
Goethes Briefe an Auguste zu Stolberg
Der Liebe Sehnsucht fordert Gegenwart, schreibt der Herausgeber einleitend über Goethe, der mit jedem Pulsschlag seiner Empfindung nach greifbarer Gegenständlichkeit, nach sinnenfälliger Wirklichkeit drängte und doch einmal geglaubt habe, mit Augen der Sehnsucht den fernenden Nebel durchdringen zu können, der ihm ein leiblich nie geschautes Antlitz verbarg. An dem ergreifendsten Erzeugnis jener aufgewühlten Epoche des Sturm und Drang, an den Leiden des jungen Werthers, hatte sich Auguste Luise Gräfin zu Stolberg-Stolberg entzündet, als sie im Januar 1775 an den ihr fremden Dichter den ersten Brief richtete. Geboren am 7. Januar 1753 als Spross eines uralten niederdeutschen Geschlechts, lebte sie still und bewegt ein unscheinbares, reiches Leben im südlichen Holstein, auf der dänischen Insel Seeland und in den Niederungen der Elbmündung, einer Landschaft im Wechsel von Wiese und Buchenwald, von Moor und Ackerfläche, von schäumender Meeresbrandung und kosendem Landsee.






