Shadowborn, Das Blut der Ersten

Alexa Winter · Kapitel 5 von 6

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Shadowborn, Das Blut der Ersten

Kapitel 5 : Wertvolle Bande

Diejenigen, die ihre Wünsche unterdrücken, sind dazu in der Lage,

weil ihre Wünsche so schwach sind, dass man sie unterdrücken

kann.

William Blake

 

Der Tag wich bereits der Dämmerung, die sich wie ein samtenes violettes Band, dass sich an den Rändern bereits dunkelblau färbte , über den Himmel schlich. Über den östlichsten Dächern der Stadt funkelten bereits die ersten Sterne. Maric, der noch immer ergriffen war von der Ehrlichkeit, mit welcher ihm Darius die Geschichte über den Werdegang der Vampire erzählt hatte, lehnte am Kamin und ließ noch mal die letzten eineinhalb Stunden, Revue passieren. Er hätte von sich selbst, nicht geglaubt, dass er es so leicht hinnehmen würde, dass es Vampire gab. Darius Worte waren über jeden Zweifel erhaben und er hatte, mit einer gewissen Trauer in der Stimme gesprochen, die den Wahrheitsgehalt nochmals unterstrich. Nun war er ein Initiierter, genau wie sein Vater und die Bedeutung dessen, erschloss sich ihm ,nach und nach. Darius hatte ihm ebenfalls erzählt dass er nur aufgrund seines Blutes in Paris entführt wurde und dass, er gestorben wäre, hätte Mira nicht so selbstlos gehandelt. Er verschwieg ihm kein einziges Detail. Maric wusste jetzt genausoviel wie Andrew, Colin und Mira. Lucius klärte ihn anschließend, unter dem Mantel der absoluten Geheimhaltung, über die Organisation der Grauen auf. Mira hatte ihnen diesen Namen kurzerhand verpasst, weil sie es leid war, immerzu Organisation sagen zu müssen. Und die Bezeichnung passte perfekt wenn man bedachte, dass so gut wie nichts, über sie bekannt war. Maric wusste jetzt, über den Verstoß gegen das Gesetz des Rates, seitens Tajan Woijczaks ebenso Bescheid, wie über Alexander Morris, den Vampir den es nicht geben sollte. Er rechnete sich aus , wie groß die Gefahr die von Alex ausging, wohl tatsächlich war. Das Ergebnis gefiel ihm ganz und gar nich. Maric hasste es beschützt werden zu müssen. Ihm war es lieber wenn er eine Situation selber unter Kontrolle hatte. Darius kam mit weit ausgreifenden Schritten auf ihn zu. Bisher hatte er mit Mira gesprochen und da diese nirgendwo zu sehen war, ging Maric davon aus dass sie sich in Darius's Auftrag um irgend etwas wichtiges kümmerte. Erwartungsvoll sah Maric seinem Chef entgegen. ,, Wie schnell kannst du dein wichtigstes Habe zusammenpacken ?'' Maric guckte reichlich dumm aus der Wäsche, da er keine Ahnung hatte, was Darius ihm damit sagen wollte. ,, Oh verzeih mir, mein Junge, du weißt es ja noch gar nicht. Wir haben über deinen Kopf hinweg eine Entscheidung getroffen. Sei uns bitte nicht böse, aber du wirst vorläufig bei Mira wohnen. Wir halten es für das Vernünftigste, weil sie es ja auch ist, die dich beschützen soll. Der Vorschlag kam von Lucius. Da Miras Zimmer hier, als Gästezimmer für ihn herhalten muss, und er hier nützlicher ist, weil er die Verbindung zu den Grauen herstellen kann, halten wir es für das Beste. Irgendwelche Einwände? Maric schüttelte den Kopf, viel zu perplex um irgendetwas zu sagen. Offenbar war sowieso alles schon beschlossen worden und in Miras Nähe fühlte er sich wohl. Wie sie über diese Entscheidung dachte, würde er wohl spätestens, durch Andrews Sticheleien, erfahren. So wie es aussah könnte er seine Zeit durchaus unangenehmer verbringen. ,,Wo ist sie denn''? Die Frage brannte ihm förmlich auf der Zunge. ,,In der Vorratskammer. Sie sagt sie will nicht bis morgen warten , bis sie ihre Pfannkuchen bekommt. Offenbar ist die Gier, stärker als die Angst davor, dass sie misslingen könnten.'' Darius grinste verschwörerisch. ,,Noch einen Tipp? Irgendwas, dass ich bei ihr beachten muss? Themen, die ich vermeiden sollte?'' Maric fühlte sich ein wenig unbehaglich. ,, Nein , mein Junge. Nimm sie einfach so an wie sie ist, dann wirst du gut mit ihr auskommen. In ihrem Haus findest du alles was du benötigst. Morgen abend sehen wir, was wir in Punkto Stärke bei dir machen können. Ich glaube kaum, dass es gut für dein Ego ist, wenn dich Mira die ganze Zeit beschützt. Wir haben Dank der uns eigenen Technologie, einige nette Spielzeuge. Wir werden ganz sicher, etwas brauchbares für dich finden.

Hätte ihm Darius außer dem Hinweis auf ihren Weinkeller, auch eine Beschreibung von Miras Zuhause gegeben, seine Begeisterung wäre wahrscheinlich trotzdem mit ihm durchgegangen. Jetzt stand er fasziniert vor dem künstlich angelegten kleinem See, im Inneren des Grunstückes, und bestaunte den Wasserfall. Mira stand indessen in der Küche und versuchte sich in ihrem Potenzial als Köchin. Da dieses zwar vorhanden war aber das Resultat weder geschmacklich noch optisch ihren Erwartungen entsprach, räumte sie ihre Kochuntensilien schließlich in den Geschirrspüler, warf die unansehlichen Blaubeerversuche in die Mülltonne und wählte die Nummer des Pizzaservices. Wenigstens Maric, sollte was vernünftiges zu essen bekommen. Was sie betraf, so war sie von vorhin noch gesättigt denn Carl, hatte ausreichend für alles gesorgt. Nachdem sie den Geschirrspüler angestellt hatte, beschloss sie nach Maric zu sehen. Anfangs hatte er ein wenig linkisch im Weg gestanden so als wüsste er nicht wohin mit sich. Das war wahrscheinlich auch der Grund, weshalb er ihr Angebot, das Haus zu erkunden, dankbar angenommen hatte. Sie verstanden sich zwar gut, aber fürs erste hier wohnen zu müssen, schien ihm nicht sonderlich zu behagen. Die Gefahr , die von der Tatsache ausging,dass Alex sein Unwesen irgendwo da draußen trieb und das Nichtwissen, was er als nächstes vorhatte mussten schon anstrengend genug für Maric sein. Nun wurde er auch noch unter ihre Obhut gestellt mit dem Wissen, dass Sie, ihn beschützen sollte. Das konnte für einen Mann nicht leicht sein und für einen Mann wie Maric schon gar nicht. Eigentlich war er mit seinen breiten Schultern, genau der Typ auf den Frauen flogen, die beschützt werden wollten. Völlig egal ob es nötig war oder nicht. Doch von solchen Egoschmeicheleien ,musste er sich wohl oder übel erstmal verabschieden. Mira suchte zuerst dort, wo sie ihn zuletzt gesehen hatte. Doch der See glänzte verlassen vor sich hin. Auch als sie den Lilienweg entlang lief, konnte sie keine Spur von Maric entdecken. Da es mittlerweile schon graute und die ersten Sonnenstrahlen auch nicht mehr lange auf sich warten lassen würden, und die Müdigkeit ihr nun doch etwas zusetzte beeilte sie sich besser, ihn zu finden. Sie wollte nicht schlafen gehen ohne noch einige notwendige Sachen mit ihm durchgesprochen zu haben. Sie fand ihn schließlich im Weinkeller. Warum ihr diese Idee nicht eher kam, konnte sie sich auch nicht erklären. Immerhin wusste Maric bereits von Darius dass sie einen solchen besaß. Hingebungsvoll betrachtete er die teilweise schon 90 jahre alten Flaschen im Regal und überprüfte die Versiegelungen der Korken. Im Moment schien ihn ihre Flasche Chatau Latour von 1934 sehr zu beschäftigen. diese stammte noch von Darius und war schon lange, vor ihrer Zeit hiergewesen. Er hatte sie ihr , wie alles in der Villa, die einst ebenfalls ihm gehörte einfach überlassen. Sie kam selten hier herunter. Nicht nur dass sie keinen Alkohol trank und auch alter Wein sie nur mäßig interessierte, sie hatte auch sonst keine Veranlassung dazu gesehen, in den staubigen Gewölbekeller herumzuturnen. Dieser war das einzige an dem ganzen Gebäude, an dem noch nicht herumgebaut wurde. Alles was darüber lag wurde in den letzten 50 Jahren ständig modernisiert. Die letzte Baumaßnahme, war allerdings erst 5 Jahre her und Mira erinnerte sich noch mit Grauen an den Lärm und den ganzen Dreck. Sie rümpfte bei diesem Gedanken unwillig die Nase. Irgendwie war es Maric gelungen, sich von der Flasche loszureißen und Mira zu bemerken. Sie bat ihn mit nach oben zu kommen weil der von ihm aufgewirbelte Staub, ihr in der Nase kitzelte. Maric legte vorsichtig die Flasche zurück ins Regal und folgte ihr ins Wohnzimmer. Er wirkte etwas schuldbewusst und ehe er sich, tatsächlich bei ihr für das Anfassen ihrer Weine entschudigte, nahm sie ihm diesbezüglich den Wind aus den Segeln. Es mochte Leute geben die dies, als Hochverrat ansahen, doch sie, gehörte ganz sicher nicht dazu. Man sah ihm den Stein, der von seinem Herzen fiel förmlich an, was Mira zu einem Grinsen veranlasste. Marics Anwesenheit hier, hatte tatsächlich etwas für sich. ,, Ich werde gleich schlafen gehen'' erklärte sie ihm lächelnd ,,bitte sei so gut und lass die Jalousien hier überall geöffnet. Es ist eine reine Sicherheitsmaßnahme. Wir wissen nicht was Alex plant, aber in einen von Licht durchfluteten Raum wird auch er nicht eindringen. Sobald die Pizza, die ich für dich bestellt habe da ist, bin ich bis heute Nachmittag gegen 17.00 Uhr verschwunden. Bitte weck mich wenn es nötig wird. Die Ersatzschlüssel hab ich dir bereits rausgelegt aber ich vermute, dass du sie wohl auch nicht brauchen wirst. Du siehst müde aus Maric.'' Als wäre es ihm gerade selber bewusst geworden, unterstrich Maric ihre Worte, mit einem herzhaften Gähnen. Er streckte sich und stellte dabei fest, dass er auf der Stelle einschlafen könnte. Er hatte das Gästezimmer des Hauses bezogen und falls es sich tatsächlich als notwendig erweisen sollte, schlief Mira nur zwei Türen weiter, auf der gegenüberliegenden Seite des Flures. Als der Lieferdienst schließlich die Pizza brachte, aß er nur zwei Stücken davon und stellte den Rest in den Kühlschrank. Er konnte sie später, immer noch in der Mikrowelle aufwärmen. Jetzt jedoch, brauchten sie beide erst mal Schlaf. Mira verschloss die Tür mit dem Sicherheitsriegel und stieg die Treppe hoch, die zur 1. Etage und damit auch, in ihr heiliges Reich führte. Gähnend schloss sie die Vorhänge und kletterte aus den Klamotten. Keine 10 Minuten später befand sie sich schon im schönsten Schlummer, während Maric in seinem vorläufigen Heim, an die Decke starrte und nicht so recht einschlafen konnte. Er wusste nicht warum doch seine Gedanken kreisten immer wieder um Mira. Es war ihm rätselhaft, wie eine Frau, ihn derart in ihren Bann schlagen konnte. Maric kannte einige Exemplare der weiblichen Spezies, teils beruflich und zum Teil privat. Doch noch keine, hatte ihn so fasziniert wie Mira. Es lag nicht daran was sie war, sondern viel eher an ihrem Wesen. Ihr unkomplizierte offene Art und ihre innere Gelassenheit, machten es ihm beinahe unmöglich nicht an sie zu denken. Die Art wie sie ihre rechte Braue hochzog wenn sie etwas in Frage stellte, oder das leichte Lächeln dass sie in seiner Gegenwart stehts auf dem Gesicht hatte. Sie mochte ihn, das stand außer Frage doch, was bedeutete das für ihn? Er war nur ein stinknormaler Mensch, während sie ein Vampir war. Als er sich bei diesem Gedanken erwischte, scheuchte er ihn ärgerlich beiseite. Es war nicht gut, darüber nachzugrübeln, was sein könnte, denn sie hatten weiß Gott, andere Probleme. Maric schloss die Augen und versuchte zu schlafen. Als es ihm schließlich gelang und er langsam wegdämmerte, tat er das mit dem Gedanken an ein paar nachtblaue Augen.

Colin lief ruhelos in der Bibliothek auf und ab. Das plötzliche Auftauchen von Alex ließ ihm keine Ruhe. Andrew war der Ansicht , dass sie die Situation nicht zu sehr überbewerten sollten, da von Alex keine sonderliche Gefahr ausging. Colin jedoch, teilte diese Meinung nicht und auch Lucius schien die Dinge anders zu sehen. Vielleicht lag es nicht an Alexander selbst, doch irgendetwas sagte Colin dass dieses, ganz und gar nicht zufällige Treffen, nur der Auftakt zu etwas andrem war. Und in dem Punkt war auch Darius ihrer Ansicht. Colin spielte vor seinem inneren Auge mehrere Situationen durch, kam aber zu keinem schlüssigen Ergebnis. Er musste mehr über diese Organisation der Grauen wissen. Dazu musste er zuerst einmal mit Lucius reden. In ihm, hatte er einen wertvollen und vor allem verlässlichen Partner gefunden. Der schwarzhaarige Ire, hatte ihn schon an der Uni fasziniert und Colin konnte ihm stundenlang lauschen, wenn er einen seiner Vorträge hielt. Es dauerte nicht lange bis die beiden sich anfreundeten. Colins künstlerische Natur, erlaubte es ihm, vieles aus der Sicht seines Mentors zu sehen. Wenn Lucius sprach, hing er fasziniert an dessen Lippen und in seinem Kopf, formten sich die Worte zu lebhaften Bildern. Ihre Zuneigung für einander hatten sie kurz darauf auf einem Uni-Ball entdeckt und alles weitere, entwickelte sich im Lauf der Zeit. Inzwischen waren sie bereits viele Jahre ein Paar und da die Zeitspanne eines Vampir Lebens, sehr lange andauern konnte, wählte man mit Bedacht einen Partner, dessen Seele, mit der eigenen im Gleichklang war. Die aktuellen Geschehnisse waren höchst beunruhigend und er musste einfach die Meinung seines Freundes dazu hören. Colin klopfte an der Tür und trat ein. Miras Zimmer war viel größer als das von Colin und eher zweckmäßig eingerichtet , da sie von sich aus auf Kitsch, jeglicher Art verzichtete. Daher war es bestens geeignet, um Lucius als Quartier zu dienen, solange er sich hier aufhielt. Im Augenblick stand er vor Miras Bücherregal und nickte anerkennend.,,Deine kleine Schwester hat einen guten Geschmack wenn es um Bücher geht.'' Leider kann man das von ihrem Geschmack bei Männern nicht gerade behaupten'', pflichtete Colin ihm bei. ,, Ich habe mich bemüht irgend etwas anziehendes bei ihm zu finden , aber Fehlanzeige. Ich spüre nur Kälte, Arroganz und Bosheit.'' Lucius trat an seinen Freund heran und legte ihm die Hand auf den Arm. ,, Ich kann sehr gut nachvollziehen was du meinst. Ihm fehlt Seele und die Fähigkeit irgend jemand anderen zu lieben als sich selbst. Und du mit deiner emphatische Ader, musst für sowas ja empfänglich sein.'' Colin nickte und fuhr sich nachdenklich durch die Haare. ,, Darüber wollte ich sowieso mit dir sprechen. aber zuerst brauche ich einen Drink. '' Lucius ging rüber zu der winzigen Hausbar und hielt triumphierend eine Flasche irischen Whiskey hoch. Colin grinste. Lucius schenkte zwei Gläser etwa Fingerbreit ein und fischte Eiswürfel aus dem Gefrierfach. Nachdem er Colin eins davon in die Hand gedrückt hatte, setzten sie sich auf Miras Violettes Sofa.,, Ich verstehe es einfach nicht, obwohl man ihm ja eine gewisse Atraktivität zugestehen muss. Dieser Typ ist aalglatt und Mira hat so ein sanftmütiges Wesen und obendrein, ist sie noch intelligent. Wie konnte sie auf sowas, wie diesen Schmierenkomödianten hereinfallen?'' Colin schüttelte den Kopf um seinen Worten, Nachdruck zu verleihen.,,Du hättest sein Gesicht sehen müssen als er Mira angesehen hat. Er hat sich richtig an ihrem Erschrecken erfreut. Gut, das sie sich so unter Kontrolle hat und Alex, sehr schnell zu vertehen gab, dass sie nicht interessiert ist''. Colin verzog die Mundwinkel zu einem Lächeln, aus dem der Stolz auf Mira sprach. ,,Andrew hat mir von der Tracht Prügel, die Alexander auf der Brücke von ihr kassiert hat erzählt. ''Lucius lächelte ebenfalls. ,, Was sagte er doch gleich? Niemand verlässt Alexander Morris? Ja, ich glaube diesen Zahn, hat sie ihm gezogen.'' Beide lachten. ,, Nichts desto trotz müssen wir auf der Hut sein. Ich glaube nämlich nicht, dass er das einfach so hinnehmen wird. Ein Ego-Arschloch wie der, wird das als Demütigung empfinden und sich rächen wollen. Colin wurde wieder ernst. ,, Kannst du mir denn irgendwas erzählen?'' Diese Organisation ist zwar geheim aber du bist doch in die groben Geschehnisse dort eingeweiht oder nicht?'' Lucius sah ihm in die Augen. ,,Ein bisschen was kann ich dir tatsächlich sagen , aber über den Rest,muss ich leider schweigen.'' Colin nickte. ,, Was wir wissen, ist dass Tajan hinter all dem steckt. Er hat Mira damals in Paris nicht nur geholfen weil er seine eigenen Ziele verfolgt hat obwohl er letzteres gut zu verbergen wusste. Außerdem, bin ich mir ziemlich sicher, dass er euch tatsächlich mochte. Dummerweise ist ihm die Gier zu Kopf gestiegen und Darius Blut stellt nun mal einen Schatz von unvergleichlichen Wert für seinen Besitzer dar. Stell dir vor, Du würdest einen Krieg gewinnen wollen. Was bräuchtest du ? '' Colin sah ihn fragend an, denn er konnte mit dieser Aussage nicht all zuviel anfangen. ,, Waffen'' sagte er verunsichert, ,,Waffen und Soldaten.'' Ganz genau, und umso besser wäre es doch, wenn man beides miteinander kombinieren könnte'',schloss Lucius die Erklärung. Auf Colins Gesicht zeichnete sich langsam aber sicher Verständnis ab.,, Du willst mir also sagen, dass Tajan vorhat, eine Armee zu erstellen? Er schafft sich eine Vampir- Armee aus Vaters Blut? Lucius trank einen Schluck Whiskey ehe er antwortete.,, Alexander ist nur der Anfang ,fürchte ich. '' Fakt ist, Tajan muss ihn gekannt haben. Ich glaube nicht , dass er durch bloßen Zufall, ausgerechnet Alex gewandelt hat. Da steckt mehr dahinter und das bringt mich zum Letzten Punkt. ,,Was hat er vor.''Das MIra keine Schlüsselrolle spielt und Darius Blut ,nicht nur Mittel zum Zweck ist, glaube ich nicht.'' Ich werde mich mit meinem Freund, in der Organisation in Verbindung setzen. Die Tatsach, dass der Rat es akzteptiert, dass er mich mit nötigen Informationen versorgt zeigt mir, dass sie sich selber nicht schlüssig sind, wie sie auf diese neue Bedrohung reagieren sollen.

Maric wälzte sich unruhig hin und her. Die Schweißtropfen auf seiner Stirn deuteten darauf hin, dass er schwer mit einem Alptraum zu kämpfen hatte. Mira hatte ihn über den Flur bis zu ihrem Schlafzimmer hin, schreien hören und war alarmiert aus dem Bett gesprungen und in ihren Hausmantel geschlüpft. Normalerweise mochte sie das Ding nicht ,aber es war ein Geschenk von Lilia. Nun stand sie vor Maric's Bett, unschlüssig wie sie reagieren sollte. Sie hatte solche Situatonen mit Darius durchlebt. Kurz nachdem er aus der Gefangenschaft der Wolcziaks befreit wurde, häuften sich solche Träume und dieser Zustand, zog sich beinahe ein Jahr hin. Immer wieder wachte er schweißgebadet, aus einem unruhigem Schlaf auf, nur um danach wieder in noch unruhigeren Schlaf zu fallen. Mira hatte neben ihm gewacht und nach Lilia rufen lassen wenn es ganz schlimm wurde. Darius und seine Frau, waren seit fast zwei Jahrhunderten liiert und standen sich sehr nahe. Sie stellte die zweite Hälfte seiner Seele und seines Herzens dar. Vampire, haben übrigens genauso eine Seele wie alle anderen Wesen auch. Es wäre also absoluter Schwachsinn zu glauben, Vampire wären einfach nur Untote , ohne die Fähigkeit zu lieben.Wenn man ihre Langlebigkeit berücksichtigt, käme einem das Leben ohne den passenden Partner doch recht einsam vor. Lilia war jedenfalls Darius's Seelenstern und vervollständigte ihn damit. Mit ihrer Hilfe gelang es Mira , ihn immer wieder zu beruhigen und für erholsamen Schlaf zu sorgen, bis die Alpträume schließlich aufhörten. Nun beobachtete sie Maric und fragte sich was wohl in ihm vorging. Sein Atem ging unregelmäßig und hastig, so als laufe er vor irgendetwas davon. Sanft griff sie nach seiner Hand um ihm zu zeigen, dass er nicht alleine war. Es dauerte tatsächlich nicht allzu lange, bis er wieder ruhiger atmete. Mira setzte sich neben ihn und strich ihm eine Haarsträhne aus der schweißnassen Stirn. Maric's Lider zuckten. Er träumt noch immer, dachte sie und betrachtete sein Seitenprofil. Er war unrassiert, was seinem Aussehen etwas abenteuerliches gab. Seine blonden Haare ringelten sich feucht auf den breiten Schultern. Er würde gut in die Werbung für einen Surfunterricht passen, fand Mira und erwischte sich dabei, sich vorszustellen,wie Maric in Badeshorts, mit dem Surfbrett unter dem Arm in die Brandung rannte. Der Sand auf seiner Haut, wurde von den Wellen abgewaschen und er lachte und winkte ihr zu. Ein leises Stöhnen, riss sie aus ihren Gedanken. Maric bewegte sich und erwiederte den Druck ihrer Hand. Noch öffnete er jedoch nicht die Augen. Es würde jedoch nicht mehr lange dauern bis er wach wurde also versuchte sie, jetzt da der Alptraum vorrüber war, ihre Hand aus seiner zu lösen. Dieses Unterfangen, stellte sich jedoch als schwieriger heraus als sie dachte. Maric gab ihre Hand nicht frei sondern drehte sich ohne sie loszulassen auf den Rücken. Dabei zog er sie ein Stück mit und beinahe, hätte sie das Gleichgewicht verloren. Nun stand sie über ihn geneigt, um Balance kämpfend, ihre linke Hand in seiner Rechten und kam ihm damit näher, als beabsichtigt. Nun war sie froh, dass sie noch schnell den Hausmantel übergeworfen hatte. Maric könnte auf, wer weiß was für Gedanken kommen wenn sie halbnackt über ihn gebeugt stand. Das war auch der Augenblick, in dem Maric die Augen aufschlug. Mira stand keinen halben Meter über ihn gebeugt und schaute ihm direkt ins Gesicht. Verwirrt schloss er die Augen gleich wieder um sie dann erneut zu öffnen. Wenn dass, das Ende seines Alptraums war, dann wollte er nicht wachwerden. Er hatte ihre Anwesenheit gespürt und nun war sie da, ihre Hand in seiner und...Moment, ihre Hand? Warum hielt er ihre Hand? Er sah sie lächeln und sein Herz, drohte für einen Augenblick auszusetzen. ,,Was ist passiert ?'' fragte er verwirrt.,, Du hast im Schlaf geschriehen, also hab ich nach dem Rechten gesehen. Ich hab dir die Hand gedrückt weil das, bei Darius auch immer geholfen hat, als er Alpträume hatte. Ich konnte ja nicht ahnen, dass du so eineinnehmendes Wesen hast, und sie nicht zurückgibst'' fügte sie mit einem Augenzwinkern hinzu. Jetzt erst wurde ihm bewusst dass Mira sich nicht freiwillig in dieser Position befand und gab, eine Entschuldigung murmelnd, ihre Hand frei. ,, Ich hatte einen Alptraum'', stellte er überflüssiger Weise klar. Tut mir leid wenn ich dich geweckt habe.'',, Ich hoffe du hast nicht von mir geträumt''. Mira grinste. ,, Doch das habe ich, aber erst ganz zum Schluss.'' Gab er ebenfalls grinsend zurück. Er hatte das Blitzen in ihren Augen, bei diesen Worten sehr wohl gesehen. ,, Aus dir wird noch ein zweiter Andrew'' ,schlug sie diesen Ball zu ihm zurück. ,,In 5 Minuten gibts was zu futtern, ich koche Kaffee. Komm runter wenn du soweit bist. '' Mira zog sich den dünnen Stoff des dunkelvioletten Mantels enger um die Schultern und stolzierte betont lässig zur Tür. Dann drehte sie sich noch einmal um lächelte ihn an und ließ ihn allein. Maric setzte sich auf. Kopfschüttelnd schwang er die Beine über den Bettrand und überließ sich einen Moment seinen Gedanken. Mira hatte ihn gerettet. Vor furchterregenden Bildern und vor Alex, der immer wieder in Marics Träumen auftauchte und ihn zu verfolgen schien. Erst als er Miras Präsenz spürte, verflog der Schrecken des Traumes und machte Frieden und Wärme, platz. Mit einen Seufzer, stand er schließlich auf. Offenbar war er gerade im Begriff, etwas fürchterlich dämliches zu tun und hoffte, dass dieses Gefühl der Zuneigung, zu Freundschaft wurde. Schon jetzt, war sie ihm zu wichtig, als daß er das jemals aufs Spiel gesetzt hätte. ,,Ich werde wohl langsam verrückt, dachte er und schob alles auf den Umstand, dass er ihr hier, so nahe wahr. Wie das Ganze, sich allerdings in Zukunft gestalten sollte, daran wollte er jetzt nicht denken. Maric ging ins Bad und stellte die Dusche an. Er brauchte einen freien Kopf und kaltes Wasser wirkte bekanntlich Wunder.

Unterdessen suchte Andrew nach seinem Bruder. Eigentlich hätte ihm klar sein müssen, dass er sich bei Colin aufhielt doch seine Gedanken kreisten um den Zwischenfall mit Alex. Tajan hatte von Anfang an gelogen. Ihm ging es damals nicht um die Rettung von Darius. Er hatte es einzig und allein auf das Blut abgesehen. Warum er nicht ihn, oder Colin entführt hatte, lag auf der Hand. Erst in einem bestimmten Alter entwickelten sich die Fähigkeiten eines Vampirs zu ihrer Vollendung und die Brüder waren einfach zu jung. Lilia's Blut kam nicht in Frage. Sie war zwar ebenfalls fürchterlich stark aber nur mit dem Blut eines männlichen Vampirs der alten Linie, konnten Menschen gewandelt werden. Und ließ man alles andere außer Betracht , kam man nur zu einem Ergebnis, was Tajan mit dem Blut seines Vaters vorhatte. Alex war erst der Anfang und weitere würden folgen. Wie Tajan auf Alexander Morris gestoßen war, blieb Andrew zunächst ein Rätsel. Nach seiner Zeit im Gefängnis, verlief seine Spur im Sand. Außerdem musste Tajan, Mira vorher bereits beobachtet haben. Schon zu ihrer Zeit als Mensch. Er musste es unbedingt herausfinden und dazu brauchte er Miras hilfe und den klugen weitsichtigen Rat seines Bruders. Wie auf ein geheimes Komando hin, hörte Er plötzlich eine Tür schlagen und die aufgeregten Stimmen von Lucius und Colin, die ihm entgegenkamen. Nun, er hätte es wie bereits gesagt, ahnen müssen. Als Colin seinen Bruder sah, steuerte er sofort auf ihn zu. ,, Lucius hat gerade mit seinem Informanten gesprochen. Wir wissen wo sich Vaters Blut befindet. Ich unterrichte Dad, und du kommst mit Mira im Schlepptau in einer halbe Stunde in die Bibliothek. Andrew's Antwort bestand nur aus einem knappen Nicken und schon war er aus der Tür. Es war jetzt 17.30, Mira sollte also bereits wach sein. Er schwang sich in seinen Alpha und fuhr los. Er hätte die kurze Strecke auch zu Fuß zurücklegen können aber es galt, so wenig Zeit wie möglich zu verlieren. Wenige Minuten später stand er vor Miras Tür und drückte die Klingel bis zum Anschlag durch. Mira sah erstaunt auf und lugte durch den Spion. Grinsend öffete sie schließlich die Tür und Andrew stürmte an ihr vorbei in die Küche, goß sich einen Kaffee ein und setzte sich zu Maric an den Tisch. ,, Gut dass ihr bereits wach seit. es gibt Neuigkeiten über den Verbleib von Vater Blut.'' Er machte eine beteutungsschwangere Pause, ehe er fortfuhr. ,, In 25 Minuten soll ich mit dir in der Bibliothek antanzen. Befehl vom Kleinen.'' Dabei grinste er zwar, doch Mira wusste nur zu gut, dass er die Sache sehr ernst nahm. ,, Versuch meine Zeit zu stoppen'', rief sie ihm zu, während sie die Treppen hoch rannte. ,,Und was ist mit dir? Kommst du mit oder willst du hier auf sie warten? Kann spät werden'' fügte er schmunzelnd hinzu. ,, Ich bin schon groß'', konterte Maric. Ich kann auch gut auf mich alleine aufpassen. Außerdem steh ich euch nur ungern im Weg und Mira, kann mir ja später die Einzelheiten erklären.'' Er musste ein wenig Abstand zu ihr gewinnen um wieder zu klaren Gedanken fähig zu sein. ,,Ganz wie du willst.'' Andrew musterte ihn nachdenklich. So wie Maric, Mira ansah wenn er sich unbeobachtet glaubte, musste sie dem Ärmsten ganz schön zusetzen. Ein klein wenig Mitleid hatte er schon, ließ es sich aber nicht anmerken. Sein ,,Schwesterlein'' war schon ein heißer Feger. Das einem Mann da ganz anders werden konnte, konnte er nachvollziehen. Ihm selbst, ging es mit Yumi Kasarugi vom Shimoto -Clan nicht unähnlich doch dass, war eine andere Geschichte. Außerdem war Yumi ein Vampir und er ebenfalls, was die Sache für ihn zwar nicht einfacher, aber objektiver machte. Maric hingegen, war Mira verfallen. Andrew sah es ganz deutlich und laß es ungeniert in seinen Gedanken. Auch wenn Maric selber sich das nicht eingestehen wollte, die Zuneigung zu Mira, trieb ihn an den Rand des Wahnsinns. Das konnte nur nach hinten losgehn. ,,Armes Schwein'', dachte er. Unterdessen war auch die Unruhestifterin wieder eingetroffen und nach ein paar kurzen Erläuterungen, brachen sie schließlich auf. Maric ließ sich aufs Sofa fallen und atmete erleichtert auf. Wenn Mira nachher zurückkam, würde er die Kontrolle über seine Gedanken hoffentlich wieder zurückerlangt haben.