Stehe von Lichtern gestreichelt

Kasimir Edschmid · Kapitel 13 von 18

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Stehe von Lichtern gestreichelt

Gam

 

Wir haben diese Gebirgswochen mit unendlichen Himmeln und Segeljagden uns

fabelhaft durchsüßt.

Glanz von Sternen aus Herbststurm gesogen . . . . . . Frauenherzen auf die

Laternenspitzen Rottachs gespießt.

Sahen die wilde Dirne Ella nachts weinend und im Hemd im Wolkenbruch der

Hauptstraße stehn . . . . .

Aber waren Gams Hüften im seidenen Badeanzug nicht königlicher als die Linie

des Ringsees anzusehn?

Hat die ägyptische Königstochter, wenn sie fischend die Anmut der

vierzehnjährigen Brüste über den Bootsrand hinüberhob

mit dem bronzenen Glanz ihrer Haut nicht unsern Traum durchwühlt, um den

das Fordern sovieler Weibernächte heiß und vergeblich stob?

Licht der Blauberge zog uns magisch ins Irre, wenn Gam die Knie auf nickelnen

Pedalen schräg und kindlich höher bog.

Ach wie war ihr Lächeln reif und durchsichtig über allem süß gelagert, was

unmerklich gegen sie zog:

Barfuß stand im Lilapark sie heuend fern, als der Prinz von Aleppo träumte, aus

dem Geraniengarten Slezak die ungeheuren Tenöre aufzwang.

Schweigend ging sie vorüber, wenn der Ritter von Csala die Brust unter enormen

kriegerischen Medaillen schwang.

Als der große Skiläufer Fasolt beim Abschied wild vor Schmerz den Blick nach

den Bergspitzen hieb,

die Gaffel in Springbön spritzte, Bobbys Stirn sanft im Ruhm der famosen

Schweizer Tennisturniere trieb . . . . . .

da war Gams Schlankheit vierzehnjährig unendlicher darüber ins Uferlose hinein

gespannt.

Nichts von unserer Sehnsucht erreichte ihre Kindlichkeit. Unser Leben war in

Tragödie nur gegen ihre stets unerreichbare Jugend gewandt.

Wir haben verlassene Tage gewütet, in Demut und Bescheiden uns schwer und

zum erstenmal geübt.

Mit Schwüngen schoß die Ebene hin . . . . . . Rennen sinnlos gefahren,

Forellenwasser getrübt.

Geschaukelt vom Vollmond lag nachts unser Klüver in die Bucht heller als eine

Frauenbrust hinein geblüht.

Wir haben geschwiegen, gelitten, uns entzweit, den heiligen Bund unserer

Kameradschaft in Intrigue und Gemeinheit zersprüht.

Bebend der Sommer vor Blau — die stäten Herbstwinde . . . . . . O Landschaft

. . . . . . wie haben vom Wallberg Berauschte wir auf unsere

Ebenensehnsucht gelacht.

Mädchenbeine haben nach den Segelregatten zwischen unseren Armen herrlich

gekracht.

Aber dann haben wir tötlich in der irrsinnigen Beleuchtung der schwärmerischen

Nachthügel vorm Tegernseer Sternmeer wie am unwiderruflich letzten

Lebensabend gespürt:

daß wir nicht oben sind, unsere Herzen nicht fliegen . . . . . . O wie hat unsere

Ausschweifung uns entsetzlich und grausam verführt.

Denn wir haben den glühenden Gott aus keiner Mondnacht, mit keinem

Aufschrei, wir haben mit Flaggen und Sturmnacht nie die zitternde Sonne

erreicht.

Kalt hat von den steilsten Barrikaden der Sehnsucht unser klagendes Herz sich

westwärts zu Melancholien und Entsagung wund hinunter geneigt.