Der König Candaules, Drama in drei Akten
Personen:
Candaules
Gyges
Phedros
Syphax
Nicomedes
Pharnaces
Philebos
Simmias
Sebas
Archelaos
Der Koch
Nyssia
Trydo
Diener und Musikanten. – Zu alten Zeiten in Lydien.
ERSTER AKT
Die Szene stellt einen Teil eines wohlgepflegten Gartens dar, der zu einem
Festsaal verwandelt ist. Etwas nach rechts ist eine Tafel reich gedeckt.
Prolog:
GYGES: Der, der ein Glück hält, soll sich gut verstecken! Und besser noch: sein
Glück vor Andern. Hier wird Candaules seine Schmeichler lehren, an seinem
Reichtum reich zu werden. Ich kann nicht schmeicheln, nicht schön reden, und
stärker als meine Zunge sind meine Arme. Ich, der arme Gyges, hab' nichts, als
vier Dinge auf der Welt: Meine Hütte, mein Netz, mein Weib und meine Armut.
Ein Fünftes noch: die Kraft, mit der ich mir meine Hütte und meinen Stolz baute,
die sich am Strand die Binsen brach, mein Haus zu decken. Ebbt das Meer, so
sammle ich den Tang – getrocknet gibt er ein rauhes duftendes Lager, auf dem
wir müde ruhn, ich und mein Weib. Zum Morgenaufgang zieh' ich aus, im einen
Arm mein Netz, im andern meine Kraft. Ich fing den Fisch hier. Ich fing ihn,
mein Weib, das wird ihn braten; seit zwei Tagen arbeitet sie draußen in den
Palastküchen. – Wie wenn sein Glück ihm zu groß für einen einzelnen Menschen
schiene, ruft der freigebige Candaules die Könige und Großen seines Reiches um
sich. Man feiert Feste. – Ehemals kannte ich, der arme Gyges, Candaules, den
König. Wir sind gleichen Alters und da wir beide jung waren, kam der kleine
Candaules oft herab zur Küste und spielte da. Er spielte und wollte alle seine
Spiele mit mir teilen, denn er hatte ein gebendes Wesen. Er erinnert sich nicht
mehr daran, weil er reich ist, aber in dem Leben eines Armen bleibt alles. Seit
jener Zeit sah ich ihn nicht mehr. Doch liebe ich Candaules und leide daran, daß ich ihn von solchen schamlosen Schmeichlern und Dummköpfen umgeben sehe,