Basics Dachkonstruktion

Ann-Christin Siegemund · Kapitel 7 von 17

PDF-Seiten

Basics Dachkonstruktion

Massivdach

Dächer aus Beton, Porenbeton oder Ziegeln werden als Massivdächer

bezeichnet. > Abb. 22 Im Gegensatz zu den zuvor beschriebenen Holzkons-

truktionen wird hier direkt eine geschlossene Fläche, meist aus Fertigtei-

len, hergestellt. Für freie Dachformen können Dächer auch aus Ortbeton

erstellt werden. Aufgrund der hohen Masse des Betons weisen Massiv-

dächer ein hohes Schalldämmmaß auf. Ebenso wirkt sich die Konstruk-

tion vorteilhaft auf die Luftdichtheit und, durch die wärmeleitenden Eigen-

schaften bzw. die Speicherfähigkeit, auf den Wärmeschutz aus.

Dächer aus Massivdächer aus Betonfertigteilen werden bereits im Werk vorgefer-

Betonfertigteilen tigt und erhalten dort die ergänzenden Sparren, Dämmung, Unterspann-

bahn und Traglattung, sodass auf der Baustelle nur die Eindeckung aufge-

bracht werden muss. Bei Dachplatten aus Leichtbeton ist ausschließlich

die Konterlattung vorgerüstet; Dämmung und weitere Schichten sind vor

Ort zu montieren. > Kap. Dachlatten Die Plattenstärken variieren zwischen

ca. 5 cm bei Normalbeton mit zusätzlichen Sparren und bis zu 16 cm bei

Leichtbetonplatten.

Dächer aus Bei Massivdächern aus Porenbeton und Ziegeln ist auf die Spann-

Porenbeton und richtung und den maximalen Abstand der einzelnen Auflager Rücksicht

Ziegeln zu nehmen. Die Befestigung erfolgt in beiden Fällen durch zusätzlich

eingebrachten Beton. Der weitere Aufbau besteht ebenso wie bei allen

anderen Konstruktionen aus Dämmung, Lattung, Unterspannbahn und

Eindeckung.

 

34

Massivdach aus Normalbeton Eindeckung

Lattung

Konterlattung

Unterspannbahn

Sparren/Luftschicht/Wärmedämmung

Betonplatte

bei Bedarf: raumseitige Bekleidung

 

Massivdach aus Porenbeton Eindeckung

Lattung

Konterlattung

Unterspannbahn

Sparren/Luftschicht/Wärmedämmung

Porenbetonplatten

bei Bedarf: raumseitige Bekleidung

 

Massivdach aus Ziegeln Eindeckung

Lattung

Konterlattung

Unterspannbahn

Sparren/Luftschicht/Wärmedämmung

Dampfsperre

Ziegelelemente

bei Bedarf: raumseitige Bekleidung

 

Abb. 22: Massivdachkonstruktionen

 

GSPublisherVersion 73.78.81.100 GSPublisherVersion 73.78.81.100

GSPublisherVersion 73.78.81.100

 

35

Bauteilschichten

 

EINDECKUNGEN

Die Hauptaufgabe der Dachdeckung ist es, den anfallenden Regen

sicher abzuleiten und das Eindringen von Feuchtigkeit, z. B. durch Flug-

schnee, zu vermeiden. Die Materialien und die Befestigung sollten wit-

terungs- und möglichst auch feuerbeständig sein. Je nach Ausführungs-

art des Aufbaus muss auch der Feuchtetransport von innen nach außen

gewährleistet werden. > Kap. Bauphysik Neben gestalterischen Aspekten ist

die Materialauswahl auch von der Dachneigung, Dachform und dem Auf-

bau abhängig. Als Dachdeckung stehen verschiedene Materialien und

daraus gestaltete Formen zur Verfügung.

Stroh-/Reetdach Eine traditionelle Form der Dacheindeckung stellt das Stroh- oder

Reetdach dar, das jedoch nur noch sehr regional eingesetzt wird. Dach-

neigungen zwischen 40° und 50° sind für diese Eindeckung vorteilhaft,

da die abhebenden Kräfte durch den Wind eher gering ausfallen. Die De-

ckung wird aus einzelnen, übereinanderliegenden Bündeln auf einer Scha-

lung befestigt. Für die Firsteindeckung können Heidekraut oder Elemente

◯ aus Kunststoff, Dachziegeln oder Ton verwendet werden.

Schuppendeckung Ebene Schuppen können aus Holzschindeln, Stein, Beton, Faser-

zement oder Ziegeln bestehen. Sie kommen in unterschiedlichen Formen

wie Rechteckschuppen, in Rhombusform, quadratisch mit einer abgerun-

deten Ecke oder als Biberschwanz vor. Für die Ausbildung von Kehlen,

Trauf- oder First- und anderen Anschlusspunkten werden meist indust-

riell vorgefertigte Formteile verwendet. Die Regeldachneigung variiert je

nach Material und Deckungsart. Deckungen aus Faserzementplatten sind

ab ca. 20° ohne zusätzliche Maßnahmen möglich. Der Vorteil liegt zudem

darin, dass häufig die gleichen Platten wie für die Wandverkleidung ver-

wendet werden können. Für Schieferdeckungen beträgt die Regeldach-

 

Abb. 23: Dachaufbau im Baufortschritt: Unterspannbahn, Konterlattung, Lattung und Eindeckung

 

36

neigung je nach Deckungsart zwischen mindestens 22° und 30°. Holz-

schindeln sind in zweilagiger Deckung ab 71° möglich; im Regelfall wird

jedoch eine dreilagige Deckung ausgeführt, die in einer Neigung von 22°

bis 90° zulässig ist. Die Befestigung ebener Schuppen erfolgt in der Re-

gel über eine Nagelung auf Holzlatten.

Verformte Dachschuppen, -pfannen oder -ziegel und dazugehörende Pfannen-/

Formteile für besondere Einbausituationen werden aus Beton oder Zie- Ziegel deckung

geln hergestellt. Anders als bei ebenen Schuppen haben die verformten

Schuppen an drei Seiten eine Überdeckung. Die älteste Deckung mit ver-

formten Dachziegeln wird Mönch und Nonne genannt. Hier werden zwei

konisch geformte Hohlziegel ineinandergelegt. Dabei ist der obere Zie-

gel konkav und leitet das Wasser in die untenliegenden, konvex geform-

ten Ziegel, die das Wasser zur Rinne führen. Moderne Dachziegel sind

mit ihren Aufkantungen so geformt, dass sie sowohl oben als auch seit-

lich ineinandergreifen, um das Eindringen von Wasser zu vermeiden. Die

Regeldachneigung für verformte Schuppen liegt bei 22 bis 25°.

Neben den beschrieben kleinteiligen Dachdeckungen können auch Großformatige

großformatige Platten mit ergänzenden Formteilen zur Eindeckung ver- Deckungen

wendet werden. Faserzement-Wellpappen werden als Bahnenware über-

lappend auf einer Schalung verlegt. Bei Dachneigungen unter 12° ist auf

Bitumenbahnen zurückzugreifen. Seitliche Abschlüsse werden meist mit-

tels Blechwinkeln hergestellt. Weitere großflächige Eindeckungen wer-

den auch für flach geneigte Dächer bis 5° eingesetzt. Sie bestehen meist

aus Metallblechen wie Aluminium, Zink, verzinktem Stahl oder Kupfer und

werden als verformte Platten, z. B. in Trapezblech- oder Wellblechform,

oder in Bandform als ebene, aneinandergereihte Bleche mit Stehfalzver-

bindungen auf das Dach montiert.

 

◯ Hinweis: Die Regeldachneigung bezeichnet die untere Grenze der Dachneigung, bei der sich in der

Praxis eine Dachdeckung als regensicher bewährt hat.

Sie kann unter der Voraussetzung, dass zusätzliche

Maßnahmen durchgeführt werden, unterschritten wer-

den. Die Mindestdachneigung ist die geringstmögliche

Dachneigung, die nicht unterschritten werden darf.

 

37

Abb. 24: Dachdeckungen aus Abb. 25: Dachdeckungen aus Abb. 26: Dachdeckungen aus Blech ebenen Schuppen verformten Schuppen

 

ebene Schuppen

 

deutsche Deckung/Bogenschnittdeckung Rechteckdoppeldeckung

 

Rhombusdeckung Biberschwanzdeckung

verformte Schuppen

 

ca. 40-60cm ca. 40-60cm

Mönch und Nonne Hohlfalzziegel

verformte Platten ca. 40-60cm ca. 40-60cm und Bänder

ca. 40-60cm ca. 40-60cm

 

ca. 40-60cm ca. 40-60cm

 

Wellblechdeckung Metallband mit Doppelstehfalz

Abb. 27: Arten der Dacheindeckung

 

GSPublisherVersion 73.78.81.100 GSPublisherVersion 73.78.81.100

 

GSPublisherVersion 73.78.81.100 GSPublisherVersion 73.78.81.100 38