Basics Dachkonstruktion

Ann-Christin Siegemund · Kapitel 3 von 17

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Basics Dachkonstruktion

Gauben und Dachfenster

Aus gestalterischen Gründen bzw. zur Belichtung des Dachraumes

werden in Dachflächen Gauben oder Dachfenster angeordnet. Durch Gau-

ben kann auch in der Dachschräge zusätzliche Kopffreiheit erreicht wer-

den. Die lichte Höhe im Innenraum unter einer Gaube sollte daher mindes-

tens 2 m betragen. Werden Dachfenster als zweiter Rettungsweg genutzt,

sind Mindestanforderungen an die Größe und Brüstungshöhe einzuhalten.

Belichtung Dachfenster sind eine Belichtungsmöglichkeit für eine geschlos-

sene Dachfläche, sodass darunter auch Wohn- und Aufenthaltsräume

angeordnet werden können. In der Regel muss der Anteil der Fensterflä-

che ein Achtel der Grundfläche des Raumes betragen. Bei ungenutzten

Dachräumen sollte zumindest eine Grundbelichtung z. B. durch Dachlu-

ken eingeplant werden.

Wechsel Die Breite von Einbauelementen sollte auf die Dachkonstruktion ab-

gestimmt werden und zwei Sparrenfelder nicht überschreiten. > Kap. Spar-

rendach Zur Umleitung der Lasten werden bei der Aussparung einzelner

Sparrenteile zusätzliche Konstruktionen in Form von Wechseln/Aus-

wechslungen benötigt. > Abb. 7, Tab. 6 Wechsel sind horizontale Balken,

die einzelne oder mehrere Sparrenfelder überbrücken und die Lasten

in die seitlich verlaufenden Sparren (Wechselsparren) weiterleiten. Die

Dimensionierung ist vorzugsweise so zu wählen, dass die Höhe des Hol-

zes den Sparren entspricht, sodass kein Niveauausgleich in den weite-

ren Schichten erforderlich wird.

Gaubenformen Gauben treten, wie auch Dächer selbst, in verschiedenen Formen

auf. > Abb. 8–11 Grundsätzlich werden für die Konstruktionen und Aufbau-

ten dieselben Anforderungen an Wärmeschutz, Schallschutz und Dicht-

heit gestellt wie an das Dach selbst. Auch die Mindestdachneigungen

sollten weiterhin eingehalten werden.

Bei Schleppgauben wird die Dachfläche in einer geringeren Neigung

gegenüber dem Hauptdach abgeschleppt. Seitlich ergeben sich, wie auch

 

Abb. 7: Wechsel zum Einbau eines Dachfensters

 

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bei der Satteldachgaube, dreieckige senkrechte Wandflächen. Für Sattel-

dachgauben wird ein kleines giebelständiges Dach in die Hauptdachflä-

che eingebunden. Im Anschlussbereich bilden sich Kehlen aus. Wird die

Außenwand in Teilbereichen über die Traufe hinaus hochgeführt und ein

Dach aufgesetzt, so spricht man von einem Zwerchhaus. Eine Dreiecks-

gaube wird durch eine dreieckige Giebelseite mit entsprechenden, durch

Kehlen angebundenen Dachflächen ausgebildet.

In gewölbter Form treten Gauben als Fledermausgauben, Ochsen-

augen und Tonnengauben auf, wobei nur die Tonnengaube auch über

seitliche dreieckige vertikale Wandteile verfügt. Die anderen beiden Va-

rianten werden ohne Unterbrechung direkt aus der Dachfläche heraus-

gewölbt. Die Fledermausgaube ist hierbei um ein Vielfaches breiter als

hoch, während ein Ochsenauge verhältnismäßig schmal ist und die Gaube

einen Halbkreis ausbildet.

 

Abb. 8: Satteldachgaube Abb. 9: Tonnen- Abb. 10: Schleppgaube

gaube

 

Schleppgaube Sattelgaube Dreiecksgaube

 

Fledermausgaube Ochsenauge Tonnengaube

 

Abb. 11: Gaubenformen

 

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Konstruktion Die Vorderseite der Gaube wird aus einem Kantholzrahmen vorge-

einer Gaube fertigt. Dieser wird als Gaubenstock bezeichnet und entweder auf die

Sparren oder direkt auf die Geschossdecke aufgesetzt und verkleidet.

Bei Schleppgauben wird der Schleppsparren direkt über dem Wechsel-

sparren angeordnet. Am Gaubenabschluss liegt er auf dem Gaubenstock

auf. Die seitlichen Dreiecksflächen werden Gaubenwange genannt. Zur

Aussteifung werden diese Flächen meist mit Platten verkleidet. Die äu-

ßere Verkleidung der Wangen erfolgt häufig mit Metall oder Schieferplat-

ten; sie können aber auch verglast werden. Die Gaubenbreite und -länge

sind nicht nur auf die Dachkonstruktion, sondern auch auf die Einde-

ckung abzustimmen.

Dachflächenfenster Dachflächenfenster werden meist als vorgefertigte Elemente gelie-

fert und montiert. Die Anschlussteile stehen für verschiedene Aufbauten

und Eindeckungen zur Verfügung, da u. a. bei belüfteten Aufbauten die

Durchströmung dauerhaft zu gewährleisten ist und anfallendes Wasser

um das Fenster herum abfließen muss. Übliche Fensterbreiten sind auf ty-

pische Sparrenabstände (ca. 70–90 cm) abgestimmt. Bei der Anordnung

mehrerer Fenster nebeneinander werden diese zwischen den einzelnen

Sparren angeordnet und durch besondere Rahmen in der Montage mitei-

nander verbunden. Dachflächenfenster werden durch ihre verschiedenen

Öffnungsmöglichkeiten unterschieden. Schwingfenster werden seitlich

in der Mitte des Fensters gehalten, sodass beim Öffnen die obere Hälfte

des Fensters in den Innenraum klappt. Das Klappfenster wird am obe-

ren Rand gehalten und öffnet sich mit der gesamten Fensterfläche nach

außen. Seltener kommen auch Schiebefenster in Dachflächen zur Aus-

führung, die in den Dachaufbau, über die Eindeckung hinweg oder über

eine seitlich daneben liegende feste Verglasung geschoben werden. Seit

einigen Jahren sind außerdem mehrteilige Dachflächenfenster auf dem

Markt, bei denen der obere Teil als Klappfenster geöffnet und ein unte-

rer, bis zur Geschossdecke reichender Teil zu einer Art Balkonbrüstung

nach vorne herausgeklappt werden kann. > Abb. 12, Abb. 13

 

Schwingfenster Klappfenster mehrteiliges Dachfenster mehrteiliges Schiebefenster

Schwingfenster Klappfenster Schiebefenster

Dachfenster

Abb. 12: Arten von Dachflächenfenstern

 

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Abb. 13: Dachfenster im fertigen Einbauzustand

 

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Konstruktionen

 

Bei geneigten Dachtragwerken aus Holz wird zwischen drei Grund-

systemen unterschieden: Sparrendach, Kehlbalkendach und Pfettendach.

Hinzu kommen massive Konstruktionen aus Betonwerkstoffen oder Ziegeln

und Stahlkonstruktionen, wobei letztere im privaten Wohnungsbau auf-

grund der hohen Kosten eher selten ausgeführt werden. Bei großen Spann-

weiten sind Stahl- oder Betonkonstruktionen jedoch aufgrund der Material-

eigenschaften regelmäßig vorzufinden. Alle Konstruktionen können je nach

Ausführungsart innenseitig sichtbar oder verkleidet hergestellt werden.

 

HOLZVERBINDUNGEN

Die meisten Dachstühle werden auch heute noch als Holzkonstruk-

tionen gefertigt. Zur Verbindung der einzelnen Elemente der Konstruk-

tion werden zimmermannsmäßige Verbindungen oder Klebungen mit

 

Abb. 14: Dachstuhl

 

Abb. 15: Anbindung von Sparren an die Fußpfette mit Abb. 16: Mechanische Verbindung eines zweiteiligen

einem Fersenversatz Kehlbalkens mit Bolzen an die Sparren und Mittelpfette

 

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zusätzlichen mechanischen Verbindungsmitteln wie z. B. Nagelplatten

oder Dübeln genutzt. Zimmermannsmäßige Verbindungen stellen hierbei

die traditionelle Technik dar, die durch digitale Bearbeitung und Fräsung

mittlerweile wieder häufig eingesetzt werden. Es gibt fünf verschiedene

Arten von Zimmermannsverbindungen: > Abb. 15–17

 

— Längsverbindungen wie der Zapfenstoß dienen dazu, Holzbauteile

wie z. B. Balken oder Pfetten zu verlängern.

— Querverbindungen werden u.a. zur Herstellung eines Wechsels

verwendet.

— Schrägverbindungen, in der Regel als Versatz ausgeführt, dienen

in der Konstruktion von Dachstühlen zum Beispiel der Anbindung

von Sparren an die Dachbalken einer Holzbalkendecke.

— Eckverbindungen findet man bei der umlaufenden Ausbildung

von Schwellen.

— Verkämmungen werden verwendet, um zwei unterschiedlich

ausgerichtete und in unterschiedlichen Ebenen liegende Hölzer

miteinander zu verbinden.

 

Längsverbindung

 

Blattstoß (auch stehend möglich) Zapfenstoß gerades Hakenblatt

Querverbindungen

 

einfacher Zapfen abgesetzter Zapfen Brustzapfen

Eckverbindungen

 

Druckblatt Schereckblatt/Scherzapfen Schwalbenschwanzeckblatt

Schrägverbindungen

 

Stirnversatz doppelter Versatz Fersenversatz

Verkämmungen

 

Schwalbenschwanzkamm Stufenkamm Kreuzkamm

Abb. 17: Auswahl zimmermannsmäßiger Verbindungen für Holzbauteile

 

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