Ludwig Tieck's Schriften: Dreiundzwanzigster Band

Ludwig Tieck · Kapitel 7 von 7 · Teil 3/3

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Ludwig Tieck's Schriften: Dreiundzwanzigster Band

Pietro von Abano oder Petrus Apone. Eine Zaubergeschichte. 1838.

Dieses Kapitel ist lang und deshalb in 3 Teile geteilt.

auftreten, er bestrebte sich mit Kunst und Bewußtsein, als ein Abgesandter des

Himmels zu erscheinen, und mit erkünsteltem Glanz die gewöhnlichen Söhne

der Menschen zu blenden. Er erfreute sich des Pompes, er ließ sich zwar herab,

aber nur, um den ungeheuren Abstand zwischen ihm und uns noch fühlbarer zu

machen. Schwelgte er nicht in der Bewunderung, die ihm Vornehm und Gering,

Jugend und Alter zollen mußten? Aber mein jetziger Freund (denn das ist er,

weil er sich mir ganz gleich stellt) will nicht groß und erhaben erscheinen, er

belächelt dies Bestreben so vieler Menschen, und meint, schon dies leiste

Gewähr, daß etwas Unächtes, Gebrechliches verhüllt werden solle, denn ein

klares Bewußtsein wolle nur gelten als das, was es sich fühlt, und der größte der

Sterblichen müsse sich ja doch gestehn, daß er eben so, wie der blödsinnige

Bettler auch, nur ein Sohn des Staubes sei.

Du machst mich begierig, sagte Antonio: er kennt also Zukunft und

Vergangenheit? Die Schicksale der Menschen? Und weiß mir zu sagen, wie glücklich oder unglücklich noch meine Verhängnisse seyn werden? Ob gewisse,

geheimnißvolle Wünsche sich erfüllen können? Kann er denn errathen und

entziffern, was mir selbst in meiner eigenen Geschichte undeutlich ist?

Das eben ist seine Weisheit, sagte Alfonso begeistert, daß er durch Buchstaben

und Zahlen auf die einfachste und unschuldigste Weise alles erfährt, wozu jene

Unglückseligen Beschwörungen, Formeln, Heulen, Geschrei und Todesangst

anwenden müssen. Darum findest Du auch jenen widerwärtigen Zauberapparat

nicht bei ihm: keine Kristalle und eingesperrte Geister, keine Spiegel und

Gerippe, kein Rauchwerk und keine fratzenhaften Phantome, sondern er ist sich

selbst genug. Ich sagte ihm von Dir, und er fand in seiner Rechnung, daß ich

Dich heut, in dieser Stunde auf den Stufen der Lateranskirche ganz gewiß

antreffen würde. So ist es nun auch in derselben Minute geschehn.

Antonio wurde begierig, den wunderbegabten Mann kennen zu lernen, und

von ihm sein eigenes Schicksal zu erfahren. Sie speisten in einem Garten und

gingen gegen Abend zur Stadt zurück. Die Straßen waren etwas mehr beruhigt,

sie konnten ungestörter ihren Weg fortsetzen. In der Dämmerung kamen sie in

die Gassen, die sich eng hinter dem Grabmal des Augustus zogen. Sie schritten

durch ein Gärtchen: ein freundliches Licht schimmerte ihnen aus den Fenstern

eines kleinen Hauses entgegen. Sie zogen die Glocke, die Thür öffnete sich, und

mit den sonderbarsten und gespanntesten Erwartungen trat Antonio mit seinem

Freunde in den Saal.

 

———

 

Antonio war verwundert, einen schlichten, nicht großen jungen Mann vor sich

zu sehen, der noch, dem Anschein nach, nicht viel über dreißig Jahre alt seyn

konnte. Mit einfacher Geberde begrüßte er den eintretenden Jüngling wie einen

alten Bekannten. Seid mir willkommen, sprach er mit wohllautender Stimme,

Euer spanischer Freund hat mir so viel Gutes von Euch gesagt, daß ich mich

schon längst auf Euren Umgang gefreut habe. Nur müßt Ihr freilich nicht

wähnen, daß Ihr zu einem Weisen, zu einem Adepten gekommen seid, oder gar

zu einem Manne, vor welchem die Hölle in ihren Grundfesten zittert, sondern Ihr

findet hier einen Sterblichen, wie Ihr seid und werden könnt, so wie jeder, den

die ernsten Studien und die Entfernung vom eitlen Weltgetümmel nicht

abschrecken.

Antonio fühlte sich wohl und behaglich, so sehr er auch überrascht war, er

musterte die Stube, die, außer einigen Büchern und einer Laute, nichts

Ungewöhnliches aufwies. Er verglich in Gedanken dieses kleine Haus und

seinen schlichten Bewohner mit dem Palaste und Gepränge, den Instrumenten und den Geheimnissen seines ehemaligen Lehrers und sagte: freilich sieht man

hier keine Spuren jener hohen und geheimen Weisheit, die mir mein Freund

gerühmt und in welcher Ihr untrüglich seyn sollt.

Castalio lachte herzlich und sagte dann: Nein, mein junger Freund, nicht

untrüglich, denn so weit kommt kein Sterblicher. Seht Euch nur um, dieses ist

mein Wohnzimmer, dort in jener kleinen Kammer steht mein Bett; hier ist weder

Raum noch Möglichkeit, trügerische Anstalten zu verbergen, oder künstliche

Maschinen in Thätigkeit zu setzen. Alle jene Kreise, Gläser, Himmelsgloben und

Sternbilder, die jene Beschwörer zu ihren Künsten nöthig haben, finden hier

keinen Platz, und jene Elenden werden auch nur vom Geist der Lüge

hintergangen, weil sie die Kräfte ihres eignen Geistes nicht wollen kennen

lernen. Wer aber in die Tiefen seiner Seele, von Demuth und frommen Sinn

geleitet, steigt, wem es Ernst ist, sich selbst zu erkennen, der findet auch hier

alles, was er vergebens durch künstliche und verzweifelte Mittel von Himmel

und Hölle erzwingen will. „Werdet wie die Kinder!“ In diesem Aufruf liegt das

ganze Geheimniß verborgen. Ist unser Gemüth ungefälscht, können wir, wenn

auch nur auf Stunden und Augenblicke, das wieder von uns werfen, welches

unsre ersten Eltern mit frevlem Muthwillen an sich zogen, so wandeln wir

wieder im Paradiese und die Natur mit allen ihren Kräften tritt wie damals, im

bräutlichen Jugendalter der Welt, dem verklärten Menschen entgegen. Ist denn

unser Geist nicht eben dadurch Geist, daß körperliche Schranken, verwirrender

Raum und Zeit, ihn nicht hemmen sollen? Er schwingt sich ja schon, von

Sehnsucht und Andacht beflügelt, über alle Sternenräume hinaus, nichts hemmt

seinen Flug, als jene Erdengewalt, die sich in der Sünde erst auf ihn geworfen,

und ihn zu ihrem Knechte gemacht hat. Diese können und sollen wir aber wieder

bezwingen, durch Gebet, durch Zerknirschung vor dem Herrn, durch Erkennen

unsrer großen Schuld und durch ungemessene Dankbarkeit für seine

überschwengliche Liebe, und dann sehn und hören wir, was sich uns durch

Raum und Zeit entzieht, wir sind dort und hier, die Zukunft tritt heran, und

schüttet, so wie die Vergangenheit, ihre Geheimnisse vor uns aus, das ganze

Reich des Wissens, Begreifens steht uns offen, die himmlischen Kräfte werden

freiwillig unsre Diener; und dennoch ist dem ächten Weisen Ein Blick in die

Geheimnisse der Gottheit, Eine Rührung seines Herzens, indem er ihre Liebe

fühlt, mehr und wünschenswerther, als alle Schätze, die sich dem forschenden

Geiste bieten, als alle Enthüllungen der Geschichte und Gegenwart, als die

Kniebeugungen von tausend Engeln, die ihn ihren Meister nennen wollen.

Alfonso sah seinen Freund mit begeisterten Blicken an, und Antonio konnte

sich nicht erwehren, sich zu gestehn, daß ihm hier im Gewande einfacher

Demuth mehr entgegen komme, als ihn aus Apone’s Munde, zur Zeit seiner größten Verehrung des prunkenden Weltweisen, jemals angesprochen hatte.

Faßte er doch jetzt die Ueberzeugung, daß die Weisheit, welche man die

übernatürliche nennt, sich wohl mit Frömmigkeit und der völligen Ergebung in

den Herrn vereinigen lasse.

Wißt Ihr nun von meinen Schicksalen? fragte der Jüngling bewegt; könnt Ihr

mir von meiner Zukunft etwas sagen?

Wenn ich das Jahr, den Tag und die Stunde Eurer Geburt weiß, antwortete

Castalio, mit dem Horoskop, das ich dann stelle, die Lineamente Eures Antlitzes

und die Züge Eurer Hand vergleiche, nachher mit meinem freien Geiste mich der

Anschauung ergebe, so zweifle ich kaum, Euch etwas davon offenbaren zu

können.

Antonio übergab ihm ein Taschenbuch, in welchem sein Vater selbst seine

Geburtsstunde bemerkt hatte. Castalio schenkte den Jünglingen Wein ein, indem

er selber ein wenig von diesem genoß, schlug einige Bücher auf und setzte sich

alsdann zum Rechnen nieder, ohne nebenher seine Gespräche mit den

Jünglingen völlig abzubrechen. Es schien nur, als wenn der junge heitre Mann

ein ganz gewöhnliches Geschäft vornehme, das bei weitem nicht seine ganze

Aufmerksamkeit erfordere. So mochte unter Lachen und fröhlichen Gesprächen

eine Stunde verflossen seyn, als Castalio aufstand und Antonio zu sich in ein

Fenster winkte. Ich weiß nicht, fing er an, wie viel Ihr Eurem Freunde dort

vertraut, was Ihr ihm etwa verschweigen wollt. Er betrachtete hierauf Antonio’s

Gesicht, so wie seine Hände sehr aufmerksam, und erzählte ihm dann

zusammenhängend die Geschichte und das Unglück seiner Eltern, den frühen

gewaltsamen Tod der Mutter, die verirrte Leidenschaft des Vaters, dessen

Ermordung durch seinen frevelhaften Mitschuldigen: hierauf kam er auf

Antonio’s eigne Begebenheiten, wie er den Mörder gesucht und verfolgt, und

selbst von einer Leidenschaft in Padua sei festgehalten worden. Ihr seid also,

beschloß er, was ich nicht ohne Erstaunen erfahren habe, jener Jüngling, der

jüngst die Bosheit des verruchten Apone auf wunderbare Weise entdeckt hat, der

den Schändlichen seiner Strafe überlieferte, obgleich er selbst nur um so

unglücklicher wurde, weil er seine Geliebte zweimal auf entsetzliche Weise

verlieren mußte.

Antonio bestätigte dem freundlichen Manne alles, und hatte ein solches

Zutrauen zu ihm gewonnen, daß es ihm war, als wenn er nur mit sich selber

spräche. Er erzählte ihm hierauf noch von den Abentheuern jener Nacht, der

zweiten Crescentia und jener widerlichen Hexe, die ihm, wie er glauben müsse,

heute von neuem erschienen sei. Könnt Ihr mir nun, fragte er eifrig, sagen, ob

dieses Wahrheit sei, wer jene Crescentia ist, ob ich sie wiedersehn und ihren

Eltern zuführen werde?

Castalio war nachdenklicher als zuvor. Wenn jener abentheuerliche Beresynth,

die Fratze, welche den Zauberer begleitete, sich nicht als Weib verstellt hat, um

den Nachforschungen zu entgehn, so getraue ich mir dieses Weib aufzufinden.

Geduldet Euch nur bis morgen und ich sage Euch Bescheid. Uebrigens sind die

Begebenheiten jener Nacht keine Phantasien Eures Innern, sondern Wirklichkeit

gewesen, damit mögt Ihr fürs Erste Euch und Euren ältern Freund beruhigen.

Nachdenkend verließen die jungen Leute den wunderbaren Mann, und

Antonio dankte dem Spanier herzlich, daß er ihm diese Bekanntschaft verschafft

hatte.

 

———

 

Antonio hatte sich aber nicht getäuscht. Es war wirklich die Alte, die er im

Gedränge wahrgenommen hatte. Sie wohnte in einer kleinen Hütte, hinter

verfallenen Häusern, unweit des Laterans. Verfolgt, dürftig, von aller Welt

verlassen, gehaßt und gefürchtet, war sie hier, im Aufenthalte des Elendes, der

Verzweiflung nahe. Sie wagte es nur selten, sich zu zeigen, und war auch nur an

diesem Tage gezwungen worden, auszugehn, um ihre Crescentia, die ihr

entlaufen war, wieder zu finden. Da jedermann ihr scheu aus dem Wege ging, da

es ihr selbst schwer wurde, nur hie und da ein Almosen zu erhalten, und ihre

ehemaligen Künste keine Liebhaber fanden, so war sie nicht wenig erstaunt, als

sie am Abend an ihre Thür klopfen hörte, indem draußen Geschrei und Lärmen

tobte. Sie nahm ihre Lampe und machte auf, und sah draußen ein Rudel

Gassenjungen und Pöbel, die eine kleine bucklige Figur, die in rothem Sammet

mit Gold phantastisch gekleidet war, verfolgten. Wohnt hier nicht die würdige

Frau Pankrazia? schrie der mißgestalte Zwerg. — So ist es, sagte die Alte, indem

sie mit Gewalt die Thür zuschlug und das Volk draußen mit Schimpfreden zu

vertreiben suchte. — Wer seid Ihr? würdiger Herr, was sucht Ihr bei einer alten

verlassenen Frau?

Setzt Euch nieder, sagte der Kleine, und zündet etwas mehr Licht an, damit

wir uns schauen und betrachten können, und weil Ihr Euch arm nennt, so nehmt

diese Goldstücke, und wir wollen auf bessere Bekanntschaft ein Gläschen Wein

mit einander leeren.

Die Alte schmunzelte, zündete einige Wachskerzen an, die sie in einer

Schieblade verwahrte und sagte: ich habe noch ein Fläschchen guten Florentiner,

ehrwürdiger Herr, der uns schmecken soll. Sie öffnete einen kleinen Schrank und

setzte die rothe Labung auf den Tisch, dem Unbekannten zuerst einschenkend.

Warum nennt Ihr mich ehrwürdig? fragte dieser.

Sagen es die Goldstücke nicht aus, antwortete sie, Euer Wamms, die Tressen darauf, die Feder auf dem Hut? Seid Ihr kein Prinz, kein Magnat?

Nein, schrie der Kleine: ei poz tausend, Muhme, kennt Ihr mich denn gar

nicht? hat man mir doch schon in der Jugend damit schmeicheln wollen, daß wir

uns einigermaßen ähnlich sehen, und wahrlich, wenn ich so Eure Statur,

Physiognomie, den Ausdruck, das Lächeln und das Blinzeln der Augen

unpartheiisch betrachte und erwäge, so sind die Muhme Pankrazia, aus dem

Hause Posaterrena aus Florenz, und der kleine Beresynth, aus der Familie

Fuocoterrestro aus Mailand, so in Verwandtschaftszügen, wie Muhme und

Vetter, sich ähnlich genug.

Jemine! schrie die Alte erfreut, so seid Ihr der Beresynth aus Mailand, von

dem ich in meiner Kindheit wohl habe reden hören? Ei! ei! so muß ich so spät,

im hohen Alter, noch einen so liebwerthen Vetter von Angesicht zu Angesicht

kennen lernen!

Ja, sagte der Kleine, recht von Nase zu Nase, denn die aufgeworfene hohe

Schanze ist doch das größte Knochenstück in unsrem Gesicht. Curiosität halber,

liebe Muhme, probiren wir einmal, ob wir uns wohl einen vetterlichen Kuß

geben können. — Nein, pur unmöglich, die weit ausgestreckten Vorgebirge

rasseln gleich aneinander, und schließen unsre demüthigen Lippen von jeder

sanften Begrüßung aus. Man müßte mit beiden Fäusten die edlen Römernasen

seitwärts zwängen. So. Laßt nicht abschnappen, Frau Muhme, ich möchte eine

Ohrfeige kriegen, daß mir die letzten Zähne ausfielen.

Unter herzlichem Lachen rief die Alte: Ei! so fröhlich bin ich lange nicht

gewesen. Was wollte man denn von Euch da draußen, Vetter?

Was? schrie der Kleine: mich ansehn, sich über mich freuen, weiter nichts. Ist

der Mensch nicht, werthgeschätzte Frau Muhme, eine ganz dumme Figur? Hier

in Rom sind nun seit Monaten Hunderttausende versammelt, ihrem Erlöser zu

Ehren, so wie sie vorgeben, und ihre Sünden abzubüßen, und, so wie ich nur aus

dem Fenster kucke (ich bin erst seit vorgestern hier), sei es auch nur in der

Schlafmütze, oder gar mit ganzer Figur und in meinem besten Anzuge auf den

Markt hinaus trete, so müßte man doch schwören, daß das ganze Gezeug bloß

meinetwegen von allen Ecken Europa’s ausgezogen sei, so kucken, äugeln,

forschen, fragen sie, lachen und freuen sich. Reich, so scheint es, könnte ich

werden, wenn ich mich die Zeit hier für Geld wollte sehen lassen, und wenn ich

ihnen nun einmal umsonst die Freude mache, so schreit und lärmt das dumme

Volk hinter mir drein. Eine Meerkatze, Affen oder Seehunde zu beschauen,

müßten sie sich in Unkosten setzen, und statt meine Großmuth ruhig und wie

gesetzte Leute zu genießen, tobt und schimpft der Pöbel um mich her, und sucht

alle Ekelnamen aus der Naturgeschichte zusammen, um seine krasse Ignoranz an

den Tag zu geben.

Ja wohl, ja wohl, seufzte die Alte: es geht mir nicht besser. Sind die Thiere

wohl so dumm? Da mag einer Nase, Augen und Kinn nach Gutdünken haben,

und es geht ihm ruhig hin.

Seht nur die sonst einfältigen Fische an, fuhr Beresynth fort, welche

philosophische Toleranz! Und unter denen sind manche Kerle doch ganz

Schnauze, und halten den Forschern der Tiefe eine Physiognomie entgegen,

ernst, kalt, ruhig im Bewußtsein ihrer Originalität, und umher krümmelt und

wimmelt es von andren seltsamen Angesichtern, Kiefern, Zähnen, vorgequollnen

Augen und von frappantem Ausdruck aller Art, aber ruhig und still wandelt

jedes Ungeheuer dort seinen Gang, ungeschoren und unmolestirt. Nur der

Mensch ist so thöricht, daß er über das Nebengeschöpf lacht und spottet.

Und worauf, sagte die Alte, läuft denn nun der mächtige Unterschied hinaus?

Ich habe doch noch keine Nase gesehn, die nur eine einzige Elle lang wäre, ein

Zoll, höchstens zwei, kaum drei ist der Unterschied zwischen der sogenannten

Mißgeburt und dem, was sie Schönheit nennen. Und auf den Höcker zu

kommen. Wenn er im Bett nicht manchmal unbequem wäre, nicht wahr, so ist er

eigentlich viel angenehmer, als so ein dummer, gerader Rücken, wo sich bei

manchem großgewachsenen Schlingel die langweilige gerade Linie, ohne

Verzierung und Schnörkel, bis ins Unermeßliche hinauf erstreckt.

Recht habt Ihr, Frau Muhme, rief der schon trunkne Beresynth der Trunknen

entgegen. Was macht denn die Natur, wenn sie solche gerade Katze, solche

sogenannte Schönheit von der Töpferscheibe laufen läßt? Das ist ja kaum der

Mühe werth, die Arbeit nur anzufangen. Aber solche Kabinetstücke, wie wir, da

kann die schaffende Kraft, oder das Naturprinzip, oder Weltgeist, oder wie man

das Ding nennen will, doch mit einer gewissen Beruhigung und Befriedigung

seine Produktion anschauen. Das rundet sich doch, das bricht in merkwürdige

Ecken aus, das zackt sich wie Korallen, springt hervor in Kristallen, formirt sich

wie Basalt, und rennt und springt und hüpfelt in allen Linien um unsern Körper.

Wir, Base, sind die verzognen, verhätschelten Kinder der Formation, und darum

ist der Pöbel der Natur auch so boshaft und neidisch auf uns. Das schlanke

miserable Wesen gränzt an den kläglichen Aal, da ist keine Auferbauung. Von

der dummen Figur zur Seespinne ist schon sehr weit, und wie fern dann

Meerkalb, wie übertreffen wir dieses, so wie den Seestern, Krebs und Hummer,

getreuste Cousine, mit unsern Abnormitäten, die sich in keine Rechnung bringen

lassen. — Wo habt Ihr nur die herrlichen beiden Zähne her? Diese

unvergleichlichen Mordanten figuriren so recht schwarz und düster in der

tiefsinnigen Fugirung Eures unergründlichen Mundes.

O Schäker, o Schmeichler, lachte die Alte, aber Euer liebes Kinn, das sich so

huldreich und dienstfertig hervordrängt und tischartig umbeugt. Könntet Ihr nicht einen ziemlichen Teller bequem darauf setzen, und von ihm ungestört mit

den Lippen herunter naschen, indessen Eure Hände anderswo Arbeit suchten?

Das nenne ich ökonomische Einrichtung.

Wir wollen uns nicht durch Lobeserhebungen verderben, sagte der Zwerg,

sind wir ja doch schon auf unsre Vorzüge eitel genug, die wir uns nicht selbst

gegeben haben.

Ihr habt Recht, sagte sie, aber, was treibt Ihr, Vetter? Wo lebt Ihr?

Kurios genug, antwortete Beresynth, bald hier, bald dort, wie ein Vagabund;

jetzt aber will ich mich zur Ruhe setzen, und da ich hörte, daß noch eine nahe

Verwandte von mir lebte, so wollte ich die aufsuchen, und sie bitten, mit mir zu

ziehn. So komm ich zu Euch. In meiner Jugend war ich Apotheker in Calabrien,

da jagten sie mich fort, weil sie meinten, ich fabrizire Liebespulver. Du liebe

Zeit! als wenn es deren noch bedürfte. Dann war ich einmal Schneider, es hieß,

ich stöhle zu arg; als Pastetenbäcker wieder die Beschuldigung, daß ich Katzen

und Hunden nachstellte. Ich wollte Mönch werden, aber kein Kloster wollte

mich einlassen. Als Doctor sollt’ ich verbrannt werden, denn sie sprachen gar

von Hexerei. Ich wurde gelehrt; schrieb, dichtete, das Volk meinte, ich lästre

Gott und die Christenheit. Nach vielen Jahren kam ich zum weltberühmten

Pietro Apone, und wurde dessen Famulus, nachher Eremit, und was nicht Alles;

am besten, daß ich in jedem Stande Geld gemacht und zurückgelegt habe, so daß

ich meine alten Tage ohne Noth und Sorge beschließen kann. — Und Ihr,

Muhme, Eure Geschichte?

Wie die Eurige, antwortete die Base: man wird immer unschuldig verfolgt. Ich

habe etlichemal am Pranger stehn müssen, aus einigen Ländern bin ich

verwiesen, sie wollten mich unter andern auch verbrennen: es hieß, ich hexte,

ich stöhle Kinder, ich verzauberte die Leute, ich kochte Gift.

Nicht wahr, sagte Beresynth treuherzig, es war auch etwas an diesem Gerede?

Ich muß es wenigstens von mir bekennen, und vielleicht liegt es in der Familie,

daß ich manche dem ähnliche Künste getrieben habe. Zarte Freundin, wer

einmal vom lieben Hexen ein Bischen weg hat, der kann es nachher Zeitlebens

nicht wieder lassen. Das Ding ist wie mit dem Weintrinken. Einmal den

Geschmack gewonnen, und Zunge, Kehle, Gaumen, ja Lung und Leber lassen

von dem Dinge nicht wieder los.

Ihr seid ein Menschenkenner, lieber Vetter, sagte die Alte mit selbstgefälligem

Lächeln. So etwas Mord und Hexerei, Gift und Diebstahl läuft auch beim

Unschuldigsten mit unter. Das Kuppeln hat mir nie einschlagen wollen. Und was

soll man sagen, wenn man an eignen Kindern Undank und Unheil erlebt? Meine

Tochter, die nun gesehn hat, wie ich Hunger und Kummer leiden muß, wie ich

mir an meinem alten Munde absparte, um sie nur schön in Kleidung zu setzen, die ungerathne Dirne hat sich nie von mir erweichen lassen, auch nur einen

Groschen zu verdienen. Früher konnte sie gute Heirathen treffen: Ildefons,

Andrea und noch einige andere tapfere Männer, die unser ganzes Haus und sie

mit erhielten; da brauchte sie den armseligen Vorwand, daß die Herren Räuber

und Mörder wären, denen sie ihr Herz verschließen müsse. Die Männer waren so

großmüthig, daß sie sich wirklich die Dirne wollten antrauen lassen, aber die

dumme Jugend hat weder Verstand noch Tugend. Nun ruhen sie im Grabe, die

vorzüglichen Männer, und sind auf eine schnöde Art umgekommen. Doch das

rührt sie so wenig, wie mein Kummer und Elend, so daß sie nicht drein willigen

mochte, mit einem jungen reichen vornehmen Herrn, dem Neffen eines

Cardinals, zu leben, der unsre ganze Stube mit Gold überziehen konnte.

Weggelaufen ist die einfältige Dirne, und man will sie mir gar nicht wieder

ausliefern. So werden heut zu Tage die Eltern verachtet.

Laßt sie laufen, die Verächtliche, sagte Beresynth, wir wollen ohne sie schon

glücklich miteinander leben, denn unsre Neigungen und Gemüther sind sich

gleich.

Warum aber weglaufen, sagte die Alte, wie eine ungetreue, geprügelte Katze?

Wir hätten uns ja wie Liebende, wie vernünftige Wesen trennen können. Es fand

sich gewiß Gelegenheit, die bleichsüchtige Dirne vortheilhaft zu verkaufen, an

Alt oder an Jung, und das hätte auch wohl gelingen können, wenn sie sich nicht

einen einfältigen jungen Burschen ins Herz geschlossen hätte, den sie liebt, wie

sie sagt.

O hört auf, schrie Beresynth, taumelnd, und schon halb im Schlaf, wenn Ihr

von Liebe sprecht, Base, so verfalle ich in so konvulsivisches Lachen, daß ich

mich in drei Tagen nicht wieder erhole. Liebe! das dumme Wort hat meinem

berühmten Meister Pietro den Hals gebrochen. Ohne den Taranteltanz säße die

große Habichtsnase noch als Professor auf seinem Katheder, und kraute die

jungen Gänse mit Philosophie und Tiefsinn an ihren dummen Köpfen, die ihm

die Gelbschnäbel entgegen reckten. Ja, ja, Alte, das Affenthum von Liebe und

platonischer Seelentrunkenheit hätte uns beiden, Euch und mir, nur noch gefehlt,

um die Wunderthat unsrer heroischen Existenz vollständig zu machen. — Nun

lebt wohl, Alte, morgen in der Nacht um diese Zeit hole ich Euch ab, und dann

trennen wir uns nie wieder.

Vetter, sagte Pankrazia, auf Wiedersehn. Seit Ihr zu mir eingetreten seid, bin

ich ein ganz andres Wesen geworden. Wir wollen in Zukunft eine herrliche

Haushaltung führen.

Haben wir unser Jubeljahr doch nun auch gefeiert, lallte Beresynth, der schon

auf der Straße stand, und in dunkler Nacht nach seiner Wohnung taumelte.

———

 

Antonio hatte indessen den alten Ambrosio und dessen Gattin schon darauf

vorbereitet, daß er gewiß jene widerwärtige Alte, und so auch deren Tochter

Crescentia wieder auffinden würde. Die Mutter glaubte ihm gern, aber der Vater

blieb bei seinen Zweifeln. Noch vor Sonnenuntergang begab sich der Jüngling

mit seinem Freunde wieder zum weisen Castalio. Dieser kam ihnen schon

lächelnd entgegen und sagte: Hier, Antonio, nehmt dieses Blatt, Ihr findet auf

ihm verzeichnet, in welcher Gasse, in welchem Hause Ihr jene Unholdin

antreffen werdet. Wenn Ihr sie aufgefunden habt, werdet Ihr an meiner

Wissenschaft nicht mehr zweifeln.

Schon jetzt bin ich überzeugt, sagte Antonio, ich war es schon gestern. Ihr

seid der weiseste der Sterblichen, und werdet mich durch Eure Kunst zum

glücklichsten machen. Ich gehe, die böse Alte aufzusuchen, und wenn

Crescentia nicht gestorben, oder verloren ist, so führe ich sie in die Arme ihrer

Eltern.

Bewegt und voller Erwartung wollte er sich eilig entfernen, er hatte schon den

Drücker der Thür in der Hand, als sich ein leises ängstliches Klopfen draußen

ankündigte, von einem heisern Husten und Scharren der Füße begleitet. Wer ist

da? rief Castalio, und da die Freunde öffneten, trat Beresynth herein, der sich

gleich in die Mitte des Zimmers stellte, und unter vielen fratzenhaften

Verbeugungen, so wie Verzerrungen des Gesichtes dem weisen Manne seine

Dienste anbot.

Wer seid Ihr? rief Castalio, der sich verfärbt hatte und mit blassem Angesicht

einige Schritte zurückgewichen war.

Ein Bösewicht ist der Verruchte! rief Antonio, ein Zauberer, den wir der

Inquisition überliefern müssen, der verruchte Beresynth selbst ist es, dessen

Namen Ihr, verehrter Mann, schon kennt, und von dem ich Euch erzählt habe.

Meint Ihr, junges Blut? sagte Beresynth mit dem Ausdruck der tiefsten

Verachtung. Mit Euch, ihr Kinder, habe ich nichts zu schaffen. Kennt Ihr mich

nicht? rief er zu Castalio gewendet, und könnt auch meine Dienste nicht

brauchen?

Wie sollt ich? sagte Castalio mit ungewisser Stimme, ich habe Euch nie

gesehn. Entfernt Euch, ich muß Eure Dienste ablehnen. In meinem kleinen

Hause bedarf ich keines fremden Wesens.

Beresynth ging mit großen Schritten auf und ab. Also, Ihr kennt mich nicht?

Kann seyn; man verändert sich manchmal, denn der Mensch bleibt nicht in

seiner Blüthe. Doch, mein’ ich, sollte man mich nicht so bald vergessen, oder mit

andern verwechseln, wie so manchen glatten, fein gemalten, unbedeutenden Tropfen. — Und ihr, indem er sich zu den jungen Leuten wendete, kennt wohl

jenen Weisheitsfinder auch nicht?

O ja, sagte Antonio, er ist unser Freund, der treffliche Castalio.

Da erhub der Kleine ein so ungeheures Lachen, daß Wände und Fenster des

Zimmers erklirrten und wiederhallten. Castalio! Castalio! schrie er wie besessen;

warum nicht auch Aganippe oder Hippokrene? Also, ihr habt den Brill vor den

Augen, mit Kalbsblicken schaut eure Seele aus dem runden Kürbis eurer Köpfe

dumm heraus? Reibt euch die Nase, und seht und erkennt doch euren verehrten

Pietro von Abano, den großen Tausendkünstler aus Padua!

Derjenige, der sich Castalio nannte, war wie ohnmächtig in einen Sessel

gesunken, sein Zittern war so heftig, daß alle Glieder seines Körpers flogen, die

Muskeln seines Antlitzes bebten so gewaltsam, daß kein Zug in ihm

wahrzunehmen war, und nachdem die jungen Leute dies einige Zeit staunend

betrachtet hatten, glaubten sie mit Entsetzen wahrzunehmen, daß aus den sich

verwirrenden Lineamenten die alte Bildung des bekannten greisen Apone

hervorstiege. Laut schreiend erhub sich der Zauberer vom Sessel, ballte die

Fäuste und schäumte mit dem Munde, er schien in seiner Wuth riesengroß. Nun

ja, brüllte er im Donnerton, ich bin es, jener Pietro, und Du, Knecht, verdirbst

mir jetzt mein Spiel, jene junge Brut dort auf einem neuen Wege zu vernichten.

Was willst Du, Wurm, von mir, der ich, Dein Meister, Dich nicht mehr

anerkenne? Zitterst Du nicht in allen Gebeinen vor meiner Rache und Strafe?

Beresynth erhub wieder jenes schallende, entsetzliche Gelächter. Strafe?

Rache? wiederholte er grinsend; Dummkopf ohne Gleichen! Mußt Du denn jetzt

erst merken, daß Dir diese Sprache zu mir nicht geziemt? Daß Du, Gaukler, Dich

vor mir im Staube krümmen mußt? daß ein Blick meines Auges, ein Griff

meines erznen Armes Dich zerschmettert, Du erdgebornes Larvenspiel elender

Künste, die nur ich gelingen ließ?

Ein Scheusal stand im Saal. Seine Augen sprühten Feuer, seine Arme dehnten

sich wie zwei Adlerschwingen aus, das Haupt berührte die Decke; Pietro lag

winselnd und heulend zu seinen Füßen. Ich war es, fuhr der Dämon fort, der

Deine arme Gaukelei beförderte, der die Menschen täuschte, der den Frevel

durch meine Macht erschuf. Du tratst mich mit Füßen, ich war Dein Hohn,

Deine hochmüthige Weisheit triumphirte ob meinem Blödsinn. Nun bin ich Dein

Herr! Jetzt folgst Du mir als mein leibeigner Knecht in mein Gebiet. — Entfernt

euch, ihr Elenden! rief er den Jünglingen zu, was wir noch verhandeln, geziemt

euch nicht zu schauen! Und ein ungeheurer Donnerschlag erschütterte das Haus

in seinen Tiefen, geblendet, entsetzt stürzten Antonio und Alfonso hinaus, ihre

Knie wankten, ihre Zähne klappten. Ohne zu wissen wie, befanden sie sich

wieder auf der Straße, sie flüchteten in einen nahen Tempel, denn eine heulende Windsbraut erhob sich mit Donner und Blitzen, und die Wohnung, als sie hinter

sich sahen, brannte in zerfallenen Trümmern, zwei dunkle Schatten schwebten

über dem Brande, kämpfend, so schien es, und sich in Verschlingungen hin und

her werfend und ringend, Geheul der Verzweiflung und lautes Lachen des

Hohnes erklangen abwechselnd zwischen den Pausen des lautrasenden

Sturmwinds.

 

———

 

Erst nach langer Zeit konnte sich Antonio so viel sammeln, daß er stark genug

war, nach der gegebenen Anweisung das Haus der Alten aufzusuchen. Er fand

sie geschmückt und sie rief ihm frohlockend entgegen: ei! Florentiner! seid Ihr

auch einmal wieder da?

Wo ist Eure Tochter? fragte Antonio, zitternd vor Eil.

Wenn Ihr sie jetzt haben wollt, sagte die Alte, so will ich sie Euch nicht

vorenthalten. Aber bezahlen müßt Ihr rechtschaffen für sie, oder der Podesta von

Padua, wenn er noch lebt, denn sie ist sein Kind, das ich ihm damals gestohlen

habe, weil mir die Herren Markoni ein ansehnliches Stück Geld dafür gönnten.

Wenn Ihr es beweisen könnt, sagte der Jüngling, so fordert.

Beweise, so viel Ihr wollt, rief die Alte, Windeln mit Wappen, Kleider von

damals, ein Maal auf der rechten Schulter, was ja die Mutter am besten kennen

muß. Aber auch Briefe von den Markonis sollt Ihr haben, Schriften vom Podesta

selbst, die ich damals in der Eile mit wegfischte. Alles, nur Geld muß da seyn.

Antonio zahlte ihr alles Gold, was er bei sich trug, und gab ihr noch die

Edelsteine, die Hut und Kleidung schmückten, Perlen und eine goldne Kette. Sie

strich alles lächelnd ein, indem sie sagte: wundert Euch nicht, daß ich so eilfertig

und leicht zu befriedigen bin. Die Dirne ist mir weggelaufen, weil sie keinen

Liebhaber wollte, und steckt im Nonnenkloster bei der Trajanssäule, die

Aebtissin hat sie mir nicht herausgeben wollen, aber meldet Euch nur dort, das

junge Blut wird Euch von selbst in die Arme springen, denn es träumt und denkt

nur von Euch, so habt Ihr ihr thörichtes Herz bezaubert, daß sie seit jener Nacht,

der Ihr Euch wohl noch erinnern werdet, kein vernünftiges Wort mehr

gesprochen hat, daß sie weder Liebhaber noch Mann mehr leiden konnte. Froh

bin ich, daß ich sie so los werde, ich gehe mit einem vornehmen Vetter, Herrn

Beresynth, der mich eigen dazu aufgesucht hat, noch heut Nacht auf seine Güter.

Lebt wohl, junger Narr, und seid mit Eurer Crescentia glücklich.

Antonio nahm alle Briefschaften, die Kleidungen des Kindes, alle Beweise

ihrer Geburt. In der Thür begegnete ihm schon jener Furchtbare, der sich

Beresynth nannte. Er eilte, und war so leichten Herzens, so beflügelt, daß er den Sturm hinter sich nicht vernahm, der die Gegend zu verwüsten und die Häuser

aus ihren Gründungen zu heben drohte.

Bei nächtlicher Weile untersuchten die überglücklichen Eltern die Briefe, und

diese, so wie die Kleider überzeugten sie, daß diese zweite Crescentia ihr Kind

sei, die Zwillingsschwester jener gestorbenen, die sie in der Taufe damals Cäcilie

genannt hatten. Der Vater holte am Morgen das schöne bleiche Mädchen aus

dem Kloster, die sich wie im Himmel fühlte, edlen Eltern anzugehören, und

einen Jüngling, der sie anbetete, wieder gefunden zu haben, dem sie in jener

Nacht auf ewig ihr ganzes Herz hatte schenken müssen.

Rom sprach einige Zeit von den beiden Unglücklichen, welche das Gewitter

erschlagen hatte, und Ambrosio lebte nachher mit seiner Gattin, der wieder

gefundenen Tochter und seinem Eidam Antonio in der Nähe von Neapel. Der

Jüngling verschmerzte im Glück der Liebe die Leiden seiner Jugend, und an

Kindern und Enkeln trösteten sich die Eltern über den Verlust der schönen und

innig geliebten Crescentia.

Anmerkungen zur Transkription

 

Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Im Original g e s p e r r t hervorgehobener Text wurde

in einem anderen Schriftstil markiert. Textstellen, die im Original in Antiqua gesetzt sind,

wurden in einem anderen Schriftstil markiert.

 

Die variierende Schreibweise des Originales wurde weitgehend beibehalten. Lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert, teilweise unter Verwendung weiterer Ausgaben, wie hier aufgeführt (vorher/nachher):

 

... Gesprächen zu und wünschte sowie die Andern über ungesalzene ...

... Gesprächen zu und wünschte so wie die Andern über ungesalzene ...

... in dieseir Hinsicht so vieles zu verbessern ist. ...

... in dieser Hinsicht so vieles zu verbessern ist. ...

... Schon n der Nähe des freundlichen Thorschreibers fielen ...

... Schon in der Nähe des freundlichen Thorschreibers fielen ...

... hatte, hielt, nachdem viel über die Fortschritte in ...

... hatten, hielt, nachdem viel über die Fortschritte in ...

... verließen sie die Chausse, um auf schlechten Wegen nach dem ...

... verließen sie die Chaussee, um auf schlechten Wegen nach dem ...

... Stücke, die gespielt wurden. Sie waren so origiginell, ...

... Stücke, die gespielt wurden. Sie waren so originell, ...

... selsam zu seyn glaubt, die Stellen nachweisen, die er nur ...

... seltsam zu seyn glaubt, die Stellen nachweisen, die er nur ...

... Eulen und Fledermäuse gehören, mit meiner Nachwelt, die ...

... Eulen und Fledermäuse gehören, mit meiner Nachtwelt, die ...

... und zukneifend, und sucht aus und wählt, hebt auf und registirt, ...

... und zukneifend, und sucht aus und wählt, hebt auf und registrirt, ...

... kommen, denn Schmaling war zu sehr von Ehrfurch durchdrungen, ...

... kommen, denn Schmaling war zu sehr von Ehrfurcht durchdrungen, ...

... zu denen ihn aber der forschende Graf in künstlichen Wendnngen ...

... zu denen ihn aber der forschende Graf in künstlichen Wendungen ...

... Freigeist und Uebervernünftigen so mit beiden Beiden in die ...

... Freigeist und Uebervernünftigen so mit beiden Beinen in die ...

... Verbindungen nicht, und wußte eben so wnig, wie diese jetzt ...

... Verbindungen nicht, und wußte eben so wenig, wie diese jetzt ...

... flehenden Blick für ihre Mutter ein, daß se n Zorn entwaffnet ...

... flehenden Blick für ihre Mutter ein, daß sein Zorn entwaffnet ...

... der Erde dorthin zogen, zu zersteuen, und seinen Freund ...

... der Erde dorthin zogen, zu zerstreuen, und seinen Freund ...

End of Project Gutenberg's Schriften 23: Novellen 7, by Ludwig Tieck

 

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