Shadowborn, Das Blut der Ersten

Alexa Winter · Kapitel 3 von 6

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Shadowborn, Das Blut der Ersten

Kapitel 3 : Erkenntnis

Es ist einfacher einem feind zu vergeben , als einem Freund.

William Blake

 

Umgeben von einem Park und ungefähr 2,5 Hektar Land lag das Anwesen inmitten von sanften Hügeln und kleineren Seen. Der viktorianische Baustil mit seinen vielen Erkern und Türmchen hinterließ zweifellos Eindruck. ,,Wunderschön, nicht wahr?'' Colin hatte verträumte Augen.,, Ich werde es malen'' fügte er hinzu. Mira musste ihm Recht geben und sogar Andrew, der wiedermal so tat, als wüde ihn das alles nicht sonderlich interessieren,war anzusehen, das er das Haus, auf den ersten Blick mochte. Der geschwungene Weg führte über eine breite Steinbrücke. Der künstlich angelegte etwa 8 Fuß tiefe Bach der unter der Brücke hindurch führte, zog einen Bogen rund um das Herrenhaus. Das wiederum erweckte den Eindruck, als stünde man vor einer kleinen Burg. Der Park bestach durch natürliches Aussehen und weder die an den Bäumen wuchernden Efeuranken, noch das Schilf, welches am Ufer des direkt im Park liegenden, kleinen Sees wuchs, waren übermäßig gestutzt. Steinerne Greife flankierten links und rechts, die breiteTreppe die etwa 10 Stufen hoch zum Herrenhaus selbst führte. Das Gesamtbild wurde von Laternen , bei denen die spielerisch anmutenden , geschmiedeten Halterungen auf den gleichen Stil hinwiesen, beleuchtet. Im Inneren des Gebäudes, führte ebenfalls eine breite Treppe nach oben, allerdings fehlten hier die Greifen aus Stein. Dafür zierten deren geschnitzte kleinere Brüder, den Anfang des Geländers. Das Licht der Laternen, fiel durch die Buntglasfenster und zauberte ein buntes Muster, auf den Boden aus gewachsten, dunkelbraunen Holzdielen. Als Andrew das Licht anmachte, verflog die märchenhafte Illusion. Die mit weißem Stoff abgedeckten Möbel hätten ebenso gut in ein Museum gepasst und die Regale, in denen einst dicke Bücher standen, waren von Staub bedeckt. Maric ergriff als erster das Wort. Alles in Allem , hat Darius hier, wieder einmal mehr Geschmack bewiesen. Es ist wirklich ein wunderschönes altes Anwesen. Ich habe gehört, dass es ursprünglich ein Weingut war und das im Keller, noch einige Flaschen lagern sollen. Jedenfalls sagte mein Vater etwas in der Art.'' Andrews scheinbar gelangweiltes Gesicht, nahm einen genießerischen Ausdruck an. ,, Das sollten wir uns unbedingt ansehen. Meint ihr nicht auch?'' Da niemand der Anwesenden wiedersprach, marschierte er schnurstracks zu der Tür, von der er glaubte, dass sie in den Keller führte. Er öffnete sie, machte Licht und blieb aprupt stehen. ,,Fehlanzeige, dass ist die Küche '',murmelte er entäuscht. Mira gab ihm einen Schubs, so dass er in den Raum stolperte. ,, Und von der Küche aus, gehts in den Keller'' , erklärte sie dem verdutzt dreinblickenden Andrew grinsend. Sie marschierte gefolgt von Colin und Maric an ihm vorbei und betätigte den Lichtschalter der zu Keller gehörte. Als sie anschließend die Tür dazu öffnete, verschwand ihre gute Laune genau so schnell, wie sie gekommen war. Der Keller blieb dunkel.,, Mist '' fluchte sie, überhaupt nicht standesgemäß. Da ist wohl eine Sicherung durchgebrannt. ,, Genau wie bei dir'', schmollte Andrew. ,, Das ist die Strafe für dein hinterhältiges Geschubse''. Maric ließ nachdenklich den Blick, zwischen den beiden hin und herschweifen. Danach zauberte er eine Taschenlampe aus seiner Jackentasche, schaltete sie ein und drängte sich an Mira vorbei. Der Lichtkegel erhellte die Stufen ausreichend und auch der Raum darunter stellte kein Problem dar. Die Led,s der Lampe leuchteten hell genug um den Keller zu inspizieren, in dem natürlich keine einzige Flasche Wein mehr zu finden war.,, Da war wohl jemand schneller als wir. '' schlussfolgerte Colin achselzuckend. ,,Ärgerlicher Weise'' bestätigte sein Bruder die Aussage. Dann können wir auch genauso gut, das obere Stockwerk unter die Lupe nehmen''.Pflichtete Mira den beiden bei. Gesagt , getan. Zimmer für Zimmer besichtigend, machten die vier ihren Rundgang durchs Haus und als sie damit geendet hatten, war Mira mehr als zufrieden mit dieser Investition von Darius. Sie freute sich darauf ihm Bericht zu erstatten. Inzwischen hatten sie genug gesehen und waren bereit für den Heimweg. Draußen vor dem Haus erwartete sie jedoch undurchdringliche Dunkelheit. Sämtliche Laternen waren ausgefallen und der Mond hatte sich hinter einer dicken Wolkenbank versteckt. ,, Das ist ja wohl ein schlechter Scherz!'',entfuhr es Andrew. ,,Ich hoffe deine Taschenlampe reicht aus, um uns sicher zum Van zu bringen. ich habe nämlich keine Lust auf ein Bad im Graben.'' Maric schaltete sie ein und leuchtete damit auf die Treppe. Vor Schreck stieß Mira gegen Andrew denn auf den Stufen vor dem Herrenhaus stand eine einsame Gestalt. Der Körpergröße und Statur nach ein Mann und auch wenn das Gesicht von einer Kapuze beschattet war und keinen Blick zuließ, kam irgendetwas an seiner Erscheinung, Mira seltsam vertraut vor. Noch ehe einer von ihnen etwas sagen konnte, hob der Fremde den Kopf und schaute Mira direkt ins Gesicht. Miras Magen zog sich zusammen als sie der Blick der spöttischen,doch ansonsten eiskalten blauen Augen traf. Augen, die sie auch nach solanger Zeit, unter tausenden erkannt hätte. Vor ihr stand Alexander Morris. Der Schock über dieses unerwartete Wiedersehen musste sich tief in ihre Züge gemeiselt haben den die beiden Morganbrüder traten automatisch ein Stück an Mira heran. Maric, der ebenfalls mitbekommen hatte wie sie erschrak, schaute interessiert zu Alex, der sich an dem Gesichtsausdruck von Mira zu erfreuen schien. Jedenfalls sprach sein belustigtes Lächeln dafür. ,,Hallo Mira lang nicht gesehen.'' Mira, die noch immer unter der Schrecksekunde litt, schüttelte den Kopf.,, Das kann nicht sein ''flüsterte sie. Alex hatte sich nicht verändert, wenn man davon absah, dass er nicht mehr wie ein Alkoholiker wirkte. Seine Augen leuchteten klar und blau wie Gletschereis und seine Gesichtszüge, waren entspannt und faltenfrei. Ein 60 jahre alter Mann sah anders aus. dessen konnte man sich sicher sein. ,, Oh ich sehe du hast es bemerkt , aber deine Auffassungsgabe war ja noch nie von schlechten Eltern. Willst du mich deinen Freunden nicht vorstellen, Liebes?'' Mira hatte inzwischen ihre Fassung zurückerlangt und fauchte ihn hasserfüllt an. ,, Nenn mich nicht so., nenn mich nie wieder so...'' ,, Aber Mira...!'' Alex schien sich köstlich auf ihre Kosten zu amüsieren. Sein leicht tadelnder Ton veranlasste Mira dazu, ihre Wut noch zu steigern. Wie konnte er es wagen?!? Colin schien zu ahnen, mit wem sie es hier zu tun hatten, denn er legte Mira beschützend den Arm um die Schultern. Durch Darius Erzählung, kannten beide Brüder, Miras Geschichte und als Alex schließlich einen Schritt auf sie zumachte, stellte sich Andrew schützend vor sie. Alex registrierte das ganze mit einem höhnisch klingendem Lachen. ,, Was willst du hier Alex?'' Mira schob ärgerlich Colins Arm von ihrer Schulter. ,, Ich will dich zurückholen, Mira. Meine umwerfend schöne Mira.'' Alex's Lächeln war sanft , das harte Glitzern in seinen Augen, verriet jedoch das Gegenteil. Maric der keine Ahnung hatte, mischte sich in das Gespräch. ,,Offenbar will Mira nichts mit ihnen zu tun haben, also warum verschwinden sie nicht einfach und lassen sie in Ruhe?'' Wandte er sich auffordernd an Alex. Wie auf ein geheimes Komando kam der Mond hinter den Wolken hervor und tauchte die Szene in fahles Licht. Alex würdigte Maric nicht eines Blickes sondern fixierte immer noch Mira. Diese gab Andrew mit einem Blick zu verstehen dass sie sich nicht in unmittelbarer Gefahr befand, Maric jedoch schon. Alex der offenbar aus ihrem Gesichtsausdruck, diese Gedanken schlussfolgern konnte, quittierte das erneut mit einem Lachen. Dieses Mal jedoch, enthielt es eine Spur Grausamkeit.,, Sieh einer an , die große Mira Konstantin, hält sich immer noch mit niederen Kreaturen auf.'' Seine Stimme hatte etwas lauerndes. Mira fauchte ihn an. ,, Kein Wort mehr, du willst mich? Also komm und versuch dein Glück! '' Mit einem Satz sprang sie über das Geländer der Treppe und tauchte in die Schatten der Umstehenden Bäume ein. Andrew hatte ihre Gedanken gelesen und wenn Alex gewusst hätte welchen Plan Mira tatsächlich damit verfolgte, die Flucht zu ergreifen, so hätte er keine Sekunde gezögert sie in der Dunkelheit schmoren zu lassen bis sie, in der Erkenntnis, dass ihr Unterfangen gescheitert war, von selbst wieder herauskäme. So jedoch hatte auch er, einige menschliche Schwächen nicht ablegen können und machte genau das, was Mira erwartet hatte. Seine Eitelkeit ließ nicht zu, dass er sie erneut aus den Augen verlor also rannte er ihr nach. Die Brüder brachten Maric gemeinsam zum Van, doch nur Colin fuhr mit ihm zurück in die Pension.Und während er sich eine glaubhafte Geschichte ausdenken musste, um Marics zweifellos folgende Fragen zu beantworten, blieb Andrew an Ort und Stelle. Sobald Maric in Sicherheit war, würde auch Colin zurückkommen, um Mira notfalls zur Seite zu stehen. Mira jagte indessen durch die Dunkelheit. Stehts darauf bedacht ihren Vorsprung auszubauen, lauschte sie auf die nächtlichen Geräusche im Park. Während sie Alex versuchte abzuhängen, dachte sie darüber nach, was diese unerwartete Wendung bedeutete.Jetzt da sie wusste, was aus Alex wurde , war ihr auch klar, was das für sie selbst bedeutete. 30 Jahre lang hatte sie in dem Glauben gelebt, ihn nie wieder sehen zu müssen und nun tauchte er einfach so auf, und war obendrein wie sie. Nein, dachte sie, nicht wie sie. Alexander war nicht zu trauen wie sie aus eigener Erfahrung wusste. Jetzt als Vampir würde sich sein selbstverliebtes , verschlagenes Wesen, vermutlich noch verschlimmert haben. Er sah umwerfend aus mit seinen schwarzen Haaren, zu dem die blauen Augen im extremen Kontrast standen. Doch konnte die Optik, in diesem Fall nicht punkten weil Mira ganz genau wusste, was sie von ihm zu halten hatte. Haken schlagend bewegte sie sich in Richtung des See's, von dem aus es nur ein Katzensprung bis zur Bücke am Herrenhaus war. Ab und zu hielt sie im Lauf inne um zu lauschen. Nichts war zu hören. offensichtlich hatte sie Alex abgeschüttelt. Sie lief ein paar Meter langsam und so geräuschlos wie möglich den Weg entlang, der zu dem kleinen Gewässer führte und umrundete es. Von hier aus konnte sie die Brücke sehen und bewegte sich darauf zu. Inzwischen war die Wolkenwand hinter der sich der Mond verbarg, dünner geworden und an ihren Rändern, begann sich bereits ein silberner Lichtschein abzuzeichnen. Mira hoffte instädig, dass es noch einige Minuten länger dauern würde, bis alles um sie herum, wieder deutlicher sichtbar wurde. Das Glück war ihr freundlich gesinnt und sie erreichte die Brücke ohne Zwischenfall. Dort ging sie zunächst dort in Deckung, wo die Schatten am tiefsten waren. Wenn jetzt der Mond hervorkam, blieb sie unsichtbar. Kurze Zeit später, lag die Brücke in fahlem Licht und darauf ,stand Alex. Keine zwei Meter von ihr entfernt. Miras Bestürzung ließ sich kaum in Worte fassen. Dieser Mistkerl hatte sie also gar nicht wirklich verfolgt, sondern ließ nur den Schein zu, damit er hier auf sie warten konnte.,, Na klar'', dachte sie, ,,wozu die Mühe machen, ihr nachzulaufen wenn sie sowieso wieder hierher musste''. ,, Ich hoffe du hast deinen kleinen Dauerlauf genossen'' fragte er lauernd. Mira konnte das Versteckspiel genausogut aufgeben denn Alex, sah genau in ihre Richtung. Ärgerlich kam sie hervor und trat ihm entgegen. ,, Und jetzt?'' fragte sie mit fester Stimme. ,, Was hast du jetzt vor Alex?'' Alexander musterte sie abschätzend. ,, Es ist also wahr was man sich erzählt. Die große Mira Konstantin, Baronin Mira Konstantin...meine Mira. Du bist noch bezaubernder als damals. Mira wurde übel. ,, Du bist doch nicht hier um Süßholz zu raspeln oder? Komm zur Sache Alex, was willst du von mir?'' Die Konsequenz in ihrer Stimme veranlasste ihn zu einem geringschätzigen Lächeln. ,,Ich habe dich geliebt Mira , du allein trägst die Schuld an dem was geschehen ist. Und jetzt sieh uns beide an. Es war nicht zu unserem Schaden.'' Mira glaubte sich zu verhören. ,, Du willst allen Ernstes behaupten, es wäre meine Schuld? Du warst doch der jenige, der niemals genug bekam. Frauen Alkohol, Glücksspiel...Du hast auf mich geschossen, du verdammter Bastard.'' Schrie sie ihm wütend ins Gesicht. Du hast alles zerstört, an was ich glaubte und nun gibst du mir die Schuld? Zur Hölle mit dir Alex. ,, er zuckte mit den Schultern und drehte die Handflächen theatralisch so nach oben, als würde er zutiefst bedauern. ,,Glaubst du mir, wenn ich dir sage, dass ich dort schon war? jeden Tag ohne dich gehe ich durch die Hölle, Mira''.Er sah für einen Moment tatsächlich unglücklich aus, doch Mira ließ sich nicht täuschen. Wie oft schon, hatte er ihr versprochen alles würde anders und wie oft, hatte er dieses Versprechen sofort wieder gebrochen. Sie konnte ihm nicht trauen. ,, Wenn du hier bist um über die Vergangenheit zu plaudern, muss ich dich entäuschen. Kein Interesse. '' Stolz hob sie das Kinn. Wenn du mich jetzt entschuldigen würdest , Alexander...ich habe nicht vor, meine Zeit weiterhin mit dir zu verschwenden. Alex kam einen Schritt auf sie zu . ,, Mira du gehörst zu mir. Jetzt wo ich dich wieder gefunden habe , kannst du nicht weggehen. '' Mira wich zurück. Alleine der Gedanke daran, dass Er sie jemals wieder berührte, machte sie rasend vor Zorn. ,,Du wirst niemals wieder eine Rolle für mich spielen'' fauchte sie. Und jetzt geh mir aus dem Weg''. ,, Hast du jemand neuen im deinem Leben? '' Alex trat noch einen Schritt näher und hob die Hand, so als wolle er ihre Wange streicheln. Mira schlug sie beiseite.,, Fass mich ja nicht an!'' Der Ausdruck in Alex Augen nahm einen gierigen Ausdruck an.,, Es gefällt mir wenn du dich so zierst , Liebes'' Er griff blitzschnell zu und zog sie an sich. ,,Du weißt, dass du mir gehörst'' sagte er und presste seine Lippen auf ihre, nur um daraufhin schmerzerfüllt aufzuschreien. Mira hatte ihm ihren Dolch in die Rippen gerammt. Das würde ihn nicht mehr umbringen, aber es erfüllte sie mit Genugtuung. Alexander starrte sie ungläubig an. ,,Du Hexe, glaubst du denn ernsthaft du hast eine Chance gegen mich?'' Wenn ich dich nicht besitzen kann , wird es auch niemand anderes. Er riß sich den Dolch aus der Wunde und stürzte sich auf sie. Mira hatte damit gerechnet und machte eine halbe Drehung zur Seite. Diese Situation kam ihr krotesk bekannt vor. Hatte sich das damals auf dem Parkplatz nicht genauso abgespielt? Wenigstens würde Alex, ihr diesmal nicht in den Hinterkopf schießen können. Erstens war sie offensichtlich, besser in Form als er und zweitens, hatte sie dank ihres Training's, mehr als 100 Methoden um ihn auszuschalten. Als er wieder auf sie los ging, nutzte sie seinen Schwung aus, tauchte unter dem Ausgestreckten Arm weg und ergriff ihn mit der rechten Hand. Sie bog ihn in aus der Drehung nach hinten und schickte Alex mit einem gezielten Schlag ihrer linken Faust auf die Schläfen, zu Boden. Noch ehe er, die Benommenheit abschütteln konnte, hatte sie ihm die Hände gefesselt und ein Knie auf seinen Rücken gestemmt.,, Hör mir gut zu, Alexander. Solltest du es wagen , noch einmal meinen Weg zu kreuzen,werde ich dich töten. Ich hoffe du hast mich gut verstanden denn ich meine das toternst.'' Damit erhob sie sich und ließ ihn zurück. Sie hörte noch wie er ihr nachschrie,, Wir werden uns wieder sehen , niemand verlässt Alexander Morris'', doch es hatte keinerlei Bedeutung für sie. Nun galt es Andrew zu finden. Auch Colin musste bald zurück sein und sie, hatte genug Zeit verschwendet. Sie war keine 5 Meter weit gelaufen als sie ein leises Klatschen höhrte. Andrew kam aus dem Gebüsch am Wegrand und grinste über beide Ohren. ,, Hast du etwa gelauscht? '' Der berechtigte Tadel in ihrer Stimme war nicht zu überhören. ,, Ach woher denn, du warst so laut, da musste ich gar nicht lauschen '' wies er immer noch grinsend, die Schuld von sich. ,, Alle Achtung Mira, dem hast du es gezeigt. Wenn du mit all deinen alten Freunden so umgehst, ist es wahrscheinlich besser wenn sie dir aus dem Weg gehen.'' Damit handelte er sich zwar einen Seitenhieb ein ,aber der brachte ihn auch nicht dazu, seine ironische Zunge zu hüten. ,,Du weißt also wer das war? Mira hob fragend eine Braue. ,, Na sicher , ich stand ja lange genug dort rum und hab mir das Schauspiel angesehen.'' Niemand verlässt Alexander Morris'' ,äffte er ihn nach. ,,Du bist zu nachsichtig mit ihm umgegangen, ich hoffe, du bereust das nicht eines Tages.'' Andrew verzog nachdenklich das Gesicht. Mira beschäftigte der selbe Gedanke aber sie wischte ihn ärgerlich zur Seite. ,,Ich werde eben ein bisschen wachsamer sein müssen'' dachte sie und laut fügte sie hinzu ,, sollte das der Fall sein, bist du ja da um mich zu beschützen.''Colin wartete bereits im Van auf die beiden. Mira kletterte neben ihn auf den Sitz, wich seinem fragendem Blick aus und überließ es Andrew zu reden. Der ließ sie natürlich wie eine strahlende Heldin dastehen und schilderte haarklein die Begebenheit. Colin nahm das Erzählte schmunzelnd zur Kenntnis, nickte ihr anerkennend zu und startete den Wagen. '' Ich hoffe wirklich , dass wir ihn nicht wiedersehen ,, sagte sie schließlich. ,,Irgendwie hat die Sache einen komischen Nachgeschmack. Als erstes müssen wir herausfinden, wer ihn zu dem gemacht hat, was er ist. Auch wenn ich ihn heute geschlagen habe, so bin ich mir sicher, dass nur seine Selbstverliebtheit der Grund dafür war. Hätte er die Situation und mich nicht unterschätzt, so wären meine Chancen wesentlich geringer ausgefallen. Ich habe nicht vor, den gleichen Fehler zu begehen. Ich muss sofort nach unserer Rückkehr nach San Franzisco, mit Darius reden.'' Sie sah Colin nun direkt an. ,,Was hast du Maric denn erzählt?'' Wie hatte Alexander ihn doch gleich genannt, niedere Kreatur? Mira war gespannt auf Colins Antwort. ,, Ich hatte noch keine Gelegenheit ihm irgendetwas zu erzählen. Er hat Alexander einen Irren genannt und ist eingeschlafen. Ich habe Lucius aber davon berichtet. Er hat ein paar Quellen die er anzapfen kann, um an Informationen zu kommen. Er wartet nur noch auf euch beide. Mira schaute Colin ungläubig an. ,,Er ist eingeschlafen?'' Colin nickte. ,, Nun guck nicht so'' meinte er grinsend. Du vergisst wohl dass der gute Maric, einen anstrengenden Flug hinter sich hat und auch nur ein Mensch ist ?!? '' Andrew prustete los. ,, Das hast du fein gesagt, Brüderchen, die Betonung liegt in diesem Satz, wohl bei dem Wort, auch''. Mira lachte nun ebenfalls und die Gefahr die von Alexander Morris ausging war fürs erste vergessen. In der Pension angekommen, stürmten sie zu dritt die Küche und nötigten Lucius dazu, die Reste des Abendessens hervorzuholen. Nachdem sie kauend berichtet, und Lucius mit dem nötigstem Wissen versorgt hatten, führte dieser ein paar Telefonate. Als er zurückkam wirkte er angespannt und in seinem hübschen Gesicht stand, dass die Neuigkeiten die er für sie parat hatte, alles andere als gut waren. Doch zunächst einmal setzte er sich an den Tisch warf einen vielsagenden Blick in die Runde und wandte sich zuerst an Mira. ,, Der Rat hat die Familie Wolcziak in die Isoltion geschickt, richtig? '' Mira nickte. ,, Wer genau wurde alles verbannt? '' Mira überlegte kurz. ,, Darjan, Eliza, Jovan, Jaris und Elvita, und der Anführer der Verschwörung Asmir. Warum , was ist denn los?'' Lucius runzelte die Stirn. ,, Der Rat hat jemanden vergessen , jemanden dem damals vermutlich zu wenig Bedeutung beigemessen wurde, weil er als zu jung erschien um an einer Verschwörung dieser Größenordnung beteiligt zu sein. Alle Gesichter waren nun Lucius zugewandt. Ungläubig starrte Mira ihn an. ,,Wer'', flüsterte sie. Obwohl sie die Antwort ahnte , wollte sie von Lucius hören dass sie sich irrte. Andrew schien es ähnlich zu gehen und als Lucius den Namen nannte, zeichnete sich auf den Gesichtern der beiden eine böse Gewissheit ab.

Paris im Mai 2010

Mira stand an der Seine und stieß mit der Stiefelspitze kleine Steinchen ins Wasser. Sie brauchte noch ein paar Tage um sich zu erholen ehe sie nach San Franzisco zurückkehren konnte. Darius befand sich in Sicherheit und Dank der Information die ihr Tajan zukommen ließ, konnte das Labor in den Katakomben gefunden und die Anführer der Verschwörung , allesamt Angehörige eines slawischen Clans, in Gewahrsam genommen werden. Mira erschauderte bei dem Gedanken an Darius's Anblick. Angekettet, bleich und halbtot, war er mit Schläuchen an einer Maschine befestigt die ihm permanent das Blut aus den Adern pumpte. Immer nur soviel damit er am Leben blieb und sich neu regenerieren konnte. Überall lagen Beutel mit Blutransfussionen die ihm als künstliche Ernährung eingeflößt wurden, damit er seinen Entführern nicht wegstarb. Tajan war es auch, der ihr den entscheidenden Tip gab. Die Morgans flogen im Mai immer nach Paris. Colin studierte an der Académie des Beaux-Arts de Paris, der Akademie der schönen Künste in Paris und da er es auch vorzog, dort für die Dauer seines Studiums zu wohnen, blieb ihnen keine Wahl. Colin lebte für die Kunst und Darius, akzeptierte den Wunsch seines jüngsten Sohnes. Nebenbei erledigte er meist ein paar Geschäfte, traf sich mit Partnern der Kanzlei und da dies, weder Lilia noch Mira besonders interessierte, tat er das meistens allein. Im Mai, wenn die Blätter der meisten Bäume ausgetrieben waren und die Welt sich vom Winter erholt und regeneriert hatte, war es in Paris am schönsten. Die milde Frühlingssonne ließ bereits eine Ahnung auf den Sommer zu und die Luft war erfüllt mit den unterschiedlichsten Düften. Lilia liebte diese Stadt. Für Mira hingegen, war der Aufenthalt hier, von traurigen Erinnerungen beschattet. Ihre Mutter hatte sich nach dem tragischen Tod ihres Vaters, hierher zurückgezogen. Sie lebte in einer kleinen 2-Zimmerwohnung, mit Blick auf den Fluß der sie, wie sie immer zu sagen pflegte, daran erinnerte, wie schnell das Leben dahinfloss. Mira besuchte sie ab und zu und mit jedem Mal, wirkte ihre Mutter dünner und durchsichtiger. Als der Arzt bei ihr in San Franzisco anrief, wusste sie es, ehe der Mann ihr mitteilen konnte dass ihre Mutter eingeschlafen war. Maja Konstantin hatte sich vom Tod ihres Mannes nicht wieder erholen können. Manchmal dachte Mira wehmütig an das Leben zurück, in dem sie eine stinknormale junge Frau mit Träumen und Ängsten war. Als Vampir war vieles leichter aber die Erinnerung, ließ sich nicht abschütteln. Mira war das ganz lieb. Sie wollte sich erinnern. Die tiefe Trauer über den Verlust der Eltern war heute, ganze 26 Jahre später, zur Melancholie geworden. Sie hatte in den zweieinhalb Jahrzehnten als Vampir gelernt, mit dem Verlust zu leben. Paris hatte immerhin auch schöne Seiten. Lilia schleppte sie mit ins Museeum, in die Oper, zum shoppen und zu ihren alten Freundinnen. Letztere waren nur dem Alter nach alt, denn ihre Gesichter wirkten genauso zeitlos , wie das von Lilia Morgan. Bei einer dieser Gelegenheiten lernte sie auch Tajan kennen. Ein Literaturstudent auf Bildungsreise. Sie mochte ihn und verbrachte ab und zu etwas Zeit mit ihm. Als Darius eines Morgens nicht nach hause kam und Lilia sich schon schreckliche Sorgen machte, rief er an und berichtete was er beobachtet hatte. Darius war entführt worden und Tajan verwies auf den Pere de Lachaise, jenem Friedhof auf dem auch Jim Morrison beerdigt wurde. Hier hatte er Darius Spur verloren. Die Katakomben zogen sich unterirdisch, kreuz und quer durch die Stadt an der Seine. Überall befanden sich Zugänge und so folgte Mira, Tajans Bitte, sich auf dem Friedhof mit ihm zu treffen. Zu zweit erkundeten sie tagelang die Katakomben bis sie schließlich auf das Labor stießen. Die Wolcziaks hatte direkt unter einer Grabstätte die ihrer Familie gehörte einen Raum eingerichtet der jedem medizinischen Institut zur Ehre gereicht hätte. Darius Befreiung war alles andere als ein Spziergang, denn das Labor war strengstens bewacht. Mira wurde angeschossen und Tajan zog sie aus dem Kugelhagel in Sicherheit. Nur der Umstand , dass sie anschließend für tot gehalten wurde, verdankte sie es dass sie Darius befreien konnte. nachdem sie die Wachen beseitigt und ihren Ziehvater von der Maschine gelöst hatte, war es wieder Tajan, der ihr dabei half, Darius nach Hause zu bringen. Mira kam es eigenartig vor, dass er so viel wusste und fragte ihn, direkt nach seinen Quellen. Tajan erzählte ihr, dass auch er ein Wolcziak war und daher von gewissen Plänen , Wind bekommen hatte. Er beteuerte , dass sich seine Familienzugehörigkeit nur auf den Namen bezog und er nichts damit gemein hatte, was die anderen in seinem Clan taten. Da ohne seine Hilfe die Befreihung von Draius nicht möglich gewesen wäre, schenkte sie ihm Glauben. Vorsichtshalber überprüfte Andrew, die über Tajan zur Verfügung stehenden Daten. Alle Angaben schienen zu stimmen und so nahm die Geschichte, für alle Beteiligten ein gutes Ende. Leider war der Kontakt zu Tajan nach ein paar Monaten abgebrochen und weder Andrew noch Mira hatten je wieder von ihm gehört.Lucius sprach den Namen aus, der Mira durch den Kopf ging. Tajan...sie konnte es nicht glauben und sah ihn vor sich, wie sie ihn in Erinnerung hatte. Die rötlichen kurzen Haare, die grünen Augen in dem schmalen,immer etwas zu jung wirkenden Gesicht. Das heitere Gemüt des Studenten und seine offene Art. All das war nichts weiter als ein gut gespieltes Stück, nichts entsprach tatsächlich der Wahrheit und von dem was er ihr und Andrew erzählte war das meiste, ebenfalls gelogen. Der wahre Tajan war ein direkter Nachfahre, des inzwischen in der Isolation verstorbenen Oberhauptes der Wolcziaks. Damit war er der neue Anwärter und durch seine Intelligenten Schachzüge und Manöver hatte er sich zum Günstling von so manchem einflussreichen Adeligen in seiner slawischen Heimat emporgespielt. Als Lucius den betroffenen Gesichtsausdruck von Mira sowohl auch den von Andrew wahrnahm, versuchte er sie zu beruhigen. ,,Das alles, hat sich erst jetzt herusgestellt und unterliegt noch strengster Geheimhaltung. Ich bitte euch Diskretion zu wahren. Der einzige den ihr einweihen dürft, aber nur weil es unbedingt erforderlich ist, wäre Darius. Mein Informant, untersteht nicht dem Rat so wie du Mira. Er gehört einer speziellen Organisation an, die für das Gleichgewicht unter den Vampiren zuständig sind. Seine Identität und die der Organisation, darf ich euch leider nicht verraten den sie muss um jeden Preis gewahrt bleiben. Dein Freund Alex, (Und dabei betonte er das Wort Freund, als würde er etwas wiederliches beschreiben), ist durch Tajan zu dem gemacht worden was er ist. Offenbar studiert er schon sehr viel länger Literatur, die ihm eigentlich, nicht in die Hände hätte fallen dürfen. Länger als uns lieb sein kann. Das Blut was er für diesen Zweck verwendet hat, fließt auch in euren Adern.'' Lucius machte eine bedeutungsschwere Pause, damit die drei die Tragweite seiner Worte auch richtig verstanden. In ihm fließt das Blut der Ersten, jener Linie aus der auch Darius stammt.