Auswahl aus den Dichtungen Eduard Mörikes

Eduard Mörike · Kapitel 41 von 67

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Auswahl aus den Dichtungen Eduard Mörikes

Kapitel 3

Später im Lärmen des Fests

Stahlen wir seitwärts uns beide

Weg, nach den Schatten des Gartens wandelnd,

Wo im Gebüsche die Rosen brannten,

Wo der Mondstrahl um Lilien zuckte,

Wo die Weymouthsfichte mit schwarzem Haar

Den Spiegel des Teiches halb verhängt.

 

Auf seidnem Rasen dort, ach, Herz am Herzen,

Wie verschlangen, erstickten meine Küsse den scheueren Kuß,

Indes der Springquell, unteilnehmend

An überschwenglicher Liebe Geflüster,

Sich ewig des eigenen Plätscherns freute!

Uns aber neckten von fern und lockten

Freundliche Stimmen,

Flöten und Saiten umsonst.

 

Ermüdet lag, zu bald für mein Verlangen,

Das leichte, liebe Haupt auf meinem Schoß.

Spielender Weise mein Aug' auf ihres drückend,

Fühlt' ich ein Weilchen die langen Wimpern,

Bis der Schlaf sie stellte,

Wie Schmetterlingsgefieder auf und niedergehn.

 

Eh' das Frührot schien,

Eh' das Lämpchen erlosch im Brautgemache,

Weckt' ich die Schläferin,

Führte das seltsame Kind in mein Haus ein.

 

3.

 

Ein Irrsal kam in die Mondscheingärten

Einer einst heiligen Liebe;

Schaudernd entdeckt' ich verjährten Betrug.

Und mit weinendem Blick, doch grausam

Hieß ich das schlanke,

Zauberhafte Mädchen

Ferne gehen von mir.

Ach, ihre hohe Stirn