Betrachtung

Franz Kafka · Kapitel 14 von 18

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Betrachtung

Zum Nachdenken für Herrenreiter

 

Nichts, wenn man es überlegt, kann dazu verlocken, in einem Wettrennen der

erste sein zu wollen.

 

Der Ruhm, als der beste Reiter eines Landes anerkannt zu werden, freut beim

Losgehn des Orchesters zu stark, als daß sich am Morgen danach die Reue

verhindern ließe.

 

Der Neid der Gegner, listiger, ziemlich einflußreicher Leute, muß uns in dem

engen Spalier schmerzen, das wir nun durchreiten nach jener Ebene, die bald vor

uns leer war bis auf einige überrundete Reiter, die klein gegen den Rand des

Horizonts anritten.

 

Viele unserer Freunde eilen den Gewinn zu beheben und nur über die Schultern

weg schreien sie von den entlegenen Schaltern ihr Hurra zu uns; die besten

Freunde aber haben gar nicht auf unser Pferd gesetzt, da sie fürchteten, käme es

zum Verluste, müßten sie uns böse sein, nun aber, da unser Pferd das erste war

und sie nichts gewonnen haben, drehn sie sich um, wenn wir vorüberkommen

und schauen lieber die Tribünen entlang.

 

Die Konkurrenten rückwärts, fest im Sattel, suchen das Unglück zu überblicken,

das sie getroffen hat, und das Unrecht, das ihnen irgendwie zugefügt wird; sie

nehmen ein frisches Aussehen an, als müsse ein neues Rennen anfangen und ein

ernsthaftes nach diesem Kinderspiel.

 

Vielen Damen scheint der Sieger lächerlich, weil er sich aufbläht und doch nicht

weiß, was anzufangen mit dem ewigen Händeschütteln, Salutieren, Sich-

Niederbeugen und In-die-Ferne-Grüßen, während die Besiegten den Mund

geschlossen haben und die Hälse ihrer meist wiehernden Pferde leichthin

klopfen.

 

Endlich fängt es gar aus dem trüb gewordenen Himmel zu regnen an.