Auswahl aus den Dichtungen Eduard Mörikes

Eduard Mörike · Kapitel 48 von 67

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Auswahl aus den Dichtungen Eduard Mörikes

Auf ein altes Bild.

 

In grüner Landschaft Sommerflor

Bei kühlem Wasser, Schilf und Rohr,

Schau, wie das Knäblein Sündelos

Frei spielet auf der Jungfrau Schoß! –

Und dort im Walde wonnesam,

Ach! grünet schon des Kreuzes Stamm.

Sehnsucht.

 

In dieser Winterfrühe

Wie ist mir doch zu Mut!

O Morgenrot, ich glühe

Von deinem Jugendblut.

 

Es glüht der alte Felsen,

Und Wald und Burg zumal,

Berauschte Nebel wälzen

Sich jäh hinab das Tal.

 

Mit tatenfroher Eile

Erhebt sich Geist und Sinn,

Und flügelt goldne Pfeile

Durch alle Ferne hin.

 

Auf Zinnen möcht' ich springen

In alter Fürsten Schloß,

Möcht' hohe Lieder singen,

Mich schwingen auf das Roß!

 

Und stolzen Siegeswagen

Stürzt' ich mich brausend nach!

Die Harfe wird zerschlagen,

Die nur von Liebe sprach. –

 

Wie? schwärmst du so vermessen,

Herz, hast du nicht bedacht,

Hast du mit eins vergessen,

Was dich so trunken macht?

 

Ach wohl! was aus mir singet,

Ist nur der Liebe Glück,

Die wirren Töne schlinget

Sie sanft in sich zurück.

Was hilft, was hilft mein Sehnen?

Geliebte, wärst du hier!

In tausend Freudetränen

Verging' die Erde mir.