Betrachtung
Die Vorüberlaufenden
Wenn man in der Nacht durch eine Gasse spazieren geht, und ein Mann, von
weitem schon sichtbar – denn die Gasse vor uns steigt an und es ist Vollmond –
uns entgegenläuft, so werden wir ihn nicht anpacken, selbst wenn er schwach
und zerlumpt ist, selbst wenn jemand hinter ihm läuft und schreit, sondern wir
werden ihn weiter laufen lassen.
Denn es ist Nacht, und wir können nicht dafür, daß die Gasse im Vollmond vor
uns aufsteigt, und überdies, vielleicht haben diese zwei die Hetze zu ihrer
Unterhaltung veranstaltet, vielleicht verfolgen beide einen dritten, vielleicht wird
der erste unschuldig verfolgt, vielleicht will der zweite morden, und wir würden
Mitschuldige des Mordes, vielleicht wissen die zwei nichts von einander, und es
läuft nur jeder auf eigene Verantwortung in sein Bett, vielleicht sind es
Nachtwandler, vielleicht hat der erste Waffen.
Und endlich, dürfen wir nicht müde sein, haben wir nicht soviel Wein
getrunken? Wir sind froh, daß wir auch den zweiten nicht mehr sehn.