Goethes Briefe an Auguste zu Stolberg

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 14 von 19

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Goethes Briefe an Auguste zu Stolberg

Der fünfzehnte Brief

 

Danck Gustgen dass du aus deiner Ruhe mir in die Unruhe des Lebens einen

Laut herüber gegeben hast.

 

Alles geben Götter die unendlichen

Ihren Lieblingen ganz

Alle Freuden die unendlichen

Alle Schmerzen die unendlichen ganz.

 

So sang ich neulich als ich tief in einer herrlichen Mondnacht aus dem Flusse

stieg der vor meinem Garten durch die Wiesen fliest; und das bewahrheitet sich

täglich an mir. Ich muss das Glück für meine Liebste erkennen, dafür schiert sie

mich auch wieder wie ein geliebtes Weib. Den Todt meiner Schwester wirst du

wissen. Mir geht in allem alles erwünscht, und leide allein um andre. Leb wohl

grüse Henrietten! Ist das noch eine eurer Schwestern? oder Christels Frau? zwar

sie hat der Brüder Handschrifft! Wenn ich einmal wieder ans Schreiben komme,

will ich ia wol sehn ob ich dadrüber was sagen kan was sie will. Grüse die

Brüder und behaltet mich lieb.

Weimar d. 17. Jul. 77.

Goethe.