Betrachtung

Franz Kafka · Kapitel 13 von 18

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Betrachtung

Die Abweisung

 

Wenn ich einem schönen Mädchen begegne und sie bitte: »Sei so gut, komm mit

mir« und sie stumm vorübergeht, so meint sie damit:

 

»Du bist kein Herzog mit fliegendem Namen, kein breiter Amerikaner mit

indianischem Wuchs, mit wagrecht ruhenden Augen, mit einer von der Luft der

Rasenplätze und der sie durchströmenden Flüsse massierten Haut, Du hast keine

Reisen gemacht zu den großen Seen und auf ihnen, die ich weiß nicht wo zu

finden sind. Also ich bitte, warum soll ich, ein schönes Mädchen, mit Dir gehn?«

 

»Du vergißt, Dich trägt kein Automobil in langen Stößen schaukelnd durch die

Gasse; ich sehe nicht die in ihre Kleider gepreßten Herren Deines Gefolges, die

Segensprüche für Dich murmelnd in genauem Halbkreis hinter Dir gehn; Deine

Brüste sind im Mieder gut geordnet, aber Deine Schenkel und Hüften

entschädigen sich für jene Enthaltsamkeit; Du trägst ein Taffetkleid mit

plissierten Falten, wie es im vorigen Herbste uns durchaus allen Freude machte,

und doch lächelst Du – diese Lebensgefahr auf dem Leibe – bisweilen.«

 

»Ja, wir haben beide recht und, um uns dessen nicht unwiderleglich bewußt zu

werden, wollen wir, nicht wahr, lieber jeder allein nach Hause gehn.«