Inspiration, Zeit zu leben
Nemo potest personam diu ferre, ficta cito in naturam suam recidunt.
Nemo potest personam diu ferre, ficta cito in
naturam suam recidunt.
Jill
Wir brauchten ungefähr 20 Minuten, bis wir den Park erreicht haben. „Jas, lässt du uns schon mal raus? Alli und ich wollten noch ein bisschen im Park laufen, während ihr einparkt." Jasper nickte einfach nur und stoppte den Wagen.
Als sie ausgestiegen sind, fing er sofort an zu meckern. „Die beiden sitzen auf der Rücktur vorne! Egal ob das mein Auto ist, ich mach das rumgemache nicht mehr mit!" Ich musste lachen. Mir ist das gar nicht mehr aufgefallen, wahrscheinlich weil ich Jasper die ganze angestarrt hatte.
„Das heißt du willst mit mir hinten sitzen?" Er nickte und parkte letzten endes ein.
Gerade als ich aussteigen wollte, lief Jasper um das Auto rum und hielt mir die Tür auf.
„Die Dame." Er lächelte und hielt mir die Hand hin, die ich sofort ergriff. „Danke."
Als ich ausgestiegen war, wollte ich allein weiter gehen. Es wäre dumm gewesen zu denken, dass er mich weiterhin Händchen haltend begleitet. Ich war schon so darauf eingestellt, dass es mich regelrecht schockiert hat, seine Hand noch weiter zu fühlen. Er entzog sie mir nicht und lief mit mir über das Geländes bis zur Eisdiele.
Als wir durch die Tür gingen, sahen wir Alli und Aaron, allein an einem zweier Tisch sitzen.
Na super, jetzt durfte ich mir allein mit Jasper, einen Tisch teilen und aussehen wie eine rote Tomate.
„Was für ein Eis möchtest du, Jill?"
Ich blickte auf. „Ähm, also, mir ist das egal." Er sah mich verwirrt an. „Egal, huh?"
„Ähm, ja, ich esse so ziemlich jedes Eis." Er sagte nichts mehr und deutete auf einen freien Platz auf, den ich mich dann direkt setzte.
Jasper machte sich auf den Weg zur Theke und kam 5 Minuten später mit einem riesen Eisbecher zurück. „Als ich sagte das es mir egal ist was für ein Eis du mir holst, meinte ich nicht, das ich keins möchte!" Ich schaute ihn traurig an. „Wer sagt das ich dir keins mitgenommen habe?" Er sah ein wenig entsetzt aus, aber nicht wirklich entsetzt sondern gespielt. „Guck mal hier." Er hielt zwei Löffel in der Hand und reichte mir den einen.
Jetzt hatte ich auch noch ein schlechtes Gewissen. Toll.
„D-danke." Er lächelte mich an, stellte das Eis auf den Tisch und setzte sich ebenfalls.
„Ich möchte nicht aufdringlich sein oder dich verärgern oder sowas, aber warum bist du eigentlich umgezogen?" Ich schaute ihn geschockt an.
Ich hätte nicht damit gerechnet, dass er mich sowas fragen würde. Nun gut, dann versuche ich mal zu antworten. „A-also. Naja, mein Vater hat sich vor einem halben Jahr von meiner Mutter getrennt und ich war, nein ich bin, ein richtiges Papa-Kind. Sie haben zwar versucht wegen meinem Bruder und mir zusammen zu leben, aber er hielt es mit ihr nicht mehr aus und ist ausgezogen. Für mich ist eine Welt zusammen gebrochen und ich habe Wochen, nein, Monate lang geweint, jeden Abend allein in meinem Zimmer." Ich atmete durch und machte eine kurze Pause. Jasper blickte mich erwartungsvoll, aber auch mitleidig an.
„Ich konnte seit dem Tag an nicht mehr schlafen, es sei denn ich bin vor Erschöpfung zusammen gebrochen.
In der Schule, zuhause, unterwegs und anfangs sogar noch bei Freunden, dann habe ich mich immer mehr zurück gezogen und mir die Schuld für alles gegeben.
Bin in der Schule schlechter geworden, bis meine Versetzung dann gefährdet war."
Wieder atmete ich ein und aus, blickte auf den Boden. „Meine Mutter hat sich für meinen Bruder und mich nicht wirklich interessiert, doch als die Schule dann anrief und sagte das ich nicht versetzt werden sollte, da meine Noten so drastisch in den Keller gesunken sind, hat sie Panik gekriegt.
Sie hat Möglichkeiten abgefragt und der Direktor sagte dann, dass sie einer Versetzung zustimmen würden, wenn ich die Schule verlasse und mir eine neue suche.
Das war dann der Anlass für den Umzug. Sie wollte mir die vertraute Umgebung nehmen, damit ich nicht jeden Tag an meinen Vater erinnert werde, oder eher daran, dass er nicht mehr da ist.
Wir hätten überall hinziehen können, doch Ivo und ich wollten hier her.
Ich war schon einmal hier gewesen mit ihm. Das war an dem Tag wo Vater in Ivos Zimmer kam. Wir saßen auf der Couch und ich hatte mich an ihn gepresst. Er umarmte mich und gab mir ständing Küsse auf meinen Schopf. Meine Eltern hatten sich gerade gestritten und das war das erste Mal, dass ich mitbekommen hatte,dass sie stritten. Ich bin weinend zu Ivo ins Zimmer gerannt, in der Hoffnung er wäre da gewesen. Zu meinem Glück war er das auch und er wusste sofort was los war."
Ich versuchte ihn anzulächeln, doch es war ein schiefes trauriges Lächeln.
„Du musst wissen, Ivo ist mein großer Bruder. Er ist aber nicht nur mein Bruder.
Wenn man es so sieht ist er auch mein bester Freund, mein Halt, meine Stütze und mein Ein und Alles. Manchmal." Ich musste nun wirklich ein wenig lachen. „Manchmal ist er sogar mein fester Freund. Wenn ich mal jemanden eifersüchtig machen wollte oder jemanden von mir fern halten wollte zum Beispiel. Oder bei meinem Ex. Ivo konnte ihn nie leiden und er war immer eifersüchtig auf ihn. Wollte immer wissen was wir machen, wo wir hingehen, wie er mich behandelt und ob er irgendetwas von mir verlangt das ich nicht möchte. Er drohte mir auch damit, ihn zu schlagen, wenn er mir weh tun würde.
Du siehst, Ivo ist alles für mich und ich auch für ihn."
Jasper lächelte auch leicht, sah aber auch ein wenig besorgt aus. Er redete nicht, hörte nur aufmerksam zu. „Ja, auf jeden Fall saß ich dann mit Ivo in seinem Zimmer und dann kam Vater rein.
Er wusste das ich hier war, denn er kannte mich natürlich auch viel zu gut.
Er sah mich wehleidig an und ich wusste sofort was los war. Er kam auf Ivo und mich zu.
Sein Blick war mit Trauer und Hass erfüllt. Dann teilte er uns mit das er heute noch ausziehen wird, dass wir immer in Kontakt bleiben und was der Grund war. Sowas alles halt.
Ivo packte dann ein paar Sachen ein, zog mich ins Auto und fuhr dann mit mir hier her."
Ich atmete erneut durch, foch gerade als ich weiter reden wollte, meldete sich Jas zu Wort.
„Auch wenn das alles nicht schön ist und ich das niemandem wünsche, bin ich verdammt froh das du hier her gezogen bist." Ich sah auf das Eis. Wir hatten es geleert.
„Wollen wir? Aaron und Alli sind noch beschäftigt aber die kommen ja nach." Er nickte, stand auf und zog mich an meinen Armen hoch. Wir gingen durch die Tür und ich lief ein Stück in Richtung Rasen. Dann blieb ich stehen.
Jas nahm meine Hand.
Dann drehte ich mich und ließ mich auf den Rasen fallen. Ich zog ihn mit und so lagen wir beide da. Der Mond ließ alles wundervoll strahlen.
Es war wunderschön hier im Mondlicht zu liegen ohne zu reden. Einfach nur liegen.
Ich drehte mich zu ihm, sah ihm direkt in die Augen.