Shadowborn, Das Blut der Ersten

Alexa Winter · Kapitel 2 von 6

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Shadowborn, Das Blut der Ersten

Kapitel 2 :der Auftrag

Wir greifen nach dem Tod, am Ende der Kerze, suchend nach etwas,

das uns längst gefunden hat.

Jim Morrison (the Doors)

 

Mira schlenderte über die Promenade zum Anwesen der Morgans. Ihr eigenes Haus lag aus Sicherheitsgründen nicht weit entfernt und 5 Minuten Spaziergang, taten ihr gut. So konnte sie nachdenken und das Geschehene nochmal Revue passieren lassen. Baronin Mira Konstantin, Beauftragte des Rates, wie seltsam das doch alles klang. Sie würde wohl eine Weile brauchen um es endgültig zu realisieren. Sie war jetzt 57 Jahre in Menschenjahren gerechnet und damit, ein Frischling unter den Vampiren. Was in der einen Welt, als perfektes Alter für einen solchen Rang galt, war in der anderen eine Seltenheit. Normalerweise musste man hier, 250 Jahre auf dem Buckel haben, um überhaupt in Erwägung ziehen zu können, dass einen der Rat anerkannte. Offenbar meinte das Schicksal es gut mit ihr. Als Vampir hatte sie gelernt, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Sie konnte die Gedanken der Menschen lesen wenn sie sich konzentrierte. Davon machte sie zwar selten Gebrauch aber hin und wieder, war die Neugier stärker. Außerdem, war es ja auch außerordendlich praktisch. Gerade in ihrem Job als Bodyguard, konnte man Informationen , seien sie nun unfreiwillig geliefert oder nicht, immer gut gebrauchen. Manchmal dachte sie noch zurück an ihre Zeit als Mensch. An Ängste, die sie jetzt nich mehr berührten und an Alex. Seit ihrer Umwandlung, hatte sie ihn nicht mehr gesehen. Von Darius wusste sie, dass er wegen versuchten Mordes im Gefängnis landete. Danach gab es keine Spur mehr von ihm. Sie wusste weder, was aus ihm wurde, noch interessierte es sie sonderlich. Alex Morris , war nichts weiter als ein Schatten aus der Vergangenheit und darauf ,konnte sie getrost verzichten. Ihre Gedanken galten viel eher dem, was sie aus dieser Geschichte gelernt hatte. Aus einer derartigen Verbindung zieht man Konsequenzen und ihr Bedarf an einer solchen Lehre ,war mehr als gedeckt. Sie vertraute auf ihre Intuition und ihren Instinkt. mehr brauchte sie nicht. In den Morgans hatte sie eine Familie gefunden, die ihr soviel Liebe und Rückhalt gaben, das es für ein ganzes langes Vampirleben reichte. Darius war stehts wie ein Vater zu ihr und seine Frau Lilia, umsorgte sie mit der Geduld einer Mutter. Auch die beiden Söhne Andrew und Colin, sahen sie als Familienmitglied und behandelten sie wie die kleine Schwester, die sie nicht hatten. Ihr Leben konnte weiß Gott, schlimmer verlaufen. In der Auffahrt der Villa parkte ein schwarzer Mustang. Dieses Fahrzeug gehörte nicht hierher und Mira sah es heute zum ersten Mal. Sie betrat die Villa durch den Haupteingang und steuerte geradewegs in die Küche. Auf dem Tisch stand ein großer Teller mit frischen Blaubeerpfannkuchen. Martha stand wie immer am Herd und kochte irgendeine ihrer Köstlichkeiten. Als sie Mira bemerkte, strahlte sie wie ein Honigkuchen über beide Backen. ,, Wir haben Gäste?`` Mira fischte einen Pfannkuchen vom Teller. Sie konnte sich diese Süßigkeit, einfach nicht abgewöhnen. Martha wusste um ihre Schwäche und so, stand immer ein Teller davon bereit. ,, Mr. Morgan trifft sich heute mit seinem alten Freund.'' Mira zog fragend eine Augenbraue nach oben. ,, Es geht um seinen Ziehsohn, einen jungen aufstrebenden Anwalt.'' Mr. Mc Farlane ist zwar ein Initiierter, aber Maric hat keine Ahnung was Mr. Morgan und seine Familie sind. '' Na das konnte ja heiter werden, ein Mensch im Hause Morgan. ,, Du solltest dich umziehen Mira, Mr. Morgan hat für 22.00 einen kleinen Imbiss geplant.''Martha winkte ungeduldig mit einem Holzlöffel. ,,Oder willst du etwa so dort aufkreuzen?'' Mira schaute an sich herab. Sie trug Jeans und Cowboystiefel zu einer passenden Lederjacke. ,, Also ich finde mein Outfit ganz okay '', gab sie grinsend zurück. ,,Ich nehm dir gleich deine Pfannkuchen weg du freche Göre''. Unbemerkt hatte sich Andrew von hinten an sie rangeschlichen. Der älteste der Morgan Söhne verfügte über die Gabe, sich unbemerkt jedem zu nähern, der ihn nicht mitbekommen sollte.Lachend knuffte er ihr liebevoll auf den Arm. ,,Nun geh schon. Vater hat bereits nach dir gefragt.'' Mira stopfte sich den Rest des Pfannkuchens in den Mund und stieg die Treppe hoch zu ihrem Zimmer. Seit ihrer ersten Nacht vor 30 Jahren, konnte sie es nach belieben nutzen. Das tat sie hin und wieder auch. Manchmal war es sogar notwendig geworden aber das, kam eher selten vor. Sie zog sich um und als sie in der Bibliothek erschien, wäre Martha stolz auf sie gewesen. Ein graues Kostüm, bestehend aus Jacke und Rock, ein weißes Top und gleichfarbige Pumps, vollendeten das Bild von einer würdigen Vertreterin des Hauses. Um den Hals trug sie eine Kette aus violetten Amethysten und eben diese, baumelten auch an ihren Ohren und strahlten aus ihren hochgesteckten Haaren. Sie war eine Schönheit , das stand völlig außer Frage. Diesen Gedanken, unterstrich Andrew mit einem anerkennenden Pfiff der von Darius, mit gerunzelter Stirn zur Kenntnis genommen wurde.,, Benimm dich Sohn, wir sind hier nicht unter Bauern.'',, Keine Sorge Darius, ich bin nicht so empfindlich''. Der grauhaarige Fremde erhob sich. Er deutete eine leichte Verbeugung an.,, Ich bin hocherfreut sie kennenzulernen , Mrs Konstantin. Ich habe schon sehr viel von ihnen gehört.'',, Ich hoffe , nur gutes ?!'' , vollendete Mira die Höflichkeitsfloskel. Darius schmunzelte,, Wie du siehst, ist sie nicht auf den Mund gefallen.'' ,,Nein, das ist sie wahrhaftig nicht.'' Derick Mc Farlane sah sie wohlwollend an. Und bildschön ist sie außerdem.'' Ein Räuspern unterbrach diese Konversation. ,, Oh, darf ich ihnen meinen Adoptivsohn vorstellen?'' Bei diesen Worten wies Mr. Mc Farlane auf einen etwa dreißigjährigen Mann, der bisher in ein Gespräch mit Andrew vertieft war. ,, Maric , darf ich vorstellen ,Baronin Mira Konstantin. Die Leibwächterin unseres geschätzten Freundes.'',, Oh bitte nennen sie mich einfach nur Mira.'' Sagte diese errötend. ,, ich bestehe darauf .'' Maric grinste und reichte ihr die Hand. ,, Du hast recht Vater , sie ist bildschön.'' Er zog ihre Hand an seine Lippen und berührte sie sanft. '' Hallo ich bin Maric''. Seine offene Art gefiel Mira. Endlich mal jemand der sie nicht katzbuckelnd begrüßte. Deshalb beschloss sie, dass Etikette hier fehl am Platz war. ,, Bitte nennen sie mich Mira, ganz ohne Titel.'' ,,Das tue ich nur allzu gern'', antwortete Maric. Nachdem die Begrüßung vorbei war, erfuhr Mira auch den Grund des Besuches. Maric würde der neue Anwalt, in Darius Kanzlei werden. Da er nicht nur als Sohn seines langjährigen Freundes , sondern auch auf besondere Empfehlung von Gloria, diese Stelle annahm, würde er sich bestimmt hervorragend in das Team einfügen. Mira musterte ihn nachdenklich. Er war etwa einen halben Kopf größer als sie selbst, hatte aufmerksame graue Augen die Intelligenz verrieten, blondes Haar dass sich im Nacken leicht lockte, breite Schultern und ein spitzbübisches Grinsen auf dem Gesicht. Ein leichter Hauch von Arroganz rundete das Bild ab. Der Maßgeschneiderte Anzug, ließ ihn außerdem größer wirken als er war. Der perfekte Anwalt. Damit würde Darius, wohl einen fähigen Mann dazu gewinnen. Der Abend verlief nett und gesellig. Derrick und sein Sohn, waren angenehme Gesprächspartner. Mira fühlte sich entspannt und bereute es inzwischen auch nicht mehr, ihre Garderobe gewechselt zu haben. Marics anerkennende Blicke , sprachen Bände und ein bisschen Eitelkeit, hatte schließlich noch niemandem geschadet. Andrew der sich wieder einmal angeschlichen hatte, legte ihr die Hand auf die Schulter. ,, Na , Baronin Mira , so schlimm ist es doch gar nicht, mal wie eine Frau von Welt herumzulaufen.'' Mira quittierte diese Frechheit, indem sie ihm kurzerhand den Absatz ihrer Pumps in den Schuh bohrte. ,, Schon gut, ächzte Andrew, ich bin ja schon still.'' Als Darius auf die beiden zukam, zog er sich mit der Ankündigung auf Rache, grinsend zurück. ,, Kann ich dich kurz sprechen Mira?'' Sie nickte und Darius betraute sie mit den Einzelheiten von Maric's Aufnahme in die Kanzlei. ,, Er ist wirklich vielversprechend und ich kann Derrick diesen Wunsch unmöglich abschlagen. Ich hoffe nur, dass er genauso offen und herzlich an alles herangeht wie sein Vater. Ich möchte ungerne dabei zusehen, wie er erschrocken davonläuft wenn bemerkt, mit wem er es bei uns zu tun hat. Die ersten Jahre, werden wir es wohl noch vor ihm verheimlichen können aber irgendwann, müssen wir ihn einweihen.'' Mira wusste nur zu gut , das diese Sorge durchaus berechtigt war. Außerdem gab es außer der Wahrheit noch andere Sachen die zu beachten waren. Maric war sterblich und die Kanzlei war nicht gerade für ihre Gnade bekannt. Es gab einige Leute denen überhaupt nicht gefiel, dass ,,Morgan & Gregorian'' , saubere Arbeit lieferten. Bestechlichkeit kam niemals in Frage. Den Vampiren konnten sie nicht viel anhaben, aber Maric war deutlich verwundbarer. ,,Tust du mir einen Gefallen mein Kind?'' Mira ahnte auf was das hinauslief , nickte aber trotzdem. ,, Bitte gib ein wenig auf ihn acht. Freundet euch an, geht mal was essen. Egal was du tust,wichtig ist nur, dass du in seiner Nähe bleibst. Bekommst du das hin?'' Mira zögerte, sagte aber schließlich zu. Wirklichen Gefallen, fand sie an dieser Aufgabe nicht. Sie war zwar Bodyguard, aber es war etwas ganz anderes auf Darius zu achten, als auf einen Menschen aufzupassen. Wenigstens war er ihr symphatisch. Es hätte also schlimmer kommen können. Wenn sie das auf diese Art machte, fühlte er sich wenigstens nicht bewacht und Darius war es wichtig, dass Maric sich in der Kanzlei wohlfühlte.Der Abend neigte sich dem Ende zu und nachdem die Gäste gegangen waren, begab sich Mira auf die Suche nach Andrew. Dieser, hatte sich kurz zuvor aus dem Staub gemacht und Mira kannte ihn zu gut, als dass sie diese freundschaftliche Drohung von vorhin, auf die leichte Schulter nahm. Andrew heckte irgendetwas aus, da war sie sich sicher. Es war besser wenn sie ihn im Auge behielt. Doch zunächst einmal galt es ihn zu finden. Sie musste gar nicht lange suchen denn Andrew, saß in der Küche und unterhielt sich angeregt mit Martha. Als Mira den Raum betrat, grinste er.,, Na Baronin Babysitter'' Offenbar hatte er etwas gefunden mit dem er sie nerven konnte. So konnte man es auch machen. Andrew wusste nur zu genau, das er sie damit hatte. ,,Hör auf meine Gedanken zu lesen '', beschwerte sie sich. ,, Ach Mira, das ist gar nicht nötig. Ich kenne meinen Vater und habe bereits im Vorfeld so etwas geahnt. Wenn ich mir dein Gesicht ansehe, brauche ich nicht lange zu raten. Wirst du es machen?'' Mira brachte ein schwaches Lächeln zustande. ,, Es ist mal was anderes und im Moment haben wir ja Ruhe vor den Wolcziaks. Ich denke schon das ich da auch mal auf einen Menschen aufpassen kann. Ganz wohl ist mir dabei zwar nicht, aber ich werde es überleben.'' Sie umrundete Andrew und machte sich über die neu aufgetischten Blaubeerpfannkuchen her. ,, Ich kann ein wenig ein Auge drauf haben wenn du willst'' , Andrew schien nicht sehr überzeugt von Miras Aussage. Diese sah ihn dankbar an. ,, Oh ja, bitte. Ich war zwar selbst mal ein Mensch, aber das ist 30 Jahre her. '' ,, Ja das ist natürlich eine Ewigkeit!'' Andrew verzog theatralisch das Gesicht. Daraufhin brachen beide in schallendes Gelächter aus. Sie saßen noch eine ganze Weile beisammen und schmiedeten Pläne. Als Mira schließlich zu Bett ging , schlich sich schon der erste rosa Schimmer über den Horizont.

London war eine der tollsten Städte überhaupt. Mira hatte durch ihren Job schon einige gesehen aber keine, fesselte sie wie diese. New York, L.A oder Berlin waren schön, hatten jedoch nicht diese Klasse. Sie liebte den Mix zwischen Tradition, Modernität und wieder Tradition. Die Menschen waren offener, neutraler und freundlicher als anderswo und, sie waren loyal. Mira bewunderte diese Eigenschaft an jedem der sie besaß. Und dabei spielte es keine Rolle ob diese Person Freund oder Feind war. Loyalität, war ihrer Meinung nach etwas, das man sich genauso verdienen musste wie Respekt. Diese beiden Bezeugungen waren die Grundpfeiler ihrer Ausbildung und das damit einhergehende Wissen um Demut und der Tatsache das man von allen und jedem lernen kann, machten sie, zu der Frau die sie war. Darius hatte in London ein neues Gebäude erstanden. Es sollte der Familie als weiterer Wohnsitz dienen und da dort ja bereits ein Bürogebäude von Morgan & Gregorian stand, bot es sich an, dass Darius nicht jedesmal in der Pension übernachten musste. Mira, der offenbar sehr viel von den Talenten ihres Vaters mit in die Wiege gelegt wurde, sollte das ganze zusammen mit Andrew und Colin begutachten. Die Brüder waren selten am gleichen Ort anzutreffen. Colin war Künstler und vielleicht war das einer der Gründe, weshalb er Miras Vorliebe für diese Stadt teilte. Andrew hingegen war es gleich, wo sie sich befanden. Für ihn zählte nur, der Auftrag an sich und die unumstößliche Tatsache, dass er ihn zur Zuriedenheit seines Vaters erledigen würde. Sein Ehrgeiz war manchmal, alles andere als einfach zu ertragen. Die ganze Zeit des Fluges von San Franzisco nach London, hatte er die Nase in irgendwelchen Plänen und Grundrissen. Auch jetzt, als ihn die Schönheit der Stadt förmlich ins Gesicht sprang, nahm er keinerlei Notiz davon. Er hatte die Stirn in Falten gelegt als wäre er hochkonzentriert und sah weder nach rechts oder nach links. Colin und Mira dagegen waren kaum zu bremsen. Die Lichter der Stadt, die ehrwürdige Westminster Abbey, der Big Ben oder der Tower, selbst die Garde vor dem Buckingham Palace, überall gab es etwas zu entdecken und zu bestaunen. ,,Wie neugierige Kinder vor Weihnachten! Wie alt seit ihr , zwölf?'' Andrew, der sich sonst nie für irgendwelchen Blödsinn zu schade war, zog ein gelangweiltes Gesicht. ,,Ihr habt das alles, doch schon hundert mal gesehen und macht trotzdem einen Aufstand, als würdet ihr Geschenke auspacken.'' Mira hasste es wenn er den Langweiler raushängen ließ. Gerade Andrew , der sie ständig mit irgendetwas auf die Palme brachte, tat so, als gäbe es nichts interessanteres als als das graue Straßenpflaster unter seinen Füßen. Nachdem Mira und Colin nun ausgiebig, für Andrews Geschmack jedoch viel zu lange herumgewundert hatten, machten sich die drei Vampire auf den Weg in die eigens für sie reservierte Pension. Reisen war einfach, wenn man es sich wie Darius leisten konnte, alles schon von vornherein festzulegen und zu planen. Er hatte überall auf der Welt Freunde , die ihm gern einen Gefallen taten weil er, seinerseits auch viel für seine Freunde tat. Die Machtposition, die mit dem Namen Darius Morgan einherging, verdankte er nicht zuletzt diesem Umstand. Die Pension hatte gemütliche kleine Zimmer und befand sich außerdem im Besitz der Familie. Dementsprechend freundlich war auch die Begrüßung durch der Verwalter. Da Colin und er sich kannten, war es auch an Colin, die Anwesenden einander vorzustellen. Lucius Kane war etwa im gleichen Alter wie Colin, ebenfalls ein Vampir und tat sich durch seine zurückhaltende und höfliche Art hervor. Schwarzes Haar, hochgewachsen und schlank, gab er außerdem ein nettes Erscheinungsbild ab. Mira sah sich um. Das kleine Foyer der Pension wirkte rustikal, war aber nicht zu schwer möbeliert. Die zahlreichen, die Wände zierenden Bilder, erregten ihre Aufmerksamkeit.. Hier eine Aquarell-Arbeit von einem schlafenden Mädchen, dort die Kohlezeichnung einer Villa, die sich beim näheren Hinsehen als Morgan -Villa herausstellte. Die Zeichnung trug unverwechselbar Colins Stil. Anerkennend nickte sie ihm zu. Lucius grinste. ,, Offenbar gibts doch ein paar Leute die deine Arbeit erkennen''. Das beweist nur ihren guten Geschmack, ,, parrierte Colin den Seitenhieb. Lucius blaue Augen funkelten vergnügt. ,, soll ich euch die Zimmer zeigen?''Dieser Vorschlag fand bei allen Anwesenden Zustimmung. Ein wenig Ruhe nach dem Flug, konnten wegen des Jetlags, alle drei gebrauchen. Mira's Zimmer befand sich im oberen Stockwerk ,direkt neben dem von Andrew, während Colin es vorzog, das untere Stockwerk unsicher zu machen. Sicher hatten er und Lucius, eine Menge Austauschbedarf. Mira hatte es sich gerade auf ihrem Bett, zwischen den von violetten Rüschen umrandeten Kissen gemütlich gemacht, als es an der Tür klopfte. ,, Kann ich dich kurz sprechen''? Andrews blonder Schopf schob sich durch den geöffneten Türspalt .,, Komm rein'' , erklärte Mira überflüssiger Weise denn Andrew, stand bereits mitten im Zimmer. ,,Höflichkeit lässt grüßen'' ,fügte sie kopfschütteld hinzu. Andrew grinste frech, warf einen vielsagenden Blick auf die Kissen und setzte sich auf den Rand ihres Bettes. ,,Maric wird später zu uns stoßen. Ich habe gerade mit ihm telefoniert.'' Mira hob fragend eine Augenbraue. ,, Okay, was meinst du mit später?'' ,,Er, steigt gerade in ein Flugzeug und befindet sich quasi bereits auf dem Weg hierher. Andrew sah auf seine Uhr.,,Wir haben es jetzt 3.00 Uhr morgens, er wird also schätzungsweise gegen 17.00 Uhr heute Nachmittag hier eintreffen. Sein Glück ist, dass sein Vater eine Privatmaschine besitzt. Wäre er an die Abflugszeiten gebunden,...''Mira wusste was er sagen wollte. Die Zustände auf Flughäfen waren manchmal, eine mittlere Katastrophe. ,,Dann hab ich ja noch ein bisschen Zeit um mich auszuruhen, ehe der Ernst der Arbeit mich einholt'' grinste sie. ,, Und nun verschwinde ehe ich dich mit diesem Rüschenkissen hier verprügle.'' Sein belustigter Blick war ihr keineswegs entgangen. ,, Wage es ja nicht, irgend etwas dazu zu sagen'', beendete sie ihre Drohung. Andrew zog sich ebenfalls grinsend zurück. Natürlich konnte er den Mund nicht halten. Kurz ehe er aus der Tür war, hörte Mira noch,, Wie überaus passend, für Baronin Babysitter.'' Mira schleuderte eines der Kissen hinterher , doch Andrew hatte sich schon in Sicherheit gebracht und die Tür war wieder geschlossen. Sie kletterte aus dem Bett, sammelte das Kissen wieder ein und beschloss erst mal unter die Dusche zu gehen. Danach würde sie sicherlich besser schlafen und Schlaf, war im Moment ein sehr erstrebenswertes Ziel. Kurz bevor ihr anschließend die Augen zufielen, dachte sie noch einen Moment darüber nach wie oft, sie in der Vergangenheit schon in fremden Räumen eingeschlafen und wieder aufgewacht war. Sie kam zu keinem vernünftigen Ergebnis und schlief mit dem Gedanken an die Sinnlosigkeit solcher Überlegungen ein. Der Tagesanbruch war nicht mehr weit entfernt und da es in London um diese Jahreszeit sowieso immer neblig war, würde die Sonne noch ein bisschen auf sich warten lassen. Vorausgesetzt sie schaffte es überhaupt, die dichten Schwaden zu teilen.Der Flug verlief planmäßig und als Maric auf dem Londoner Flughafen ankam,brach bereits der Abend herein. Einen kompletten Tag zu verschlafen , war eine Sache für sich. Eine ganz andere jedoch, die Tasache, dass dieser Tag in der Luft 14000 Meter über der Erde stattfand. Der feste Boden unter seinen Füßen, erfüllte ihn mit einer Wohltat wie es sich kaum in Worte fassen ließ. Wenn es nicht anders ging, stieg er selbstverständlich auch in ein Flugzeug, im großen und ganzen jedoch, tat er es nur dann wenn es sich gar nicht mehr vermeiden ließ. Die Strecke zwischen London und San Franzisco umspannte einen Zeitrahmen von 15-16 Stunden. Es war schließlich nicht so, dass San Franzisco auf der Seite Amerikas lag, die dem Europäischen Kontinent am nächsten war. Um so mehr dankte er seinem Vater insgeheim dafür, dass dieser ihm den Privatjet zur Verfügung stellte, sollte es nötig werden. In einer Passagiermaschine hätte Maric diesen Flug nicht überstanden. Als Anwalt,kam er mit vielen Menschen in Kontak, jedoch mit mehreren davon, über Stunden auf engstem Raum, in einer Konservenbüchse eingepfercht zu sein, löste bei ihm Panikattacken aus. Verglichen damit, ging der letzte Flug als Spaziergang durch. Der feste Boden jedoch, den er jetzt unter seinen Füßen verspürte, war solide und strahlte hinsichtlich des vibrierenden Rumpf des Jets, unumstößliche Sicherheit aus. Maric atmete tief durch und winkte dem nächstbestem Taxi. Er nannte den Namen der Pension und eine halbe Stunde später, befand er sich an Ort und Stelle. Das kleine Gebäude inmitten weiterer kleiner Gebäude wirkte anheimelnd . Die Ortschaft war sauber und gepflegt. Apfelbäume prägten das Bild genauso wie die liebevoll gestutzten Buchsbaumhecken und die weißen Gartenzäune.Der Anblick der Pension , lud zum träumen ein. wirkte sie doch im diffusen Licht der Abendsonne und den Nebelschleiern die von der Themse aufstiegen wie aus einem Märchen. Efeuranken umschmiegten sanft weißgetünchte Wände und der Duft der späten Rosen lag in der Luft. Maric stieg die drei Stufen zur Veranda hoch und betätigte den schweren Messingklopfer an der Eichentür. Eigentlich hatte er einen Löwenkopf erwartet und wunderte sich schon beinahe , als dies nicht der Fall war.In der Zwischenzeit hatte auch Mira beinahe ausgeschlafen.Vampire regenerieren sich im Schlaf und jede Auswirkung von Müdigkeit, Anstrengung oder auch kleinere Wunden verschwinden wie von Zauberhand. Es ist übrigens, ebenfalls nur ein Indiz menschlicher Phantasie,dass Vampire nicht träumen. Mira jedenfalls, hatte sehr wohl geträumt und versuchte nun, die langsam davontreibenden Fetzen dieses Traumes festzuhalte. Doch auch wenn sie das nicht vermochte, so hallten doch die Gefühle die dieser bei ihr ausgelöst hatte, in ihr nach. In aller erster Linie spürte sie eine tiefe Verwirrung. Bruchstückhaft flatterten Bilder durch ihr Bewusstsein, eine dunkle Festung, eine Art Labor, jedenfalls hielt Mira es, anhand der Glaszylinder , Reagenzgläser, Fläschchen und Kolben mit unterschiedlichen Flüssigkeiten für ein Labor, und immer wieder die Worte ,, alte Linie des Blutes''. Das alles schien mit den Morgans im Zusammenhang zu stehen doch so sehr sie sich auch bemühte, sie konnte sich nicht genauer erinnern. Da es ihr nicht gelingen wollte die Reste des Traumes zusammenzufügen, öffnete sie schließlich die Augen. Dieses Mal, war sie pünktlich denn als sie vorsichtig die Vorhänge öffnete , gab gerade die untergehende Sonne, ihr allabendliches Schauspiel. Mira genoss diese Augenblicke ausgiebig um anschließend mit einer heißen Dusche die Restbestände der noch immer vorhandenen schläfrigen Trägheit fortzuspülen. Wer sich an dieser Stelle fragt warum ein Sonnenuntergang nicht tödlich für Vampire ist, der soll aufgeklärt werden. Während die aufgehende Sonne mit all ihrer Kraft den Himmel erhellt und der neugeborene Morgen voller Kraft und für Vampire schädlicher Energie den Tag an sich reißt, so vergeht diese am Ende des Tages und das letzte milde Leuchten der Abendsonne stellt für einen gesunden Vampir keine ernstzunehmende Gefahr mehr dar. Natürlich ist das zweifellos auch eine Frage des Alters und der Stärke eines jeden Vampirs und kann durchaus trainiert werden. Man kann es sich vorstellen wie beim Ausdauertraining. Je länger und intensiver es betrieben wird , umso besser das Ergebnis. Mira ,machte das Licht nichts aus und durch das Blut in ihren Adern war sie gegen solche Kleinigkeiten gefeiht. Wenn man rückblickend betrachtet dass sie Darius am Tag kennengelernt hatte, kann man auch schlussfolgern welche Kräfte Mira zur Verfügung standen. Sicher gab es auch noch die eine oder andere verstärkende Spielerei wie beispielsweise den Kristall der es ihr ermöglichte, sie und andere ihr Spiegelbild sehen zu lassen. Vampirtechnologie. Sie hatte sich unabhängig der menschlichen Technologie entwickelt und diente hauptsächlich dem Schutz vor Entdeckung. Doch darauf werde ich später noch genauer eingehen. Denn zuerst einmal begab sich Mira auf den Weg nach unten. Maric musste bereits da sein und da sie ihn persönlich begrüßen wollte, machte sie sich auf die Suche nach Lucius. Der, stand in der Küche und bereitete das Abendessen zu. Als er sie bemerkte, trat er einen Schritt zur Seite, damit Mira einen Blick auf die fertige Mahlzeit werfen konnte. Steaks, und dann auch noch medium. Mira musste grinsen. die perfekte Tarnung auf der Speisekarte. Gefahrlos konnten sie nun mit Maric zu Abend essen, ohne das er Verdacht schöpfen würde. Sehr clever ausgedacht. ,,Schlafen Andrew und Colin noch?'' richtete sie das Wort an Lucius. Dieser verneinte. ,,Andrew ist hinten im Schuppen und holt Brennholz für den Kamin und Colin treibt sich in der winzigen Bibliothek dort hinten rum''. Er wies mit dem Daumen nach links. ,, Du könntest ihm ausrichten, dass wir in zehn Minuten essen. Wärst du bitte so freundlich?'' ,, Bin schon auf dem Weg. Ist Maric wohlbehalten eingetroffen?'' Mira stand bereits in der Tür. ,, Der ist zwar noch ein bisschen gestresst von seinem Flug , aber er wollte sich nur schnell frisch machen und wird gleich zum Abendessen erscheinen.'' Maric war also bereits da. Mira nickte zur Antwort und machte sich auf den Weg um Colin einzusammeln. Unterwegs stieß sie fast mit Andrew zusammen, der einen Stapel Holz, in der Größenordnung eine mittleren Scheiterhaufens, auf seinen Armen balancierte. Geschickt wich sie dem Zusammenstoß aus und nachdem sie Colin von seinen Büchern über unterschiedliche Herstellungsverfahren von Zeichenkohle weggelotst hatte, saßen bald alle zusammen im Speisezimmer der Pension. Von Maric fehlte jedoch noch immer jede Spur. ,, Ich habe Hunger'', nörgelte Andrew. So langsam aber sicher könnte sich der gnädige Herr doch von seinem Spiegelbild gelöst haben.'' Colin grinste vor sich hin. ,, Nicht jeder, ist so eingebildet wie du und betrachtet selbstveliebt sein eigenes Bild.'' Andrew verzog das Gesicht, zog es aber vor, den Mund zu halten.,, Eins zu Null für Colin'' kommentierte Lucius , was besagter mit einem weiteren Grinsen quittierte. ,,So langsam könnte er tatsächlich mal auftauchen''. Mira erhob sich. ,, Ich werde mal nach ihm sehen, denn immerhin soll ich ja auf ihn achtgeben.'' Nun war es Andrew der grinste, doch sie tat als bemerkte sie es gar nicht. Marics Zimmer lag am Ende des Flurs, Im Erdgeschoss unmittelbar neben dem von Colin. Mira klopfte und bekam keine Antwort. Unschlüssig wie sie sich nun verhalten sollte, klopfte sie ein zweites Mal. Erneut blieb die Antwort aus. Stattdessen meinte sie ein Geräusch zu hören. In Alarmstellung öffnete sie, vorsichtig darauf bedacht keinen Ton zur verursachen, Marics Tür. Das sich nun wiederholende Geräusch schien aus Richtung Bad zu kommen. Mira huschte lautlos auf die Tür zu und öffnete diese, mit einem Ruck. Zunächst konnte sie nichts erkennen da der Dampf des heißen Wassers ihr die Sicht nahm. Das ganze Bad wirkte wie eine Sauna. ,,Maric ist alles in Ordnung?'' rief sie in die Schwaden. ,, Nein ist es nicht , es zieht nämlich. '' Mira atmete auf. Sie murmelte eine Entschuldigung und trat zurück ins Wohnzimmer, die Tür dabei wieder schließend. Maric lag in der Wanne. Peinlich berührt trat sie den Rückweg zu den andern an. Als sie das Zimmer verlassen wollte hörte sie seine Stimme ,,Warten sie, Mira? Mira sind sie noch da?'' Es plätscherte und Sekunden später stand Maric im Raum. Um seine Hüften hatte er ein Handtuch geschlungen und aus seinen nassen Haaren tropfte das Wasser auf den Boden. ,, Ich wollte nach ihnen sehen weil das Abendessen kalt wird '' sagte sie und vermied es dabei ihn anzuschauen. Das was sie auf den ersten unfreiwilligen Blick erhascht hatte reichte ihr völlig aus. Schmale Hüften, breite Schultern, flacher Bauch. Ob nun Vampir oder nicht, in erster Linie war sie Frau und Maric, konnte sich durchaus sehen lassen. Und ehe sie hier in eine noch peinlichere Situation geriet, trat sie lieber den Rückweg an. ,,Oh, ist es schon so spät, ich komme sofort'', rief Maric ihr nach als sie den Flur betrat.,, In Ordnung'', gab sie über die Schulter zurück und stiefelte ärgerlich den Kopf schüttend zurück zu den anderen. Keine fünf Minuten stieß Maric zu ihnen und entschuldigte sich für die Verspätung. Nichts an ihm verriet den Vorfall von eben und Mira dankte ihm von Herzen dafür, dass er den anderen gegenüber nichts erwähnte. Beim essen legten sie sich einen Plan zurecht und da auch Maric inzwischen wieder fit war, beschlossen sie, das Herrenhaus noch heute Abend zu besuchen. Eine Stunde später saßen sie zu viert ins Lucius Van. Als Darius sie damit betraute auf Maric aufzupassen, hatte sie zugestimmt. Inzwischen fragte sich Mira jedoch, ob diese Entscheidung wirklich so klug von ihr war. Seltsamere Formen konnte dieser Auftrag, ihrer Meinung nach, gar nicht mehr annehmen.