Auswahl aus den Dichtungen Eduard Mörikes

Eduard Mörike · Kapitel 24 von 67

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Auswahl aus den Dichtungen Eduard Mörikes

Lied vom Winde.

 

Sausewind, Brausewind,

Dort und hier!

Deine Heimat sage mir!

 

»Kindlein, wir fahren

Seit viel vielen Jahren

Durch die weit weite Welt

Und möchten's erfragen,

Die Antwort erjagen

Bei den Bergen, den Meeren,

Bei des Himmels klingenden Heeren:

Die wissen es nie.

Bist du klüger als sie,

Magst du es sagen! –

 

Fort, wohlauf!

Halt uns nicht auf!

Kommen andre nach, unsre Brüder,

Da frag wieder!«

 

Halt an! Gemach

Eine kleine Frist!

Sagt, wo der Liebe Heimat ist,

Ihr Anfang, ihr Ende!

 

»Wer's nennen könnte!

Schelmisches Kind,

Lieb' ist wie Wind,

Rasch und lebendig,

Ruhet nie,

Ewig ist sie,

Aber nicht immer beständig. –

Fort, wohlauf! auf!

Halt uns nicht auf!

Fort über Stoppel und Wälder und Wiesen!

Wenn ich dein Schätzchen seh',

Will ich es grüßen.

Kindlein, ade!«