Basics Dachkonstruktion
Fotovoltaik- und Kollektoranlagen
Auch wenn die Herstellung von Fotovoltaikanlagen selbst aus Um-
weltschutzgründen zu hinterfragen ist, werden sie regelmäßig zur Produk-
tion von Strom aus Licht- und Sonnenenergie zur Einspeisung oder zur
Deckung des Eigenbedarfs auf flachen oder geneigten Dachflächen ange-
ordnet oder ersetzen sogar in der Form von Solardächern die eigentliche
Eindeckung von geneigten Dächern. Ebenso werden Kollektor flächen zur
Warmwassergewinnung eingesetzt.
Bei der Montage der einzelnen Module sind oft zusätzliche Bauteile
und Durchführungen durch die Dachfläche nötig. Je nach Standort, Aus-
richtung und Neigung der Module und möglichen verschattenden Umge-
bungseinflüssen ergeben sich der Wirkungsgrad und somit die mögliche
Energiegewinnung. Die optimale Neigung der Module einer Fotovoltaik-
anlage beträgt in Deutschland ca. 30° bis 35° nach Süden für Spitzen-
lasten; zur Deckung von gleichbleibenden Grundlasten ist eine flachere
Neigung in Ost-West-Ausrichtung sinnvoll.
Zur optimalen Ausrichtung von Kollektoren zur Warmwassergewin-
nung ist auch die geplante vorwiegende Verwendung des Wassers rele-
vant, da z. B. Warmwasser zur Beheizung von Räumen vorwiegend in den
Wintermonaten, warmes Trinkwasser jedoch das ganze Jahr über benö-
tigt wird. Bei einer ganzjährigen Nutzung beträgt die optimale Neigung
der Kollektoren in Deutschland ca. 40° bis 50° nach Süden.
Auf Flachdächern können Module oder Kollektoren fest auf der Trag-
konstruktion montiert oder durchdringungsfrei mittels Auflast gehalten
werden. Zusätzliche Lasten sind in jedem Fall bei der Bemessung der
Tragkonstruktion zu berücksichtigen. Bei der Anordnung der Module ist
zu berücksichtigen, dass diese in ausreichendem Abstand voneinander
geplant werden, sodass sie sich nicht gegenseitig verschatten und ggf.
ein Fußweg für Wartungszwecke freigehalten wird. Bei der Kombination
mit Gründächern ist auch eine Verschattung durch den Bewuchs auszu-
schließen. Auch die zusätzliche Anbindung an den Blitzschutz muss ge-
währleistet sein. > Kap. Blitzschutz
Bei geneigten Dächern können die Anlagen auf die Deckung aufge-
setzt werden, in die Deckung integriert werden oder die Deckung voll-
ständig ersetzen. Bilden die Anlagenkomponenten die Dachdeckung, so
ist darunterliegend ein wasserdichtes Unterdach anzuordnen. Befesti-
gungssysteme und Durchdringungen sind entsprechend der Hersteller-
angaben anzufertigen und einzudichten. Bei der Anordnung der Kompo-
nenten oberhalb der Dachdeckung ist ein Abstand von mindestens 6 cm
zur Durchlüftung einzuhalten. Ein teilweiser Ersatz der Dacheindeckung
durch Module bzw. Kollektoren wird ähnlich wie ein Dachfenster mit ent-
sprechenden Rahmen an die Deckung angeschlossen. > Abb. 57
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Insgesamt ist bei der Anordnung von Fotovoltaikanlagen der Brand-
schutz besonders zu berücksichtigen, da durch den geführten Strom nicht
nur die Entstehung von Bränden erleichtert wird, sondern auch die Lösch-
arbeiten erschwert werden, sofern nicht entsprechende Sicherungsmaß-
nahmen vorgesehen werden.
geneigtes Dach – geneigtes Dach –
oberhalb der Dachhaut montierte PV-Anlage innerhalb der Dachhaut montierte PV-Anlage
Flachdach – freitagende PV-Anlage auf Flachdach – fest montierte PV-Anlage
einer extensiv begrünten Dachfläche auf Foliendach
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Abb. 57: Anordnung von Fotovoltaikanlagen auf geneigten und flachen Dächern
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Schlusswort
In den vorherigen Kapiteln wurden verschiedene Dachformen, Mate-
rialien und Konstruktionen vorgestellt. Obwohl dieses Buch sich auf die
einfachen Formen beschränkt, wird schnell klar, dass es aufgrund der
vielen Kombinationsmöglichkeiten kein Standarddach gibt. Der Planer
muss den Schichtenaufbau, alle Anschluss- und Abschlusspunkte sowie
Durchdringungen klären und maßlich festlegen. Bei der Entwicklung der
Details sollten folgende Punkte berücksichtigt werden:
Form:
— Sind die gewählte Dachform und gegebenenfalls die Gauben
baurechtlich zulässig?
— Ist der Zugang gewährleistet?
— Passt die gewählte Dachkonstruktion zur Grundrissgröße und
dem Grundrisszuschnitt?
— Passen die gewählten Materialien zum Gesamterscheinungsbild
des Hauses und seiner Umgebung?
Ausführung:
— Sind Belichtung und Belüftung des Dachraumes gewährleistet?
— Ist das Gebäude an allen Außenflächen hinreichend wärme-
gedämmt (Giebel, Gauben, Dachflächen, Dachaufbauten, Rohr-
durchführungen)?
— Schließt die Dämmung in allen Punkten an die Dämmebene
der anschließenden Bauteile an (Wände, Balkone etc.)?
— Ist die Regensicherheit gewährleistet?
— Kann innerhalb des Bauteils anfallende Feuchte nach außen
entweichen?
— Kann das Regenwasser auf allen Dachflächen ungehindert
abfließen?
— Ist die Winddichtheit gewährleistet?
— Ist das Auftreten von Tauwasser (z. B. bei Durchdringungen)
ausgeschlossen?
— Wird das Eindringen von Raumluftfeuchte in die Konstruktion,
insbesondere in die Dämmung, an allen Punkten verhindert?
Neben allen konventionellen Ausführungen von Dächern bietet dieser
Themenkomplex viel Raum zum Entwerfen. Neuinterpretationen von be-
kannten Bauteilen können spannende Elemente ergeben. Die Reduktion
auf das Wesentliche hingegen betont die strenge Ordnung im Gesamtbild.
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Trotz aller Normen und Vorschriften, die das Bauen reglementieren,
sollte der Planer zuerst ein Dachkonzept entwickeln, das zum gesamten
Entwurf passt – die konstruktive Umsetzung erfolgt im zweiten Schritt.
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Anhang
LITERATUR
Bert Bielefeld (Hrsg.): Basics Baukonstruktion, Birkhäuser Verlag,
Basel, 2015
Andrea Deplazes: Architektur konstruieren – Vom Rohmaterial zum
Bauwerk. Ein Handbuch, 5. erweiterte Auflage, Birkhäuser Verlag,
Basel 2018
Ulf Hestermann / Ludwig Rongen: Frick/Knöll Baukonstruktionslehre 2,
35. Auflage, Springer Vieweg, Wiesbaden 2018
Stefan Ibold: Flachdachrichtlinie – Kommentar eines Sachverständigen,
2. Auflage, Verlagsgesellschaft Rudolf Müller, Köln 2017
InformationsZentrum Beton GmbH: Gut bedacht: Das massive Dach aus
Beton (Abrufdatum 24.09.2019)
Franz Krauss / Wilfried Führer / Claus-Christian Willems / Holger
Techen: Grundlagen der Tragwerklehre 2, 7. überarbeitete Auflage,
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller, Köln 2011
Franz Krauss / Wilfried Führer / Thomas Jürges: Tabellen zur Trag-
werkslehre, 12. überarbeitete Auflage, Verlagsgesellschaft Rudolf
Müller, Köln 2014
Franz Krauss / Wilfried Führer / Hans Joachim Neukäther /
Claus-Christian Willems / Holger Techen: Grundlagen der
Tragwerkslehre 1, 12. überarbeitete Auflage, Verlagsgesellschaft
Rudolf Müller, Köln 2014
Wolfram Pistohl / Christian Rechenauer: Handbuch der Gebäudetechnik
Band 1 / Band 2, 9. Auflage, Bundesanzeiger Verlag, Köln 2016
Klaus-Jürgen Schneider / Andrej Albert / Joachim Heisel (Hrsg.):
Bautabellen für Architekten, 23. Auflage, Bundesanzeiger Verlag,
Köln 2018
Eberhard Schnuck / Hans Jochen Oster / Rainer Barthel / Kurt Kiessl:
Dach Atlas – Geneigte Dächer, 4. überarbeitete Auflage, Birk häuser
Verlag, Basel 2012
Klaus Sedlbauer / Eberhard Schnuck / Rainer Barthel / Hartwig M.
Künzel: Flachdach Atlas, Birkhäuser Verlag, Basel 2012
Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks – Fachverband
Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik e. V. (Hrsg.): Deutsches
Dachdeckerhandwerk – Regeln für Abdichtungen, 7. Auflage,
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller, Köln 2017
Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks – Fachverband
Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik e. V. (Hrsg.): Deutsches
Dachdeckerhandwerk – Regeln für Dachdeckungen, 11., aktua-
lisierte Auflage, Verlagsgesellschaft Rudolf Müller, Köln 2018
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