kostbarer als die Erinnerungen daran, welche nach und nach verblassten. In den letzten 30 Jahren, hatte sie nur einen davon verpasst und daß auch nur, weil sie mit der Rettung des Clans beschäftigt war, der sie aufgenommen und ihr ein Zuhause gegeben hatte. Paris, war demzufolge keine sehr romantische Erinnerung für sie. Das war es noch nie. In den Katakomben war es ohnehin immer dunkel und so, hatte sie nicht darauf achten können, wie tief die Sonne stand. Außerdem hatte sie damals, auch gar keine Zeit für diesen grandiosen Anblick. Mira lächelte als sie merkte, wie sie wieder einmal versuchte, sich vor sich selbst zu rechtfertigen. Dieser kleine Makel, war einer der letzten menschlichen Schwächen die sie besaß. In Verbindung mit ihrem Gewissen, konnte das ganz schön nerven. Wenigstens hatte sie heute, den Abschluss des Farbspektakels am Himmel gesehn und die Dämmerung ,hatte schließlich ihren eigenen Reiz.Mit diesen aufmunternden Gedanken, erhob sie sich und ging nach draußen zum kleinen Wasserfall, der in ihrem Garten einladend in den hauseigenen See plätscherte. Auf dem Steg angekommen , streifte sie den Hauch von einem Nichts ab, den sie zum schlafen trug und sprang in den See. Sie tauchte ein Stück um dann, so schön wie eine Sirene, wieder aus dem Wasser aufzutauchen. Mira kletterte über die zerbrochenen Säulen aus marrokanischem Marmor, die am Fuß der Wasserfalls ,um so vieles edler wirkten als schnöder Stein und trat unter den plätschernden Strahl.
Dass fließendes Wasser, für einen Vampier tödlich sein kann, ist nicht nur purer Aberglaube. Allerdings galt das,nur für einen von ,,Unreinen'' gemachten Vampir, genauso wie die Geschichte mit dem Knoblauch. Mira jedoch war immun, gegen die gefährliche Wirkung von beidem. Ihr Schöpfer war ein Schattengeborener. Eines jener alten und mächtigen Wesen, die diese Welt schon Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende vor ihr bevölkerten. Sie, waren über solche Sachen erhaben und gaben diese Fähigkeit, an ihre erwählten ,,Kinder'' weiter. Mira genoss also in vollen Zügen das Gefühl auf der Haut, anstatt es fürchten zu müssen.
Vom Wasserfall aus führte ein kleiner Pfad aus schwarzem Kies ,zu einem von schneeweißen Lilien umrahmten Pavillon. Als sie ihn anschließend entlang lief, sog sie die den Duft der Blumen ein, die sie so sehr liebte. In diesem Pavillon, befand sich ihr Ankleidezimmer und Mira wählte mit Bedacht, die Garderobe für die heutige Nacht. Sie wollte nicht zu overdressed wirken wenn sie vor den Rat der Ältesten trat, denn schlichte Eleganz brachte stets mehr, als aufgedonnerte Arroganz. Ihre Wahl fiel auf ein etwa knöchellanges Seidenkleid, dass ihre schlanke Figur umschmeichelte. Das nachtblau der kühlen Seide passte herrvorragend zu Miras rabenschwarzen Haar und den ebenso nachtblauen Augen. kleine Diamanten glitzerten an ihren Ohren und im nun hochgesteckten Haar, funkelten sie, an den dazu benutzten Nadeln. Mira sah noch einmal prüfend an sich hinunter. Die schlanken Füße blieben ohne Schuhe. Mira konnte sich in keinem Paar ,was zu diesem Outfit gepasst hätte, vernünftig bewegen und hasste Einschränkungen dieser Art. In ihrem Job musste sie auf die Annehmlichkeit barfuß zu laufen, leider meistens verzichten ,doch nicht am heutigen Abend. Heute war alles so gut geschützt, dass ihre Dienste erst wieder benötigt wurden, wenn die Adligen Ratsmitglieder, wieder den Heimweg antraten. Aber man wusste schließlich nie genau, wann das Schicksal das nächste Mal zuschlug.
Mira war seit der Rettung des Clans, oder besser gesagt, der Rettung dessen Oberhauptes, und damit im allgemeinen wieder der Rettung des gesammten Clans (kein Rudel besteht ohne Leitwolf), zu dessen persönlichen Bodyguard ernannt worden. Loyalität und Treue machten sich bezahlt und auch wenn sie keinen Wert auf Titel und Rang hegte, so wusste sie diese ehrenvolle Aufgabe doch zu schätzen. Schließlich war es ihrem Mut und ihrer Initiative zu verdanken, dass eine Verschwörung aufgedeckt und der entführte Fürst gefunden wurden. Mira verfügte schon als Mensch, über bemerkenswerte Instinkte und durch die Umwandlung oder Wiedergeburt ums vielfache verstärkt, waren sie jetzt nahezu unschlagbar. Der Name Mira Konstantin war seit Wochen in aller Munde. Wo immer sie auftauchte, wurde sie hoch gelobt und obwohl es sicherlich auch Neider gab, wagten diese es nicht, das Wort gegen sie zu richten. Heute sollte sie offiziell geehrt werden und so wie die Dinge standen , würde man ihr eine Position Im inneren Kreis des Rates anvertrauen.
Eine Stunde später, befand sie sich bereits in der Halle der Morgan Villa, jenem Anwesens, in dem die Familie des Oberhauptes schon seit mehr als 12 Generationen residierte. Das wunderschöne, alte Gebäude, besaß nahezu 30 Zimmer und unzählige Geheimgänge die für den Unwissenden , scheinbar ins nichts führten. Links und rechts führten großzügig genschnittene Bogengänge, bis tief ins innere des Geländes . Die Empfangshalle bestand größten Teils aus schwarzen Mamor . Die von Säulen aus dem gleichen Material, gestützte Decke, war gewölbt und mit Malereien verziert. Vermutlich stellten sie, bedeutende Ereignisse nach , die die Familie im Laufe von fast einem Jahrtausend erlebt hatte. Silberfarbene Ornamente , sorgten dafür, dass die Vorherrschende Farbe nicht erdrückend und düster wirkte. Kunstvoll in Szene Gesetzte Skulpturen und exotische Pflanzen rundeten das Bild von Reichtum und Erhabenheit ab. Über die doppelseitige Treppe gelangte Mira in die erste Etage. Von hier aus führten vier Türen in unterschiedliche Bereiche. dort wo sich die Treppen oben wieder trafen, war ein Lift eingebaut der zur Zweiten Etage und damit ins Herz der Villa führte. Im riesigen Speisesaal des Morganclans sollte die Ratssitzung abgehalten werden.Als Mira eintrat, drehten sich die bereits Anwesenden nach ihr um. Alle Ratsmitglieder waren noch nicht erschienen, was Mira etwas Zeit verschaffte, ihre nun doch aufsteigende Nervosität unter Kontrolle zu bringen. In Grüppchen standen die Vampire hier und dort herum und unterhielten sich. Sie lächelte grüßend, in die eine oder andere Richtung und erwiderte das wohlmeinende Nicken mit geneigtem Kopf. Wer jetzt glaubt, alle Vampire wären strahlend schön Geschöpfe, die mit ihrer Anmut jeden bezauberten, der irrt sich gewaltig. Wie in jeder Rasse gibt es auch unter ihnen alte und runzelige, dicke, hässliche und spindeldürre Vertreter.Die einzigen stimmigen Aussagen sind, ihre Kraft und die extreme Langlebigkeit und die Tatsache dass Blut,eine überlebenswichtige Komponente ist. Kaum eine andere Rasse auf diesem Planeten, wurde so romantisiert, wie die der Vampire. Verteufelt, gejagt, gefürchtet, bewundert und beneidet. Dabei konnten Sie auf all das verzichten. Die Furcht der Menschen, brachte sie schließlich dazu, sich zu verbergen. Seitdem lebten sie unentdeckt, bis Vampire nur noch ein Mytos war.
Ein besonders eindrucksvolles Exemplar dieser Spezies, steuerte nun auf Mira zu. Der Fürst höchstpersönlich. Mit einer Größe von fast zwei Metern und seiner stattlichen Statur war er nicht zu übersehen , nicht einmal dann, wenn man es darauf anlegte. Er umarmte sie herzlich und sein warmes Lächeln zeugte davon das er sie wirklich mochte. Mira grinste in sich hinein. Das war eigentlich eine Geste , die er nicht in der Öffentlichkeit zeigen sollte. Die Leute würden sich ihre Mäuler zerreißen. Fürst Darius jedoch, legte keinen Wert in das Gerede und auf die Etikette pfiff er ebenfalls. Mira hatte ihn gerettet und er schuldete ihr sein Leben. Daher war es ihm auch egal was die Leute dachten. Für ihn, war sie wie eine Tochter und das zeigte er auch gerne öfentlich. ,,Wie geht es dir mein Kind, bist du nervös?'' ,eröffnete er die Konversation. Mira neigte etwas verlegen den Kopf und antwortete wahrheitsgemäß. ,,Ein wenig mein Fürst, es ist alles so schnell gegangen, ich komm da noch gar nicht richtig mit. Diese Ehre hätte nicht sein müssen. Jeder andere hätte genauso gehandelt.'' ,,Bescheiden wie immer'' ,lachte Darius. Er legte den Zeigefinger unter ihr Kinn und zwang sie so, ihm ins Gesicht zu sehn. ,,Dass dem nicht so ist, wissen wir beide . Missgunst und Neid gibt es überall mein Kind, und gerade deshalb, gibt es keinen Grund für deine Bescheidenheit. Du hast dir diese Ehre, mit dem Einsatz deines Lebens verdient. Und jetzt komm, ehe es losgeht, möchte ich dir noch ein paar wichtige Leute vorstellen.'' Mit diesen Worten nahm er sie an der Hand und zog sie mit sich. Diese ,,wichtige Leute'' ,stellten sich als sehr amüsante Gesprächspartner heraus. Fürstin Gloria vom Gregorian -Clan war eine kleine etwas pummelige Frau mit gutmütigen Augen die von Lachfältchen geprägt wurden. Als enge Freundin und Vertraute von Darius, kannte sie Mira bereits von früher und hatte sie schon des öfteren, im Anwesen der Morgans gesehen. Gloria schenkte ihr ein glockenhelles Lachen als sie Sie, ebenfalls herzlich umarmte. ,,Nicht so schüchtern Kindchen, gönnen sie einer alten Frau die Freude, die Retterin unseres lieben Darius zu umarmen. Mira lächelte. Bei soviel Zuwendung und Herzensgüte musste man Gloria einfach mögen. Dann gab es da noch , Rudolf von Hohenstein, ein Vertreter der Clans aus Deutschland und Yumi Kasarugi , die Vertreterin des japanischen Clans. Letztere, beeindruckte durch ihr anmutiges Auftreten und ihr wunderschönes jedoch von einer feinen weißen Narbe durchzogenes Gesicht , welche von ihrer rechten Braue bis zur Wange verlief. Als sie Miras Blick bemerkte ,beschatteten sich ihre schönen Augen. Der Eindruck hielt nur den Bruchteil einer Sekunde an, doch er zeigte Mira , dass die Erinnerung an die Entstehung der Narbe, sehr schmerzhaft und noch nicht ganz verarbeitet war. Rudolf von Hohenstein unterbrach ihren Gedankengang. ,,Meine lieben, ich glaube es ist soweit.'' Ein hochnäsig wirkender, dürrer Vampir bahnte sich seinen Weg durch den nun, von Mira, fast unbemerkt, voll gewordenen Saal. Als er bei der kleinen Gruppe ankam, unterbrach er das Gespräch mit einem Hüsteln und bedachte Mira, mit einem vielsagendem Blick und als er ihre nackten Füße bemerkte, schickte er noch eine hochgezogene Augenbraue hinterher. Darius grinste und an Mira gerichtet sagte er,,, es ist soweit mein Kind, das ist deine Stunde. Mira folgte dem dürren Kerl bis vor zur achteckigenTafel, wo sich die Ältesten jetzt vollständig versammelt hatten. Einer stand am extra errichteten Podium und schien nur auf sie zu warten. Mit einem Räuspern, machte er nun auch die übrigen Gäste aufmerksam, die sich daraufhin zu ihren Tischen begaben. Mira schätzte sich glücklich, dass all das hier, eher einem Ball , als einer Ehrung glich und wartete auf die Rede, die nun zweifelsfrei folgen würde. Das Raunen an den Tischen verstummte schließlich und Stille kehrte ein. Mira fühlte sich ein wenig seltsam, als sie vor das Podium trat. Alle Augenpaare waren auf sie gerichtet und der Sprecher der Ältesten begann.
,,Wir versammeln uns heute hier, um eine der Unseren zu ehren. Durch ihren mutigen Einsatz, hat sie die Verschwörung durch die Wolzcias aufgedeckt und unserem geschätztem Mitglied des Rates ,dem Fürsten Darius Morgan das Leben gerettet. Ihr ist es zu verdanken, dass dem schändlichem tun dieses verräterischen Clans, Einhalt geboten werden konnte, ohne das dabei jemand zu größerem Schaden kam. Die Verhandlungen über die Bestrafung der Oberhäupter der Wolzcias zieht sich noch etwas in die Länge. Bis zur Verkündung des Urteils durch den hohen Rat, werden sie jedoch in der Isolation verbleiben, auf das niemandem weiterer Schaden zugefügt wird. Mira Konstantin wird heute aufgrund ihres Mutes und ihrer Loyalität gegenüber der alliierten Clans, in den Rang einer Agentin des Rates, und damit zur Baronin erhoben. Von nun an gehört sie zum inneren Kreis und damit untersteht sie nur noch dem Rat selbst. Wenn sie es für richtig hält, und Fürst Darius Morgan keine Einwände erhebt so kann sie auf Wunsch, trozdem in seinen Diensten als Leibwächterin verbleiben. Ich spreche hiermit im Namen des Ältestenrates unseren tiefsten Respekt und unseren Dank aus. Ich bitte um Applaus für unseren Ehrengast.
Als das Klatschen verstummt war, und Mira sämtliche Danksagungen der Anwesenden entgegengenommen hatte, spürte sie eine eigenartige Ruhe in sich. Nun war sie nicht mehr einfach nur Mira Konstantin, sie war eine Baronin. All das hatte sie überwältigt und auch wenn sie sich jetzt eigentlich zurücklehnen und andere die Arbeit als Bodyguard machen lassen könnte, so wusste sie doch tief in ihrem inneren, dass sie die Morgans zu sehr ins Herz geschlossen hatte, als dass sie dies tun würde. Darius kam auf sie zu und gratulierte ihr noch einmal persönlich. Seinen fragenden Blick erwiderte sie mit einem Lächeln. Sie würde bleiben und ihren Job machen so wie sie es gewöhnt war. Darius hatte sie gefunden als sie verzweifelt und planlos auf der Straße stand. Er hatte ihr ein neues Leben geschenkt und ihr eine Welt gezeigt, die neben ihrem traurigen Dasein existierte und hatte sie zu der gemacht, die sie heute war. Sie verdankte ihm, beinahe alles und diese Dankbarkeit und Zuneigung zum Clan , ließ nichts anderes für sie zu. Sie erinnerte sich noch genau an den Tag als sie Darius begegnet war.
Ein strahlend schöner Tag im August, Miras siebenundzwanzigster Geburtstag. Ein Tag der Freude. Mira stand in ihrem winzigen Apartment und sortierte ihre Papiere. Rechnungen die nicht bezahlt werden konnten, ein Job der mies bezahlt wurde, und dazu kam, der eigentlich nicht weiter nennenswerte Umstand, dass Alex sie betrogen hatte. Schon wieder. Sie unterdrückte die aufsteigendenTränen und schluckte hart. Ihr Vater hatte ihr ein kleines Vermögen hinterlassen als er starb. Eigentlich hätte es sie über Wasser halten sollen bis sie auf eigenen Beinen stand, doch dann lernte sie Alex kennen. Alex mit seinen blauen Augen , seinen großen Träumen und seiner charmanten Art. Sie hatte ihm geglaubt und sich mitreißen lassen und dann kam das böse Erwachen. Er spekulierte hinter ihrem Rücken an der Börse und verlor, er fing an zu trinken und zu spielen und verlor erneut. Sein erster ,,Ausrutscher'' mit einer andere Frau, wurde ihm genauso verziehen wie die ersten Schläge. Alex machte sie für sein Versagen verantwortlich und Mira, ertrug all das geduldig. Doch diese Vorfälle häuften sich und und raubten ihr nach und nach ihre Kräfte. Und nun stand sie hier, versuchte nicht zu heulen und fragte sich immer wieder , wie blöd man sein konnte. Wahrhaft ein Tag zur Freude. Sie legte die Papiere auf unterschiedliche Stapel und natürlich war der mit den unbezahlten Rechnungen der Größte. Sie setzte sich an den winzigen Küchentisch und stützte das Kinn mit den Händen ab. Sie war am Ende ihrer Kraft und alles wurde von Tag zu Tag irgendwie schlimmer. Vielleicht wurde es Zeit, dass sie ging. Wenn sie noch länger bliebe, würde Alex, sie mit in den Abgrund reißen, das wusste sie nur zu genau.
Mira stand entschlossen auf und stopfte alles was ihr wichtig war in eine kleine Reisetasche. Viele Habsehligkeiten hatte sie sowieso nicht mehr. Alles war nach und nach Alex,s Sucht zum Opfer gefallen. Er machte Schulden und sie musste es ausbaden. Nachdem sie gepackt hatte was es zu packen gab, verließ sie das Mietshaus ohne sich noch einmal umzudrehen. Zunächst lief sie ziellos durch die Stadt. Der kleine Vorort von San Franzisko war alles andere als ansehlich. Auch hier gab es Gangs die sich bekriegten und Anzeichen von Armmut und Verfall. Sie hätte genausogut mitten in New York oder L.A. wohnen können. Mira bog in eine Straße ein als sie hörte wie jemand ihren Namen rief. Sie drehte sich um und sah einen großen ,gut betuchten Mann auf sich zueilen.
Bei ihr angekommen, holte er eine kleine schwarze Visitenkarte aus der Innentasche seines maßgeschneiderten ,grauen Anzugs. ,,Morgan & Gregorian, Anwaltskanzlei'' stand darauf in feinesten silbernen Buchstaben. ,, Wen ich mich vorstellen dürfte, Mein Name ist Darius Morgan.'' Seine Stimme war tief, kehlig und ihr Klang hatte etwas beruhigendes. ,,Sie sind doch Mira Konstantin?'' Mira nickte bejahend und völlig perplex. Sie hatte den Fremden noch nie gesehen und keinen Schimmer was er von ihr wollte.,, Ich war einer der Anwälte ihres Vaters. und suche sie schon schon seit geraumer Zeit.'' ,,Mein Vater ist seit 4 Jahren tot'' ,antwortete Mira mit hochgezogener Braue. ,, Warum jetzt?'' ,,Das würde ich gerne mit ihnen besprechen. Aber dabei mitten auf der Straße zu stehen, erscheint mir dafür nicht als geeignet'', entgegnete der Mann mit einem Lächeln. Wenn sie mich begleiten würden damit wie alles in meiner Kanzlei besprechen könnten? Mira wusste nicht so genau, ob sie dem Mann Glauben schenken sollte. Immerhin konnte sich jeder, Visitenkarten mit der Aufschrift ,,Anwalt'' drucken lassen. Er wirkte auf sie jedoch nicht wie ein Lügner und sie sah auch keinen Grund das zu glauben. Sie willigte also ein, ihn zu begleiten und sich anzuhören was er zu sagen hatte.
Die Kanzlei, war nur ein paar Straßen weiter und das Stück Weg, welches sie zu Miras Überraschung zu Fuß zurücklegten, zog sich Dank der unterhaltsamen Art von Mr. Morgan, auch nicht sonderlich in die Länge. Mira mussterte ihn unauffällig von der Seite. Sie schätzte ihn wenigstens auf 1.95 m. Seine Schläfen waren bereits grau und sein ansonsten schwarzes Haar war nach hinten frisiert. Eine hohe Stirn, intelligente graue Augen und eine gerade Nase. Der perfekt ausrassierte Kinnbart rundete das Bild ab. Er strahle vornehme Autorität aus, und wäre da nicht seine Körpergröße, wäre er der perfekte Bilderbuch-Anwalt. So jedoch hätte er genausogut, einer von König Artus Rittern der Tafelrunde sein können. Die Kanzlei zeichnete sich durch guten Geschmack aus. Sparsam verteilte, moderne Möbel, glänzende Scheiben aus nur einseitig durchsichtigem Glas und sehr vielen Grünpflanzen, die an den zahlreichen dünnen Säulen emporrankten. All das kam ohne jeglichen Kitsch aus und wirkte durch seine schlichte Eleganz. Das gleiche spiegelte sich auch in Mr. Morgans Büro wieder.
,, Bitte setzen sie sich doch, wollen sie einen Kaffee?'' Als sie die Frage bejahte, drückte er einen Knopf an seinem Schreibtisch und eine zierliche Asiatin betrat den Raum. ,,Akumi, sind sie bitte so lieb und bringen uns Kaffee? Und sorgen sie bitte auch dafür das wir ungestört reden können. Keine Unterbrechungen bitte.'' Die Frau mit dem Namen Akumi nickte kurz und keine Minute später, standen zwei Tassen und eine Kanne frischer Kaffee auf dem Schreibtisch. ,,Sie wissen sicher, wo mit ihr Vater sein Geld verdiente''? Richtete Darius Morgan, wieder das Wort an Mira. ,, Er war Architekt'', antwortete sie. ,,Ja soviel steht fest''. Mr. Morgan reichte ihr eine Akte. ,,Er war sogar ein ganz hervorragender Architekt. ohne ihn, gäbe es auch meine Kanzlei nicht.'' Darius lächelte Sie an. Mira blätterte durch die Akte. Entwürfe , Skizzen, eindeutig der Stil ihres Vaters. Liebevoll strich sie über die Blätter. ,,Er hat den Entwurf für unseren Zweitsitz in London gemacht und nun ist das Gebäude fertig. Es war ein groß angelegtes Bauprojekt dessen Ende er leider nicht mehr erleben durfte. Schmerzhafte Erinnerungen schossen Mira durch den Kopf.Die verregnete Nacht , der Anruf der das Leben ihrer Familie zerstörte. Sie sah die Bilder jener schicksalhaften Stunden wieder vor sich. Martin Konstantin wurde in einen schweren Autounfall verwickelt, den er anschließend drei Tage im Koma überlebte,ehe sein Herz aufhörte zu schlagen. Ihre Mutter hatte sich danach zurückgezogen und starb, ein Jahr nach ihrem Mann in Paris. Mira hatte keine Geschwister und war völlig allein zurückgeblieben. Sie hatte sich trotz allem gut geschlagen, bis...ja bis sie Alex kennenlernte. Ärgerlich verscheuchte sie den leidigen Gedanken an ihn. Die Stimme von Darius Morgan holte sie schließlich ganz aus ihrer Erinnerung.,, Ihr Vater, war nicht nur ein toller Architekt, er war auch ein enger Freund. Ich habe in seinem Auftrag gehandelt und möchte ihnen nun, ihr eigentliches Erbe nicht länger vorenthalten. Erbe? Mira hatte doch ihr Erbe bereits erhalten. Als sie fragend den Kopf hob, hielt ihr Darius Morgen einen Kontoauszug über 3,8 Millionen Doller unter die Nase. Mira stockte der Atem. Das war eine riesige Menge Geld. ,,Es stammt aus dem letzten Auftrag ihres Vaters und weil ich es ihnen erst ab ihrem 28. Lebensjahr in voller Höhe auszahlen darf, kommen die Zinsen noch mit obendrauf. Sie sind reich Miss Konstantin,''. Mira blieb ihm die Antwort schuldig, nahm einen Schluck Kaffee und verschluckte sich daran. Hustend schüttelte sie den Kopf, unfähig auch nur einen klaren Satz zu formulieren. Lachend klopfte ihr Darius auf den Rücken. ,, Gehts wieder?'' Und weil sie heute Geburtstag haben, fuhr er als Mira wieder normal atmen konnte fort, bekommen sie schon mal 500,000 Dollar im Vorraus. Herzlichen Glückwunsch. Ich benötige nur noch ihre zustimmende Unterschrift.'' Mira glaubte beinahe an einen Traum. Jetzt wo es ihr so schlecht ging, hatte das Schicksal das ihr bisher so übel mitspielte, eine neue Chance beschehrt. ihre Rechnungen konnten bezahlt werden und sie würde beruhigt, einem neuen Leben entgegen sehen. Einem Leben ohne Existenzängste und vor allem ohne Alex. Darius Morgan, hielt ihr einen Kugelschreiber hin und sie nahm ihn dankbar entgegen. Sie unterschrieb damit nicht nur die Entgegennahme des Geldes sondern ihr Ticket, in eine sorgenfreie Zukunft. Darius sprach noch einige Einzelheiten mit ihr durch und nachdem sie sich, anschließend verabschiedet hatte und ihr Glück immer noch nicht fassen konnte, begab sie sich zunächst zurück in ihre Wohnung.
Schon jetzt kamen ihr die Räume winzig und beengend vor. Sie nahm den Stapel mit den unbezahlten Rechnungen vom Tisch, hinterließ Alex noch eine kurze Notiz, dass sie nicht zurückkommen würde und kehrte nun endgültig, seiner Welt den Rücken zu. Sie nahm den erstbesten Bus nach San Franzisco City und checkte dort in einem Hotel ein. Heute Nacht, würde sie ruhig schlafen und morgen, nachdem sie ihre Schulden bezahlt hatte, mit dem Bau ihres neuen Lebens beginnen. Als Mira die Augen aufschlug war es bereits Tag und da der Zimmerservice dazu angehalten war, sie nicht zu wecken hatte sie lang und tief geschlafen. Mit einem Lächeln aufzuwachen , war beinahe schon Luxus. Bei Alex, gab es für sie schon lange keinen Grund mehr dafür ,überhaupt zu lächeln. Und wieder dieser leidige Gedanke. Mira verscheuchte ihn erneut und bestellte beim Zimmerservice ihr Frühstück. Nach einer Dusche und ausgiebig genossenen Blaubeerpfannkuchen, machte sie sich anschließend auf den Weg zur Bank. Sie erledigte ihre Geschäfte , zahlte ihre Rechnungen und gönnte sich hinterher einen ausgedehnten Shoppingspaziergang. Sie erstand ein paar neue Jeans und eine rote Bluse. Anschließend ging sie noch zum Frisör um ihren Look zu veändert. Eine dieser typischen Frauenmacken, die zu jenem unerklärlichem Mysterium gehörten, das die weibliche Spezies ausmachte. Gut gelaunt , aß sie in einem Restaurant zu Mittag und kehrte ins Hotel zurück. Für die nächsten Tage würde sie hierbleiben. Zeit zum nachdenken, wie es nun weitergehen würde, stand ihr ausreichend zur Verfügung. Als erstes würde sie ihren Job kündigen. Als Kellnerin, sah sie sich in Zukunft jedenfalls nicht mehr. Gegen Abend verließ sie das Hotel und fuhr mit dem Taxi zu der kleinen schmuddeligen Bar in der sie gearbeitet hatte und erklärte Jim, ihren genauso schmierigen Chef, dass er sich eine neue Vorzeige-Puppe suchen musste. Dieser war darüber nicht gerade erbaut und kündigte ihr an, dass sie schon heulend zurückgekrochen käme um ihren job wieder zu bekommen. ,, das wird von allen möglichen Szenarien das allerletze sein, welches du erleben wirst, Jim. '' warf sie ihm lachend an den Kopf. ,,Ich verlasse die Stadt in den nächsten Tagen und komme ganz bestimmt nicht zurück.'' Mit diesen Worten verließ sie die Bar und ging zurück zum Taxi. Sie hatte dem Fahrer angewiesen auf sie zu warten und mit Aussicht auf ein großzügiges Trinkgeld , tat der Fahrer gerne was sie verlangte.
Mira hatte das Taxi fast erreicht als sie Alex Stimme hörte. ,, Du wirst nirgendwo hingehen.'' Mit einem Ruck drehte sie sich um. Angst kroch in ihr hoch. Er hatte getrunken, so wie immer eigentlich und kam schwankend auf sie zu. ,, Bleib wo du bist'' hörte sie sich sagen.,, Ich werde von hier weggehen, ohne dich.'' Ein dreckiges Lachen war die Antwort. ,,Wo willst du denn hin? Glaubst du allen Ernstes ich würde dich gehen lassen?'' Er ließ seinen Blick über Miras Körper gleiten...''hast dich ja ganz schön aufgedonnert''. Mira suchte nach Worten, die ihn möglichst nicht noch mehr reizten. Er war bereits so nahe, dass sie seinen alkoholisierten Atem riechen konnte. Von dem Alex in den sie sich damals verliebt hatte, war ohnehin nichts mehr übrig und so beschloss sie einfach nur ehrlich zu sein. Ich habe etwas Geld bekommen und werde die Stadt verlassen. Ich dachte du hättest den Zettel gefunden, den ich dir hingelegt habe.?! Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.'' Die Rechnungen sind bezahlt und auch die Miete ist für ein halbes Jahr im Vorraus beglichen. Du kannst also solange dort bleiben. '' Alex's Gesicht nahm einen verschlagenen Ausdruck an. ,, Du hast also Geld, warum gibst du deinem lieben Alex nicht was davon ab?'' Mira versetzten diese Worte in Wut. ,, Hol dir was bei einer deiner ,,Ausrutscher'' schleuderte sie ihm entgegen.
,, Na warte du Hexe, so sprichst du nicht mit mir'' Alex griff nach ihr und sie wich aus. ,,Fass mich nicht an du versoffenes Schwein.'' Inzwischen hatte sich schon eine kleine Gruppe Schaulustiger vor der Bar versammelt. Angestachelt von seinem vermeintlichen Publikum, machte er erneut den Versuch nach ihr zu greifen, welchen sie, wieder vereitelte in dem sie sich zur Seite drehte. Alex stolperte und fing sich im letzten Moment. Die umstehenden lachten. ,,Ich werde jetzt gehen, leb wohl Alex, sagte Mira und drehte sich zum Taxi um. Sie schaffte es nicht mehr einzusteigen denn Alex war mit einem Satz bei ihr , riß sie an den Haaren nach hinten und knallte, das Gleichgewicht verlierend mit ihr zusammen aufs Pflaster. Dort packte er sie am Hals und würgte sie. Mira bekam keine Luft und wehrte sich mit Händen und Füßen. Die Panik verlieh ihr Kraft und es gelang ihr, ihn abzuschütteln. Im nu war sie auf den Beinen und stieg zitternd ins Taxi. Der Fahrer der ausgestiegen war, um ihr zu helfen, setzte sich augenblicklich wieder hinters Steuer. Er gab Gas und bog gerade auf die Straße ab als Mira den Knall hörte. Danach wurde es schwarz um sie herum. Alex hatte auf sie geschossen und sie am Kopf getroffen. Das letzte was sie hörte war seine hasserfüllte Stimme. ,, Das hast du dir selbst zu zuschreiben , niemand verlässt Alex Morris.''
Als sie aus ihrem komatösen Schlaf erwachte, wusste sie zunächst nicht wo sie sich befand. Grelles Licht stach ihr in die Augen, als sie versuchte diese zu öffnen. Schwindel erfasste Mira und sie dämmerte wieder weg. Wie im Traum kratzte eine bekannte Stimme an ihrem Bewusstsein. ,,Mira mein Kind, können sie mich hören?'' Das war doch Darius Morgan, wie kam der denn hierher ? Mira versuchte die Augen zu öffnen, vermochte es jedoch abermals nicht. ,, Mira wissen sie was mit ihnen passiert ist?'' Sie befinden sich im Sankt Anne's Hospital. '' Mühsam kämpfend versuchte sie erneut die Augen aufzumachen. ihr Kopf schmerzte entsetzlich und sie konnte sich nicht bewegen. Darius Stimme drang zu ihr durch. ,, Mira wollen sie leben? '' Was war denn das für eine Frage? Natürlich wollte sie das und doch kam es ihr so vor, als ob eben dieses Leben sie gerade Stück für Stück verließ und aus ihr herausfloss. ,, Mira, erneut diese eindringliche Stimme,, antworten sie mir. sie müssen nichts sagen , nur denken. ich höre sie trotzdem.'' Das Sankt Anne Hospital lag doch mitten in San Franzisko, wie kam sie hier her, was war passiert und warum bekam sie die Augen nicht auf? Ihr Körper schien ihr nicht zu gehören und war schwer wie Blei. Sie spürte wie sie ihn verließ und hörte wieder diese Stimme. ,,Bitte Mira , ihrem Vater zu liebe, antworten sie''...Ihr Vater? ,, Sie sterben, sie wurden in den Kopf geschossen, wollen sie leben?'' Schagartig zerriss der Schleier und die Schmerzen waren im selben Augenblick auch wieder zur Stelle. Alex...Sie wollte nicht sterben. Er durfte ihr das Leben was ihr zurückgegeben wurde nicht nehmen. Ja hauchte sie kraftlos, ich will leben. Sie spürte etwas feuchtes an ihren Lippen und der Geschmack in ihrem Mund wurde metallisch. Blut , konnte sie nur noch denken dann versank die Welt um sie herum wieder in Finsternis.
Warmes Kerzenlicht tauchte den Raum in unwirkliches Licht. Mira räkelte sich unter der Decke und suchte mit den Augen die nähere Umgebung ab. Ein fremdes Zimmer. Gemütlich und anheimelnd, aber eben fremd. Wo sie sich befand , war ihr eigentlich egal. Hier war es warm und kuschelig und das konnte so bleiben. Die Matratze unter ihr war weich und das Kissen auf dem ihr geschundener Kopf lag war herrlich anschmiegsam. Moment,...geschundener Kopf?? Vorsichtig tastete sie an ihrem Hinterkopf herum. Alles noch da wo es hingehörte. Eigenartig, hatte sie so schlecht geträumt? Leise knarrte die Zimmertür und Mira drehte ihren Kopf in die Richtung aus der das Geräusch kam. Darius Morgan betrat den Raum. Als er sah dass sie die Augen aufgeschlagen hatte , lächelte er. ,,Guten Morgen Mira. Haben sie sich erholen können? Irgendwie überraschte es Mira nicht, Darius zu sehen. Sie hatte seine Stimme gehört und nun stand er vor ihrem Bett. Was war in der Zwischenzeit passiert? Und was noch interessanter war , wie kam sie hier her?
Als Darius ihren fragenden Blick sah , lächelte er noch breiter und ging unmittelbar zum ,, Du'' über. ,,Ich erwarte dich unten in der Halle mein Kind. Dort ist jemand der dir deine Fragen beantworten wird ,soweit es um die Geschehnisse der jüngsten Zeit geht. Alles weitere werde ich dir dann erklären. Im Schrank befinden sich diverse Kleidungsstücke, such dir aus was dir gefällt und zieh dich an. Das Bad befindet sich gleich links von dir, falls du dich frisch machen willst.'' Mit diesen Worten verließ er sie und Mira hörte seine leisen Schritte auf der Treppe verklingen. Vorsichtig schob sie zuerst das eine und dann das andere Bein aus dem Bett. Soweit, sogut. Kein Schwindelgefühl oder ähnlich tückisches überfiel sie. Sie stand auf und auch jetzt, fühlte sie sich noch pudelwohl. Im besagten Schrank der wohl eher den Namen Ankleidezimmer verdient hatte, fand sie genug Klamotten für eine ganze Mira-Armee. Von der Unterwäsche bis hin zur Abendgarderobe befand sich alles mögliche darin. Und alles in ihrer Größe. Selbst Schuhe waren in allen Formen und Farben vorhanden. Mira wählte eine , schwarze Lederhose und ein dunkelviolettes seidiges Etwas, das sich bei der genaueren Betrachtung als Bluse herausstellte. Sie kleidete sich an und wusch sich im Bad das Gesicht. Der Spiegel warf ein verschwomenes Bild zurück aber das,schob sie auf ihre Augen. was immer auch mit ihrem Kopf passiert war, es musste heftig gewesen sein. Erinnern, konnte sie sich jedenfalls nur Bruchstückhaft. Sie schlüpfte in eine paar Kniehohe schwarze Stiefel und begab sich auf den Weg in die Halle.
Darius Morgan , eine ihr unbekannte ältere Frau und ein Mann, dessen Anblick augenblicklich Miras Erinnerungen auf die Sprünge half, hatten es sich in einer Sitzecke die aus zwei cremefarbenen Sesseln und einem Ecksofa in der selben Farbe, sowie aus einem schwarzen Tisch, der vermutlich auch aus Marmor bestand, gemütlich gemacht. Als Darius sie erblickte, stand er auf und winkte ihr zu, sich zu ihnen zu gesellen. Mira tat wie ihr geheißen und setzte sich neben den Taxifahrer auf das breite Sofa. Der Taxifahrer! Seine Anwesenheit irritierte sie gewaltig , hatte sie doch nicht die geringste Ahnung, wie die Dinge zusammenhingen. Die ältere Frau die sich ihr bald als Gloria Gregorian vorstellen sollte, wandte sich an Darius. ,, Sie ist wirklich außerordenlich hübsch, mein lieber. Und sie sieht ihrem Vater sehr ähnlich.'' Mira verstand immer weniger. Darius, der ihr die Ratlosigkeit wohl angesehen hatte, ergriff das Wort. ,, Du erinnerst dich an gar nichts , mein Kind?'' Mira zuckte mit den Schultern,, nur vage und in Bruchstücken. Ich kenne den Mann hier neben mir, er ist der Fahrer des Taxis in dem ich gesessen habe. Mir ist nur schleierhaft, warum ich darin saß. Irgendwas ist mit meinem Kopf passiert, Ich erinnere mich an grelles Licht und an ihre Stimme.'' Gloria warf Darius einen vielsagenden Blick zu, worauf dieser beinahe unmerklich den Kopf schüttelte. ,, Alles zu seiner Zeit''. Der Taxifahrer welcher bisher geschwiegen hatte, ergriff nun die Initiative. ,, Mein Name ist Carl Fletcher. Taxifahrer bin ich nicht immer. eigentlich bin ich der persönliche Chauffeur von Mr. Morgan. Ich wurde damit betraut, sie zu begleiten. Leider kam dann dieser unliebsame Zwischenfall, den wir nicht mit kalkuliert hatten.
Mira schaute immer noch ratlos drein. ,,Nachdem ich dich gefunden hatte mein Kind, wollte ich dem Wunsch deines Vaters nachkommen, und ein Auge auf dich haben. Deshalb habe ich Carl damit beauftragt, als Taxifahrer zu fungieren. Darius Morgans Miene verfinsterte sich. ,,Zurecht wie mir scheint. Dein ,, Freund Alexander...'' Er machte eine vielsagende Pause. ,,Er hat hinterrücks auf dich geschossen. '' Miras Erinnerungsvermögen kam in Bewegung. Alex, der Streit, sie war in der Bar um zu kündigen. Langsam fügten sich die Puzzleteile in ihrem Kopf zusammen. ,,Du lagst im sterben Kindchen und unser lieber Darius hier, hat dich gerettet.'' Gloria konnte nicht länger schweigen. ,,Du wurdest...'' sie suchte nach Worten. ,,Du wurdest verwandelt''.
Hatte die Frau den Verstand verloren? Mira schielte an sich herunter. Eine ganz normale junge Frau, keine Schuppen, keine Krallen, keine Hörner am Kopf, und ein Schwanz war ihr auch nicht gewachsen. Darius grinste. ,, Ich sagte doch, alles zu seiner Zeit'' An Mira gerichtet fuhr er fort, ,, Ich habe dich im Krankenhaus gefragt ob du leben willst. Ich brauchte deine Zustimmung für die Umwandlung. Du bist jetzt zwar immer noch Mira Konstantin, aber du bist doch anders. Horch in dich hinein , mein Kind.'' Mira fühlte sich wie vor den Kopf gestoßen. Sie lag im sterben? Sicher, sie wusste jetzt wieder was sich abgespielt hatte und sie erinnerte sich auch wieder an den Geschmack von Blut kurz bevor sie das Bewustsein verlor. Alex hatte auf sie geschossen. Sie hatte ihm viel zugetraut aber das, war selbst für ihn, ein bisschen zu heftig. Dann das grelle Licht, das Sankt Anne's Hospital, Darius Stimme in ihrem Bewusstsein. ,, Ihrem Vater zu liebe, wollen sie leben?'' Der Geschmack von Blut. Wessen Blut ? Ihr eigenes? Das war nach einem Kopfschuss sicher nicht unnormal. Irgendetwas sagte ihr jedoch das sie sich irrte. Außerdem hatte sie keinerlei Schmerzen, keine Verletzungen und fühlte sich körperlich in Topform. Das wiederum, war nach einem Kopfschuss nicht normal.
Eine Ahnung beschlich sie. ,, Das ist doch absurd '' , sagte sie zu sich selber. Das würde ja bedeuten..., nein, ich habe Darius am helligten Tag kennengelernt. Es ist unmöglich. Außerdem, gibt es so etwas nur im Legenden. Vorsichtig schaute sie auf und sah in lächelnde Gesichter. Verdammt was geht hier vor sich? Warum erschreckten solche Gedanken sie nicht und warum grinsten sie hier alle an? Mira fielen Geschichten ein, die ihr Vater ihr erzählt hatte wenn er sie abends ins Bett brachte. Geschichten über starke Wesen, über ihre Kraft ,ihre Ausdauer und die Fähigkeit Gedanken zu lesen. Waren deshalb alle so amüsiert? Laßen sie ihre Gedanken? ,,Hast du vorhin in den Spiegel gesehen?'' Gloria sah ihr forschend ins Gesicht. Das verschwommene Spiegelbild! ,,Willst du ein klares Bild von dir sehen?''Mira nickte. Gloria kramte in ihrer Tasche und beförderte einen Kristall, in der Größe einer Kinderfaust ans Licht. ,,Steh auf , Kindchen'' Mira gehorchte. Der Kristall fing an zu pulsieren wie ein Herz und gab einen schwachen Lichtschein ab der mit zittrigen Fingen über Miras Gestalt tastete. ,,Und jetzt sieh hin''. Gloria hielt den Kristall in Höhe von Miras Kopf. Vor ihr begann die Luft zu flackern. Ein Schemen wurde sichtbar aus dem sich nach und nach Miras Körper formte. Schließlich stand sie sich selbst gegenüber. Das schwarze, glänzende Haar fiel ihr in sanften Locken über die Schultern und in der Schwarzen Lederhose und der Violetten Bluse sah sie hinreißend aus. Make up war nicht nötig denn Mira schien von innen heraus zu strahlen. Ihr Gesicht wirkte ruhig und erhaben, und von der unsicheren jungen Frau, war keine Spur mehr zu entdecken. ,,Das bist du und so, wirst du von nun an aussehen. Hörte sie Glorias Stimme in ihren Gedanken. ,, Du wirst auch altern, aber um sehr viel langsamer als normale Menschen. Du wirst dich nicht mehr mit menschlichen Krankheiten infizieren, weil dein Immunsystem das nicht zulassen wird.Deine Sinne sind schärfer. Du hörst, siehst und riechst nun um einiges besser als Normalsterbliche. Deine Wunden heilen schneller, deine Kraft ist immens und alle natürlichen Instinkte, wurden verstärkt. Sagen wir einfach , du wurdest generalüberholt.''
Das Bild vor ihr flackerte noch einmal kurz auf und verschwand. Gloria überreichte Mira den Kristall. ,, Sieh es als Geschenk zur Wiedergeburt an, Kindchen. Ich heiße dich hiermit willkommen. Mira nahm zögernd den Kristall entgegen. Also stimmte ihre Vermutung. Darius der nun ebenfalls aufgestanden war zog sie in seine Arme. ,,Du wirst dich an alles gewöhnen mein Kind. Glaub mir bitte, dass ich es lieber gesehen hätte wenn du ein normales Leben hättest führen können. So jedoch blieb mir keine Wahl. Mira, ich hoffe du bist nicht böse auf mich.'' Sie hörte die ehrliche Sorge aus diesen Worten. Als er sie losließ und prüfend auf sie herunter sah, lächelte sie.
,,Danke , ich nehme das Geschenk an.'' Gloria umarmte sie nun ebenfalls herzlich und der Taxifahrer verbeugte sich.,, Es ist mir eine Ehre''.Mira konnte sich des Lächelns nicht erwehren. ,, Du musst allerdings auf die Sonne am Tag verzichten, zumindest die ersten Jahre, und deine Ernährung musst du umstellen. Du kannst zwar essen was du willst, aber Nährstoffe wirst du nur aus Blut ziehen können.'' Darius Stimme war ernst.
,,Daran werde ich mich wohl tatsächlich erst gewöhnen müssen.'' Sie grinste. ,, Genauso wie an den verschwommenen Fleck im Spiegel.,, Solange du den Kristall bei dir trägst, wird dein Spiegelbild normal sein. Gib gut auf ihn acht denn es ist nicht leicht diese Dinger herzustellen. Gloria klang eindringlich. Dann fuhr sie wesentlich gelassener fort, ''Schön, dass du es so aufnimmst , Kindchen. Andere wären, an ihrem Verstand zweifelnd, weggelaufen. Das zeigt mir, das Darius Entscheidung die richtige war. Auch wenn ich daran nicht gezweifelt habe , bleibt doch immer ein Restrisiko.'' Gloria hob warnend einen Zeigefinger und wirkte dadurch wie eine strenge Großmutter. ,, Du darfst aber unter keinen Umständen darüber sprechen was mit dir geschehen ist. Du musst wissen das wir nicht grundlos als Mytos angesehen werden.'' Das war einleuchtend. Niemand glaubte an die Existenz von Vampiren. Mira selbst, hatte es ja bis gestern, auch nicht getan.