Stehe von Lichtern gestreichelt

Kasimir Edschmid · Kapitel 9 von 18

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Stehe von Lichtern gestreichelt

Dem Gedächtnis der Tänzerin Angelique Holopainen

DEM GEDÄCHTNIS DER TÄNZERIN

 

ANGELIQUE HOLOPAINEN

 

Über der stahlgrellen Straffung von tausend entflammten Gelenken,

o wie liegt im Tanz ihr zweckloser Bizeps da kühl wie ein sänftiger Hund.

Und alle die andern, die Muskeln, entzündete Sehnen schwenken

Lächeln hinauf nach der Demut, die verzuckt an dem slavischen Mund.

 

Und da befällt mich die wütende Angst, in diesen verzückten Posen

sei nicht mehr Angelique, die bebt, wenn der Metro schrillt,

die wie ein Dolchstoß süß sich erhob und den Ansturm verfaulter Leprosen,

den zischenden Geifer zurückschlug und als glänzenden Schild

 

einzig den Ordinat trug der Pflegerin über den kindlichen Brüsten . . .

Apachenpfiffe zerrissen, Türme durchschwammen das Wetter, wie ein

Blinkfeuer schlug Sacré Coeur

zerspiegelte Blitze hinein in die Stadt, und unter der Donner verdunkelten

Lüstern

hing ihre madonnige Demut geneigt im Dächermeer.

 

Und nun ist mir die einzige Lösung, während in blinden Exstasen

ihrer Schenkel Bogen, ihre Brust ins Unermeßliche rollt:

Der silberne Brand dieser Lippen, in dessen verrauschenden Phasen

ein Monat der Liebe sich schaukelt bei Passy in Abend und Gold.