Betrachtung

Franz Kafka · Kapitel 3 von 18

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Betrachtung

Der plötzliche Spaziergang

 

Wenn man sich am Abend endgültig entschlossen zu haben scheint, zu Hause zu

bleiben, den Hausrock angezogen hat, nach dem Nachtmahl beim beleuchteten

Tische sitzt und jene Arbeit oder jenes Spiel vorgenommen hat, nach dessen

Beendigung man gewohnheitsgemäß schlafen geht, wenn draußen ein

unfreundliches Wetter ist, welches das Zuhausebleiben selbstverständlich macht,

wenn man jetzt auch schon so lange bei Tisch stillgehalten hat, daß das

Weggehen allgemeines Erstaunen hervorrufen müßte, wenn nun auch schon das

Treppenhaus dunkel und das Haustor gesperrt ist, und wenn man nun trotz

alledem in einem plötzlichen Unbehagen aufsteht, den Rock wechselt, sofort

straßenmäßig angezogen erscheint, weggehen zu müssen erklärt, es nach kurzem

Abschied auch tut, je nach der Schnelligkeit, mit der man die Wohnungstür

zuschlägt, mehr oder weniger Ärger zu hinterlassen glaubt, wenn man sich auf

der Gasse wiederfindet, mit Gliedern, die diese schon unerwartete Freiheit, die

man ihnen verschafft hat, mit besonderer Beweglichkeit beantworten, wenn man

durch diesen einen Entschluß alle Entschlußfähigkeit in sich gesammelt fühlt,

wenn man mit größerer als der gewöhnlichen Bedeutung erkennt, daß man ja

mehr Kraft als Bedürfnis hat, die schnellste Veränderung leicht zu bewirken und

zu ertragen, und wenn man so die langen Gassen hinläuft, – dann ist man für

diesen Abend gänzlich aus seiner Familie ausgetreten, die ins Wesenlose

abschwenkt, während man selbst, ganz fest, schwarz vor Umrissenheit, hinten

die Schenkel schlagend, sich zu seiner wahren Gestalt erhebt.

 

Verstärkt wird alles noch, wenn man zu dieser späten Abendzeit einen Freund

aufsucht, um nachzusehen, wie es ihm geht.