Stehe von Lichtern gestreichelt
Gam
Wir haben diese Gebirgswochen mit unendlichen Himmeln und Segeljagden uns
fabelhaft durchsüßt.
Glanz von Sternen aus Herbststurm gesogen . . . . . . Frauenherzen auf die
Laternenspitzen Rottachs gespießt.
Sahen die wilde Dirne Ella nachts weinend und im Hemd im Wolkenbruch der
Hauptstraße stehn . . . . .
Aber waren Gams Hüften im seidenen Badeanzug nicht königlicher als die Linie
des Ringsees anzusehn?
Hat die ägyptische Königstochter, wenn sie fischend die Anmut der
vierzehnjährigen Brüste über den Bootsrand hinüberhob
mit dem bronzenen Glanz ihrer Haut nicht unsern Traum durchwühlt, um den
das Fordern sovieler Weibernächte heiß und vergeblich stob?
Licht der Blauberge zog uns magisch ins Irre, wenn Gam die Knie auf nickelnen
Pedalen schräg und kindlich höher bog.
Ach wie war ihr Lächeln reif und durchsichtig über allem süß gelagert, was
unmerklich gegen sie zog:
Barfuß stand im Lilapark sie heuend fern, als der Prinz von Aleppo träumte, aus
dem Geraniengarten Slezak die ungeheuren Tenöre aufzwang.
Schweigend ging sie vorüber, wenn der Ritter von Csala die Brust unter enormen
kriegerischen Medaillen schwang.
Als der große Skiläufer Fasolt beim Abschied wild vor Schmerz den Blick nach
den Bergspitzen hieb,
die Gaffel in Springbön spritzte, Bobbys Stirn sanft im Ruhm der famosen
Schweizer Tennisturniere trieb . . . . . .
da war Gams Schlankheit vierzehnjährig unendlicher darüber ins Uferlose hinein
gespannt.
Nichts von unserer Sehnsucht erreichte ihre Kindlichkeit. Unser Leben war in
Tragödie nur gegen ihre stets unerreichbare Jugend gewandt.
Wir haben verlassene Tage gewütet, in Demut und Bescheiden uns schwer und
zum erstenmal geübt.
Mit Schwüngen schoß die Ebene hin . . . . . . Rennen sinnlos gefahren,
Forellenwasser getrübt.
Geschaukelt vom Vollmond lag nachts unser Klüver in die Bucht heller als eine
Frauenbrust hinein geblüht.
Wir haben geschwiegen, gelitten, uns entzweit, den heiligen Bund unserer
Kameradschaft in Intrigue und Gemeinheit zersprüht.
Bebend der Sommer vor Blau — die stäten Herbstwinde . . . . . . O Landschaft
. . . . . . wie haben vom Wallberg Berauschte wir auf unsere
Ebenensehnsucht gelacht.
Mädchenbeine haben nach den Segelregatten zwischen unseren Armen herrlich
gekracht.
Aber dann haben wir tötlich in der irrsinnigen Beleuchtung der schwärmerischen
Nachthügel vorm Tegernseer Sternmeer wie am unwiderruflich letzten
Lebensabend gespürt:
daß wir nicht oben sind, unsere Herzen nicht fliegen . . . . . . O wie hat unsere
Ausschweifung uns entsetzlich und grausam verführt.
Denn wir haben den glühenden Gott aus keiner Mondnacht, mit keinem
Aufschrei, wir haben mit Flaggen und Sturmnacht nie die zitternde Sonne
erreicht.
Kalt hat von den steilsten Barrikaden der Sehnsucht unser klagendes Herz sich
westwärts zu Melancholien und Entsagung wund hinunter geneigt.