Auswahl aus den Dichtungen Eduard Mörikes

Eduard Mörike · Kapitel 53 von 67

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Auswahl aus den Dichtungen Eduard Mörikes

Gebet.

 

Herr, schicke, was du willt,

Ein Liebes oder Leides!

Ich bin vergnügt, daß beides

Aus deinen Händen quillt.

Wollest mit Freuden

Und wollest mit Leiden

Mich nicht überschütten!

Doch in der Mitten

Liegt holdes Bescheiden.

Nixe Binsefuß.

 

Des Wassermanns sein Töchterlein

Tanzt auf dem Eis im Vollmondschein,

Sie singt und lachet sonder Scheu

Wohl an des Fischers Haus vorbei.

 

»Ich bin die Jungfer Binsefuß

Und meine Fisch' wohl hüten muß;

Meine Fisch', die sind im Kasten,

Sie haben kalte Fasten;

Von Böhmerglas mein Kasten ist –

Da zähl' ich sie zu jeder Frist.

 

Gelt, Fischermatz, gelt, alter Tropf,

Dir will der Winter nicht in Kopf?

Komm mir mit deinen Netzen!

Die will ich schön zerfetzen.

Dein Mägdlein zwar ist fromm und gut,

Ihr Schatz ein braves Jägerblut.

Drum häng' ich ihr zum Hochzeitsstrauß

Ein schilfen Kränzlein vor das Haus

Und einen Hecht, von Silber schwer,

Er stammt von König Artus her,

Ein Zwergen-Goldschmieds-Meisterstück;

Wer's hat, dem bringt es eitel Glück:

Er läßt sich schuppen Jahr für Jahr,

Da sind's fünfhundert Gröschlein bar.

 

Ade, mein Kind! Ade für heut'!

Der Morgenhahn im Dorfe schreit.«