Testphase

AnnSophie Frind · Kapitel 5 von 8

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Testphase

Runde 1 - Drabble-Turnier

Gruppe A

Format: 1 Quaddrabble (1 x 400) Prompt: Morgen Kinder wird’s nichts geben! - Euer Charakter ist in einer anscheinend normalen Welt, jedoch kann er an den, für andere alltäglichen Dingen, nicht teilnehmen. Veranschaulicht seine Situation in diesem Drabble.

Stilistische Vorgabe: verwendet 2 Ellipsen. - Je früher der Abschied, desto kürzer die Qual. - Was nun?

Zusätzliche inhaltliche Vorgabe: verwendet folgendes Zitat aus Kästners oben genannten Gedicht: “Lauft ein bisschen durch die Straßen!” (Zitiert nach Erich Kästners “Morgen Kinders wird’s nicht

geben” auf https://www.deutschelyrik.de/index.php/morgen-kinder-

wirds-nichts-geben.html)

 

»Geh nach Hause!«, hatte ich gesagt. Zu Hannes. Ich hoffte, dass er die letzten Minuten vergessen würde und zugleich hoffte ich es nicht. In Erinnerung sollten sie ihm bleiben. Was er mir gesagt hatte, sollte er nicht vergessen und weiterhin so voller Zweifel sein, wie er noch vor unserem ersten Kuss selbstsicher war. Hannes rührte sich aber nicht, sondern blickte mich nur an. Fassungslos, wie ich im Zwielicht des Hofes erkennen konnte. »Warum, Gonde?«, flüsterte er. »Warum sagst du das?« Für einen Moment schloss ich die Augen, betete, die richtigen Worte zu finden. »Wir leben in zwei Welten, die zu unterschiedlich sind«, sagte ich eindringlich. Ich wollte nach seiner Hand greifen, so wie er zuvor meine gehalten hatte. Doch tat ich es nicht. Stattdessen erschuf ich eine Mauer zwischen uns, meterdick. Obwohl Hannes dicht neben mir saß, dass ich seine Wärme spüren konnte. »Es würde mit uns sowieso nicht gut gehen. Wie du selbst sagst, werden Ansprüche an dich gestellt, denen du gerecht werden musst. Du würdest dich verstecken, lügen, dich selbst verdrehen, bis du nicht mehr wüsstest, was richtig und was falsch wäre. Nein, Hannes!«, sagte ich, griff nun doch nach seiner Hand, spürte seine warmen Finger. »Ich will daran nicht Schuld sein. Je früher der Abschied, desto kürzer die Qual. Bleib in deiner Welt, ich in meiner.« Mir versagte die Stimme. Mehr war nicht zu sagen. Trotzdem hatte ich das Gefühl, noch mehr erzählen zu müssen. Vielleicht, weil ich Hannes im Grunde nicht gehen lassen wollte? Weil ich ihn mochte und die Momente mit ihm wie einen Schatz hüten wollte. Weil ich das Gefühl hatte, dass mehr hinter diesem Mögen verborgen sein könnte?

Ein lautes Geräusch schreckte mich auf. Auch Hannes zog in einer hastigen Bewegung seine Hand zurück.

Es war nur ein Fenster, das über uns geöffnet wurde. »Lauft ein bisschen durch die Straßen!«, erscholl eine kratzige Stimme. »Oder haltet einfach die Klappe! Manche Leute müssen früh raus!« Gleich darauf versank der Hof wieder in Stille. Selbst das müde Tschilpen des Vogels war nicht mehr zu hören. »Was nun?«, fragte Hannes verhalten. »Ich will noch gehen, dich verlassen.«

»Du musst. Du musst für dich selbst herausfinden, was du bist und was du willst.«

Ich sah ihn nicht an, doch spürte ich, wie er sich leicht vorneigte. Eine leichte Berührung an meiner Wange ließ mich erschauern. »Ich weiß, was ich will«, flüsterte er. »Und das macht mir Angst.«