Shadowborn, Das Blut der Ersten
Kapitel 4 : Verwirrt
Es gibt Dinge ,die sind bekannt und es gibt Dinge ,die sind
unbekannt. Dazwischen gibt es Türen
William Blake
Maric, war wütend. Wie konnte dieser dahergelaufene Kerl ihn als niedere Kreatur bezeichnen? Also mit wem er sich hier anlegte, wusste er jedenfalls nicht, sonst hätte er sicherlich eine andere Wortwahl getroffen. Und außerdem , was sollte diese Geheimniskrämerei . Dass dieser Alex irgendwas mit Mira zu tun hatte, war offensichtlich. Genau so offensichtlich wie, dass sie ihn nicht mochte. So wie es aussah, verband die beiden, etwas in der Vergangenheit. Maric würde sie einfach fragen. Immerhin hatte sie es ja auch für nötig gehalten , Alex auf eine andere Spur zu locken. Was soviel bedeutete , dass er eine Gefahr darstellte. Darum hatte sie ihn abgelenkt, war in den Park gelaufen und irgendwie, musste sie Colin zu verstehen gegeben haben, dass er ihn, derweil in Sicherheit brachte. Maric war sich sicher, dass hier irgendetwas nicht so lief wie es sollte. Wie nahe er mit seiner Schlussfolgerung, der Wahrheit bereits kam ,sollte er bald darauf erfahren.Mira war der Schock noch immer ins Gesicht geschrieben, als sie einen Tag später, zu hause in San Franzisco, in der Bibliothek der Morganvilla saß, in der sie auf Darius wartete. Sie hatte ihn, noch vom Nachtflieger aus, informiert und ihm in knappen Sätzen erklärt, was sich zugetragen hatte. Colin der an einem Regal lehnte und scheinbar gelangweilt in einem Buch blätterte und Andrew der mit mißmutigem Gesicht, Furchen in den Teppich lief, hatten angeboten, sie zu begleiten. Natürlich nahm Mira diese Geste dankbar an. Ihr ging einfach zuviel durch den Kopf. Zum einen die Sorge wegen Alex. Sie war sich sicher , dass er ungeachtet ihrer Drohung, bald wieder auftauchen würde und was das bedeutete, wollte sie sich gar nicht erst ausmalen. Zum anderen war da Maric. Wie sollte Mira ,ihn denn unter solchen Umständen beschützen? Es dürfte sich als außerordentlich schwierig gestalten, Maric vor Unheil zu bewahren, wenn Alex wusste, dass Maric keine Ahnung hatte, was sie darstellten. Alex war nicht auf den Kopf gefallen und hatte diesen erheblichen Umstand, mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit, bereits herausgefunden .Der Gedanke, Alex wäre nun so wie sie, kam ihr erneut in den Sinn und so im Unrecht, schien sie damit gar nicht zu liegen. Denn auch wenn er ein Arsch war,in ihm floß nun Darius Blut. Was ihn jetzt zwar nicht gerade zu ihrem speziellem Freund machte,aber immerhin eine Komponente darstellte, die nicht einfach von der Hand zu weisen war. Colin und Andrew , schienen ähnlichen Gedanken nachzuhängen denn ihre Gesichter, sprachen Bände. Auch wenn Sie mit Alexander ,keine gemeinsame Vergangenheit verband, so floss in ihren Adern, doch das selbe Blut. An dieser Stelle muss hinzu gefügt werden , dass es völlig egal ist, wie betreffender Vampir gewandelt wurde. Das einzige Zählende ist, das Blut seines Erschaffers und dessen Erbgut. In dieser DNA ist programmiert, wie stark, ausdauernd oder wie resistent ein Vampir gegenüber allen möglichen Einschränkungen ist. Dabei fallen diese zu vererbenden Eigenschaften, zufällig und vor allem, unterschiedlich aus. Andrew und Colin zum Beispiel, trugen als geborene Morgans, die komplette Erbpalette ihrer Eltern in ihren Genen. Alle Fähigkeiten, die Darius oder Lilia weiter zu vererben hatten, wurden an die Söhne, im vollem Umfang weitergegeben. Mira hingegen, wurde nur von Darius's Blut gewandelt und konnte deshalb, auch nur bedingt über die Fähigkeiten dieser Linie verfügen. Dabei spielten mehrere Faktoren eine Rolle. Zum einen war da, die von Natur aus gegebene Veranlagung , die durch das Vampirblut verstärkt wurde. Das konnte sich als positiv oder negativ herausstellen und in Alexanders Fall, bedeutete das in jedem Fall, negativ. Mira konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass Alex sich zum Guten gewandelt haben sollte. Offenbar hielt Andrew, der wieder einmal ihre Gedanken laß, genauso wenig von dieser Idee. Mira konnte es deutlich in seinem Gesicht sehen. In diesem Moment betrat Darius die Bibliothek. Sein Blick fiel zuerst auf Colin, der dem Eingang am nächsten stand, streifte dann Andrew und blieb schließlich, an Mira hängen. Hinter seiner Stirn, schien ein Sturm zu toben denn ihm war deutlich anzusehen, wie aufgewühlt er sein musste. Er maß Mira mit einem traurigem Blick, fast so ,als trüge er eine ungeheure Last auf seinen Schultern. Seine Stimme klang rauh und Mira zerriss es beinahe das Herz als er das Wort an sie richtete und sie um Verzeihung bat. ,,Warum um alles in der Welt?'' Mira dachte es nur. doch Andrew sprach diesen Gedanken laut aus. ,,Nein Darius, bitte mich nicht um Verzeihung denn dazu, besteht überhaupt kein Grund. Es war weder dein Wille , noch war es deine Schuld.'' Mira nickte ihm aufmunternd zu. ,,Ich habe dich gesehen, du hättest dich gar nicht mehr wehren können. Du hast halbtot an dieser verdammten Maschine gehangen.'' Und hätte der Rat ein wenig mehr auf die Sicherheit seiner Fürsten geachtet, dann wäre es nie zu dieser Entführung gekommen. Wenn sich also jemand zu rechtfertigen hat ,dann sind es die Mitglieder des Rates. ,,...Welche wir aber nicht davon unterrichten dürfen, fügte Colin hinzu. Darius nickte, ,, ja ihr habt Recht und doch, ich war unbesonnen und ...'' Lass es gut sein Darius ,ich habe dir nichts zu verzeihen.'' Mira lächelte und umarmte ihren Ziehvater. ,,Stattdessen sollten wir herausfinden wie wir von nun an vorgehen werden.'' ,,Das ist wohl wahr,''meldete sich Andrew zu Wort.<< Sag mal Bruderherz, was sagt denn Lucius, wie wir diese ominöse Organisation erreichen sollen, wenn wir sie denn mal brauchen.>> Den letzten Teil des Satzes betonte er so, dass man heraushören konnte, was er davon hielt. ,,Über ihn'', antwortete Colin. Ich habe bereits darum gebeten dass er herkommt, weil es für ihn hier einmal am sichersten ist, und außerdem werden wir so, gleich vor Ort mit Informationen versorgt. Er müsste eigentlich bald hier auftauchen denn er hat, den Flieger gleich nach uns genommen. Ich hielt es für das Klügste.''<<Eine sehr weise Entscheidung mein Junge>> . Anerkennend klopfte ihm Darius auf die Schulter.,, Hat jemand von euch eine Idee wie wir Maric am besten aufklären?'' Damit hatte er ins schwarze getroffen denn sofort, wurde die gerade aufgeheiterte Stimmung, wieder ernst. ,,Wir müssen ihm die Wahrheit sagen , soviel steht fest. '' Sollte er es durch Alex erfahren, dürfte das wohl kaum zu seinem Gunsten ausfallen. Maric muss wissen mit was er es zu tun hat. Alexander hatte Zeit zum lernen und wird außerdem ein Training genossen haben, von dessen Härte ihr ausgehen müsst. Leider ist das für Maric alles andere als gut. Je eher wir ihn also aufklären um so besser. Ich möchte das Mira das übernimmt. Du hast den besten Draht zu ihm und außerdem, bist du eine Frau. Mira sah warnend rüber zu Andrew, doch ihr Ziehbruder zog es dieses Mal vor zu schweigen. Dafür hatte Colin etwas zu sagen und entgegen ihrer Befürchtung, dass er sich, jetzt auch von Andrews,, Baronin Babysitter'' anstecken lassen hatte, meinte er nur ,, Außerdem ist sie in solchen Sachen viel feinfühliger als wir. '' Dann war es also beschlossen, ohne Mira zwar, aber diese wusste insgeheim, dass die Männer recht hatten und da das sowieso schon so selten passierte, wollte sie in diesem speziellen Fall, nicht wiedersprechen.,, Am besten wird sein, du bringst ihn danach zu mir. Colin, du bleibst in der Nähe falls sie Hilfe braucht, Andrew kommt mit mir. Ich wünsche dir viel Erfolg mein Kind, hast du Bedenken? '' Darius sah ihr prüfend in die Augen. Mira verneinte. Ihr war zwar noch immer nicht ganz wohl bei dieser Sache, aber was hatte sie denn schon für eine Wahl. Und im Vergleich zu dem, was Maric bei Alexander erwartete, war es ihr so , wesentlich lieber. Da er sich noch in der Villa befand, dürfte er nich schwer zu finden sein. Was sie brauchte, war ein Plan. Unterwegs stattete sie Martha noch einen Besuch in der Küche ab. Blaubeerpfannkuchen konnten außerordenlich förderlich beim nachdenken sein.Mira fand weder das eine noch das andere vor. Die Küche war leer , was bedeutete , es gab keine Pfannkuchen für sie. Und als wäre das nicht schon ärgerlich und außerdem seltsam genug, roch es nicht nach Kaffee wie sonst auch. Die Küche wirkte, nicht wie gerade nicht in Betrieb, sondern wie völlig verlassen. Darauf konnte sich Mira keinen Reim machen , beschloss aber Darius zu fragen, wenn sie ihn nachher traf. Nun musste sie wohl oder übel, ohne Blaubeerpfannkuchen auf eine möglichst gute Idee kommen,wie sie Maric schonend beibringen konnte, dass alle, die sich um ihn herum bewegten, Vampire waren. ,,Was soll daran schon schiefgehen?'', dachte sie zynisch. Sie fand Maric schließlich am Brunnen im inneren Hof. Das war auch Miras Lieblingsplatz auf dem Anwesen. Der achteckig angelegte Platz, war nach oben hin mit einer Glaskuppel versehen, die Tags über, genug Wärme und gefiltertes Sonnenlicht und nachts, das klare Licht des Mondes einfallen ließ, welches diesen Platz in einen magischen Ort verwandelte. Mit Moos bewachsene Säulen und ur-alt aussehende Steinbänke, gaben dem Hof ein ganz besonderes Flair und auch, an die passenden Pflanzen war gedacht. Efeu und wilder Wein, wucherten um die Stützbalken der Kuppel und um die Götter-Statuen, die den Brunnen zierten. Ein Hauch des Verwunschenem hing über diesem Flecken Erde. Wenn sie als Vampir, sich diesem Zauber nicht entziehen konnte, dann konnte Maric, es erst Recht nicht. Als er sie kommen sah, schickte er ihr ein warmes Lächeln entgegen doch das, täuschte nicht über die Frage hinweg,die offenbar in ihm brannte. Mira musste sich nicht großartig anstrengen, um seine Gedanken zu lesen denn sie überfluteten ihren Geist, sobald sie Marics Gesicht sah. Seine ganze Körperhaltung drückte Anspannung aus. Das Blonde Haar wirkte zerzaust, als wäre er gerade erst aus dem Bett gefallen, doch die Schatten unter seinen Augen verrieten ihr, dass er nicht geschlafen hatte. Es sprach auf alle Fälle erst mal nicht gegen ihn denn als intelligeten und feinsinnigen Kopf hatte sie ihn kennen und schätzen gelernt. Es war vorauszusehen dass Maric instinktiv spürte, dass etwas nicht stimmte. Mira wusste nicht wo sie beginnen sollte, also beschloss sie, Maric ihre eigene Geschichte zu erzählen. Sie begann mit dem Tod ihrers Vaters, berichtete wie sie Alex kennenlernte und wie sich diese Geschichte dann zum Alptraum etwickelte. Marics Gesicht ,war deutlich anzusehen was er vo Alex hielt. Mira kam schließlich zu ihrem ersten Treffen mit Darius, schilderte die Umstände unter die sie ihn kennengelernt hatte und endete bei der Kündigung in der Bar. Nach einer kleinen Pause, in der sie überlegte wie sie fortfahren sollte, erzählte sie dann den Rest, genau so wie er sich zugetragen hatte. Sie ließ weder aus, dass Alex sie eigentlich getötet hatte und dass, es nur Darius zu verdanken war, dass sie jetzt hier vor ihm stehen konnte, noch verschwieg sie ihm die Tatsache, wie das möglich war. In Marics Mine war deutlich zu lesen, wie sehr er durch diese Eröffnungen,zwischen Glauben und Unglauben, hin und hergerissen wurde. Er streckte eine Hand nach Miras Gesicht aus und berührte ganz sanft ihre Wange. ,, Für mich fühlst du dich normal an'', sagte er mit einem zaghaften Lächeln. Mira grinste. ,, Ich fühle mich auch nicht unnormal. Natürlich muss ich zugeben, dass ich vor 30 jahren erst mal nachgesehen habe ob mir irgendwas eigenartiges gewachsen ist. Wie du sehen kannst ist alles an mir, dort wo es hingehört. Ich bin nur stärker, schneller und besser als früher. Vampir zu sein,ist gar nicht so schlecht, wenn man sich erstmal an die Einschränkungen gewöhnt hat, was aber relativ schnell geschieht. Maric sah noch immer nicht ganz überzeugt aus, was vermutlich auch daran lag, dass er Miras Spiegelbild im Wasser sehen konnte. Nachdem Mira ihn über die Eigenschaften der Kristalle aufgeklärt hatte und ihm auch die Tatsache, dass sein Vater immer schon über Darius und seine Familie Bescheid wusste, nicht verschwiegen hatte, schienen sich Maric's Zweifel zu zerstreuen. ,, Und Alex ist genau deshalb so gefährlich ,weil er dass selbe ist wie wir. Er hätte dich töten können Maric, deshalb hab ich Colin gebeten, dich in Sicherheit zu bringen'' , schloss Mira schließlich ihre Aufklärungsstunde . Maric wirkte zwar blass um die Nase , aber er stand und davongelaufen, war er auch nicht. Miras Informationen, hatten ihre Wirkung nicht verfehlt. Sein Vater wusste über die Vampire Bescheid und hatte nicht einmal, in Erwägung gezogen ihn einzuweihen und dann, war er Dank Miras Einsatz in London, vermutlich dem Tod noch mal gerade so von der Schippe gesprungen. Für Maric's Geschmack ein bisschen zu heftig. Sein Vater, sollte sich eine gute Erklärung einfallen lasen warum er es billigte, dass er sich so in Gefahr begab. Und mit Darius würde er auch ein paar ernsthafte Worte wechseln. Entlassen, würde dieser ihn ganz sicher nicht, denn nachdem Alex wusste wie er aussah, gab es für Maric eigentlich nur die Möglichkeit, hier zu bleiben wo er sicher war. Einzig an dem Umstand, dass Mira auf ihn aufpassen sollte, hatte er nichts auszusetzen. Sie war zwar eine Frau, aber eine verdammt hübsche und er mochte sie sehr. Auch die Brüder hatte er ins Herz geschlossen und Darius war ein toller Chef. Stellte sich die Frage, ob Maric damit leben konnte, dass alle um ihn herum, anders waren als er. Darius würde er ja ohnehin gleich treffen und er hoffte dass dieser, ihm ein paar Antworten geben konnte. Sie trafen ihn in seinem Arbeitszimmer wo Andrew schon wieder Furchen in den Teppich lief. Mira konnte sich das Grinsen, nicht mehr verkneifen. Gerade Andrew, der in London noch so unglaublich souverän erschien, benahm sich jetzt wie das von ihm beschriebene Kind vor der Beschehrung. Als er das amüsierte Funkeln in Miras Augen sah,wurde er jedoch augenblicklich ruhiger. Nur keine Blöße geben. Colin der sich am Brunnen, unsichtbar im Hintergrund gehalten hatte, stieß nun ebenfalls wieder zu ihnen. Maric wusste diese Aufmerksamkeit natürlich zu schätzen. Wenn alle zwei Morgan-Brüder, samt Vater und Mira als Zugabe in einem Raum waren, lag ein Hauch von Stärke in der Luft, den man sich nur schwer, entziehen konnte. Darius war es, der das Gespräch begann. ,, Da du nun alles weißt, und sicherlich eine Menge Fragen haben wirst, hier ist die Gelegenheit. Ob nochmal eine Bessere kommen wird , kann ich dir nicht sagen also frag was du wissen musst und ich werde versuchen, dir nach bestem Gewissen zu antworten. Ich gehe davon aus, dass Mira dich bereits über alles Wissenswerte informiert hat? '' Maric nickte bedächtig, ließ Darius aber dabei nicht aus den Augen. Ein wenig unheimlich war die ganze Geschichte schon, wenn er bedachte , dass seine Weltanschauung in einer knappen halben Stunde einfach über den haufen geworfen wurde und er sich jetzt mit der tatsache konfrontiert sah, dass es tatsächlich Vampire gab. Darius schien zu wissen was in ihm vorging. Er machte einen Schritt auf ihn zu und versicherte, dass Maric sich hier in keinerlei Gefahr befand. ,, Ich habe deinen Vater angerufen, mein Junge. Er wird jeden Moment hier sein. Ich kann mir vorstellen, dass du sicherlich einige Antworten brauchst, bei denen er anwesend sein sollte.'' ,, Ist das so offensichtlich?'' Maric fuhr sich mit der linken Hand durch die Haare. ,, Ich sollte mich vielleicht setzen, ehe ich über so viel Information in Ohnmacht falle'' fügte er mit gerunzelter Stirn hinzu und nahm in einen der vier cremefarbenen Sesseln Platz, die wahrscheinlich eher der Gemütlichkeit dienten als bloße Polsterstühle. Dass Darius , großen Wert darauf legte, dass sich seine Gäste wohlfühlten , sprach für ihn. ,, Du musst verstehen, dass wir dir nicht einfach so sagen konnten, was wir sind. Du hättest es zu gegebener Zeit erfahren, das stand bereits fest. Mir, oder besser gesagt uns, Darius machte eine alles erfassende Handbewegung, wäre es jedoch lieber gewesen, dass wir diesen Zeitpunkt besser hätten bestimmen können. Durch die Umstände ist es nun leider, eher erforderlich geworden als nötig. Es tut mir leid. Dein Vater hätte dich nicht in meine Obhut unterstellt, wenn er sich nicht zu 100 Prozent sicher gewesen wäre, dass du dem ganzen gewachsen sein würdest. Was Alexander betrifft, so hat dir Mira ja bereits alles gesagt. '' Maric fragte sich woher Darius das wissen wollte, sah aber auch, dass es rahmenbedingt dazu gehörte. ,, der Kerl scheint ja ein besonders netter Zeitgenosse zu sein. '' erklärte er mit einem etwas zu schief geratenem Grinsen. ,, Das ist noch untertrieben'' , antwortete Mira und verdrehte theatralisch die Augen. ,, Alex ist mit reichlich Abstand, das größte Ekel unter der Sonne. Jedenfalls soweit ich es beurteilen kann. Der Umstand, dass er jetzt ebenfalls ein Vampir ist, macht es nicht leichter, denn eigentlich hatte ich gehofft, dieses Kapitel wäre ein für alle Male erledigt. Inzwischen wird er wissen, dass du ein Mensch bist und er wird alles daran setzen , deiner habhaft zu werden. Sei es auch nur aus dem Grund, um eine Machtposition zu demonstrieren, von der er glaubt er hätte sie. Draußen erklang das Geräusch eines ankommenden Autos. ,, Das ist sicher Lucius'', meinte Colin.,, Ich werd ihn mal in Empfang nehmen.'' Und damit war er aus der Tür. Keine zehn Minuten später kam er jedoch allein wieder herein. Auf den fragenden Blick seines Vaters hin, fing er an zu grinsen. ,, Lucius hat Nova kennengelernt die gerade aus dem Teich kam, und nun ist er erst mal duschen. Offenbar ist sie eine Nummer zu groß für Lucius. Sie hat ihn einfach umgerannt und abgeschlabbert. Maric verstand nur Bahnhof. ,, Nova ist unsere Irische Wolfshündin. Du hast sie bisher noch nicht gesehen weil sie zum Decken in Irland war. Nun ist sie wieder da, ohne dass einer der Rüden eine Chance bei ihr hatte. Sie ist wohl zu anspruchsvoll. Andrew machte ein wissendes Gesicht, ging zwei Schritte auf Sicherheitsabstand und raunte Maric mit Verschwörerstimme zu,, Da ist sie hier nicht die einzige''. Mira verzichtete darauf, ihn jetzt zur Verantwortung zu ziehen denn vor Maric, wollte sie sich keine Blöße geben. Das wiederum, reizte Andrew förmlich dazu, noch einen draufzusetzen und er erklärte mit völlig ernstem Gesicht, dass ,,Baronin Konstantin'' sich niemals dazu herablassen würde, sich mit jemanden unter ihrem Niveau abzugeben. Maric, der sich inzwischen an die Frotzeleien zwischen den beiden gewöhnt hatte, konnte sich das Grinsen nicht mehr verkneifen und als er Miras warnenden Blick sah, biss sich auf die Lippen um nicht loszulachen. Andrew ging bei Darius in Deckung, welcher das Spielchen heute ausnahmsweise mal mitspielte. ,, Wenn ich du wäre mein Junge, dann würde ich heute mit einem Rückspiegel rumlaufen.'' An Mira gewandt meinte er, ,,lass dich von mir nicht aufhalten, er hat diesen Denkzettel ganz sicher verdient.'' Mira wollte gerade etwas erwiedern, als die Tür aufging und Lucius herein kam. Mit einem vielsagendem Blick gab sie Andrew zu verstehen, dass diese Geschichte, später abgeschlossen würde. Lucius sah noch immer etwas geschockt aus , aber er war sauber und roch auch nicht mehr nach nassem Hund. Mira hatte beinahe Mitleid mit dem armen Kerl. Irische Wolfshunde waren nunmal verdammt groß und Lucius, hatte auch mit seinen Vampirkräften keinerlei Chance gegen sie. Nicht wenn Nova (so wie eigentlich immer) den Überraschungsmoment ausnutzte. Wer rechnete denn auch am damit, von einem Tier, dessen Kopf die Größe eines Kalbes hatte , angefallen zu werden. Ihre Schulterhöhe maß 75 cm, daher ging sie einem durchschnittlich großen Menschen ungefähr bis zu Hüfte. Wenn sie sich auf die Hinterpfoten stellte, überragte sie den eher kleinen Lucius mit Sicherheit um eine Kopflänge. Aus dem vollen Lauf umgeschubbst zu werden war bei 43 kg fliegendem Gewicht , welches durch den Sprung noch verstärkt wurde, sicherlich nicht halb so lustig wie es sich anhörte. Und dann auf dem Rücken liegend, Auge in Auge mit der nassen Nova, die ihm hingebungsvoll ihre Liebe bezeugt hatte, in dem sie Hundeküsschen gab. Ja, Lucius's Schock war durchaus verständlich. Nun musste Mira ebenfalls lachen. Lucius wusste sehr wohl, auf wessen Kosten sich hier amüsiert wurde. Aber er machte gute Mine und bot sogar an, seine neue Freundin, später nach dem Meeting noch zu besuchen. Inzwischen, hatte sich auch Derek Mc Farlane auf dem Anwesen eingefunden. Marics Ziehvater Legte seinen Mantel ab und begrüßte Darius freundschaftlich. Sein Sorgenvoller Blick ruhte dabei , jedoch auf Maric, dem das keineswegs entgangen war. Dieser hatte seine Verwirrung jedoch inzwischen abgeschüttelt und wartete auf die Fortsetzung von Darius's Erklärung. Da das Arbeitszimmer eigentlich nicht für Treffen dieser Größenordnung geeignet war, zog Darius es vor das Gespräch in ein gemütlicheres Ambiente zu verlegen und so, zogen sie in die Bibliothek um, wo Carl schon für das leibliche Wohl und ein wärmendes Feuer im Kamin gesorgt hatte. Vor allem Derek nahm das dankbar an. Er war schließlich nicht mehr der jüngste und als Nicht-Vampir tat es seinen Knochen gut, im warmen zu sitzen. Nachdem jeder seinen Platz eingenommen hatte, begann Darius zu erzählen. Dein Vater und ich, kennen uns schon mehr als zwei Jahrzehnte. Wir wurden uns eines Abends, auf einer Feier zur Fusion von ,,Morgan & Gregorian'' vorgestellt. Der gute Derek war damals 36 Jahre alt, kaum älter als du heute.'' Dabei sah er Maric fest in die Augen. Dieser hielt dem Blick stand. ,, Gloria Gregorian , die du ja selbst kennst, hielt es für eine gute Idee wenn wir unter den Menschen, Vertraute hätten und dabei fiel ihre Wahl auf deinen Vater. Unsere rasse ist schon sehr alt. Im Grunde genommen leben wir schon um einiges länger zivilisiert, als die heute so zivilisierte Menschheit. Dieser Planet ist immer schon unsere Heimat gewesen. Wir lebten für uns und ernährten uns von der Jagd nach Tieren. So sehr, unterscheiden wir uns also gar nicht von euch. Wie du bereits gesehen hast, nehmen wir völlig normale Nahrung zu uns. An dieser Stelle hielt er kurz inne und sah zu Mira hinüber. ,,Marthas Sohn heiratet in zwei Tagen. Sie bat mich um zwei Wochen Urlaub und hat das Rezept für deine Blaubeerpfannkuchen dagelassen. Leider trifft die Vertretung, die uns Gloria schickt, erst morgen ein. Du kannst dich natürlich gerne selbst an den Pfannkuchen versuchen. Alles was du dafür brauchst, findest du in der Küche und in der Voratskammer. Damit war das Mysterium der fehlenden Nervennahrung geklärt aber ob sie sich an die Zubereitung heran wagte, stand noch in den Sternen. Daher nickte sie nur und behielt ihre Gedanken, sofern das bei Andrew möglich war, denn er grinste schon wieder blöd vor sich hin, für sich. Darius fuhr indessen mit seiner Geschichte fort. Unsere Nahrung bestand also aus dem was wir erbeuteten. Nur mit dem Unterschied, dass wir das Blut auffingen und tranken. Denn nur daraus, ziehen wir die für uns, lebenswichtigen Nährstoffe. Unsere Körper funktionieren anders als Eure. Wir haben einen anderen Stoffwechsel,einen anderen Kreislauf und ein wesentlich stärkeres Immunsysthem als die Menschen. Im Grunde sind wir, bis auf einige Einschränkungen, die wir aber mit Hilfe unserer Technologie Schritt für Schritt beheben, Eine bessere Version von euch. Ich meine das nicht herablassend, es ist eine Tatsache. Jede Rasse auf der Welt, hat ihre Stärken und Schwächen. Sie wurden so geschaffen um sich zu ergänzen und voneinander zu lernen. Als wir auf die ersten Menschen trafen, halfen wir so gut wir konnten. Wir waren maßgeblich an eurer Entwicklung beteiligt, an euren Fortschritten. Wir teilten unser Wissen und unsere Kräfte. Einige Jahrzehnte lief das auch gut. Doch eines Tages sollte sich das ändern. Menschen brauchen etwas zu dem sie hinauf sehen können. In uns hatten sie jemanden, der ihnen überlegen war und der diese Kriterien, damit erfüllte. Einigen von uns, stieg diese Huldigung jedoch zu Kopf. Sie maßten sich an, Gott zu spielen, zu beherschen, und zu richten. Für sie waren Menchen , nur dumme Wekzeuge und nur dafür da, sie zu belustigen. Sie fingen an ihr Blut zu trinken und als das die anderen , friedliebenden von uns mitbekamen, kam es erst zu internen Streitigkeiten und später, als es keinen Verhandlungsweg mehr gab, zu blutigen Auseinandersetzungen. Die Leidtragenden waren die Menschen, denn sie gerieten zwischen die Fronten. Aus ihrer Zuneigung uns gegenüber, wurde Furcht und aus dieser Furcht, wurde flammender Hass. Sie erhoben sich gegen uns und brachten, da sie unsere Gewohnheiten kannten, viele von uns zu Fall. Diejenigen von uns die immer nach friedlicher Koexistenz strebten, zogen sich zurück während die anderen für ihren Frevel bezahlten. Am Ende, waren es nur noch wenige, vielleicht eine Hand voll. Sie flohen in andere Regionen und versteckten sich. Doch der Hass der Menschen, verfolgte sie egal wohin sie auch gingen. Geschichten wurden übertragen und von Generation zu Generation,wurden sie schlimmer und schlimmer. so wurden wir zum alptraum jedes Mannes jeder frau und jedes Kindes. Der blutsaugende bösartige Vampir, der das Sonnenlicht scheut und durch fließendes Wasser getötet werden kann ,wurde so erschaffen. Man jagte uns und stellte viele unserer Artverwandten. Unsere Rasse war bald vom Aussterben bedroht. Die wenigen die noch verblieben, gründeten den großen Rat. Wir lebten zurückgezogen und unerkannt. Wir lebten in Familien und gaben ebenfalls von Generation zu Generation unsere Fähigkeiten und die Warnung weiter, im verborgenen zu bleiben. Die Menschen erholten sich und da niemand mehr einen der Unseren zu Gesicht bekam, verwandelten sich die Geschichten über uns, bald in einen Mythos, den wir bis heute versuchen, durch Diskretion aufrecht zu erhalten. Wir entwickelten unsere eigene Technologie, die es erlaubt, uns am Tag zu bewegen, ein Spiegelbild zu haben und vieles andere auch was nur euch Menschen vorbehalten blieb. Von den alten Familien gibt es heute nur noch sehr wenige. Es existieren vielleicht noch 8 Clans, in deren Adern das Blut der Ersten fließt. Und nur die Hälfte von diesen alten Blutlinien ist unvermischt. Unsere Technologie beruht darauf. Wir können unsere Fähigkeiten an unsere Kinder vererben und wir können Abkömmlinge schaffen. So wie ich, unsere kleine Mira. Sie ist außergewöhnlich klug und außergewöhnlich stark. Ihre Disziplin und Loyalität, hat sogar den großen Rat überzeugt. Lächelnd hielt er inne um sie zu sich zu winken. Als sie vor ihm stand, sagte er, ohne sie aus den Augen zu lassen , ,,sie hat mir das Leben gerettet und ist genauso ein Teil meiner Familie ,wie Andrew und Colin. In ihr fließt reines Blut, das Blut der Ersten. Unsere Familie ist schon sehr, sehr alt. Unsere Wurzeln reichen tatsächlich zurück bis auf die Vampire, die damals um ihr Leben fürchten mussten. Die Gründerväter des Rates, waren auch die Gründer unseres Clans, dessen Oberhaupt ich nun bin. Nur durch meinen Einfluss im Rat, war es mir möglich, Mira damals zu retten. Es ist uns aus gutem Grund verboten, Vampirabkömmlinge zu schaffen. Denn auch, wenn sie nur einen Teil der Kräfte besitzen, die ein geborener Vampir hat, sind sie doch um einiges stärker, als normale Menschen. Man würde diesen Umstand ausnutzen und was das bedeutet , kannst du dir sicher denken Maric. Und ob er das konnte. er kannte seine Spezies gut genug um die Beweggründe des Rates zu verstehen. Korruption und Gier hatten schon so manchen Krieg gefördert und wenn bekannt würde, dass es Vampire tatsächlich gab, wäre der Schaden nicht wieder gut zu machen. Man würde sie einsetzen, um Macht zu demonstrieren und um Kriege zu gewinnen, die die Menschheit noch näher an den Rand des Abgrundes treiben würden, als sie sich ohnehin schon befand. Er war aus diesem Grund Anwalt. Er wollte seinen Teil dazu beitragen, dass in der Welt ,wenigsten etwas Anstand und Fairness existierten. Maric verstand jetzt auch, weshalb sein Vater ihn ausgerechnet bei Darius in der Kanzlei untergebracht hatte. Hier lernte er von jemanden, dessen Güte und Größe beispielhaft waren. Er begriff , was es für eine Ehre war von diesem großartigen Mann wie ein Sohn behandelt zu werden. Und er verstand Mira, deren ganze Liebe und Loyalität den Morgans galt. Als Derek seinem Sohn in die Augen schaute wusste er, dass er die richtige Entscheidung getroffen hatte. Maric würde alles in seiner Macht stehende tun, um dieses Geheimnis zu bewahren.